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Benutzerbild von brihoha

Schon lange trage ich mich mit dem Gedanken mal ein Etappenlauf zu machen. Nicht als Wettkampf sondern einfach so. Um zu sehgen, ob ich das kann, wie sich das anfühlt.
Diesen Sommer sollte es also sein. Meine Freundin Ruth hatte die Idee, und da wir zufällig gleichzeitig paar Tage frei haben, kümmerte sie sich um die Umsetzung.

Ok, einige von euch laufen im Gebirge, hoch und wieder runter, über mehr als zwei Tage, mit massig Höhenmeter. Wer also jetzt hier sowas lesen möchte, darf sich wieder ausloggen. Wir haben die Bambinivariante gewählt ;-)

Natursteig Sieg, im Windecker Land, Nähe Siegburg, so als grobe Richtung. Sicher nicht die Alpen aber auch nicht wirklich flach.
Über zwei Tage wollen wir insgesammt vier Etappen laufen/walken, eben das was die Höhe gerade hergibt. Eine Übernachtung in einer kleinen Fewo.
Rucksack gepackt, los!
Äh, ja nee....sooo einfach ist das ja jetzt auch nicht! Irgendwie ist der Rucksack zu klein, denn das was ich daneben hingeleght habe, das passt doch unmöglich alles da rein?! Plus Verpflegung für unterwegs...ich fühle mich etwas überfordert.
Aber oh Wunder: nachdem ich paarmal neu sortiert und beschlossen habe das eine zweite Ganitur für den nächsten Tag Luxus ist, ging es dann irgendwie doch. Frische Socken werden überbewertet...

Oh wie aufregend, Dienstag morgens geht es endlich los! Ich freue mich wie Bolle, ist doch das Etat für meinen Jahresurlaub sehr kurzfristig in die Autowerkstatt getragen worden...ich beschließe, diese zwei Tage als meinen Urlaub zu betrachten! So!

Ruth holt mich ab, wir fahren eine knappe Stunde, parken das Auto neben der Bahn und los geht`s!
Wie geil ist das denn? Wir fühlen uns wie Helden, in voller Montur mit Rucksack auf dem Rücken laufen wir los. Die Sonne scheint, es ist angenehm kühl, so soll es sein.
Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, kommen wir langsam in den Tritt. Kein Wunder, geht ja auch direkt hoch. Aber die Beschilderung ist gut, wir kommen gut voran, verlaufen uns nur minimal (was sich aber noch ändern sollte...).
Frieden breitet sich aus. Wir können gut miteinander schweigen, laufen ruhig nebeneinander her, dann aber wieder wird gequatscht, was das Zeug hergibt. Wir bestaunen die Landschaft, genießen die Ruhe im Wald und die frische Luft.

Merkwürdigerweise treffen wir so gut wie keine anderen Menschen. Eine Frau, sie wandert, sitzt auf einer Bank und rastet. Wir wechseln ein paar Worte miteinander.
Eine gute Stunde später treffen wir sie wieder. Wie kann das sein?? Sie hat uns nirgens überholt?? Merkwürdig, aber nun gut.
Die Landschaft ist wunderschön, von Waldautobahn, Wiesen, Schotter, weiter Fernsicht und enge Täler ist alles dabei. Und die Trais erst...laut kreischend schreddern wir da runter, nur um anschließend laut fluchend wieder hochzuklettern. Jede Menge Matsch wird durchpflügt, ebenso wie die engen Pfade durch Brennenesseln und Brombeergestrüpp. Ich sehe aus wie ein Kleinkind, dreckig und voller Flecken und die Haut zerkratzt :-)

Nach gut 30 Kilometer ist das Tagesziel erreicht.
Wir sind wieder in der Zivilisation, fallen in ein Cafe ein, futtern uns durch die Karte. Und überlegen, was wir mit dem Abendessen machen.
Lt Handynavi ist die Fewo ziemlich außerhalb und da wir nur sehr spartanisch Klamotten dabei haben, ist es mit Ausgehen auch nicht so wirklich einfach. Also beschließen wir, den nächsten Supermarkt zu stürmen und TK Pizza zu holen, etwas zu trinken und gut ist.

