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Wollt ihr die Kurzfassung? Dann müsst ihr zu ***** springen.

Das Vorgeplänkel

Angefangen hat die komische Idee im letzten Jahr als ich bei den Riesenbecker Sixdays eine Triathletin kennenlernte (beim Laufen), die dann in der Folge bei der 70.3-WM in Kanada war. Aha, es gibt also außer Hawaii noch eine Weltmeisterschaft? Und dann bekam ich mit, dass die dieses Jahr in Zell am See in Österreich – und damit erstmals in Europa – stattfinden würde. Hört sich nach einer netten Veranstaltung an, Vereinskollegen haben auch schon davon geschwärmt.

Aber erst einmal ging es nach dem CCC darum ein neues Ziel zu finden. Mhm, der Triathlon im Kraichgau war mir aufgrund der „sehr schönen“ Radstrecke bereits mehrfach ans Herz gelegt worden – 2015 sollte das erstmals von Ironman durchgeführt werden und es wurden gar Slots für Hawaii ausgelobt. Da ich mir darauf keine Hoffnung machte (und auch inzwischen gar nicht mehr nach Hawaii möchte) fand ich die ausgelobten 100 Slots für Zell natürlich verführerisch. Das wäre doch was. Zeiten geschaut – menno, die schwimmen alle viel besser als ich. Radeln und laufen können sie auch noch. Ich hätte keine Chance. Aber – könnte man ja mal angehen. Deutsche Meisterschaft 70.3 wäre auch dort. Also gab's die Anmeldung und dann ging es an die Schwimmoffensive. Und weil mir auch Wiesbaden als „sehr schöne“ Radstrecke ans Herz gelegt worden war und da dieses Jahr die Europameisterschaft 70.3 stattfinden sollte hab ich mich dann auch noch da angemeldet. DM – EM – WM – alles in Europa, alles in einem Jahr. Warum nicht?

Aber fazerbs verpasste dann den Slot für Zell im Kraichgau, da wegen der Hawaii-Slots natürlich die echten Granaten angereist waren. So wurde die Vorjahres-AK-Siegerin „nur“ Dritte – und ich dann 5. Im Vorjahr wäre das ein 3. Platz gewesen – hätte, hätte, Fahrradkette.

So musste ein neues Ziel her. Mhm, ein netter Landschaftsmarathon? Ein schneller 50er Landschaftslauf? Doch meistens kommt es anders – und dieses Mal ist dfrobeen Schuld. Der postete nämlich in FB, dass er an der „ITU Langdistanz Duathlon Weltmeisterschaft Zofingen“ teilnimmt. Google hilft: eine kleinere Veranstaltung, man wirbt mit „Klasse statt Masse“ und „familiärer Atmosphäre“ - und dem Hinweis die Nummer eins im Duathlon zu sein; das Hawaii der Duathleten (oder soll ich Nichtschwimmer und Bleienten sagen?). Eine Anmeldung zur Weltmeisterschaft geht nur über den Verband. Parallel dazu gibt es eine offene Wertung. Nö, wenn schon bekloppt, dann richtig. Also schaue ich bei der DTU (was ich ebenfalls von der Triathletin weiß) wie das mit der Nominierung so läuft. Oh, letzter Anmeldetag für diese Veranstaltung. Mhm, schlechte Karten. Man müsse dieselbe Distanz schon mal gemacht haben, am besten Platz 1-3 bei einer DM oder EM. Falls noch freie Plätze verfügbar würden auch andere Bewerber genommen. Eine kurze Rückfrage ergab das auch eine Triathlon-Langdistanz innerhalb der letzten zwei Jahre reichen würde. Hatte ich – Platz 1 meiner AK, denn es gab nur eine Teilnehmerin: mich :lach:. Mehr als „nö“ sagen konnten sie ja nicht, also das Ding ausgefüllt, ausgedruckt, unterschrieben, eingescannt, abgeschickt – und vergessen. Denn die Woche (oder darauf) danach erfuhren wir, dass mein Freund nochmal operiert werden müsste.

