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Irgendwann im November hatte ich mich in Unkenntnis meines eigenen Plans für die Seniorinnenliga in Witten gemeldet und mir unter Sprintdistanz eben dasselbe wir Volksdistanz vorgestellt. Irgendwann im Juni war ich auch auf der Seite und sah das auch noch so: 500m-20km-5km. Alles gut. Das wird eine Woche nach Wiesbaden schon gehen.

Was ich da schon nicht beachtet hatte: die Radstrecke ist eine 2-km-Gerade, die fünfmal hoch und runter gefahren werden muss, also pro "Runde" zwei 180-Grad-Wenden! Und die 5km Laufstrecke ist ebenfalls eine Wendepunktstrecke, die viermal zu durchlaufen ist. Wer mich kennt weiß um meinen Rundenkoller - das ist nicht meine Welt.

Kurz vorher dann der Schock beim Raussuchen der Adresse: 750m sind zu schwimmen, davon die Hälfte ruhraufwärts! In der Ausschreibung steht dann extra noch ein Haftungsausschluss, weil die Ruhr nicht als Badegewässer freigegeben wird (wegen Colibakterien und ähnlichem Zeugs). Aktuelle Wassertemperaturen 24 Grad - da wird es dann auch noch ein Neoverbot geben. Na klasse.

Entsprechend freudig packe ich dann samstags meine Tasche, nehme den Neo aber sicherheitshalber mit, weil der Verlauf morgens Wassertemperaturen unter 22 Grad anzeigt. Angesagt ist Regen, morgens regnet es auch tatsächlich Bindfäden. Kalt ist auch noch - 16 Grad sind so etwa die Hälfte vom Vortag, wo ich im Sauerland auf dem Rad geschwitzt und mir noch fast einen Sonnenbrand geholt hatte (öhm, der Sprint passt gerade so gar nicht, aber gemeldet ist gemeldet; da lässt man die Mannschaft nicht "im Regen" stehen).

Ab nach Witten, wo ich meine Vereinskolleginnen dann endlich finde (wobei ich von den netten Helfern noch mitsamt Rad komplett durch die pitschenasse und knöcheltief matschige Wiese rund um die Wechselzone geschickt werde anstatt kurz über die schon präparierte Laufstrecke 3m rüber zum Check-In). Schon da hab ich den Kaffee auf. Aber es kommt noch besser - alle nach mir dürfen dann den kurzen Weg nehmen! Mein Rad sieht aus - dabei hatte ich das am Vortag noch liebevoll drübergewischt. Die langen Strohhalme und Grashalme hängen überall - in der Schaltung, zwischen den Bremsen, an den Reifen, am Rahmen, ... Igitt.

Plörren werden im Müllsack gelagert, das Neoverbot kommt durch die Lautsprecher, für die Taschen gibt es immerhin ein Zeltdach (wobei ich meine Wechselplörren auch in eine Plastiktüte gepackt hatte - man weiß ja nie). Kalt ist uns allen, mir stehen die Haare zu Berge. Meine Vereinskollegin meint mit einem abschätzenden Blick auf meine weißen Beine ob ich denn überhaupt schon auf dem Rad gesessen hätte dieses Jahr. Dann ab zur Besprechung. Und entweder waren die männlichen Ansager doof oder schlecht informiert. Jedenfalls hieß es erst gegen den Uhrzeigersinn um die Bojen, dann doch im Uhrzeigersinn.

Wir mussten dann über eine Holztreppe rein in die Schleuse - direkt neben einem tuckernden Diesel (bah, stinkt!). Und schon gefühlte 250 m zum Schwimmstart "einschwimmen zum Aufwärmen", aber da ist nichts warm! Ich friere im Wasser noch mehr als draußen. Scheixxe, Boje? Ah, eine sehe ich, die andere nicht. Die nochmalie Ansage der Schwimmrichtung ergibt dann dieselbe Verwirrung nochmal. Erst links rum, dann doch rechts rum. Ich entschließe mich in der Drecksbrühe Brust zu schwimmen. Mir doch wurscht, gegen die Strömung hab ich kraulend gar keine Chance! Der Start - ich kämpfe mich durch Wasserpflanzen, Entenkot und ähnlich nette Dinge. Irgendwann kribbeln beide Hände bis in die Unterarme - null Gefühl. Ich sehe die zweite Boje - das sind nie und nimmer nur gute 300 m! Gefühlt komme ich kein Stück vorwärts, obwohl ich kräftig schwimme. Das Feld entschwindet - und ich dümpel hinterher. Immerhin: irgendwas ist noch hinter mir - oder irgendwer - denn ich kriege Schläge auf die Füße. Dabei kann man hier sogar die Beine der Vorausschwimmenden im Wasser erkennen - anders als in Wiesbaden, wo quasi Null Sicht aufgrund des Sandes im Wasser war. Das Kribbeln verstärkt sich immer mehr und ich überlege schon aufzuhören, weil einfach nichts geht - äh, schwimmt. Eine Mitstreiterin schwimmt zum Rettungsboot und ruft "ich will hier raus". Aber irgendwie komme ich doch bis zur Boje und zurück geht es etwas flotter. Auf dem Rad brauch ich die Hände nicht - weiter!