In der Fewo angekommen, fällt mir als erstes auf, da gibt es keinen Backofen. Na klasse....schon mal Pizza in der Mikrowelle aufgebacken? Eine Erfahrung, die ich definitiv nicht gebraucht hätte... :-)))
Ziemlich albern nehmen wirs wie es ist, lümmeln noch etwas rum und gehen relativ früh schlafen.

Nächster morgen: Systhem Check. Hm, Beine fühlen sich ganz ok an. Alles andere sowieso. Kann losgehen!
Der freundliche Mann der uns die Wohnung vermietet hat, erklärt uns den Weg und meint, es sei ganz einfach, wieder auf den Steig zu kommen...
Ich machs kurz: nach 12 km waren wir dann wieder drauf. Und *mussten* nochmal ca 6km von gestern laufen, um an den Anfang der neuen Etappe zu kommen.
Das war jetzt nicht soo schlimm, dafür durften wir den einen geilen Trail nochmal laufen. Doof war nur, das auf dieser Etappe die Wegbeschilderung deutlich schlechter war. Irgendwann nervt es gewaltig wenn man merkt, man hat schon wieder eine Abzweigung falsch genommen. Sind wir hier noch richtig? Wo geht's lang??
Insgesammt ist der heutige Tag deutlich anstrengender. Es sind mehr Höhenmeter zu bewältigen. Und viele Wege laufen wir unfreiwillig doppelt. Und das Wetter ist uns nicht mehr so gut gesonnen, es regnet immer mal wieder. Na egal, auch hier bewahrheitet es sich mal wieder: Wetter ist zweitrangig, wenn man einmal unterwegs ist, ist es fast egal.
Heute schickt uns der Himmel ein Läufer, der aus dem Nichts auftaucht und uns auf den rechten Weg zurück führt.
Und eine Frau in einem gottverlassenen Kaff, die uns mit den Worten weiter schickt: *ihr müsst erst an der Maria vorbei, Richtung Jesus, dann passt`s*....Himmel hilf. Trotz Maria mussten wir die Dorfrunde zweimal nehmen, ehe wir die Abzweigung gefunden hatten.

Und wer kommt uns da auf der Strasse entgegen? Die Wandersfrau von gestern. Wir vermuten ja schwer, die war nicht echt, sondern der Geist des Steiges...dazu würde auch ihr entrückter Gesichtsausdruck passen. Kicher..

Und dann war die erste Teiletappe des Tages erreicht. Geplant war noch eine, aber wir hatten mittlerweile so viel Zeit vertan das wir ernsthaft besorgt waren, das nicht mehr zu schaffen. Aber jetzt schon aufhören?? Nein, das wollten wir auch nicht.
Wir haben dann überlegt, wir laufen noch so weit es von der Zeit her passt und dann runter in den Ort, Richtung Bahnhof.
Und das war eine gute Entscheidung! Denn dieser Teil entpuppte sich fast als der schönste der zwei Tage! Wir waren völlig euphorisch, schmale Singletrails, wellig aber beherrschbar, mitten durch den Wald, einfach nur Lauffreude pur!
Leider müssen wir dieses Vergnügen dann nach knapp einem Drittel dann beenden. Kilometermäßig sind wir eh zwei Etappen gelaufen, denn kurz vor Ende sprang die Uhr dann auf die 40 um.
Unten im Ort dann setzen wir uns nochmal in ein Cafe, gönnen uns ein Stück Kuchen, können irgendwie gar nicht glauben, das schon alles wieder rum ist. Seufz...

