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Benutzerbild von dfrobeen

Neulich durfte ich Zeuge eines Besuches bei einem Neurologen sein, der mich in kürzester Zeit mit derart vielen Sprüchen begeisterte, dass ich echt Mühe hatte mir diese alle zu merken. Jeder einzelne war es aber wert gemerkt zu werden. Es würde sicherlich einige Gelegenheiten geben, den einen oder anderen mal zur Belustigung meiner Mitmenschen eiskalt rauszuhauen.

Für diesen Blog am zutreffendsten war der vielleicht noch „normalste“ Spruch: „Joggen? Lassen Sie das bleiben! Joggen tun nur Leute, die vor etwas wegrennen“. Ich war zum Glück nicht der behandelte Patient und konnte mit einem leichten Schmunzeln beim Gespräch dabei sein und habe schön den Mund gehalten, dass ich wahrscheinlich mehr jogge als 99% der Bevölkerung.

Der Vollständigkeit halber – und bevor ich die Brücke von oben genanntem Spruch zum eigentlichen Thema schlage – aber die Ausage, die mir noch am prägnantesten hängen geblieben war. Es ging nach der Frage des Joggens nämlich dann ums Fahrradfahren, ganz konkret um Mountain Bike. Hier äußerte sich der werte Mann im weißen Kittel mit der Aussage „Mountain Bike fahren? Lassen Sie das bleiben! Mountain Bike fahren ist chronisch suizidal“. Der Mann hat generell ein Problem mit Sport und auf die Frage, ob er denn selber nicht aktiv sei antwortete er „ich mache seit 40 Jahren keinen Sport – was meinen Sie warum ich so gesund bin?“

OK, jede Jeck ist anders, aber dies soll ein Wettkampfblog zum Laufen sein. Ganz konkret ging es um den Celler Wasa Lauf am vergangenen Sonntag. Ach herrje, was haben wir schon für Feste in Celle gefeiert. Jahr für Jahr bin ich meine 20km dort gelaufen und habe immer gemerkt, wie herrlich das Training auf den bevorstehenden Frühjahrsmarathon anschlug.

Im Moment ist alles anders und ich suche noch nach meinem Weg – wenngleich ich der Meinung bin zumindest von niedrigstem Niveau kommend, auf meinem Pfad steil aufwärts unterwegs zu sein. Im letzten Sommer hatte ich meinen Radsturz in Roth und konnte danach 10 Wochen gar keinen Sport machen. Irgendwie habe ich die Kurve dann noch bekommen und ein paar wenige Wettkämpfe gemacht, auf die ich mich so lange gefreut hatte und letztlich als Höhepunkt den New York Marathon in 3:12:irgendwas gelaufen.

Danach bin ich trotz der langen Pause im Sommer in die gewohnte Offseason gegangen und war der Meinung, dass ich zum Frühjahr hin ja wieder voll angreifen könne. Der Gedanke wurde dann durch eine glückliche Fügung gestützt, dass ich endlich mit meinem Arbeitgeber das offene Wort fand, wir uns einigten perspektivisch getrennte Wege zu gehen, ich aber noch zum Abschied insgesamt 5 Monate Freistellung aushandeln konnte. Ich dachte noch wie herrlich das wäre, wenn ich jetzt tage-, wochen-, sogar monatelang Zeit habe wie ein Profi zu trainieren und ließ es in meinen Gedanken schon Bestzeiten regnen. Aber am Ende sollte es ganz anders kommen.

Die Freistellung war toll und ich habe sie optimal genutzt - nur das Ding mit dem Sport kam irgendwie zu kurz. Ich habe einfach meine Prioritäten anders gesetzt und endlich mal all die Dinge gemacht, die sonst im Alltag so liegen bleiben. Ich habe ganz viel Zeit mit meinem Sohn verbracht und als dann auch klar absehbar war, wo die Reise beruflich hingehen sollte, habe ich dann den nächsten Turbo gezündet und bin maximal um die Welt gereist.

