Kauf doch deine Geschenke über diesen Link und unterstütze damit jogmap.

Topangebot der Woche

Benutzerbild von elmasguapodetodos

Noch ein Berlin - Bericht. Eigentlich mein dritter Marathon, aber die ersten beiden waren in 2005 und 2009, also fühlt es sich so an, als wäre das mein erster, nur mit ein wenig Erfahrung. Die Vorbereitung war eigentlich ok. Vier 30´er, davon der letzte ziemlich locker, einige 25+, aber kein Tempotraining. Warum? Weil ich Intervalle nicht mag. Mein Gewicht konnte ich um 3 kg reduzieren, also war ich zuversichtlich, dass der Berlin Marathon ein Erfolg sein würde.
Ich kam am Samstagmorgen nach einer Nachtfahrt mit dem Bus an. Ich konnte wider Erwartung sehr gut schlafen, also ein Stresspunkt weniger. Also ab zur Messe. Kurz vor neun war ich da, und es war natürlich eine Massenveranstaltung. Ein Run auf die Startunterlagen. Ich war nicht der einzige, der am Samstagmorgen ankam. Ich finde es ärgerlich, dass man durch alle möglichen Shops geschleust wird, bis man das eigentliche Ziel, die Startunterlagen abzuholen, erreicht. Wie im Flughafen durch die Duty Free shops. Ich verstehe, dass die Chance einmalig ist, sich vor 40.000 Hobbysportler als Marke zu präsentieren, die es mit der Rennerei halbwegs ernst meinen. Trotzdem ärgerlich. Diese „yes, you can make it if you really want it“ oder „you can make your dreams come true“ Sprüche der Sportindustrie gehen mich auf den Wecker. Die schaffen nur, dass jeder glaubt, in der Lage zu sein, unmögliches zu schaffen, nur wenn er am Wettkampfstag motiviert genug ist und blenden monate- bzw. jahrelange Vorbereitung aus. Dann sind die Verletzungen da. So, genug gemeckert.
Ich nutzte die Gelegenheit, dass der Lauf in Berlin stattfindet, meinen Freund Martin zu besuchen, den ich lange nicht mehr gesehen hatte. Das war gut, denn die guten Gespräche und der Spaziergang lenkten ein wenig vom Wettkampf ab und so konnte ich die Spannung unbewusst ein wenig herunterfahren. Am Wettkampftag ging der Wecker um 5:15 los, nach einem Brötchen mit Honig ab zur S1, und nach einer halben Stunde war ich schon da. Es war lustig zu sehen, wie sich die S-Bahn mit Läufern (die, mit dem BMW-Beutel) langsam füllte. Jeder der dazu kam, hatte ein Lächeln im Gesicht. Eine Mischung aus „Endlich wird es ernst“ und „Ich bin nicht der einzige Bekloppte um 7:00 morgens am Sonntag in der S-Bahn“. Durch meine nicht vorhandene Zeit in den letzten drei Jahren bekam ich natürlich einen Startplatz im H-Block zugewiesen. Nach Abgabe der Klamotten und sonstigen Formalitäten dann ab zum Startblock. Es war kalt, die gelbe Plastiktüte hat nicht wirklich geholfen, und die Wartezeit war gefühlt sehr lang, bis wir auf die Strecke durften. Etwa 9:30 war´s dann soweit. Mega-Stimmung, entspannte und fröhliche Läufer, nach dem Countdown ging´s los. Das Gedränge ,das ich erwartete, blieb aus. Ich konnte mein (ja, langsames) Tempo von Anfang an laufen, Platz war für alle da. Jetzt bloß sich nicht von der Menge ziehen lassen. Spätestens nach der Siegessäule war die Starteuphorie weg, und ich war damit beschäftigt, mein Tempo zu finden. Ich hatte keine so richtige Zielsetzung, und mein Wohlfültempo hat sich zwischen 6:40 und 6:45 eingependelt. Am Anfang wurde ich fast nur überholt. Aber keine Schuldgefühle, ich war nämlich im H-Block ;-). Die Stimmung auf der Strecke war bombastisch. Nicht nur die Supporter, sondern auch unter Läufern war locker und entspannt. Im hinteren Bereich war eher kein Leistungsdruck zu spüren, sondern eher Partystimmung. Den einen oder anderen „ich muss unbedingt durch die enge Lücke durch“ Überholer gab´s natürlich auch. Bis km. 10 war ich echt frisch und entspannt, keine Spur von Ermüdung. Die 20 erreichte ich auch im Wohlfühltempo mit einem 6:43 Schnitt und einem Lächeln im Gesicht. Ab da gab´s schon die ersten Geher, und ich habe gefühlt einige überholt, ohne richtig mein Tempo zu erhöhen. Konservativ wie ich bin dachte ich an einen Endspurt ab km. 35, wenn´s bis dahin so gut weitergeht. Aber es gibt einen Spruch, den ich nur bestätigen kann: Marathon ist ein Zehner, mit 32 km. Anlauf. Bei km. 35 habe ich einen Einbruch erlebt. War das der bekannte Hammer? Glaube ich nicht. Nach einer kurzen Gehphase am Verpflegungspunkt wurde es beinahe unmöglich, wieder anzulaufen. Oberschenkel waren hart, und jeder einzelne Schritt tat weh. Sehr weh. Ich war weder erschöpft noch außer Atem. Es tat nur höllisch weh. Die Idee, mich weitere 7 km so weiterzuquälen war plötzlich da und demotivierte mich enorm. Also, musste schnell was her. Belohnung und Ablenkung. Belohnung dadurch, dass ich mir vornahm, 100 Schritte zu gehen, nach 500 nach Garmin gemessenen Laufmetern. Auch auf die Gefahr, hin, dass sich die Muskeln beim Gehen weiter verhärten. Und Ablenkung dadurch, dass ich mit meiner Frau telefonierte. Ich weiss, das sieht doof aus, aber es hat funktioniert. Kilometer nach Kilometer ging die Strategie auf. Ich wurde zwar deutlich langsamer, aber der Gedanke, aufzugeben, war komplett weg vom Fenster (ja, ich habe darüber nachgedacht). Plötzlich ging´s mir bei km 40 wieder besser. Nicht gut, aber besser. Und irgendwann durfte ich feststellen, dass alles nur reine Kopfsache war. Sobald ich das Strassenschild „Unter den Linden“ und das Brandenburger Tor sah, waren alle Schmerzen weg. Endspurt wäre vielleicht ein wenig übertrieben, aber die Zielgerade bin ich schneller als bis dahin durchgelaufen, mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Zieleinlauf war pure Freude. Ich jubelte, umarmte unbekannte Männer und Frauen und war überglücklich, so wie alle, die mit mir ankamen. Da ich nach 4:56 im Ziel war, nehme ich an, meine „Mit-Finisher“ hatten ebenfalls eine solche Down-Phase wie ich. Also freuten wir uns alle gemeinsam, es geschafft zu haben. Dann kamen die Medaille, das Bier, die Dusche und ein Spaziergang am Potsdamer Platz und abends durfte ich mich im Fernbus auf dem Nachhauseweg entspannen. Der mächtige Muskelkater lässt nach zwei Tagen langsam nach. Die Treppen am Tag danach waren eine unüberwindbare Hürde.
All in all, ein sehr schönes Lauf-Erlebnis. Die Zeit? Naja, könnte besser sein, stört mich aber nicht. Ich bin überhaupt froh, einen Marathon halbwegs würdig gefinisht zu haben. Potenzial nach oben ist jede Menge vorhanden.
Frage an die Weisen hier bei jm: was sollte ich anders machen, um diese Schmerzen an den Oberschenkel zu vermeiden? Krafttraining? Mehr km in der Vorbereitung (2015 bisher 1.200)? Tempotraining? Obwohl ich es natürlich schon wusste, war der Unterschied zwischen lockeren 30 km im Training und lockeren 42 km im Wettkampf enorm.

