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Topangebot der Woche

Benutzerbild von Moritz79

Der Run Winschoten ist einer der traditionsreichsten 100 km-Straßenläufe und feierte in diesem Jahr seine 40. Austragung. Passend zu diesem Jubiläum wurden in der kleinen Stadt in der Provinz Groningen im Norden der Niederlande auch die Welt- und Europameisterschaften ausgetragen. Die Strecke verläuft auf einem 10 km Rundkurs durch das Zentrum und Wohngebiete und ist geprägt durch die gute Stimmung der feierfreudigen Niederländer, die den Run an vielen Stellen zu einer großen Partymeile machen.

Abgerundet wird das Angebot durch einen 50 Kilometer Lauf sowie eine 10x 10 km-Staffel. In diesem Jahr lag das Hauptaugenmerk aber ganz klar auf den 100 Kilometern, auch wenn über die halbe Distanz durch den Niederländer Harm Sengers ein neuer Landesrekord aufgestellt wurde.

Nach dem Frühjahr und dem Ausstieg bei der Deutschen Meisterschaft über 100 km war schnell klar, dass es mit der heimlich erträumten WM-Nominierung nichts werden würde und so gab es nachfolgend doch einige Zweifel, ob ich es in diesem Jahr nochmals über diese Distanz versuchen sollte. So nutzte ich den Mai und den Juni, um einfach mal nach Lust und Laune zu Laufen und bestritt erstmals einige Rennen auf der Bahn.

Letztlich entschied ich mich dann doch dafür, es noch mal mit den 100 Km zu versuchen. Ich wollte das „DNF“ (did not finish) aus dem Frühjahr einfach nicht so stehen lassen. Schnell war auch klar, dass es Winschoten sein sollte. Wenn schon nicht im Nationalteam, dann wenigstens im offenen Lauf und in der parallel ausgetragenen Senioren-Weltmeisterschaft im Feld der Weltelite antreten und ein gutes Rennen abliefern.

Die Vorbereitung in den Sommermonaten verlief weitestgehend gut, nur ließ das durch die äußeren Bedingungen oft geringere Trainingstempo nicht immer Rückschlüsse auf die wirkliche Form zu. Die absolvierten Tests beim Monschau-Ultramarathon und bei kürzeren Rennen auf der Straße und bei der Bergisch Gladbacher Bahnlaufserie stimmten zuversichtlich, da sie trotz der in dieser Phase hohen Trainingsbelastung ordentliche Resultate sehen ließen.

Dennoch war ich mir bis zuletzt unklar über die Form und die daraus resultierende Renntaktik. Erst in den letzten sieben Tagen waren die Auswirkungen des zuvor eingeleiteten Taperings auch deutlich spürbar und die aus den Trainingswochen des Öfteren verspürten schweren Beine fühlten sich immer erholter und frischer an.

Die Wetterprognose mit 20-22° C und in Böen auffrischendem Wind sind für Jahreszeit und geografische Lage normal, auch wenn mir persönlich ein paar Grad weniger lieber gewesen wären. Aber so war ich froh, dass es zumindest relativ viele Wolken gab.

Am Vortag angereist, konnte ich in Ruhe die Startunterlagen abholen, die Flaggenparade der WM-Teilnehmer anschauen und mich auch mit den Mitgliedern des Nationalteams ein wenig austauschen, bevor ich dann wieder Richtung Hotel aufbrach, um zur Ruhe zu kommen. DLV-100 km Teamkapitän Michael Sommer lieh mir für das Rennen auch noch eines seiner aus zahlreichen Nationalmannschaftseinsätzen angesammelten Trikots, so dass ich anlässlich des Starts bei der Senioren-WM auch den Adler auf der Brust spazieren tragen konnte.

