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Für den 70.3-Ironman in Wiesbaden hatte ich mich im Dezember letzten Jahres unter zwei Voraussetzungen angemeldet:
1) eine Vereinskollegin hatte mir die Radstrecke als "sehr schön" empfohlen
2) es ist EM 70.3, nicht weit weg, und da ich schon im Kraichgau (ebenfalls aufgrund der Radstrecke) bei der DM 70.3 angemeldet war wollte ich mal ein M-Triathlonjahr machen und die (offene) EM "mitnehmen".

Ab Februar geriet mein Leben so richtig "aus den Fugen". Und leider hat sich die Situation bisher nicht entscheidend verbessert. Irgendwie hab ich den Eindruck wenn man nur den Kopf hebt um zu schauen ob man aufstehen kann kriegt man den nächsten Tritt in die Kniekehle, den Allerwertesten oder sonst wo hin. Jedenfalls ergab sich die Entscheidung eines Umzugs kurz vor dem Kraichgau und die Planung wurde auf Ende Juli gelegt - also kurz vor Wiesbaden. Nun ja, irgendwie muss das gehen. Halt viel Krafttraining (Kisten schleppen, Möbel schleppen, ...) und Zeitaufwand zusätzlich dafür - der dann beim Training fehlte. Also musste es mit dem minimalistischen Ansatz gehen: einmal die Woche "knallen" auf dem Rad, einmal die Woche ruhig und länger, einmal Tempotraining laufen, möglichst zweimal schwimmen (davon einmal im See) und irgendwie noch ein Koppeltraining. Ende Gelände.

Jedenfalls war ich dauermüde und hatte eigentlich keine Lust zum Starten, da sich noch Ende Juli ein ganz neues Ziel ergeben hatte (ziemlich spontan und ganz unerwartet), das die EM zum "Nebenschauplatz" und "Trainingswettkampf" verkommen ließ.

So fuhr ich am Samstag ziemlich müde und lustlos nach Wiesbaden. Schwülwarm war es noch zusätzlich, also nicht mein Wetter. Hier war die Organisation hervorragend. Bei der Anmeldung musste ich nicht mal warten und bekam sofort meine Nummer, schnell Rucksack mit Beuteln holen und ab zum Hotel packen. Dann wieder mit Rad los zum Shuttlebus, der mich mitsamt Rad zum Schwimmstart – und ohne Rad zurück - fuhr. Währenddessen verbrachte mein Freund, der vom Shuttle entgegen der Ausschreibung nicht mitgenommen wurde, seinen Geburtstag bei der Wettkampfbesprechung. Anschließend (ich kam erst nach dem Ende wieder zurück, weil sich das Ganze doch länger als geplant hinzog, was aber eher am von mir nicht eingeplanten langen Fahrtweg als an Problemen beim Bike-Checkin lag). Das erste war: „Kein Neo-Verbot“ – das hatte ich eigentlich fest eingeplant, da in der Woche der Baggersee schon mit 24 Grad im Internet stand. Yesssss. Zum Glück hatte ich ihn sicherheitshalber eingepackt.

Die restlichen Details hat er mir dann bei Kaffee und Kuchen erzählt, denn ab da war Geburtstag angesagt. Abends noch gemütlich eine Pizza gegessen und dann zurück ins Hotel. Irgendwie bin ich dann eingenickt, während er noch Fernsehen geschaut hat. Der Wecker war auf 4:45h gestellt, er würde nicht mit zum Start kommen (Shuttle sollte die Zuschauer erst später mitnehmen). Stattdessen wollte er im Kurpark laufen, wo ich auch nach dem Rad laufen würde. Den hatten wir uns auch am Samstag schon weitgehend angeschaut – ganz nett, viel Schatten, Schotterwege und Asphalt gemischt, hubbelig wie in der Ausschreibung (ich hatte das noch angezweifelt).