Und ich wollte Rad fahren und habe einige RTFs mitgemacht, die ein paar Höhenmeter aufwiesen – würde ich für Wiesbaden brauchen. Dazu dann meinen Umzug geregelt. Und dann kam eines Tages Ende Juli (mitten im Umzug) Post von der DTU mit einer Nominiertenkarte und einem Schreiben – ich wäre dabei in Zofingen. Hups, das passte nun so gar nicht mehr. Wiesbaden wäre in Kürze (ich war schon im Tapering) - und wie bitte soll ich jetzt mal eben schnell noch von Halbdistanz auf Langdistanz trainieren? Nun ja, eins nach dem anderen. Wiesbaden wurde schnell zum Trainingswettkampf deklariert – nicht abschießen, damit ich vier Wochen später wieder parat sein könnte. Nach dem Kraichgau hatte ich mehrere Wochen Erholung gebraucht – ich war voll abgeschossen. Das „Training“ gelang.

Danach schaute ich mir die Ausschreibung von Zofingen an und merkte ich müsste auch mal wieder länger laufen und ich müsste mal hügelig laufen und ich müsste den Sperrmüll regeln (wenn man zwei Haushalte zusammenlegt und keiner – nicht mal das Sozialamt oder die Flüchtlingshilfe – die Möbel will) und wir hatten Arzttermine und ...

Die Woche nach Wiesbaden war noch Witten, aber ich nutzte den Samstag für eine schöne RTF im Sauerland. In Witten: kein Tempo. Ich musste mir anhören ob ich dieses Jahr überhaupt schon Rad gefahren wäre – wegen fehlender Bräune – und das man mich ja sogar beim Laufen eingeholt hätte. Boah, Leute, nervt nicht. Witten ist ein Sprint – brauch ich nicht. Ich hätte an dem Tag länger laufen müssen. Das fiel natürlich aus.

Am nächsten Tag kam ich so müde von der Arbeit, dass ich fast am Steuer eingeschlafen bin. Zu Hause kurz auf die Couch – weg war ich. Das Schwimmtraining hab ich verschlafen. In der Folge habe ich Schwimmen gestrichen – brauch ich beim Duathlon nicht. Stattdessen noch was Rad, was länger laufen, koppeln. Ich kämpfte ständig mit der Erschöpfung und schlief ein, sobald ich mich irgendwo hinsetzte. Ich hatte ständig das Gefühl nicht genug zu trainieren, Angst zu versagen. Ich sprach mit meinem Freund, mit lieben Freunden (auch hier aus jogmap, ne strider, etu58 und tame?) – und kam zu dem Ergebnis: „Dabei sein ist alles!“. Es wäre mein erster Duathlon über die Langdistanz (10km laufen - hier mit ca. 250 Höhenmetern; 150km Rad mit ca. 2000 Höhenmetern; 30km laufen mit ca. 750 Höhenmetern - Strecken gaaaanz hinten in der Ausschreibung als "anspruchsvoll" bzw. die zweite Laufstrecke "sehr anspruchsvoll" beschrieben - ich Idiot hatte das nicht zu Ende gelesen vor der Meldung!), die Strecke wäre hammerhart (Natascha Badmann sagt härter als Hawaii – und die hat beide schon mehrfach gewonnen), ein Finish wäre schön. Und dafür hätte ich 12h Zeit. Machbar. Auch wenn ich natürlich als Teil der Altersklassen-Nationalmannschaft (hört sich doch sehr gewichtig an) nicht rumluschen und langsamer als die „offenen“ Teilnehmerinnen meiner AK sein wollte.

Schief ging dann fast alles – bzw. einiges auf letzten Drücker dann doch noch gut. Mein gebuchtes Zimmer wurde mir storniert – ich fand noch ein neues. Mein Freund soll erst nächste Woche operiert werden – und konnte mit. Also schnell noch Bahnfahrkarten für ihn besorgen, Zimmer auf 2 Personen ändern, der Wettkampfanzug (den man bei der DTU bestellen muss) erst am Donnerstag spätnachmittags an, ...