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Gratuliere

Gelaufen wird mit dem Beinen, aber Marathon findet viel im Kopf statt.
Als Zuschauer kann ich dir nur sagen, dass auch einige schon an der Siegessäule gingen.
----------------------------------
LG Inumi
Wenn ein Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.

Im TV

... habe ich ein Interview mit einer gehenden "Läuferin" gesehen, mit der Aussage: "es geht beschxxen - man sollte sich das NICHT antun!"

Da liest sich dein Bericht doch schon SEHR viel entspannter :-) und ein bisschen Schmerz gehört wohl dazu - "der Stolz bleibt!"

... und das darf auch so sein ! Gratuliere dir herzlich !

Kein Tempotraining

keine Tempohärte, denn schnell laufen kommt nun mal auch von schnell laufen. Wenn du keine Tempoeinheiten magst dann versuche doch mal eine Endbeschleunigung bei deinen längeren Läufen, oder mach mal ein Crescendotraining. Ich kenne deine Vorleistungungen nicht, aber versuche dir bei den Unterdistanzen eine Basis zu schaffen, und vielleicht reicht auch das reine Laufen alleine nicht aus, Möglichkeiten gibts viele. Und, Laufen fängt im Kopf an und hört bei den Füßen auf.
Der Tag geht zu Ende: Überdenke noch einmal, was er dir an Sorgen gebracht hat. Ein paar davon behalte, die anderen wirf weg! Calvin O. John

Training, Wettkampf

habe in deinem Profil gesehen, daß du aus dem Allgäu kommst, nehme daher an dass deine
langen Trainingseinheiten nicht ausschließlich auf Asphalt stattfanden.
Der ungewohnte Untergrund und die Tatsache, daß man halt im Wettkampf doch ein bisschen
schneller rennt sind wohl die Ursachen für die Beschwerden.
-Glückwunsch trotzdem daß du den Lauf noch erfolgreich beendet hast.