Eigentlich wollte er mit mir frühstücken, doch er wurde von meinem Wecker nicht wach und ich schlich mich raus. Da saßen schon einige und man kam ein wenig ins Gespräch. Zurück ins Zimmer, fertig machen – da wurde er wach. Also noch schnell verabschieden, los zum Shuttle – rein in den ersten in der Schlange, da gerade noch zwei Plätze frei waren und nur noch Dreiergrüppchen wollten. Da standen aber noch jede Menge Busse dahinter und die kamen auch nochmal zurück. Jedenfalls war ich rechtzeitig zum Pumpen an Wechselzone 1, konnte noch in Ruhe Helm und Brille ans Rad tun und den Neo anziehen.

Es sollte ein „Rolling Start“ werden und ich sortierte mich zwischen 40 und 50 Minuten etwa mittig ein (im Kraichgau hatte ich knapp 43 gebraucht). Da alle Athleten aufgefordert waren sich nach ihrem geschätzten Vermögen einzusortieren sollte der Start und auch das Schwimmen ohne Klopperei vor sich gehen, da immer etwa 15 Athleten im Abstand von 5 Sekunden ins Wasser sollten. Die Nationalhymne wurde gespielt (zu früh nach Aussage des Sprechers; mitten in einem Interview). Aus der Strecke der Profis konnte ich dann schon ein wenig ersehen, wo es langgehen sollte. Der Rolling Start entpuppte sich als Hineinrennen aller Athleten nacheinander, also langsam mit dem Feld nach vorne dackeln, ab über die Linie und rein ins Wasser.

Und losschwimmen, aber das war einfacher gedacht als getan. Bis zur zweiten Boje gab es Klopperei, ich bekam permanent Tritte, Schläge, sonst was ab, weil sie von hinten kamen, Männer, rücksichtslos, in maßloser Falscheinteilung. Nachdem mir einer noch nach dem Überholen mit den Füßen unters Kinn getreten hatte hab ich ihn am Fußgelenk gepackt, mich aus dem Wasser gestemmt und ein böses Wort gerufen. Das alles half nicht beim Schwimmen. Ich kam überhaupt nicht „in Fahrt“. Egal, weiter zum Landgang, raus, wieder rein, ab zum Ziel.
Hier galt es einen sandigen Hügel zu erklimmen, oben den Wechselbeutel zu finden (nicht ganz so schwer, waren nicht mehr so viele), einen Platz im überfüllten Wechselzelt zu finden (also kurzerhand im Stehen neben der Bank den Neo runtergerupft und total versandet in die Tüte reingestopft, nachdem ich die Füße mit dem Handtusch ein wenig entsandet und in die Radschuhe gesteckt hatte). Raus aus dem Zelt, Beutel abgeben, Wasserstand, weiter zum Rad. Aber leider waren die Wege verstopft, weil die Athleten mitten auf dem Weg mit dem Rad in aller Seelenruhe GINGEN. Hallo? Kann man nicht wenigstens am Rand gehen und die vorbei lassen, die vielleicht etwas eiliger laufen möchten? Irgendwann war aber auch das geschafft (hinterher gesehen: 5 Minuten Wechselzeit – unterirdisch, war aber auch eine ziemlich lange Wechselzone) und ich saß auf dem Rad. Schrott, schon über 50 Minuten – ich hatte schon den Kaffee auf, wie man so schön sagt.

Aber jetzt sollte ja die Sahne-Radstrecke kommen, die auf 90 km etwa 1500 Höhenmeter aufweisen und „einer Europameisterschaft würdig“ (so die Ausschreibung) sein sollte. War sie auch, leider war zwischenzeitig aber immer wieder etwas Regen, der die Kurven arg glatt machte. Die Helfer taten alles, um uns von Stürzen abzuhalten und ich erwies mich als „Bergabschisser“. Lieber runterbremsen, in die Kurven reinschleichen und hinterher wieder beschleunigen. Lieber heil ankommen und dafür etwas länger brauchen. Bei der Besprechung war noch angekündigt worden, dass es Stellen gäbe, an denen man sich über eine einstellige Anzeige nicht wundern dürfte, andererseits aber auch eine Abfahrt vorhanden sein sollte, wo man die 100 erreichen könnte. Bei mir wurde es weder das eine noch das andere. Die minimale km-Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 10,3 km/h, maximal erreichte ich 72,6 m/h (Durchschnitt 69,8)– immerhin ein neues mit Garmin gemessenes Maximum. Die Radstrecke war insgesamt sehr kurzweilig, da es immer wieder durch den Taunus, mal wieder durch Ortschaften mit Zuschauern, durch Wälder, rauf oder runter ging. Aber ich wurde schon unruhig, denn bei 3h war ich noch weit weg von den 90 km. Ab km 80 gut ging es dann mehr oder weniger bergab (mit der heißen Abfahrt) wieder Richtung Wiesbaden, rein in den Ort und Richtung Wechselzone 2. Da waren schon ca .3:25h um! Allerdings habe ich erst kurz vorher bemerkt, das da schon die Wechselzone war, so dass ich nur fix die Radschuhe aufmachen konnte und dann quasi beim Anhalten die Füße rausrupfen musste. Bevor ich noch ganz über die Zeitmessung gelaufen war hatte man mir das Rad schon aus der Hand gerupft. Mitsamt Garmin. Egal, dann muss es eben ohne Uhr gehen! Umdrehen wäre auch blöd.