*****
Für alle Schnellleser: ab jetzt das Wettkampfwochenende
*****

Freitags ging es mit Sack und Pack und Rad zum Bahnhof. Die Reise verlief – bis auf eine Aktion mit meinem Rad – problemlos. Das Zimmer war nett und gemütlich. Wir wurden sehr freundlich empfangen und machten uns nach dem Auspacken direkt auf den Weg nach Zofingen – per Bahn natürlich. Da ich zu Hause schon alle Verbindungen rausgesucht hatte funktionierte das erstaunlich (oder schweizerisch?) pünktlich und gut. In Zofingen angekommen fanden wir nach meiner ausgedruckten Wegbeschreibung sehr schnell zur Startnummernausgabe, wo alles fix und reibungslos ablief. Außer das es auf einmal hieß: Uniformkontrolle! Hups, die „Uniform“ hatte ich im Zimmer gelassen. Alles kein Thema – könnte ich am nächsten Tag machen oder gar am Wettkampfmorgen. Dann trafen wir den Teambetreuer, ich bekam die Germany Duathlon-Weste (leider nur noch in S verfügbar und damit zu groß) und wir gingen zur Pasta-Party. Mein Freund konnte gegen „Einwurf kleiner Münzen“ (20 CHF) ebenfalls mit rein. Essen gab's reichlich, aber ich kriegte kaum was runter. Schon seit zwei Tagen hatte ich Bauchschmerzen und Durchfall. Dann begann die feierliche Eröffnung mit schweizerischer Musik, einem schweizerischen Elvis und dem Einmarsch der Nationen, wo jede Landesfahne von einem Kind hereingetragen wurde. Danach wurden die Top 10 der Damen und Herren aufgerufen und empfingen ihre Startnummern. Julia Viellehner saß mir schräg gegenüber am Tisch und erhielt die 4, Katrin Esefeld die 6. Zwei Deutsche unter den Top 10 der Damen! Und das bei 29 Nationen!

Am Bahnhof treffen wir ein Team aus Südafrika und kommen ins Quasseln. Zwei sind aus Kapstadt - Two Oceans und schon ist man im Gespräch. Die sind nur wegen der WM hierher gereist! Und Wiederholungstäter. Sie steigen am selben Bahnhof aus wie wir. In den Folgetagen und auch beim Wettkampf sehen wir uns öfter. Sie erzählen auch ganz begeistert von dem Shop bei Lindt (der Zug fährt an der Fabrik vorbei), wo man so viel Schokolade probieren könne und die so lecker wäre und wovon sie mindestens 4 kg mit nach Hause nehmen würden. Wir sind kurz nach 22h wieder in unserem Domizil und stellten uns den Wecker, weil am nächsten Morgen eine Streckenbesichtung eines Teils der Laufstrecken stattfinden soll, an der ich gern teilnehmen wollte. Außerdem ist um 13 h Athletenbesprechung angesetzt. Wir machen nach dem Lauf den „Uniformcheck“ - alles gut. Beim Blick auf's Wetter wird mir schon ganz anders: morgens soll es einstellige Temperaturen geben (wir haben Achselshirts und kurze Hosen) und dann soll es noch regnen. Eine transparente Regenjacke in meiner Größe konnte ich hier im Umkreis seit 5 Wochen nicht ergattern – auf der Messe ebenfalls Fehlanzeige. Bleibt die Frage: was überziehen – die Weste wird erlaubt, weil sie auch Deutschland erkennen lässt. Ärmlinge sind zugelassen.

Danach zurück, packen, abhängen, essen. Ich kann nicht schlafen, mir ist schlecht, ich hab Kopfschmerzen – und Wadenkrämpfe und Oberschenkel verhärtet und was noch alles. Am nächsten Morgen klingelt um 5h der Wecker. Ich gucke dann noch nach der Schaltung an meinem Rad – und die geht nicht. Panik – aber es gibt einen Bike-Doktor. Die Uhr hab ich am Vortag geladen – sie zeigt nur wenig Ladung als sie zufällig angeht und ich sie wieder ausschalte – Mist, alles Mist!

Nun ja, die Schaltung wird halbwegs gerichtet, ich checke danach fix ein und richte die Wechselzone ein. Danach haben wir noch Zeit für ein Teamfoto mit Alphörnern und danach meint Julia so spaßig das hätten wir doch gut hingekriegt und ob wir jetzt nicht alle nett einen Kaffee trinken und dann nach Hause fahren sollten. Was ich nicht weiß: sie hat Geburtstag – runden.