Ich war nur unwesentliche 11 min schneller und hatte natürlich auch meine Durchhänger.
Das fantastische Publikum und die zahllosen Musikgruppen haben mir geholfen diese Tiefpunkte
zu überwinden.

Danke für die Feedbacks!!

Danke für die Feedbacks!! Ich glaube, für den nächsten (ja, es wird einen geben, wahrscheinlich Zürich) muss ich einiges überdenken. Es lag auf der Hand, aber Tombito hat´s gesagt. Ich trainiere eher im Wald. So viel Asphalt auf einmal habe ich in der Regel nicht. Und ein wenig Tempoarbeit würde auch nicht schaden...

erstmal

Glückwunsch! Und wer kann behaupten je einen Marathon ohne ein bisschen "down" gelaufen zu sein???? Irgendwann kommt immer die Sinnfrage ;-))

Zu deinen Schmerzen:
Mir hat Radtraining geholfen: im Winter gehe ich einmal die Woche zum Spinning oder auf die Rolle, im Sommer kommt Rennrad dran. Das trainiert die Oberschenkel ;-) MTB geht natürlich genauso gut. Ansonsten kannst du es auch mit den bewährten Kniebeugen probieren oder eben stinknormales Kraftraining. Oder Seilspringen.
Manche Laufhosen haben Kompression, ich habe die von 2XU oder Cep. Das hilft auch.

Ich denke auch, dass der ungewohnte Asphaltanteil "schuld" war. Ich bin früher auch größtenteils im Wald gelaufen und hatte bei meinem zweiten Marathon (in Rom, Kopfsteinpflaster!!!) ziemliche Probleme. Seither laufe ich die langen Läufe in der Vorbereitung eher auf Asphalt. Ggf. auch Schuhwahl überdenken, also Schuhe mit stärkerer Dämpfung wegen des Asphalts.

Aber insgesamt finde ich du hast das bestens durchgezogen. Deine Gehen-Laufen-Methode habe ich auch schon erfolgreich angewandt, es hilft den Lauf zu strukturieren und ist besser als am Ende nur noch gehen zu müssen.

Also: alles bestens gemacht, auf zum nächsten Marathon!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Langsamer Laufen

Hi,
wenn Du einen Wettkampf auf der Strasse machst solltest Du dies auch im Speziellen trainieren. Also sollten im Besonderen die langen Läufe auf dem voraussichtlichen Untergrund stattfinden, damit dein Körper sich daran gewöhnt. Die Schuhwahl könnte und sollte dabei ebenfalls darauf abgestimmt werden.
Wie bereits durch meine Vorredner geschrieben ist Krafttraining in diesem Fall für die Oberschenkelmuskulatur sehr zu empfehlen, Kniebeugen, Radfahren etc.
Tempotraining ist dann sinnvoll, wenn Du schneller werden willst. Und selbstverständlich ist dies auch eine Form des Krafttrainings für den Wettkampfläufer. Intervalle kannst du in gemäßigter Form durch das Fahrtspiel ersetzen und/oder Bergläufe.
Muskelkater ist natürlich normal, wenn Du deinen Körper einer solch ungewohnter Belastung aussetzt. Wenn ich einen Marathon am Anschlag laufe, tut mir auch alles weh und die Muskeln werden zunehmend hart und schmerzen entsprechend. Ich kenne auch niemanden, gleich in welcher Leistungsklasse er sich bewegt, dem es nicht so geht, wenn er an seine Leistungsgrenzen geht. Unabhängig davon, ob er spezielles Krafttrainig macht oder nicht.
Um diese Beschwerden zu vermeiden darfst Du deinen Körper nicht an seine Leistungsgrenze bringen. D.H. in deinem Fall lieber keinen Marathon laufen. Oder diesen nur sehr sehr langsam, dann passiert das nicht. Oder Du trainierst für einen 100km Lauf und gewöhnst deinen Körper daran jede Woche einen Marathon zu laufen. Dann geht das auch irgendwann vorbei. Aber erstmal wird dein Körper sich daran gewöhnen müssen und somit wird er sich gehörig zur Wehr setzten in dem er mit Schmerzen reagiert. Im dem Sinne sind Schmerzen Schwäche die den Körper verlässt.
Viel Spass und Erfolg weiterhin

Der Unterschied

ist in der Tat enorm und in Berlin gleich doppelt so groß! Ganz herzlichen Glückwunsch! Ich finde, das hast du fantastisch gemeistert!

Lieben Gruß
Tame

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links