Also weiter zum Beutel, rein ins Zelt, raus aus den Radschuhen, rein in Socken (!) und Laufschuhe, Radschuhe, Helm und Brille in die Tüte und ab die Post. Etwas irritiert suche ich den Ausgang, der genau auf der anderen Seite liegt. Ups, am Abend vorher falsch eingeprägt.

Es geht ein wenig durch die Stadt auf der Straße, vorbei an vielen Zuschauern, rein in den Park. An den Verpflegungsstellen das übliche Chaos mit Müll auf dem Boden, den man umkurven oder überrennen muss, Athleten die direkt vor der Nase stehenbleiben, etc. Ich schaffe am Ende immer den zweiten Wasserstand, ab und an mal erwische ich einen Schwamm. Den Salzkruste konnte man vom Gesicht kratzen – das war mir schon beim Rad aufgefallen (ich hatte aber genug Salz „an Bord“). Also schön gefühlt locker durch den Park, wieder auf die Straße, unterwegs ein paar besonders nett anfeuernde Zuschauer, ein paar Bekannte auf jeder der vier Runden. Sehr schön, so macht mir Laufen Spaß! Am Ende der Runde gab es jeweils ein farbiges Bändchen, nach der zweiten und dritten Runde rief mein Freund vom Rand – und ich habe ihn gesehen! Kurzer Stopp vor der letzten Runde und mit einer Aufmunterung und einem „bis gleich“ los. Nach dem vierten Bändchen dann „Schaulaufen“ durch die Gasse der Zuschauer und Abbiegen in den Zielkanal – yeah, geschafft. Mein Freund steht auch direkt geradeaus und ruft und winkt und so quetsche ich mich pitschenass zum Zaun und begrüße ihn. Er macht noch ein Foto, dann gehe ich in den Verpflegungsbereich und verabrede mich mit ihm „am Ausgang“. Nun ja, das hat dann etwas gedauert, aber nach einer schönen Dusche – ja, es gibt auch tolle mobile Duschen! – finde ich ihn dann mit dem verdienten Bitburger alkoholfrei. Gemütlich sitzen wir auf den Treppen des Kurhauses in der Sonne und genießen ein wenig Essen und Trinken, bevor ich mich nochmal auf den Weg mache, um die Ergebnisliste zu checken. Oh, ich bin 4. von 5 geworden – und ziemlich enttäuscht in dem Moment. So wenige bei einer EM in meiner AK – und ich nur Vorletzte? Etwas traurig machen wir uns auf den Heimweg. Mein Freund fährt netterweise trotz der Probleme, so dass ich zwischendurch „wegnicken“ kann.

Inzwischen ist die Ergebnisliste vollständig und die sieht gar nicht mehr so deprimierend aus. Die Ergebnisse im Einzelnen:
Schwimmen 1,9km in 45:01 min (Platz 13 von 22 Starterinnen in meiner AK, 140 von gut 170 Frauen)
Rad 90,1km in 3:26:44 h (Platz 5 von 20 Finisherinnen meiner AK, 78 der Frauen)
Laufen 21,1km in 1:46:40h (Platz 2 AK, 43 Frauen).
Overall 6:05:07 h (Platz 4 AK, 70 der Frauen, 812 von 1633 Athleten).

