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Benutzerbild von yazi

Ich laufe. Wie letzte Woche Richtung Süden mit Weihnachtsliedern auf den Ohren versuche ich, die Texte auswendig mitzudenken. Das Dühü-dühü am Ende des Schneemanns ist nicht einfach - wo muss ich nochmal die Halbtöne verteilen? Gleichzeitig fällt es mir etwas schwer, mich zu konzentrieren, immer wieder schweifen die Gedanken ab und nach Hause. Die Tür ist verschlossen. Beide Schlösser. Ob sie es noch sein werden, wenn ich zurück komme? Ich habe winzige Papierschnipsel unter der Flurtür platziert. Sie werden auf jeden Fall wegfliegen, wenn jemand die Tür öffnet - und auch wenn er sie sehen sollte, weiß er dann nicht, wo sie vorher lagen. Wenn ich hingegen reinkomme, werde ich vor dem Öffnen prüfen, ob sie noch an Ort und Stelle sind.

Mir gehen diverse Drehbücher durch den Kopf, was das gewesen sein könnte. Alle haben damit zu tun, dass irgendwelche Psychopathen alleine wohnende Frauen terrorisieren. Aber vielleicht war's ja nicht gleich ein Psychopath, sondern nur ein so mittel Durchgeknallter, der damit aufhört, wenn es nicht mehr so einfach geht? Jul, jul, strolende jul. Das ist mein Lieblingslied. Ich laufe extra ein bisschen langsamer, damit ich mitsingen kann.

Gestern kam ich nach Marktbesuch und Kaffeetrinken mit Freundinnen nach Hause. Es war zwar noch früh, aber schon dunkel. Die Tür zum Seitenflügel ist immer abgeschlossen, weil bei uns schon zweimal eingebrochen wurde - in meiner Wohnung noch bei der Vormieterin und bei der Nachbarin drunter. Ich stieg hoch in den dritten Stock und wollte das Stangenschloss aufsperren. Es war schon offen. Auch das andere Sicherheitsschloss war nicht verschlossen. Ich schließe IMMER ab. Es könnte aber auch sein, dass ich es ausnahmsweise vergessen habe. Fühlt sich komisch an. Später bin ich noch einmal weggegangen, habe beim Liebsten übernachtet und bin dann heute gegen halb zehn heimgekehrt, um Früchtebrot zu backen. Dieses Mal weiß ich ganz genau, dass ich beim Weggehen abgeschlossen habe. Beide Schlösser sind offen. Jetzt ist mir richtig unheimlich. Jemand hat meine Schlüssel. Die Räume wirken auf den ersten Blick unverändert. Sind sie es?

Ich mache Vorteig, mische ihn mit Früchten und Nüssen - und Kirschwasser - und knete energisch Mehl drunter. Mir ist unheimlich. Was tun? Polizei? Kann ja nicht schaden. Ich wähle 110 und beschreibe, was vorgefallen ist. Mein Gesprächspartner denkt offensichtlich, ich hätte einen an der Waffel und stutzt mich ziemlich zurecht, dass er schließlich der Notruf sei und keine Zeit für Beratungsgespräche habe. Sobald etwas fehle, könne man Spuren nehmen. Aha. Vielen Dank und schönen Sonntag noch. Solange die Brote gehen, kann ich ja laufen. Aber traue ich mich raus? Was, wenn bei meiner Rückkehr wieder offen ist? Ich präpariere den Flur mit winzigen Papierschnipseln. Muss ich wirklich darauf warten, dass es ein drittes Mal passiert, bevor ich mir selbst trauen darf?

Ich komme mir sehr seltsam vor, Weihnachtslieder, "Peace on Earth, Good Will to Men" und Horrorfilmszenarien toben mir in bunter Mischung durch's Gehirn. Schloss austauschen, ich brauche nicht zu warten, bis es nochmal passiert. Oder ist es das schon?

Was soll das? Wenn dieser Mensch unbemerkt bleiben wollte, hätte er einfach wieder abschließen können. SOLL ich mich fürchten? Sieht ganz so aus. Oder hat jemand mit Einbruchswerkzeug gefummelt und keine Zeit mehr zum Abschließen gehabt? Unwahrscheinlich, wozu zweimal? Und warum am Wochenende? Ich bin die ganze Woche tagsüber nicht da, während ich am Wochenende völlig unberechenbar komme und gehe. Das Auflassen muss einfach Absicht gewesen sein. Ich denke an meine Oma, eine sehr unerschrockene Frau, die Silvester immer fette Böller gezündet hat - in der Blechgießkanne, damit es doller knallt. Von ihr habe ich gelernt, dass lautes Singen wirklich hilft - gegen die schaurig-schöne Angst auf ihrem Dachboden, wo es erstaunliche Dinge zu entdecken gab. Sie hat einmal, als sie schon ziemlich durch’n Wind war, nachts ihr Fenster aufgerissen und laut hinausgerufen „I bin d Marie G., i han koi Angschd!“ Das hat uns die Nachbarin erzählt, und auch wenn einiges dafür spricht, dass sie sich in dem Moment ziemlich gefürchtet haben muss, sie war immer der Meinung, dass man das niemals zeigen darf, und darin ist sie mir ein großes Vorbild.