Ab zum Rad, aber man braucht die Hände um die Schuhe anzuziehen. Das entpuppt sich ohne Gefühl als "suboptimal". Wenigstens kann ich in Radschuhen dann raus aus der Wechselzone joggen. Da stehen noch Räder - ich bin also nicht Allerletzte! Und eine ist kurz vor mir - die hole ich mir! Doch halt, wir werden nicht auf die Radstrecke gelassen, weil der Tross gerade vorbeikommt. Ganz schnell ist mir klar: die haben 4km Vorsprung. Und ich muss hier anhalten! Ich hab schon wieder den Kaffee auf. Was ein besch... Wettkampf! Dann endlich auf die Strecke - und los! Kaum in Tritt gekommen wird man schon vor dem Wendepunkt auf der engen Straße abgebremst, im Schneckentempo rum, Gas rein! Und ich jage hier wie ein Tiger im Käfig hin und her, überhole, komme in einen Pulk, der mich nicht vorbei lässt, dann aber Richtung Wechselzone abbiegt. Am liebsten wäre ich mit abgebogen - gezählt hat da keiner und Kontrollmatten gab's auch nicht. Aber ich bin halt eine ehrliche Haut und fahre in die letzte Runde. Beim Zurückfahren sehe ich noch ein paar vereinzelte Räder auf der Strecke - viel ist das nicht. Dann ab Richtung Wechselzone, wo ich viel Zeit auf der rubbeligen, hubbeligen Straße vertrödel, weil da Leute rumspazieren. Na toll!

Rein in die Wechselzone, Radplatz fix gefunden, Versuch die Laufschuhe anzuziehen scheitert beim ersten Mal an den Eisklumpen unten, die meine Füße sein sollen. Endlich geschafft. Und jetzt mal los - aber irgendwie hab ich keinen Spaß - nicht mal am Laufen! Ich komme nicht in Tritt, es ist unrund (kein Wunder mit dem ganzen Dreck und Gras in den Schuhen). Und ich kann nicht "kurz und knackig" - irgendwie schwebt mir da ein HM vor. Erst als eine frühere Vereinskollegin auf mich aufläuft schalte ich mal den Turbo ein, schnappe mir noch eine meiner Vereinskolleginnen und humpel total erfroren ins Ziel. Nicht mal beim Laufen ist mir warm geworden, die Haare stehen immer noch zu Berge. Und es regnet, und regnet und regnet.

Nach einem - immerhin halbwegs warmen - Eistee (ich mag das Zeug überhaupt nicht) fragen wir dann nach Duschen. Umständlich versucht der Helfer uns zu erklären, dass im Bergwerk in der letzten Nacht, ... als ich ihm sage: "also kurz und knapp: es gibt keine" und er rumdruckst bis zum "nein". Nun ja, wir ziehen uns dann im Freien unter dem Plane um, was die nach uns startenden Männer sicher erfreut. Dann will ich an der Straße, wo ich ja auch gekommen bin, zurück zum Auto. Doch nein, da darf ICH nicht lang. Ich werde quer über den Acker geschickt, wate durch knöcheltiefe Matsche und Kuhfladen und komme dann irgendwann völlig frustriert an meinem Auto an. Ab nach Hause, unter die Dusche die Entenplörre abwaschen, die schon überall juckt. Die Beine sind braun - vom Schlamm!

Was essen - und dann rumhängen. Ich hab keine Lust zu nix. Abends sehe ich dann in der Ergebnisliste, dass unsere Mannschaft 5. geworden ist - immerhin sind wir alle drei ins Ziel gekommen.

Zeiten? Wollt ihr gar nicht wissen.
1:27:06h gesamt, 27:56 S 35:59 R 23:13 L
Laut Ligaliste bin ich damit mit 5 Minuten (!!!) Rückstand auf die Vorletzte beim Schwimmen Allerletzte geworden. Mhm, komisch, die hatten doch kurz vor mir eine aus dem Wasser gezogen und nach mir kam auch noch was? Ah ja, Senioren waren noch unterwegs und die Damen der Regionalliga (von denen eine ganz deutlich eine Radrunde geschummelt hat).

Beim Durchstöbern aller Ligalisten bin ich dann - außer dem Schwimmen - gar nicht mehr so unzufrieden. Vor allem die Radzeit gefällt mir - wenn man noch die Warterei und das Zurückgondeln abrechnet gefällt sie mir noch besser. Schon so ein Schnitt von 33,35km/h bei Regen und mit Wendepunkten. Mit Alurennrad und normalem Radhelm - pssst - schneller als meine vorher fragende Vereinskollegin, die mit Aerorad und -helm ganz stolz darauf war vor mir im Ziel zu sein (kein Wunder bei 20 Minuten Schwimmzeit!).

