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Benutzerbild von RunningVoice

Heute war es soweit. Mein 4. Marathon wollte gemeistert werden. Letztes Jahr bin ich bei der Schönbuch-Trophy bei herrlichstem Wetter mitgelaufen. Es war so super gewesen, dass ich mich dieses Jahr auch wieder angemeldet hatte. Die Strecke ist etwas verlängert worden, um eine Straßensperre zu vermeiden. Über 950 Höhenmeter auf Waldwegen standen auf dem Programm.

Heute Nacht hat es geschüttet. Ununterbrochen geschüttet. Der Regen an den Vortagen war auch nicht wenig. Und es regnete weiter. Das alles war den Wald-Trails nicht zuträglich. Diese hatten sich in wahre Schlammsuhlen verwandelt. Wengistens war der Regen beim Start nicht mehr so heftig. Es blieb beim leichten tröpfeln. Wengistens etwas.

Bei 8 Grad und Wind ging es auf die Strecke. Das Kopfsteinpflaster am Anfang und die vielen Stufen zum Herrenberger Schloß waren zum Einlaufen gerade richtig. Doch nach 500m Strecke wussten wir, was auf uns zu kam. Ein ganz normaler Weg war dort schon eine Rutschpartie. Der Schlamm spritzte sofort bis auf Kniehöhe. Die Füße blieben noch leidlich trocken. Das änderte sich an der ersten Bergabstelle nach 3 km. Dort war der Weg nur noch Morast. Ausweichen unmöglich. Also hindurch. Ab jetzt waren die Schuhe durchtränkt. Die Schlammschicht konnte in weiteren Pfützen ja immer wieder runtergewaschen werden. Und wenn die Füße einmal nass sind, macht es dem Trail-Läufer nichts mehr aus, beim nächsten Schlammbad mitten hindurch zu laufen.

Schwierig waren nur die steilen Bergauf- und Bergabstücke. Hier hätte ich mir eine Haltekette gewünscht, wie sie manchmal in Klettersteigen zu finden sind. Ein Hochkommen war fast unmöglich. Der Schlamm war einfach zu rutschig. Gut, dass es ein paar Bäume und Sträucher am Rand gab, an denen man sich etwas festhalten konnte.

Die breiteren Waldwege waren dagegen eine echte Erholung. Hier galt es, etwas Tempo zu machen. Nach 17 km kam die erste Zeitnahme. Genau 2h. Gar nicht schlecht für meine Verhältnisse und insbesondere bei den Bedingungen. Die Beine fühlen sich allerdings schon so schwer an, dass ein Gedanke an Aufgeben aufflackerte. Aber dieser Gedanke wurde schnell beiseite gefegt. Weiter.

Und wieder geht es steil bergauf. Selbst gehen ist anstrengend, wenn sich die Schuhe am Untergrund festsaugen. Und immer wieder rutscht man auch seitlich weg. Irgendwie komme ich auch hier hoch. Die Beine fühlen sich an wie Blei. Mitläufer ziehen mir davon. Breche ich so in meiner Leistung ein? Kopf sagt "nein". Gel rein und laufen.

Dann kommt der schwierigste Abstieg. Aber hier zeigt sich, dass ich mit meinem leichten Gewicht und ausreichend Training auf Trails ganz gute Karten habe. Ich überhole in dem kurzen Trailstück eine ganze Reihe von Läufern, und hab wieder Vorsprung. Die Trailabschnitte haben zudem die Muskeln wieder gelockert. Auf dem nächsten geraden breiten Weg kann ich wieder das Tempo anziehen. Geht doch!

Doch schon schlammen wir uns den nächsten Berghang wieder rauf. Die Schuhe können nicht mehr schwerer werden. Schlamm und Wasser haben schon längst das maximal mögliche erreicht. Ein paar feste Tritte auf festem Untergrund lassen doch wieder ein paar Gramm los.