Natürlich machen wir das nicht, sondern applaudieren den Elite-Damen, die namentlich in den Startblock ganz vorne gerufen werden. Die Ärmlinge habe ich an, um mir die Zeit beim ersten Wechsel zu sparen. Kalt ist es und wolkenverhangen. Auch das Feld der ITU-Starter stellt sich auf, dahinter die Teilnehmerinnen der offenen Wertung. Alles sehr übersichtlich und diszipliniert. Dann geht es los – und direkt die Straße bergauf. Wir sind drei Deutsche und laufen zunächst nebeneinander los, dann jede ihr Tempo. Auf einmal dreht sich bei mir alles, ich schwanke von links nach rechts und zurück über die Straße als ob ich betrunken wäre. Sehen tu ich nur Nebel. Mist, nichts getrunken seit kurz vor 6, ich hab das Gefühl gleich umzukippen. Eine Athletin schnauzt mich an ich solle gefälligst auf einer Seite bleiben – ich mach langsamer und versuche ruhig zu atmen. Bloß nicht umkippen ermahne ich mich. Wenn ich umkippe müssen sie mich von der Straße kratzen – aufgeben will ich nicht. Irgendwann bin ich „oben“ und biege rechts ab auf den Weg. Jetzt geht es wieder. Und weiter nach oben und rum und durch den Wald. Eine sehr schöne Strecke. Alles bestens abgeflattert. Rein in die Arena, rum, raus, nochmal das Ganze. Beim Eingang gab's Wasser – ich hab's genommen. Ich fühle mich wieder gut und die zweite Runde geht locker weg.

Wieder rein in die Arena – und ich renne in die falsche Radreihe. Da steht kein Rad mehr – Elite! Ich Doofe – zurück und die Reihe davor genommen finde ich auch mein Rad. Raus aus den Laufschuhen, rein in die Radschuhe, Helm und Brille auf, Weste an (!) und ab die Post. Es geht aus dem Ort raus, teilweise frage ich mich ob ich noch auf der „Rennstrecke“ bin. Windschatten? Fehlanzeige. Aber jede Abzweigung ist super mit Helfern mit weißen Handschuhen bestückt, die damit den Weg weisen. Sehr übersichtlich. Langsam geht es bergauf und mir wird wärmer. Bergab pfeift der Wind um mich und die Weste flattert knisternd. Drohend lauern die Wolken über uns. Ich verliere jedes Zeitgefühl und fahre nur noch nach Körpergefühl. Wenn ich jemanden sehe versuche ich dranzubleiben, mich aber nicht zu überfordern. Ich werde überholt – hatte ich erwähnt, dass ich eine eher mittelmäßige Radfahrerin bin und Duathleten eher vom Radfahren kommen? - Frauen mit Zeitfahrmaschinen und Aerohelmen, die bergab an mir vorbeirauschen. Nun ja, allzu viele sind es insgesamt nicht, denn auch ich überhole – meist bergauf.

Rein in den Ort, an der Arena vorbei, wo die Zuschauer stehen (unterwegs hat man auch mal Zeit zum Leiden, da sind nur ab und an welche) und ich auch meinen Freund sehe. Flasche tauschen, rein in die zweite Runde. Ein Blick auf die Uhr – geht noch, aber Akku schwach. Und das Ganze nochmal. In der zweiten Runde wird es belebter, denn die Männer sind eine Stunde später gestartet und die Führenden überholen – von Motorrad und Kamera begleitet. Außerdem ist die Kurzdistanz unterwegs, die nur eine Radrunde hat. Hier bekomme ich auch eine blaue Karte für einen Mann wegen Windschattenfahrens mit. Ansonsten – regnet es, ist kalt, windig. Ich huste. Die Isoplörre ist so kalt, dass ich Bauchschmerzen bekomme. Meine Füße sind eiskalt, ich habe kaum Gefühl.Trotzdem verpflege ich mich regelmäßig mit meinen mitgebrachten Feigen, Traubenzucker, den angereichten Bananen, Salz und Iso. Beim Durchfahren des Ortes denke ich „nicht nochmal“, doch ich gehe in die dritte Runde.

Jetzt hörte der Regen auf, blauer Himmel, weiße Wölkchen, grüne Landschaft – ein Traum von Strecke. Nur irgendwer hat den Ventilator angestellt – der Wind ist stärker geworden. Und irgendwer hat noch ein paar Hügel aufgeschüttet, die auf den ersten beiden Runden nicht da waren. Die Schweizer haben sich echt alle Mühe gegeben! Ich kann kaum noch sitzen – das Polster der Hose hat Nähte und ist dicker als ich es gewohnt bin. Kämpfe mit mir, mit ein paar Athletinnen, die ich dann fahren lasse. Versuche mich zu lockern, da alles verkrampft ist. Und denke daran, dass ich ja noch 30 km laufen will. Die Kilometer vergehen einfach nicht. Immer noch 15 – wieder ein schöner Ort, dann noch 10, noch 5 und – yippi – rein in die Wechselzone, wo ich fix meinen Standort finde. Rad weg, Helm in Kiste, Brille, Uhr ist eh aus – ab, Ärmlinge weg. Und los – nein, halt, die Weste muss noch aus und in die Kiste. Uff, jetzt aber.