Mehr singen. Und überlegen. Soll ich wieder zum Liebsten? Nein, er soll zu mir kommen. Ich will die Wohnung nicht allein lassen, das ist meine Wohnung, ich will mich hier wohlfühlen, ich muss sie gewissermaßen beschützen. Wenn ich zu Hause bin, schreibe ich gleich eine Mail an den Chef, dass ich morgen später komme. Als allererstes brauche ich ein neues Schloss, dann sehen wir weiter.

Als ich nach Hause komme, sind die Schnipsel unberührt, die Schlösser beide abgesperrt. Die Früchtebrote kommen in den Ofen, der Liebste kommt, lobt den Duft, und wir haben einen schönen restlichen Sonntag. Morgen früh wird das Schloss getauscht. I han koi Angschd!

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

da wäre mir auch gruselig

Und ich neige auch nicht zu übertriebener Angst! Aber zwei Einbrüche in zwei Jahren Berlin!

Ich kann dich verstehen und finde, du hast völlig richtig gehandelt. Und der Herr am Notruf hätte dich weiterleiten können, da gibt es nämlich Stellen für bei der Polizei!

Schlösser austauschen ist teuer aber gut investiertes Geld.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Wenn das wirklich so sein

Wenn das wirklich so sein sollte, dann investier doch auch in eine Kamera mit Bewegungssensor. Und wenn bloss die Katze das ding dauern auslöst, ist es auch egal, aber dann weisst du es. Oder eine einfache Alarmanlage, die losheult und evtl mit kleinem Wählgerät, dass dir sofort eine SMS schickt, wenn die Tür aufgeht oder auch bloss der Riegelkontakt. guckst du Interessehalber beim Pearl.de oder Conrad. würde für den Anfang reichen.

Mensch, yazi, da wäre es mir auch gruselig

Deine Geschichte ist echt ominös. Möge der Schlosswechsel die Angst und alle Unsicherheit beseitigen! Fühl dich mal feste gedrückt!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Da gruselt's mich

schon beim Lesen!
Tatort-versaut denke ich sofort das schlimmste - nur mittel-Durchgeknallte reichen aber auch schon!
Mannomann - Schloss tauschen auf alle Fälle!
Und der Liebste soll mal laut schnarchen heute Nacht, um alles Böse zu vertreiben!
Hoffe der Spuk ist morgen vorüber!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

uiii,

da wäre mir auch mulmig zu Mute.
Aber deine Oma begleitet dich in Gedanken. Das wird alles gut!
LG und eine schöne Adventszeit mit neuen Schloss.
LG, KS

In der Tat gruselig

Ich bin zwar nicht ängstlich, aber 2x die Schlösser offen, obwohl du sie abgeschlossen hast...
Lass mal lieber ein neues einbauen, die Investition ist sinnvoll.

Ich liebe Früchtebrot - würdest du mir das Rezept verraten?

LG,
Anja

definitiv Schloss tauschen !

also, wenn ein Stiefel mit Süßigkeiten in der Wohnung steht, wars der Nikolaus!
ansonsten ... schon sehr bedenklich! Dein Schloss hast du ja schon tauschen lassen, die Idee mit der Kamera find ich auch nicht schlecht.
Vielleicht könntest du noch Nachbarn bitten, ab und zu ein Auge auf zu halten?
Und solltest du immer noch Verdachtsmomente haben, auch nochmal zur Polizei - vielleicht direkt zu einer hiesigen Dienststelle.
und ... pass auf dich auf!!!

Überfürsorgliche Vermieterin?

Die haben in der vermieteten Wohnung zwar nichts zu suchen, aber manche fühlen sich befleißigt, "mal kurz nach dem Rechten zu schauen" oder zu überprüfen, ob denn auch ordentlich geputzt wird.
Das neue Schloss ist auf jeden Fall eine gute Idee. Wenn morgen aufgebrachte Vermieter vor deiner Tür stehen, weißt du Bescheid. ;-)

Nein, Du bist eine würdige Nachfolgerin Deiner Oma

und hast keine Angst. Das heißt aber nicht, dass Du nicht nachdenklich sein solltest und halt diverse Maßnahmen ergreifen solltest.