Der freundliche Busfahrer fährt uns dann für lau zu unserem Bahnhof, obwohl er da gar nicht halten muss. Denn der Zug fährt nicht, da an den Gleisen gebaut wird. Finden wir aber unter diesen gegebenen Umständen nicht schlimm.

Tja, jetzt sitze ich hier und versuche, diese Fülle von Eindrücken so zu *Papier* zu bringen das es erstens den Rahmen nicht sprengt und zweitens trotzdem für euch (hoffentlich)interessant ist.
Was nehme ich mit: zwei Tage Urlaub fühlen sich an wie eine Woche! Ehrlich, ich habe das Gefühl, ich war ne Woche weg!
Die wenigen Menschen die uns unterwegs begegnet sind wollen alle nicht glauben, das wir den schwierigeren Weg suchen. Sie wollten uns immer über den direkten Weg über die Strassen in den nächsten Ort schicken.
Etappenläufe machen Spaß! Ich will das unbedingt nochmal! Aber dann länger, vllt wirklich mal ne ganze Woche. Oder mit dem Rad!!
Allerdings weiß ich beim besten Willen nicht, wie ich die Logistik organisieren soll. Vorschläge werden gerne angenommen!
Ein Hoch auf Friedhöfe! Diese Freude, wenn man einen findet, die Zunge klebt am Gaumen, dieses klare kühle Wasser, es schmeckt hervorragend!
Und ich bin der Überzeugung, man war nur wirklich da, wo man zu Fuß oder mit dem Rad hingelaufen/gefahren ist. Ich habe dieses intensive Gefühl nur, wenn ich mir einen Ort *erlaufen* habe, bzw mit dem Rad hingefahren bin.
Das fühlt sich gut an!

Und heute habe ich nur ein kleines bisschen Muskelkater :-)

5
Gesamtwertung: 5 (14 Wertungen)

Neid pur!!!

Das wollte ich auch schon immer mal, so Etappen laufen. Mit dem Geist der Strecke *kicher*. Als Kind bin ich Sowas gewandert,drei Wochen lang. Nehmt ihr mich das nächste mal mit????

Monschau wird wohl gerückt, so wie das klingt ;-) und Autos sind sooooo doof...

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Auja gerne!!! Und

Auja gerne!!!
Und Monschau.....tja, Respekt habe ich schon, es wird weh tun, aber hey, Ultra ist doch geil!! Das bekommen wir hin!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Das gibt von mir 6 Sterne..

Das gibt von mir 6 Sterne.. :-)
Auch ich würde so etwas gerne mal machen...
Klasse Aktion.

Warum in die Ferne schweifen...

...wenn der Siegsteig ist so nah.
Schöne Aktion! Gefällt mir sehr.
Kannste vielleicht mal noch paar Ortsnamen verraten?
Monschau machst Du locker!

Dienstag Etappe 3/4 und

Dienstag Etappe 3/4 und Mittwoch 5/6
Wir sind in Blankenberg eingestiegen bis Eitorf, haben dort übernachtet und dann weiter bis Herchen. Die letzte Etappe wäre Rund um Herchen gewesen, aber wie gesagt, wir sind nur ein Stück davon gelaufen.
Google mal Natursteig Sieg. Das sind die einzelnen Etappen beschrieben.

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

*seufz*...

...auch mein neid war mit euch unterwegs. hab oft an euch denken müssen. auf sowas hätt ich auch voll ma bock.
so so schön, der bericht, dadurch war ich jetzt nen ganz büschen mit dabei...
und monschau *ganztiefseufz* hatte ich ja auch ins auge gefasst, aber da ja mein müma grüßen lässt und ich noch büschen dembo muss, lauf ich an dem wochenende nen halben im quasi nachbarort mit dem slowmike. aber natürlich nicht slow sondern quick *kicher*
____________________
laufend möcht auch so gern ma etappen mit ihren buddys laufen: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Das hört sich toll an,

das könnte ich mir auch mal vorstellen.
Aber nicht eine Woche lang jeden Tag einen M, das schaffe ich nicht.
Schön, dass DU Deinen Kurzurlaub so geniessen konntest.