Neben den je vier Männern und Frauen des DLV-Nationalteams (der Deutsche Meister Carsten Stegner musste leider kurzfristig absagen) waren neben mir auch noch zahlreiche andere Deutsche in den Klassen der Senioren-WM am Start. Und das mit großem Erfolg, konnten doch neben Michael Sommer in der M50 auch Marion (W55) und Wolfgang (M60) Braun mit starken Zeiten den Titel eines Senioren-Weltmeisters erreichen.

Ich selbst ging mit dem festen Vorsatz ins Rennen, dieses auch zu beenden, selbst wenn es schlecht laufen und die angestrebten Zeiten in weite Ferne geraten sollten. So hatte ich mir auch fest vorgenommen, zwar ambitioniert aber ohne übergroßes Risiko die erste Hälfte des Rennens zu gestalten und dann so lange wie möglich das Lauftempo zu halten.


Nach Runde 1 in der Verpflegungszone

Nach einer „Einrollrunde“ in knapp 45 Minuten steigerte ich langsam das Tempo und pendelte mich auf etwa eine Pace von 4:20 Min/km ein, so dass ich die folgenden Runden in 43er-Zeiten absolvieren konnte.

Leider konnte ich in diesem Bereich des Rennens nie in einer Gruppe laufen, die männlichen WM-Teilnehmer waren mehrheitlich voraus, an der in meinem Zeitbereich laufenden erweiterten Frauenspitze bildeten sich keine konstanten Gruppen. Immer wieder holte ich auch Läufer ein, die zu schnell angegangen waren, selbst überholt wurde ich in dieser Phase nur durch Jan Hendrik Hans, der die erste Runde noch vorsichtiger angegangen war und in dieser Phase mächtig Gas gab. Leider sah ich ihn ein paar Runden später wieder, denn er hatte mit Magenkrämpfen zu kämpfen und musste das Tempo deutlich reduzieren. Dennoch große Hochachtung, dass er sich ins Ziel kämpfte und so der deutschen Mannschaft als dritter und letzter verbliebener Läufer des Nationalteams (Moritz auf der Heide musste auf Grund einer im Vorfeld zugezogenen Verletzung nach 40 km aufgeben) ein Teamergebnis sicherte.

Bei mir lief es glücklicherweise weiterhin rund. Die abgegebene Eigenverpflegung konnte ich auf der zweiten Runde auch am Verpflegungsposten entdecken, der Verpflegungsplan (Gel bei km 15, 30, 45, 60, 70, 80 + je 300 ml Iso bei km 20, 30, 40, 50, 60, 70 und 80 sowie Gel-Chips für die Endphase, dazwischen Wasser nach Bedarf) klappte hervorragend.


Die lange Zielgerade der 10 Km Runde, ebenfalls nach Runde 1

Die 50 km-Marke erreichte ich nach 3:38 Stunden und hatte mich eine Runde später bereits von Rang 137 nach der ersten Runde auf Rang 76 vorgearbeitet. Danach wurden die Beine langsam schwerer und ich gönnte mir in der Verpflegungszone während der Getränkeaufnahme auch ein paar Meter Geh-Tempo.

So litten die Rundenzeiten zwar etwas, aber gut versorgt konnte ich ansonsten weiterhin eine Pace von 4:45 Min/km durchlaufen. So hatte ich km 80 dann auch noch unterhalb der 6-Stunden Marke erreicht und war mir zu diesem Zeitpunkt sicher, ein sicheres Finish in einer guten Zeit zu erreichen. Kurzzeitig hatte ich auch Hoffnung auf einen Zielleinlauf unterhalb der 7:30 Stunden, aber letztlich war ich hochzufrieden, das aktuelle Tempo halten zu können, überholte ich in dieser Phase doch einige WM-Teilnehmer, denen es weitaus schlechter ging.


Gut gelaunt zur Hälfte des Rennens

So erreichte ich das Ziel als 61. der Gesamtwertung aller Teilnehmer in einer Zeit von 7:32:08 Stunden, womit ich rund die Hälfte der männlichen WM-Finisher hinter mir lassen konnte. In der Senioren-WM meiner Altersklasse M35 erreichte ich einen 7. Platz von 18 Finishern.


