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Benutzerbild von dfrobeen

Nein, die Zeit ist nicht die Finisherzeit eines unglaublichen Ultralaufes mit hohen dreistelligen Enfernungskilometern und x-tausend Höhenmetern. Die Zeit taucht auch in keiner offiziellen Ergebnisliste auf. Es hat 4 Tage, 7 Stunden und 46 Minuten gedauert, bis ich nach meinem Startschuss beim diesjährigen Challenge Roth die Ziellinie überquerte.

Mittlerweile sind nochmal gut zwei Wochen seit dieser Ziellinien-Überquerung vergangen und ich möchte meinen, es ist ganz schön viel passiert.

Mein letzter Blog endete etwas chaotisch. Ich hatte gerade geschrieben, dass der Sturz höchst glimpflich verlaufen war und froh war nur den Schlüsselbeinbruch zu haben. In genau dem Moment kam ein Arzt rein und bat mich, mich ab sofort nicht mehr zu bewegen. In einer CT-Untersuchung, die gemacht wurde um schwerere Schäden der Wirbelsäule auszuschließen, hatte er Strukturen entdeckt, die eine stabilitätsbeeinträchtigende Fraktur eines Wirbels vermuten ließ. Erst nach weiteren Untersuchungen konnte diese Diagnose dann doch ausgeschlossen werden und ich hatte "nur" Frakturen an vier Lendenwirbeln, die aber allesamt konservativ, also ohne OP behandelt werden können.


Schlüsselbein vor...


...und nach OP


Der oberste dieser drei Wirbel sorgte einen Nachmittag für Unruhe

Ich stehe nicht so sehr auf Superlative, aber nach der Aufregung dieses Dienstag Nachmittag, begann am nächsten Morgen ein neues Leben für mich. Ich kannte jetzt meine Verletzungen und konnte den Heilungs- und Verarbeitungsprozess einleiten. Mittwoch nachmittag folge ein erster Meilenstein - ich stand erstmals wieder unter freiem Himmel und begutachtete die Kreisklinik Roth von außen. An diesem Tag haben mein behandelnder Chefarzt und ich dann auch ausgemacht, dass ich Freitag in die Heimat nach Braunschweig überführt würde.

Also hatte ich noch den Donnerstag in der Klinik und die vorerst letzte Gelegenheit einen Plan in die Tat umzusetzen. Ich wollte die Ziellinie überqueren, diese war aber 2,6km von meinem Krankenbett entfernt. Da der Spaziergang am Mittwoch ganz gut ging und ich Donnerstag Vormittag schon mein Tagesprogramm an Untersuchungen und Physio abgespult hatte, packte ich genug Geld für Bus und/oder Taxi, mein Handy mit der Wegbeschreibung und die Abenddosis Schmerzmittel für den Fall der Fälle. Im Endeffekt alles gar nicht nötig. Der Spaziergang verlief völlig unproblematisch und so erreichte ich den Zielbogen im Zentrum von Roth.

Einige Arbeiter waren vor Ort noch mit dem Abbau der Tribünen beschäftigt und einer davon war bereit meinen Zieldurchlauf zu verewigen. Letztlich war der Moment meiner Ziellinienüberquerung exakt 4 Tage, 7 Stunden und 46 Minuten nach meinem Startschuss am Sonntag morgen.

Als dann der Freitag morgen anbrach, hatte ich also meine ersten Aktivitäten der Verarbeitung erledigt. Pünktlich um 10:00 Uhr stand ein Kranken-Transportwagen vor der Tür und lud mich ein. Ich bedankte mich bei all den tollen Ärzten und Schwestern der Kreisklinik Roth und die Reise zurück in einen neuen Alltag in Braunschweig begann. Die beiden vom Transport waren supernett, dennoch verschwieg ich ihnen meinen Spaziergang vom Vortag Schließlich hatten sie Auftrag einen liegendkranken nach Braunschweig zu transportieren, da wollte ich nicht zu viel Verwirrung stiften - außerdem der Liegendtransport wohl insgesamt auch sinnvoll und mein Spaziergang tags zuvor durchaus unvernünftig. Etwas unangenehm wurde es bei der Pause auf etwa halber Strecke. Als sie mich fragten, ob ich etwas frische Luft schnappen wolle, freute ich mich auf ein paar Schritte unter freiem Himmel. Als sie dann signalisierten, dass sie mich auf der Trage auf den Parkplatz rollen würden, verneinte ich dann doch. Das wollte ich mir zwischen den ganzen Lkw-Fahrern an der Tankstelle dann doch nicht geben.