So langsam kommt mir der Gedanke, dass sich zwar die Beine wie Blei anfühlen, aber ich trotzdem gar nicht so viel langsamer bin als im Vorjahr. Und das bei den Bedingungen. Das motiviert für die nächsten Kilometer. Trotzdem wirkt nun jede kleinste Steigung wie ein steiler Berg. Im Gelände hilft man sich. Bei einer Bachüberquerung (der Stein in der Mitte ist untergegangen) reicht mir ein Läufer am anderen Steilufer die Hand und ich komme gut auf der Gegenseite hoch. Geschafft.

Die letzten Kilometer zähle ich im Countdown runter. Aufgeben ist schon lange keine Option mehr. Aber nun haben wir einen Wegabschnitt vor uns, wo ich gar nicht mehr weiß, wie ich da durch kommen soll. Der Weg ist ein Schlammsee von ungeahntem Ausmaß. Die Soße ist mehr als knöcheltief. Das kann doch einfach nicht sein! Die Wegmarkierungen sind hier aber eindeutig. Da geht es lang. Also rein in den Schlamm und hoffen, dass der Schuh nicht stecken bleibt. Das ganze ist extrem Kräfteraubend. Soviele Gels mag mein Magen gar nicht aufnehmen, wie ich hier verbrauche. Der Blick für den wunderschönen Naturpark bleibt heute am Boden kleben. Jeder Schritt will überlegt sein.

Der Regen hat aufgehört und die Sonne kommt sogar für eine paar Momente durch. Die Schlammschlacht macht ja auch Spaß! Wo ich sonst schon mal ausweichen würde, entschließe ich mich im letzten Drittel des Laufes, mit viel Freude immer mitten hinein in die Schlammlöcher zu treten. Da, wo besonders viel Wasser fließt, gibt es wenigstens einen festeren Untergrund. Und so spulen sich die Kilometer runter.

Ich muss zugeben, nach dem letzten Schlammweg-Anstieg waren meine Beine dann doch am Limit. Kurz nach der letzten Verpflegungsstation passiert es dann auch. Ich übersehe eine Wurzel im Matsch und hab es wohl auch nicht mehr geschafft, die Füße hoch genug zu heben. Und schon liege ich der Länge nach auf dem Boden. Sofort springen aber Helfer herbei und heben mich wieder auf die Füße. Nix passiert, nur eingesaut. Und weiter.

Ab jetzt ermahne ich mich, Füße hoch, aufpassen, und zähle mich mit 100 Schritteinheiten immer näher ans Ziel. Noch ein letzter kurzer knackiger Anstieg auf den Schloßberg. Dann geht es die vielen Stufen zum Marktplatz hinunter. Ich wundere mich, dass meine Beine den Abstieg so gut wegstecken.

Unten werde ich schon empfangen. Mein Nachbar läuft ein kurzes Stück mit mir über. Dann ist der Zielbogen da. Geschafft. Nur 10 Minuten länger als letztes Jahr, obwohl die Strecke etwas über 1 km weiter war. Ich kann nur über mich staunen. Die Finisher-Holzmedaille trage ich mit besonderem Stolz.

Das war mit Abstand der schwierigste Lauf in meinem Leben. Und, wenn man es genau nimmt, sogar mein erster Ultra :-). Sollte ich doch einmal über den Rennsteig nachdenken? Doch nun pflege ich erst einmal meine müden Beine und genieße mit Würde den anstehenden Muskelkater. Was für ein toller Lauf!

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Rennsteig

Nicht nachdenken, machen ;-))

Glückwunsch!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Schlammschlacht in der grünen Hölle des Schönbuchs

Was für ein Lauf, was für Trails! Das, was du schreibst, kann ich nur bestätigen. Ja, mit dem Wetter haben wir regelrecht Glück gehabt. Auf der Hinfahrt hatte es ziemlich geregnet und dann nochmal so richtig auf der Heimfahrt. Während des Marathons war es dann sogar weitgehend "trocken" ;-))

Saustark gelaufen und fetten Glückwunsch! :-)

Mit Stil ins Ziel!

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