Kamera mit Bewegungssensor ist eine gute Idee, die Papierschnipsel waren es auch. Ein Haar an der Klinke, etc.

Und einfach mal zur Polizei zur Beratung - bieten sie hin und wieder hier an, um Wohnungen sicherer zu machen. Ob sich dann die Investition für die Mietwohnung lohnt musst Du entscheiden.

Laufen und Singen - wie schön.

Update

Erstmal wieder danke für Zuspruch und Ideen. Wenn Ihr Euch schon Gedanken macht, sollt Ihr auch erfahren, wie es weiter gegangen ist.

Der Schlosser war da und hat beide Schließzylinder ausgetauscht (und zweimal den gleichen eingebaut, so dass ich nur noch einen Schlüssel brauche, das ist doch mal eine echte Verbesserung!). Die Schlüssel können ohne Karte nicht nachgemacht werden.

Es fehlt doch was in der Wohnung: eine erst am Freitag angefangene Packung Erdmandel-Frühstücksbrei. Da bin ich deshalb so sicher, weil die Schachtel größer ist als die anderen und daher im Tellerschrank stehen muss, sonst passt sie nirgends rein. Außerdem gibt es Fingerspuren im Staub auf zwei Karteikästen, die ich seit dem Einzug nicht angerührt hatte, die hat offensichtlich jemand geöffnet und reingeschaut (im einen sind Muscheln und Steine, im anderen Vokabelkarten). Ich will aber nicht die Polizei rufen, denn wenn die Person tatsächlich aus dem Haus wäre und das mitbekäme, wäre das ja schon ein Erfolg. Nein, ich will der Erwartung, dass ich beunruhigt sein soll, nicht die geringste Nahrung geben.

Mit den neuen Schlüsseln fühle ich mich jedenfalls wieder insofern sicher, dass ohne Gewalt keiner mehr reinkommt. Und ein Einbruch wäre ja nochmal eine ganz andere Nummer, das passt nicht zu den bisherigen Vorfällen. So sieht's aus.

Viele Grüße
yazi

Danke für das Update, yazi!

Du hast mich mit deinem besonnenen Vorgehen sehr beeindruckt!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Danke fürs Update

ich hoffe Du kannst die Sache tatsächlich so sportlich abhaken und hast jetzt Ruhe.
Vielleicht klärt sich die Angelegenheit auch noch - ich hoff's für dich!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

uuuhhhh

das ist ja echt ein ding !
du hast sicher schon beschlossen,jetzt wirklich niemandem mehr ersatzschluessel zu geben ?
ich drueck die daumen !!

sei weiter beherzt
lg c

Aufklären...

... wird sich das eher nicht, fürchte ich.

Aber ganz im Gegenteil kann ich jetzt jederzeit jemandem leihweise einen Ersatzschlüssel überlassen, und wenn ich ihn zurück bekomme, bin ich 100% sicher, dass er nicht in der Zwischenzeit nachgemacht werden konnte, weil man dazu ja jetzt diese Karte braucht - die sollte ich allerdings nicht rumliegen lassen, solange jemand Drittes mit meinem Schlüssel in die Wohnung kann.

yazi

Herrie!

Ich kenne dieses Gefühl! Als meine Eltern noch eine Gastwirtschaft hatten, wurde dort mehrfach eingebrochen. Allerdings sind die Diebe nie in unsere Privaträume vorgedrungen, sondern haben sich mit den Zigaretten und dem Hochprozentigem eingedeckt. Von daher war immer klar, das es sich um Leute handelt, die sich in den Räumlichkeiten auskannten. Erwischt wurden sie nie. Als meine Eltern später in Rente gingen und ihr neues Heim bezogen, wurde auch dort eingebrochen. DAS haben sie (meine Eltern) weniger gut weggesteckt, denn nun wurde ihre Privatsphäre geschändet. Sie brachen durchs Schlafzimmerfenster ein und nahmen alles mit, was ihnen irgend wertvoll erschien.
WIDERLICHES PACK!!!
Einge große Tüte Trost für dich und jaaaaaaa, zeig denen die Zähne!!! Lass dich nicht unterkriegen!!!

Lieben Gruß
Tame

*schluck*...

...oh man, da hätte ich aber erstmal gepflegt die hosen voll gehabt! aber ich finde, du hast sehr gut reagiert und genau das richtige getan...
____________________
laufend wünscht yazi ein ungestörtes gemütliches heim: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

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