Am Ausgang der Wechselzone was trinken, den Mannschaftsbetreuer am Weg abklatschen, der zu mir meint jetzt müsse ich leiden, aber ich würde es schaffen. Hat der eine Ahnung! Jetzt kommt mein Ding! Ich hab alle Zeit der Welt und einen 30er Landschaftslauf vor mir. Leiden? Genießen! Ab über etwas Asphalt in den Wald, die ersten 2,5km etwa bergauf. Ich kann laufen! Ja, ich hab nicht das Gefühl hier gehen zu müssen. Messmatte, Verpflegung, weiter, runter, wieder rauf auf der anderen Seite und zur großen Wiese, um die wir schlaufen dürfen. Herrliche Aussicht, sonnig, ein Raubvogel schwebt majestätisch über dem Tal. Das Grün gibt mir Kraft, baut mich auf. Hier ist die Strecke belebt, denn es ist eine Gegenlaufstrecke. Doch auch immer wieder einsamere Abschnitte, im schattigen Wald, in der Sonne – super! Das gefällt mir so richtig gut. Jeder Teamkamerad / - kameradin wird angefeuert, ein paar Bekannte aus Südafrika grüßen, die philippinischen Athleten vom Vortag treffe ich. Zurück zur Arena, immer schön darauf achten sich bergab gut einzuteilen und bergauf ebenfalls (was auf dem Hinweg bergab war ist jetzt natürlich – ihr ahnt es – bergauf). Ab zur Arena, wo ich einmal rumlaufe, an den Zuschauern vorbei, Kinder abklatsche und zu einem Medley aus „Freude schöner Götterfunken“, Carmen und anderen Klassikern rhythmisch durch die Arena und beim „Trumpet Voluntary“ mitpfeifend wieder rauslaufe.

Und rein in die zweite Runde – mit der Gewissheit: ich schaff das! Ich werde Powerwoman! Yes, nochmal leiden, genießen, grüßen. Warum einfach, wenn's auch hart sein kann? Was man sich nicht erkämpfen muss ist gleich viel weniger wert! Und so laufe ich nochmal an allen Stationen vorbei, bedanke mich bei den Helfern, lächle den Fotografen zu (gibt ein paar tolle Fotos – eine Bekannte meinte man könne sehen, dass ich liebe was ich tue). Und dann das letzte Stück bergab. Gas! Yeah! Ich überhole und laufe, freue mich riesig auf den Zieleinlauf. Freundlich dankend abwinken beim Getränkestand vor dem Eingang und dem Rasen, der dieses Mal auf die mit blauem Teppich unterlegte Zielgerade führt – und jubelnd ins Ziel. Geschafft!!!

Beim Einlaufen hatte ich einen Blick auf die Uhr geworfen und grob 9:08h gesehen. Das ist besser als erwartet.

Der Renndirektor persönlich gratuliert jedem Finisher und jeder Finisherin. Und das den ganzen Tag! Ich bekomme meine Medaille – sehr schick – und das Finishershirt und gehe hinaus zu meinem Freund. Der freut sich riesig mich wieder zu sehen und schaut erstmal auf die App, die ihm alle Zwischenzeiten geliefert und jetzt schon den Platz parat hat. Er murmelt was von „1. - 16“. Ich guck ihn irgendwie fragend und ungläubig an. Er meint dann: „Du bist 1. der AK, 16. gesamt, warst nie schlechter als 19. gesamt.“ Ich glaube es immer noch nicht. Ich? Erste? Weltmeisterin der AK? Ich will die Ergebnisliste abwarten, ich Zweifler.

Erst einmal aber will ich ein Bier – und das gibt es auch gleich neben den Duschen. Sagte ich schon, dass es hier kurze Wege gibt? Bier hab ich ihm natürlich gleich eins mitgebracht und wir haben in der Sonne gestanden und getrunken. Dann noch eins. Und dann bin ich erst einmal unter die Dusche, anschließend zur Massage und dann fragen wie lange ich mein Rad in der Wechselzone lassen könne und wo ich es ggf. abstellen könne für die Abschlussfeier.

Hier ist alles ganz unkompliziert – ich könne das Rad hinter die Theke der Startnummernausgabe stellen, nur nicht mit in den Saal nehmen. Klaro. Also hole ich erst einmal die Plörren aus der Wechselzone und sehe dann gerade jemanden mit Listen kommen. Fix schauen – Augen reiben – es bleibt dabei. Ich bin die Nummer 1 der AK. Na ja, vorsichtshalber hatte ich die „Uniform“ schon in der Sonne getrocknet für die Siegerehrung. Waschen und trocken ging in der Kürze der Zeit nicht mehr.