Holzmedaille bei einer EM für eine Bleiente (allein 14 Minuten Schwimmrückstand auf meine AK), yeah!

Und das Allerbeste: ich bin nicht platt wie nach dem Kraichgau. Nur: jetzt brauche ich ganz dringend einen Plan! Und mehr Schlaf. Und vielleicht mal weniger Stress?

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

Liebe fazer, so ein aus den

Liebe fazer,
so ein aus den Fügen geratenes Leben kann einen aber auch echt fies ausbremsen. Und das Gefühl, jedesmal beim hochgucken einen in die Frxxxxx zu bekommen, kenne ich leider auch nur zu gut!
Ich finde, unter diesen Voraussetzungen hast du einen grandiosen Wettkampf hingelegt!
Allein die Halbmarathonzeit ist der Hammer!
Schlaf dich mal aus, erhole dich gut und vorallem: gib dir Zeit!!
Drück dich :-)

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Gratuliere

Ich bewundere deine Leistungen.

lg Ute

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Liebe Fazer,

Du bist eine Kampfsau und ein Stehaufmännchen. Bei so viel Brassel um die Ohren noch so eine Zeit abzuliefern, einfach großes Kino, herzlichen Glückwunsch!
Die HM Zeit schaffe ich noch nicht mal mit ohne was davor :o(
Erhol Dich gut!

LG,
Anja

minimalistisch

Ich finde der Trend geht eindeutig zum minimalistischen Trainingsansatz! Die Zeiten finde ich persönlich richtig klasse - und wie sich das für jogmap gehört wird der Boden beim Laufen gutgemacht!!!

Wenn aus anfänglicher Lustlosigkeit unterm Strich doch Zufriedenheit rauskommt, hat sich dieser Stress gelohnt!
Der andere Stress darf dann gern mal andere Leute nerven....
Schlaf gut!

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Unverwüstlich!

Wahnsinn, was du trotz (oder gerade wegen?) Krisenzeiten so alles raushaust! Absolut bewundernswert und immer wieder beeindruckend! Du magst zwar momentan stark gebeutelt sein und immer wieder fallen, aber du bist es auch, die es eben schafft, einmal mehr aufzustehen. Ich drück' dich jetzt mal virtuell ganz feste.

Das mit der permanenten Müdigkeit und dem Trainingsminimalismus scheint wohl momentan weit verbreitet zu sein. Hinzu kommt ja noch die derzeitige Hitze. Aber zumindest in dieser Hinsicht ist ja Besserung in Sicht.

Weiterhin toi toi toi und viel Mut und Kraft! Vor allem wünsche ich dir die ersehnte Mütze Schlaf!

:-)

Mit Stil ins Ziel!

Wow, was für eine Leistung!

Und das bei der Vorgeschichte und Lustlosigkeit und im "Trainingswettkampf"?! Find ich richtig stark!
Mögest du jetzt mal den Kopf heben können und in eine frohe Zukunft dabei sehen dürfen! So ganz ohne Tritte.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Auf einen tollen Wettkampf und im echten Leben bessere Zeiten!

Wenn das ein Trainingswettkampf war, dann bin ich ja sehr gespannt, was als nächstes kommt!
Dass Dir, was immer das ist, genauso gut gelingen möge! Ansonsten erhol Dich gut, tanke Kraft für das nächste Ziel und genauso fürs "echte Leben". Es soll jetzt mal wieder aufwärts gehen!

Das wünscht von Herzen
yazi

Holzmedaille

ist doof, aber ich finde, du hast dich sensationell geschlagen!!!! ich käme an keiner deiner Zeiten auch nur annähernd ran. Und da ich weiß, was und wieviel so alles aus den Fugen gelaufen ist, kann ich nur einmal mehr den Hut ziehen und dir meine vollste Anerkennung aussprechen.

Alles alles Gute!!!!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Danke für Eure Aufmunterung!

Es tut gut zu wissen, dass es Menschen gibt die an mich denken und mir Mut und Kraft zusprechen.

Danke, danke, danke!

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