Fazit: Sprint ist nichts für mich. Und so einen schlecht organisierten Wettkampf hab ich selten (wenn nicht noch nie) mitgemacht!

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Mensch,

was für eine Schxxx-Orga, das darf es doch echt nicht geben.
Glückwunsch zum ehrlichen Durchziehen unter widrigen Bedingungen.
Und ich denke auch, Du wirst es wieder tun.
Gestern in Weilburg sind auch paar meiner TTSler nicht gestartet oder haben abgebrochen wegen des Wetters, was ich gut verstehen kann.
Mich wärmt ja wenigstens immer noch das Fettpolster ;o)

LG,
Anja

Hier!!!

ich nehme die Zeiten, wäre damit natürlich superzufrieden ;-))

Aber ich kann verstehen, dass es keinen Spaß gemacht hat. Abkürzen war bei uns auch problemlos möglich, und angesichts einiger Radzeiten möchte ich mal behaupten, dass da der/die eine oder andere mal eben nach der 3. Runde abgebogen ist. Das ist unsportlich. Andererseits verstehe ich auch nicht, warum sie da nicht einfach Matten hinlegen oder Bändchen verteilen. Wir hatten nicht mal unsere Startnummern auf der Badekappe oder dem Arm, was ja sonst üblich ist. Dann hätten ein paar Kandidaten vielleicht einfach mal Manschetten gehabt, dass sie erwischt werden, wenn sie abkürzen.

Ja, das mit dem "nichtBadegewässer" mussten wir auch im Kleingedruckten akzeptieren. Ich muss ja nicht in Trinkwasser schwimmen, aber Mut macht es trotzdem nicht, oder?

Dass es keine Duschen gibt finde ich inakzeptabel. Bei uns gab es zwar welche, aber die lagen am anderen Ende der Stadt, also trockene Klamotten an Ort und Stelle umziehen, alles ins Auto packen, zum Duschen fahren... da kann ich auch gleich nach Hause fahren und in Ruhe duschen.

Wir putzen uns beide einfach den Mund ab und machen trotzdem weiter Triathlon, nicht wahr?

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Gratuliere

Liebe Birgit,

das ist doch gut gelaufen, äh geschwommen, geradelt. Super und das bei all deinen Umzugskisten.

Ich meine, Du hast alles richtig gemacht.

lg us em Aargau

Ute

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Unglaublich!

Ähem, gar nicht schlimm, dass ich kein Tria kann. Wirklich so ganz und gar nicht schlimm. Also das brauche ich definitiv nicht! Stell dir vor, das passiert beim Debüt!?
Aber du hast klasse gekämpft, alles durchlitten und eigentlich doch innerlich gesiegt. Nicht nur über den Schweinehund, gesiegt über Vereinskollegen und vor allem über die katastrophale Orga! Klasse gemacht! Kannst mega stolz auf dich sein!
Aber wirklich unglaublich....deine Zeiten!!! Hammer gut!!! Trotz allem;-)

Lieben Gruß
Tame

Aus der Ruhr...

..wird immerhin Trinkwasser gemacht. Kannst also froh sein, dass Ihr nicht in der Emscher schwimmen musstet ;-)
Ich wäre bei dem Mistwetter garnicht erst gestartet (mal ganz davon abgesehen, dass ich sowieso NIE bei einem Triathlon starten werde).
Meine Bewunderung ist Dir jedenfalls sicher!
Viele Grüße, WWConny

Uärx!

Nee, nee, dazu könnte ich mich nicht überwinden. Und wenn die Veranstaltung dann noch so schlecht organisiert ist, kann ich das mit dem offenen Kaffee sowas von verstehen! Ich find's ja bewundernswert, das dann dennoch durchzuziehen. Hoffentlich werden die nächsten Trias wieder vergnüglicher!

yazi

Du hast enormen Teamgeist!

Dein Team kann so dankbar sein, dich zu haben. Letztendlich bist du ja nur fürs Team gestartet. Und hast erfolgreich mit toller Rad- und Laufzeit gefinisht. Chapeau!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Ahhhh -

es gibt Triathlon auch in unappetitlich!
Ganz ehrlich - du hast Glück gehabt: alles, was ich mir unter einem Desaster bei einem Triathlon vorstelle hast Du in einem Wettkampf abgehakt! Da kann dann zukünftig nix mehr schiefgehen!
Allergrößten Respekt fürs (ehrliche!) durchziehen! ...und wirklich: die Rad- und Laufzeiten sind besonders bei diesen Bedingung der Hammer!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Nomen est omen

Ruhr klingt ja schon, als würden die Bakterien nur auf einen warten )-:
Nie im Leben wär ich da rein! Toll durchgezogen! Herzlichen Glückwunsch.

Ich bin dann mal weg

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