Bei Pasta sitzen wir dann wieder mit vielen aus dem Team zusammen, quatschen, lachen, erzählen von den Strapazen der dritten Radrunde und ähnlichen Dingen. Und von unserer Freude das Ding geschafft zu haben. Und dann ist die Siegerehrung – und ich stehe ganz oben auf dem Treppchen und bekomme zur schicken Finishermedaille noch eine Goldmedaille. Einen Sachpreis gibt es auch noch – sehr schick: ein paar Conti-Mäntel für das Rad- Na, das ist was, was Frau brauchen kann! Denselben Preis bekommen übrigens auch die 1. Männer – Gleichberechtigung pur! Natürlich freuen wir uns im Team über jeden, der in der Siegerehrung vertreten ist und freuen uns und lachen gemeinsam.

Dann ist es Zeit für den Abschied, denn leider fährt unser Zug nur einmal pro Stunde.

Die Zeiten und Plätze im Einzelnen:
43.33 1.¦ 1.51 1.¦ 5:35.01 1.¦ 2.12 1.¦ 2:45.24 1.¦

Gesamtzeit 9:08:03h, Platz 1 AK (von 6), Platz 16 gesamt (von 28 Finisherinnen, davon 7 Elite). Der Rest der 11 Eliten ist nicht angetreten. Die erste meiner AK aus der offenen Kategorie war hinter mir – gut so, brauch ich mich nicht schämen.

Am Sonntag beschließen wir am Montag den Laden von Lindt leer essen und ausrauben zu gehen, bevor wir uns auf den Heimweg machen. Am Ende stehen wir ohne Geld da - sie haben uns ausgeraubt. Und zu probieren gab's bloß die Sommersorten (zwei) und eine Kugel.

5
Gesamtwertung: 5 (17 Wertungen)

Der absolute Wahnsinn!

Ich gratuliere dir von ganzem Herzen zu deinem grandiosen Erfolg! AK-Weltmeisterin - Powerwoman! Du bist einfach der Hammer!!!
Wie lang ist denn bei einem LD-Duathlon die erste Laufstrecke und sind es 180 Radkm?
Übrigens hast du mir einen Floh ins Ohr gesetzt. Nächstes Jahr probier ich auch mal einen Duathlon. Allerdings nicht gleich eine Langdistanz ;-)

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Ganz dicken Glückwunsch

Wirklich große klasse. Glückwunsch zu einem wirklich tollen Ergebnis.
Morgen les ich den Bericht noch mal ausführlich, jetzt bin ich erst mal zu den "hard facts" gesprungen. :)

Gute Erholung!

Ganz toll gemacht..

.. und ein wirklich schöner Wettkampfbericht!!

Stefan

Nein, nicht die Kurzfassung!

Die lange Version ist großartig - hey, es war schließlich auch eine Langdistanz, da ist das angemessen. Boah, was für ein grandioser Bericht von einer grandiosen Leistung! Vielen, vielen Dank dafür! Und herzlichen Glückwunsch, liebe Weltmeisterin. Wow, ist das unglaublich! Super, Wahnsinn, ungeheuerlich!

yazi (der gerade die Superlative ausgehen)

Hammerleistung!

Ganz dicken Glückwunsch!
Du hast dich trotz der unruhigen Zeiten im Vorfeld und der Zwischenfälle in letzter Minute nicht von deinem Ziel abbringen lassen und das Rennen super gerockt.
Und auf den Bildern strahlst du wirklich :D
LG clarin

Du hast es geschafft

Oh, so ein schöner Bericht, herrlich profiliert wie die Strecke. So schade, dass wir das mit dem Treffen doch nicht hinbekommen haben, aber du weisst ja .....