Auch da hatte ich nochmal Hoffnung, dass ich in meinen Reisezielen wie Lissabon, Dubai, Los Angeles, Doha, Tokyo ganz viel Gelegenheit haben werde um meine Frühjahrsform aufzubauen. Aber auch da realisierte ich allzu oft, dass es gar nicht so leicht ist in einer fremden Stadt eine geeignete Route zu finden um spezielle Trainingsformen wie Tempodauerläufe, Intervalle oder konstante lange Läufe durchzuführen. Klar konnte man überall laufen und es war zum Teil toll die Städte auf Laufschuhen zu erkunden. Aber es hatte alles irgendwie keinen richtigen Plan.

Der Höhepunkt war dann meine Zeit bei meiner Familie in der Nähe von Los Angeles. Es war phantastisch, dass ich erstmals auf meinen Reisen dorthin meinen Sohn mitnehmen konnte und es war ebenso phantastisch zu erleben, wie er mit seinen 5 Jahren diese 2 Wochen maximal aufgesaugt hat und das Erlebnis seines bisherigen Lebens gemacht hat. Obwohl diese 2 Wochen formal die ersten beiden Wochen meines Steffny-Plans in der Vorbereitung auf den Boston Marathon war, habe ich hier einfach komplett aufgegeben. Dieser Urlaub war für meinen Sohn und diesen wollte ich nicht durch irgendwelche komplizierten Aktionen durcheinander bringen, damit ich meinen Sport mache. Ich habe also genau gar nicht trainiert.

Die Quittung kam dann recht flott. Denn sowohl wenn ich vor Los Angeles, als auch die ersten Versuche strukturierten Trainings danach in Tokyo anging, waren die Läufe einfach verheerend schlecht. Ich hatte keine Ahnung was los war. Klar, hatte ich nicht viel trainiert, aber nach dem Sturz hatte ich 10 Wochen nichts getan und war trotzdem danach signifikant schneller.

Ich fing also an zu überlegen, was ich daraus mache. Ich hatte nach Los Angeles nur noch 8 Wochen Vorbereitungszeit bis zum ersten Jahreshöhepunkt, dem Boston-Marathon. Und ich habe ein klares Ziel für diesen: Ich brauche noch eine Qualifikationszeit um Boston 2017 zu laufen und dazu brauche ich bis Anfang September eine Marathonzeit unter 3:10h. Ich hatte schon geprüft, ob es nicht noch irgendeine andere realistische Gelegenheit gibt die Quali später im Jahr zu laufen. Aber realistisch ist das nicht, denn nach Boston geht die Triathlonsaison los und da laufe ich auch nicht so im Vorbeigehen einen flotten Marathon. Also wird Boston eigentlich meine einzige Chance und ich lebe noch den Traum die Quali dort zu holen und meinen Streak an Boston-Marathon-Teilnahmen aufrecht halten zu können.

Also lautet das Motto jetzt maximal Gas zu geben und zu retten, was noch zu retten ist. In Tokyo erlebte ich so eine Art Kickoff, trainierte halbwegs regelmäßig (wenn auch mit furchtbar schlechten Zeiten) und fand den Höhepunkt, indem ich im Rahmen des Tokyo-Marathon meinen ersten langen Lauf der Vorbereitung lief und bei eben diesem insgesamt 30km mit dem Feld mitlief. Danach trudelte ich in meiner neuen Heimat Berlin ein und fand noch bessere Gelegenheiten an um endlich wieder einen strukturierten Tagesablauf zu haben und demzufolge auch vernünftig zu trainieren. Und auch neue „Hausstrecken“ fanden sich schnell.