Daheim angekommen, richtete ich mich erstmal ein. Den Alltag würde ich schon bewältigt bekommen. Nur schwere Lasten würde ich bis auf weiteres nicht die 3 Stockwerke in meine Wohnung hoch tragen können. Dazu hatte ich aber unglaublich viele, tolle Hilfsangebote aus meinem Freundeskreis in Braunschweig. Samstag konnte ich mich dann bei der Geburtstagsfeier meines Sohnes ablenken und Sonntag stand der Triathlon meines Heimatvereins an, wo eigentlich alle Mitglieder als Helfer vor Ort waren und ich so die ganzen, befreundeten Gesichter zu sehen bekam. Es ist schon ein tolles Gefühl durch so einen Unfall zu erfahren, wie viele hilfsbereite Freunde man hat.

Nach dem ersten Wochenende zurück in der Heimat, stand dann am Montag morgen ein wichtiger Schritt in Richtung Verarbeitung des Unfalls an. Um 10:00 Uhr öffnete die Anmeldung für den Challenge Roth 2016. Aus dem Verlauf der Vorjahre heraus war klar, dass die Anmeldung nicht lange offen sein würde. Es ist gar nicht so einfach einen der begehrten 3.300 Startplätze zu ergattern. In diesem Jahr dauerte es ganze 52 Sekunden bis alle Startplätze für deutsche Starter vergriffen waren, 7 Sekunden später waren dann auch die internationalen Startplätze voll und damit das ganze Rennen wieder ausgebucht.

Ich war in den 52 Sekunden erfolgreich. Um Punkt 10:00 Uhr öffnete ich die Anmeldeseite und befüllte die erforderlichen Eingabefelder. Einen kurzen Adrenalinschub hatte ich, als bei Bestätigung eine Fehlermeldung erschien. Ich hatte mein Geburtsdatum im falschen Eingabeformat befüllt. Aber die Zeit reichte noch um die erforderlichen Punkte zu setzen und die Anmeldung erneut zu versenden. Die Bestätigungsmail ging sofort ein und ich ließ einen lauten Jubelschrei aus. Ich habe zwar schon einen Startplatz für den Ironman Frankfurt, der zwei Wochen vor der Challenge Roth stattfindet. Aber nach den ganzen Ereignissen war mir klar, dass ich unbedingt in Roth starten möchte. Das hatte ich nicht zuletzt allen Helfern, Schwestern und Ärzten versprochen. Roth ist wirklich immer eine Reise wert - die Region lebt für den Triathlon und die Woche rund um das Event ist Ausnahmezustand. Ich glaube zwar nach wie vor, dass mir die Strecke in Frankfurt mehr liegt, aber für das nächste Jahr ist das egal - ich werde in Roth meine Langdistanz 2016 finishen und damit dann auch das Rennen 2015 nachträglich beenden.

Nun stand endlich etwas Ruhe an und ich konnte mich um den Heilungsvorgang kümmern. Ich stellte mir ein tolles Team aus Physio (gleich bei mir um die Ecke und von einem Vereinskameraden geführt) und weiterbehandelndem Arzt zusammen. Beide kannte ich vorher nicht und agierte auf Empfehlung aus dem Vereinsumfeld. Sofort fühlte ich mich in besten Händen. Der Arzt kümmerte sich um die Versorgung der Operations-Wunde, Fädenziehen und Begutachtung, ob die Narbe auch wunschgemäß verheilt (seit vergangenem Dienstag bin ich erstmals wieder Faden- und Pflasterfrei!)...was sie auch tut. Der Physio gibt mir 3x wöchentlich Übungen, die der jeweiligen Phase der Knochenheilung von Schlüsselbein und Lendenwirbeln entsprechen. Hier bin ich fein artig und wiederhole die Übungen regelmäßig daheim. Schließlich möchte ich so schnell wie möglich wieder auf die Beine, bzw. zurück ins Training.

Einen neuen Motivationsschub gab es mit der Post etwa zwei Wochen nach dem Sturz. Im Briefkasten fand ich die offizielle Nominierung der DTU zur Altersklassen-Weltmeisterschaft der Duathlon-Langdistanz im schweizerischen Zofingen. Es steht zwar mehr als in den Sternen, ob ich dort tatsächlich starten werde. Für eine sportlich hochwertige Leistung ist es komplett hoffnungslos. Aber es fühlt sich doch ein wenig wie bei einem Anruf von Jogi Löw persönlich an, wenn man erstmals zur Nationalmannschaft des Deutschen Triathlon nominiert wird.