Auch hier noch mal meine herzliche Gratulation zu dieser Wahnsinnsleistung.

lg Deine Buddy

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Und all das im Grunde auf nüchternen Magen, *kopfschüttel* :-)

Riesenrespekt vor dieser, deiner Leistung! Sagenhaft, wie du das alles gewuppt hast. Physisch wie psychisch! Ganz, ganz fetten Glückwunsch! Wie schön, dass dein Freund noch mitfahren konnte. Tja, son paar Fahrradmäntel von Conti kriegt auch nicht jede, *lach!* Aber Hallo, eine Goldmedaille, ist das irre und sowas von verdient! Haha, wenn der Typ deine Gedanken hätte lesen können, als er meinte, du müssest jetzt leiden, weil es auf die Laufstrecke gehe. Jaaaaaa, Laufen kannst du sowieso wie ne EINS, da macht dir niemand etwas vor, *freu!*
Jetzt erstmal gute Regeneration und zwar in ALLEN Lebenslagen! Fühl dich ganz doll gedrückt und nochmal HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH !!!

Lieben Gruß
Tame

ein halbes Leben

hochspannend erzählt! Ich hab mitgefiebert, mitgefreut und mitgelitten....

Und natürlich: Allerherzlichsten Glückwunsch zum WM-Titel!!!

Glückwunsch!

Mir wäre auch schlecht gewesen!

Wenn so ein Hammer vor einem steht und dann noch im Nationaltrikot...

Du hast das super gemeistert und allen gezeigt, was in dir steckt.

Gruß Nicole

Glückwunsch!

Mir wäre auch schlecht gewesen!

Wenn so ein Hammer vor einem steht und dann noch im Nationaltrikot...

Du hast das super gemeistert und allen gezeigt, was in dir steckt.

Gruß Nicole

LD Duathlon

Die erste Laufstrecke war 10km lang und Radstrecke war 150km.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Ausgeraubt???

Dein Ernst??????

Nee nee, du machst Sachen. Und mir noch einen vorjammern. Natürlich war klar, dass du das schaffst. Und dass du das da vorne schaffst. Und so ganz da vorne.... ;-)))

Die Gesichter hätte ich sehen mögen. Lasst die Frau bitte mal vor, die will noch 30km laufen ;-)))

Liebe Birgit, ich bin so wahnsinnig stolz (warum eigentlich? Ich habe ja nichts gemacht, na egal) und glücklich! Das war eine Riesenleistung!!! Und die hattest du dir in diesem Sch...Jahr sowas von verdient. Es gibt doch noch Gerechtigkeit ;-))

Uiiih, ich kenne eine Weltmeisterin ;-)))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Traum

super gemacht :-)

Hammerleistung. Tiefe

Hammerleistung. Tiefe Verbeugung Frau Weltmeisterin. Klasse Bericht. Und Lindt hätte ich auch besucht. Was hat den der deutsche Zoll zu den 10 kg Schokolade gesagt ;-)? Liegt wohl über der Freigrenze.

Kommentare

@Sonnenblume2: Mach das - da gibt es auch kürzere Distanzen.

Arne Dyck schreibt u.a. "Der Powerman Zofingen ist ein Urmeter unseres Sports. Er steht für Strapaze und Durchhaltevermögen ohne Tamtam. Anstrengung um seiner selbst willen: Keine Hawaii-Meriten winken, keine mit anderen Langdistanzen vergleichbare Finisherzeiten, nichts zum Angeben. Nur Du selbst und ein paar Mitstreiter wissen, was Du geleistet hast. Zofingen ist hart und nichts für eventorientierte Prahlhänse." und "Denn der Powerman in Zofingen steht für Grundwerte unseres Sports, die wir auch in Zeiten des Booms nicht aus den Augen verlieren dürfen."

In einem anderen Artikel schreibt er "Duathlon ist ideal für Quereinsteiger aus der Lauf- und Radszene und hat einen ganz eigenen Reiz".

Ich kann den Aussagen nur beipflichten. Verglichen mit den Veranstaltungen von Ironman, wo ich dieses Jahr zum erstem Mal mitgemacht habe, fand ich Zofingen viiiieeeel netter und ursprünglicher. Mir gefiel auch die Mischung aus Asphalt, Schotter und Natur besser als nur Asphalt und Käfig Hin und Her. Andere finden die vielen Zuschauer schöner - das ist wirklich Geschmackssache.

Ich persönlich hatte das Gefühl, dass es bei M-Dot nur um Kommerz geht - möglichst viele Athleten zu möglichst hohen Preisen "abfertigen". Nicht mal die Bilder sind richtig gut - etwa die Hälfte vom Kraichgau zeigt andere Athleten!

@Moritz79: Danke!