Es wird also von Tag zu Tag besser – aber immer noch auf einem miserablen Niveau. Und vergangenen Sonntag stand dann der erste Test an um zu sehen, wo ich wirklich stehe. In weiser Voraussicht hatte ich für den Wasa Lauf schon mal nicht wie sonst die 20, sondern lediglich den 10km-Lauf gemeldet. Mir war die Tage und Stunden vor dem Rennen einfach nur nach Wegrennen (und damit schlage ich die Brücke zum oben zitierten Neurologen). Aber anderseits würde es das auch nicht besser machen und erst nach dem 10er kann ich mir ein Bild machen, was ich in Boston wirklich laufen kann. Um also nicht weiter vor einer klaren Leistungsindikation wegzulaufen, musste ich einen 10km-Wettkampf laufen. Mit diesem Gedanken hätte ich den oben genannten Neurologen wahrscheinlich komplett überfordert.

So stand ich also am Sonntag an der Startlinie und dachte ich sei im falschen Film. Ich würde Minuten hinter meiner 2 Jahre alten Bestzeit hinterher hinken – und so kam es auch. Aber dennoch hatte ich mich mit Würde geschlagen. Es hätte nämlich auch wirklich noch schlimmer kommen können und letztlich rettete ich eine ansonsten völlig indiskutable 42:20 Minuten ins Ziel. Der Lauf selbst war eigentlich maximal unspektakulär. Ich lief mit dem großen Pack los, fand schnell ein Tempo was ich dachte über die 10km halten zu können. Die gute Nachricht war, rückblickend betrachtet, dass ich das Tempo (Durchschnitts-Pace) wohl noch einige km weiter hätte laufen können. Die schlechte Nachricht ist aber, dass ich dennoch keinen einzigen meiner Kilometer hätte schneller laufen können.

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Jetzt bin ich wenigstens etwas schlauer was in Boston so gehen könnte…oder eben nicht. Mein schlaues Buch von Herbert Steffny liefert mir Umrechnungsfaktoren von 10km auf Halbmarathon und Marathon. Mit meiner 42:20 könnte ich demnach bei optimaler Vorbereitung in Boston eine 3:19 Stunden laufen – das wäre genau 9 Minuten zu langsam. Es ist wahrscheinlich ziemlich unrealistisch diese in den jetzt noch verbleibenden 4 Wochen aufzuholen, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Was mich aufbaut ist, dass ich die Zeiten ja schon mehrfach gelaufen bin und ich insgesamt gerade das Gefühl habe in einem vernünftigen Trainingsrhythmus eingetaucht zu sein. In gut einer, bzw. spätestens in zwei Wochen sollte ich noch schauer sein, dann stehen die nächsten Testwettkämpfe an. Jetzt mache ich mal ein ruhiges Wochenende, bin in den letzten 4 Tagen über 82km gelaufen, davon meine erste lange Kante, wo ich konstant das Tempo halten konnte, sowie 10mal 1000m Intervalle, die mir hoffentlich helfen an den 9 Minuten weiter zu knabbern. Wir werden sehen…

5
Gesamtwertung: 5 (8 Wertungen)

Teilhaben lasseb

Ich finde es ganz großartig, dass Du mit deinen Blogs auch die Möglichkeit gibst, hinter die (deine) Kulissen zu schauen.
So wie ich das verstehe hat der Sturz in Roth physisch keine bleibenden Schäden hinterlassen - in deinem Leben aber weit mehr ausgelöst hat! Chance ergriffen!
Ich denke Trainingsrückstände sind da echte Luxusprobleme, zumal ich gern mal eine indiskutable 42:20 laufen würde!

So wie dir Boston am Herz liegt bin ich mir sicher, dass Du auch 2017 einen Weg dorthin finden wirst!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Manchmal hat das Leben Priorität

und der Rest kommt irgendwann bestimmt wieder.

Du bist ein Kämpfer - aber auch Familienmensch. Und da muss man manchmal eben Abstriche beim Training machen, die dann zu Abstrichen bei Wettkämpfen führen "müssen".

Trotzdem: Du bist auf einem guten Weg nach dem Sturz in Roth und bringst Dein Leben in Form. Der Körper wird es auch bald sein.

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