Heute ist der Sturz nun zwei Wochen und fünf Tage her. Irgendwie sind heute ein paar Ereignisse an einem Tag zusammengekommen, die mich wieder weiter aufgebaut haben. Ich habe erstmals eine Beschreibung des Sturzes von einer Augenzeugin erhalten, die unmittelbar vor Ort war. Die Schilderung hört sich furchtbar an, da ich ja aber weiß, dass ich mit meinen Verletzungen im Vergleich Glück hatte, komme ich damit klar. Es war aber spannend neue Details zu erfahren. Ich dachte eigentlich, dass ich mich an den Sturz selber sehr gut erinnern kann. Aber ich habe zum Beispiel allen nachfragenden erzählt, dass ich durch einen letzten Ausweichimpuls den Zusammenstoß mit dem Schild auf der Verkehrsinsel vermeiden konnte. Sie hat aber klar beschrieben, dass das Schild nach meinem Sturz jetzt deutlich verbogen ist. Außerdem bekam ich heute eine Mail von Felix "Mr.-Challenge-Roth-himself" Walchshöfer, sowie in der Post war dann noch mein Zeitmesschip, der mir am Unfallort abgenommen war und seither verschollen war. Ein toller Tag!

In den nächsten Wochen werde ich weiter daran arbeiten wieder auf die Beine zu kommen und meinen Körper beim Heilungsprozess so gut es geht zu unterstützen. Irgendwann Ende August werde ich eine Woche nochmal in die Region fahren um einige weitere Punkte in meinem Verarbeitungsprozess abzuarbeiten. Es steht eine routinemäßige Nachbehandlung an, die ich sehr gerne beim Ärzteteam vor Ort machen möchte. Ich möchte unbedingt die Unfallstelle nochmal sehen und hoffe weiter zu verstehen, wie es überhaupt zu den Sturz kommen konnte.

Ich habe bis heute keine Ahnung was dazu geführt hat, dass ich die Verkehrsinsel einfach übersehen habe. Ich hatte doch einen nagelneuen Aerohelm auf, der mich quasi dazu zwingt nach vorne zu sehen um die optimale Position einzuhalten. Doch in den Sekunden vor dem Sturz muss ich irgendwo anders gewesen sein. Keine Ahnung, ob ich die Radler um mich rum beobachtet habe, die Natur bewundert, die Straße unter mir angesehen habe oder einfach nur total unkonzentriert war und in Gedanken völlig abtauchte. Der Beschreibung der Augenzeugin heute konnte ich entnehmen, dass ich wohl gerade auf einen großen Pulk Radfahrer aufgefahren war. Vielleicht war ich damit beschäftigt regelkonform durch die Gruppe durch zu kommen und habe daher mehr auf die Fahrer als auf die Straße geachtet. Sie schrieb, dass einige wohl links, einige rechts von der Verkehrsinsel gefahren sind und ich wohl die Mitte genommen habe.

Außerdem werde ich auf meinem Roth-Trip versuchen mich bei einigen der Ersthelfer persönlich zu bedanken und auch auf einen Kaffee beim Challenge-Organisationsteam vorbei schauen. Dazu hat mich Felix heute eingeladen und ich freue mich darauf sehr.

Ich bin gespannt, was die nächsten Tage und Wochen so bringen werden. Derzeit läuft es "den Umständen entsprechend sehr gut" - das macht dann 5 Euro ins Phrasenschwein. Ich werde weiter berichten...

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

klingt gut!!

Und dass du nächstes jahr wieder dabei bist noch besser! Ich stelle mich auch freiwillig an die Verkehrsinsel und halte eine Fahne hoch....

Danke für den Bericht! Und weiterhin gute Besserung!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Man weiss ja gar nicht, wozu

Man weiss ja gar nicht, wozu man zuerst gratulieren soll. Schöner Bericht und es hat sehr gefreut von Deinen Fortschritten zu lesen. Alles Gute weiter!

Schön,

dass es Dir schon wieder besser geht und Du neue Ziele ins Auge gefasst hast.
Wünsche weiterhin gute Genesung.

LG,
Anja

Hört sich nach einem

guten Heilungsverlauf an. Ich wünsche Dir, dass es so weitergeht und Du bald wieder fit bist für die nächsten Herausforderungen.

Psychologisch musst Du sicherlich noch weiter daran arbeiten, bis es verarbeitet ist.

Kopf hoch, das scheint ja für die Umstände "glimpflich" zu verlaufen.

Was dann vermutlich auch 5 Euro ins Phrasenschwein macht - klingeling.

Ohman, lieber Daniel,...:o(((

habe es jetzt erst gelesen, erst diesen Blog und dann den vorher mit großem Schrecken. :o((7
Das ist unglaubliches Pech mit diesem Sturz, aber auch unglaubliches Glück, dass nun doch alles hoffentlich restlos (wenn auch mit längerer Zeit) verheilen wird!

Versuche jetzt positiv zu denken (das tust Du, man liest es zwischen den Zeilen) und freu Dich, dass Du das alles wieder wirst können dürfen in Zukunft!
Das wird Dich jetzt voran bringen.

Ich wünsche Dir die nötige Geduld und gute Besserung!
Ich möchte nächstes Jahr wieder tolle Tria-Berichte von Dir lesen!! :o)

Liebe Grüße Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Es tut gut

...von deinem "Danach" zu lesen. Danke fürs Erzählen und weiter einen guten Heilungsverlauf für dich!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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