@StefanKBale: ja, das war ein wirklich schöner, gut organisierter Wettkampf. Ok, hart war's auch - aber schön. Mir hat auch gefallen, dass es von Freitag bis Sonntag ging - so mit Eröffnungs- und Abschlussfeier. Irgendwie rund. Wie am Rennsteig mit Kloßparty vorher und Schneewalzer hinterher :kicher:

@yazi: Die Sache mit den Superlativen finde ich auch ein wenig übertriegen. Aber sie gehört bei vielen Wettkämpfen zum Marketing. "Extrem", "Herausforderung", "härteste Radstrecke", ... - das soll natürlich "Kunden" anlocken. Aber muss ich immer härter, immer höher, immer weiter? Der Wettkampf in Zofingen gilt als "Klassiker". Das zieht mich dann an :lach: So etwa wie der Rennsteig - wollte ich mal mitgemacht haben.

@clarin: danke. Ich hab moistens die Fotografen rechtzeitig gesehen :grins: Es hat mir aber wirklich Spaß gemacht dort zu laufen. Ich mag diese Art des Laufens.

@Etu58: vielleicht klappt das mit dem Treffen ein anderes Mal. Die Schweiz hat ja noch viele für mich interessante Wettkämpfe :kicher:

@Tame: Danke für die guten Wünsche. Kann ich momentan in vielen Dingen gut gebrauchen.

@Rosko: freut mich, dass Du mitleiden konntest!

@Nicolsche: ja, das ist schon eine mentale Herausforderung. zumal ich mir nicht sicher war wie das unter den gegebenen Umständen gehen sollte. Man will sich ja auch nicht "blamieren". Wobei: in Zofingen ist ein Finish gut! Die Goldmedaille war "obendrauf" - im letzten Jahr hätte ich mit der Zeit "nur" Silber geholt. Manchmal hat man einfach Glück - und die schnelleren sind nicht da :tralala:

@strider: Wir haben unsere letzten CHF dagelassen und echt nur 3 Stückchen probiert! 30km laufen wollten da eigentlich alle, die ins Ziel wollten. Ich hatte mich am Vortag bei der Streckenbesichtigung schon "verliebt". Hart, aber schön. Eben mein Ding.

Doch, Du hast einen Teil der Medaille verdient und kannst stolz sein - ohne Dich ...

Zur Sache mit dem Jammern meinte mein Freund er würde sich erst dann Sorgen machen wenn ich vor einem Wettkampf nichts hätte und ganz ruhig wäre :lach:

Den Traum von einer Medaille hatte ich Dir ja geschrieben (Du erinnerst Dich an die Serie), aber gleich GOLD?

@rainbowdreamer70: Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum! Wenn nicht jetzt, wann soll ich so etwas machen? Ich bin ja schon zu alt für Olympia. Als Schülerin war Sport mein schlechtestes Fach. Ich wurde zu Hause gehänselt, weil ich weder eine Siegerurkunde beim Sportfest ergattern konnte (während meine Schwester eine solche und die andere gar eine Ehrenurkunde nach Hause brachten) noch eine gute Figur beim Turnen abgegeben habe.

@mausux: es hat nur zu 650 gr gereicht. Zoll hat einmal weiter hinten in der Bahn jemand was gefragt, aber wir hätten das als Reiseproviant deklariert und zur Not vor seinen Augen verspeist :kicher:

Einfach nur der Hammer

diese Powerfrau - ganz herzlichen Glückwunsch Weltmeisterin!

LG,
Anja

*kinnladewiederhochklapp*

...was für eine grandiose leistung, liebe fazer! und dankeschön fürs teilhaben lassen...
____________________
laufend gratuliert hochachtungsvoll: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

das klingt immer wie im

Traum. Danke fürs Mitnehmen- ich bin im Moment ehr unfit aber mit deinen Berichten schaffst du Platz in meinem Kopf für neue Motivation und Visionen:)- damit das Feuer weiter brennt! Ganz herzlichen Glückwunsch, Mädel, du bist einfach sagenhaft!...going beyond the mind -it's where the magic happens...

Du bist der

Wahnsinn! Ganz fetten Glückwunsch auch von mir.
----------------------------------
LG Inumi
Wenn ein Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.

von Herzen

Glückwunsch zu diesem grandiosen Sieg!!
Du Weltmeisterin :)))
LG, KS

Woran ich alles "schuld"

Woran ich alles "schuld" bin...sogar an deutschen Weltmeistertiteln ;-). Herzlichen Glückwunsch nochmal...aber das hatten wir ja schon vor Ort.

Schön jetzt auch Deinen Bericht dazu zu lesen.

Mein Boston-Blog: danielssichtderdinge.wordpress.com/boston-marathon

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