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Benutzerbild von mbthree

Eines vorweg: Nein, es ist kein Flugzeug am BER gestartet. Lediglich knapp 7.000 Läufer haben den Flughafen am letzten Samstag beim Airport Night Run unsicher gemacht. Und ich mitten unter ihnen.

Ich habe letztes Jahr nach mehrjähriger Laufpause wieder mit dem Laufen begonnen und mich in die Winterpause mit zwei Halbmarathons verabschiedet. Im Winter reifte dann der Entschluss, dieses Jahr einmal in meinem Leben einen Marathon anzugehen. Doch als Zwischenziel bis es im August in Rostock soweit ist, sollten kürzere Wettkämpfe die Motivation erhalten. Der Airport Night Run war nun der erste Leistungstest.

Meine Vorbereitung begann schon im Februar und lief überraschend gut. Deshalb nahm ich mir vor, meine Bestzeit von 1:36:29 anzugehen und habe mir 1:35 h als Ziel gesetzt. Doch ich scheiterte bereits einmal kläglich bei dem Versuch eine neue Bestzeit aufzustellen, brach beim Teltowkanal Halbmarathon nach knapp 10 völlig überdrehten Kilometern komplett ein und kassierte mit 1:41:31 einen deutlichen Dämpfer. Ich sollte gewarnt sein.

17:30
Doch vor Ort sind die Zweifel schnell vergessen. Viele hochmotivierte Gesichter um mich herum, eine fast surreale Flughafenkulisse und die Zuschauermenge lassenschnell nur noch einen Gedanken zu:
„Heute renne ich, was das Zeug hält, ausruhen ist später.“ So ging ich an den Start.

18:55
Zum Glück haben die Organisatoren das Feld in Startblöcke eingeteilt. Mit meiner offiziellen Zielzeit von 1:40 darf ich in den ersten Block. Bei meinen Läufen 2015 stellten sich die Läufer dagegen völlig willkürlich auf. Dort bestanden die ersten Minuten meist aus teils waghalsigen Überholaktionen. Das würde diesmal nicht so sein.

19:00
Bei einem bleibt sich der BER treu: Verspätungen. Der Start wird um 5 Minuten verschoben. Die Spannung im Feld und in mir wächst.

19:05
Es geht los. Natürlich beginnen auch diesmal sofort wieder Positionskämpfe. Doch die Strecke ist breit genug zum Überholen und die Läufer im Startblock sind alle ähnlich schnell. Niemand muss wirklich abbremsen und auch ich laufe locker los. In meinem Ohr singen die Fantastischen 4 ihren Song „25“ und es geht dahin. Der erste Kilometer ist nach in knapp 4 Minuten geschafft.

19:10
Schnell, viel zu schnell. Wie damals am Teltowkanal, wo ich den ersten Kilometer ebenfalls in knapp unter 4 Minuten anlief. Ich beginne zu überlegen. Doch ich habe meinen Laufrhythmus nach dem Start schnell gefunden und bremse ihn nicht ein. Das Feld ist schon weit aufgereiht und gut sortiert.

19:15
Ich laufe fast allein. Nach vorn immer ca. 10 bis 20 Meter zum nächsten Läufer. Hinter mir einige Läufer, ab und zu werde ich passiert. Kilometer 3 liegt nach 12:30 Minuten hinter mir. Das Tempo ist noch immer sehr hoch, deutlich über meinem normalen Lauftempo. „Ausruhen ist später“
19:30
So eine Start- und Landebahn zieht sich. Ich habe die Eintönigkeit etwas unterschätzt und vor allem habe ich niemanden, der richtig mit mir läuft. Seitlich hinter mir läuft seit Kilometer 2 eine Frau, die immer wieder kurz zum Überholen ansetzt, sich dann aber doch wieder zurück nimmt. Wir kommen zur Wende bei ca. 6 Kilometern. Jetzt weht uns ein leichter Wind entgegen, ich wünschte, ich hätte jemanden vor mir.