Ergebnis der Senioren WM Klasse M35 mit meinen Rundenzeiten

Welt- und Europameister wurde der Schwede Jonas Buud vor dem Spanier Asier Cuevas und dem Italiener Giorgio Calcaterra. Bei den Frauen gewann die US-Amerikanerin Camille Herron.

Ein wenig Wehmut allein beim Anblick der Team-Ergebnisse: Bei einer Nominierung für die Team-Wertung durch den DLV (was als Perspektiv-Kader Athlet mit einer Vorleistung von 7:27 Stunden im Qualizeitraum über die sogenannte “Mannschaftsnorm” theoretisch möglich gewesen wäre) hätte ich nach den kurzfristigen Ausfällen und Problemen im DLV Männer-Team und dem Rennverlauf nach mit meinem Ergebnis zu einer besseren Platzierung beitragen können.

Leider konnte ich bis zum Nominierungsstichtag und zum Meldeschluss zu wenig (aktuelle) Argumente vorweisen, um berücksichtigt zu werden und zudem waren die Ausfälle im Team zu diesem Zeitpunkt natürlich auch nicht absehbar. Bei “normalem” Verlauf sind die fünf Nominierten vom Leistungsniveau sicher höher einzuschätzen, aber vor und während eines 100 km-Laufs kann eben viel passieren.

Trotzdem sehe ich für mich persönlich Winschoten als Erfolg an. Ich weiß nun, dass Kienbaum 2014 keine Eintagsfliege war und ich bei normaler Vorbereitung im Rahmen meiner Möglichkeiten ein gutes 100 km Rennen zeigen und ins Ziel bringen kann.

Darauf lässt sich aufbauen. Aber jetzt lege ich erst mal eine Woche die Füße hoch und dann werde ich mal schauen, ob ich Lust und Laune habe, ganz einfach mal wieder eine Runde locker zu joggen.

Ergebnisse:
Offener Lauf
Senioren WM der WMA (World Masters Athletics)
WM Team-Wertung Männer

Fotos: Guido Gallenkamp

5
Gesamtwertung: 5 (8 Wertungen)

Super Leistung

Glückwunsch zur tollen Zeit. Ich kannte das Gesicht noch vom Königsforst-Marathon, habe mich allerdings auch gewundert woher das Trikot kam :)
Da gab es genügend WM-Teilnehmer, die deutlich abgekämpfter aussahen.
Ich bin allerdings nur einen Teil der 10x10km Staffel gelaufen. Das war aber ziemlich interessant, ich hatte vorher weder eine WM noch einen 100 km Lauf gesehen.
Weiter so.

Grandios!

Danke Moritz für den Bericht. Ich habe den Lauf im Ticker verfolgt und allen die Daumen gedrückt.
Ein lockerer Lauf könnte doch der 6h Lauf in Otterndorf werden....

das ist eine für mich

das ist eine für mich unfassbare Leistung. Herzlichen Glückwunsch!

Klasse!

Du hast Dir selbst und dem Team bewiesen, dass mit Dir zu rechnen ist. Ja, manchmal kommt es anders - und gerade die "langen Dinger" sind nicht vorhersehbar. Schade für Jan-Hendrik, dass es am Ende so schlecht für ihn lief. Und nochmal schade für die Mannschaft, dass sie weder vollständig antreten noch eine bessere Platzierung erreichen konnte.

Ich war vor 2 Jahren dort im 50-km-Lauf, von daher kenne ich die tolle Stimmung des Laufs. Die Verpflegung ist auch bestens organisiert - nur laufen muss man selbst :lach:

Hast Du ganz prima hinbekommen - Glückwunsch zum Finish in super Zeit. Und schön, dass Du den Adler "spazieren tragen" konntest - war allerdings ein sehr flotter Spaziergängerschritt!

Whow

Die ersten 10 Km hätte ich noch mithalten können alles was danach kam ist für mich unvorstellbar.

Mein allergrößten Respekt.

wow

ich hätte nicht mal die letzte Runde mit laufen können.

Großen Respekt vor dieser Leistung.
Wie macht ihr das blos...

MIthalten

Ich hätte gar keine Runde mithalten können...

Wir haben dich auch virtuell verfolgt. Super dass es nach St. Leon hier so wunderbar für dich gelaufen ist! Wie du selbst sagst kann man noch so gut vorbereitet sein - bei einem 100km Lauf kann einfach eine Menge passieren. Und hier passierte mal nichts und prompt zeigt sich, was du kannst!

Jetzt gute Erholung! Und ich bin auf das nächste Rennen gespannt!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Hab auch immer wieder geguckt...

und die Daumen gedrück!
Hat geholfen, bist sehr genial gelaufen, super eingeteilt und knallhart durchgezogen!
Ich verbeuge mich tief und habe größten Respekt vor Deiner Leistung!
Klasse Moritz! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

LSF Münster?

Danke... Dann warst Du Teil der LSF Münster-Staffel? Das ist so nämlich die Gemeinsamkeit zwischen Königsforst-Marathon, wo ihr ja ein flottes Training absolviert habt, und Winschoten ins Auge fällt.

hm... locker Joggen in Otterndorf?

So ein lockere paar Ründchen um den Teich meinst Du?

Na, ne Überlegung wärs schon, aber an dem Wochenende ist auch der heimische Köln-Marathon.

Und zudem muss ich wirklich erst mal schauen, was die Beine dann schon wieder hergeben.

Dnke für den Glückwunsch und das Daumen drücken. :)

fazerBS... es gibt da ein Video auf youtube...

...da sind im Rahmen der Übertragung aus Winschoten 2013 zwei regennasse Läuferinnen im Natinaltrikot aus dem ITC-Wettbewerb beim 50er im Zielinterview zu sehen. Weißt Du noch, was Du da zum Besten gegeben hast? ;)

Zufällig in der mentalen Einstimmung auf Winschoten entdeckt. *g*

virtuelle Verfolgung...

Hey... das macht mich ganz verlegen, dass ich in den Live-Ergebnissen verfolgt werde. :)

Danke fü die Glückwünsche.

Euch Glückwunsch zum grandiosen Jungfrau-Sturm. Die Bilder vom Coach sind genial...

Noch jemand, der mich virtuell verfolgt hat. :)

hey... danke für den Glückwunsch, aber das mit Verbeugen lassen wir mal. :)

Wir sollten übrigens mal schauen, dass wir im nächsten Jahr mal einen Lauf finden, wo wir danach ein alkfreies Weizenbar trinken können.

Das steht noch aus vom Röntgenlauf 2012/Monschau 2013 glaube ich. :)

Seitdem sind wir uns bei Veranstaltungen konsequent aus dem Weg gegangen^^

@mosha, elmasguapodetodos und rainbowdreamer70

Wie gemacht? Ganz einfach immer ein Bein vor das andere. :)

Aber für mich ist es dann wiederum unvorstellbar, wie man das Rennen in einem 3:49er-Schnitt wie der Weltmeister oder die letzte Runde in 37:xx Minuten laufen kann wie Flo Neuschwander.

Aber ganz lieben Dank für eure Glückwünsche!

Nein, Kienbaum ...

... war keine Eintagsfliege. Klar kann auf nem 100er viel passieren. Aber diesmal hat es eben wieder gepaßt.
Glückwunsch!
;-)

Wahnsinn!

Da bleibt mir die Spucke weg! Unvorstellbar, wie schnell der Mensch doch laufen kann;-) Ich gratuliere dir ganz herzlich zu dieser grandiosen Leistung! Bin immer wieder schwer beeindruckt, wenn ich solche Berichte lese! Klasse!!!

Lieben Gruß
Tame

Genau

Ja, ich war Teil der Staffel. Deshalb konnte ich den Rest auch entspannt gucken.

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