19:45
Der Rückweg zum Terminal ist geschafft, das Gebäude gibt Windschatten. Ich wurde inzwischen von einigen Läufern überholt, doch mein Tempo passt, zumindest für den Moment. 10 Kilometer passiere ich in einer für mich neuen Rekordzeit von 42:45 Minuten. Kurz später geht es am Start-Ziel Bereich vorbei in die abschließende 10 Kilometer Runde.

20:00
Der Weg hinaus auf der Startbahn wird von einem tollen Sonnuntergang begleitet. Ich habe seit langem nur noch wenige andere Läufer im Blick. Doch das beginnt sich zu ändern. Der 10 Kilometer Lauf startete 25 Minuten nach dem Halbmarathon. Und wir laufen jetzt auch die 10 Kilometer Runde zum Abschluss. Deshalb holen wir einige der Läufer nach und nach ein. Und es werden immer mehr.

20:15
Die zweite Wende ist geschafft. Ich habe inmitten der 10 Kilometer-Läufer jedoch mein Tempogefühl verloren. Die Läuferin, die mich lange auf der ersten Runde begleitete, musste ich ziehen lassen. Sie wird im Ziel zweitbeste Frau sein und hat sich meinen ganzen Respekt und Bewunderung für die tolle Laufeinteilung und ihre Kampfkraft verdient. Für mich aber geht es jetzt wieder gegen den Wind. Die Muskeln sind müde, ich muss kämpfen.

20:20
Die Rechenspiele beginnen. Kilometer 17 bei knapp 1:15 Stunden passiert. Selbst mit einem Einbruch auf 5 Minuten pro Kilometer würde ich 1:35 Stunden schaffen. Sogar 1:32 Stunden sind theoretisch möglich, nur meine Muskeln machen zu. Ich gebe Gas so gut ich eben kann und hoffe das Beste.

20:30
Die Strecke wird zum Ziel hin enger und die Anzahl 10 Kilometer Läufer nimmt weiter zu. Inzwischen quäle ich mich, passiere kurz darauf die 20 Kilometer Marke. Doch ein Endspurt ist nicht mehr drin. Im Gegenteil, ich fühle richtig, wie ich immer langsamer werde.

20:35
Es geht die Auffahrt zum Zielbereich hoch. Die Strecke ist jetzt eng und komplett voll. Ich bin fertig, versuche aber trotzdem auf den letzten Metern die Stimmung zu genießen. Dann kommt die lang ersehnte Zielgerade, endlich. Ich laufe über die Ziellinie bei 01:32:33.

Gern hätte ich 3 Sekunden noch irgendwo rausgeholt, doch das ging nicht. Aber egal, für mich ist das Ergebnis eine echte Fabelzeit, mit der ich nicht gerechnet habe. Schließlich laufe ich erst wieder seit August letzten Jahres und habe über den Winter etwa 3 Monate ausgesetzt. Ich fahre euphorisiert heim, wo ich erstmal die Beine hochlege und mich den gesamten Sonntag in Ruhe regeneriere.

Irgendwann möchte ich die 1:30 Stunden für einen Halbmarathon noch Schaffen, aber jetzt geht es erstmal weiter mit dem Training in Richtung Marathon - und zum nächsten Zwischenziel, dem BIG 25, den ich unter 2 Stunden laufen möchte. Sollte möglich sein, nach dem tollen Auftakt der Laufsaison!

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Wuuuuuusch - und weg!

Klasse - wünsche Dir weiter so viel Biss und Durchhaltevermögen.

Gratulation zur PB!

Du hast den Sonnenuntergang noch gesehen...

... als ich zum zweiten Mal Richtung Westen lief, war die Sonne schon weg. Stimmt, der zweite Rückweg war anstrengend.

Herzlichen Glückwunsch zur Spitzenzeit!
yazi

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