LG,
Anja

Coole Aktion!

An der Logistik eines privaten Etappenlaufs scheitert man immer wieder. Schon länger reizt mich ein Etappenlauf durch den Schwarzwald oder über die Alb. Vorletztes Jahr hatte diese Idee auch jemand aus dem Forum des Trail Magazins angestoßen, zumindest einen Teil des Westwegs (Pforzheim-Basel) zu laufen. Interessenten gab's zwar einige, aber letzten Endes scheiterte es ebenfalls an der L-Frage und auch an der Terminfindung.

Ob Wechselklamotten bei solchen Aktionen überbewertet werden, nicht dagegen jedoch ein unempfindliches Riechorgan? Das dürfte somit meines Erachtens der Punkt sein. Man muss eben höggschden Purismus an den Tag legen, es sei denn, es steht einem ein Begleitfahrzeug zur Verfügung. Doch das ist Luxus! ;-))

Vor allem die letzten Sätze (Stichworte: Friedhof, sich die Welt erlaufen) kann ich nur unterschreiben! :-)

Mit Stil ins Ziel!

Toll!

Klingt sehr, sehr klasse. Dein Bericht ist ausgesprochen interessant und unterhaltsam und macht echt Lust, sowas auszuprobieren.

Zur Logistik... ich war mit einer Freundin vor zwei Wochen in der Sächsischen Schweiz sechs Tage "Wandern ohne Gepäck". Das waren dann auch Etappen, nur eben erwandert und nicht gelaufen (recht knuffig übrigens, wenn man die normalen Malerwegetappen für Pillepalle hält, und sich großspurig mehr Kilo- und Höhenmeter einplanen lässt).

War gar nicht so teuer, aber wenn man das noch kostengünstiger selbst organisieren wollte, wäre ein Begleitfahrzeug notwendig, das die Übernachtungspunkte direkt ansteuert, das heißt, eine Person, die bereit wäre, nicht mitzulaufen, sondern die Logistik zu leisten. Dann müsste man auch mit dem Gepäck nicht allzu sehr knausern. Nur vorher überlegen, wo übernachtet werden soll, Pension, FeWo, Zeltplatz, was auch immer...

Überlegt gerade mal laut
yazi

Ich auch!

Sowas würde ich auch gerne testen und dein Bericht macht richtig Lust drauf - nur mit derzeitigem Lafmaximum von 15 km ein recht schwieriges Unterfangen.
Dass man dabei so richtig ab und weg vom Alltag kommt und der Kurztrip zum Erholungsurlaub wird, mag ich nur zu gerne glauben.

Wünsche dir weiterhin viel Spaß mit sowas und nimm uns bitte wieder mit!

Großartig!

Um solch eine Gemeinschaftsaktion kann man euch wirklich nur beneiden! Da gucke ich wieder nur verstolen von links nach rechts, um mich herum wohnen nur Läufer, die maximal einen 30er am Tag laufen täten, wenn sie zwei Tage zuvor und zwei Tage danach Ruhetage hätten. Ist nichts mit Etappe. Habt ihr wunderbar gemeister! Ich wünsche euch noch viele solcher Gemeinschaftsläufe!!!

Lieben Gruß
Tame

prima

Das hat Spass gemacht zu lesen.
Anbieter von kürzeren Etappenläufen:http://www.langstreckenlaufen.de/info.htm

Wenn man selbst etwas plant, wäre es ideal eine Fewo zu mieten um von dort verschiedene Rundtouren zu planen.
Oder die Möglichkeit nach einer Tour mit der Bahn zurückzufahren, besser mit der Bahn wegfahren und an der Fewo anzukommen.

Hört sich prima an -

mit dem Rad hab ich da etwas mehr Erfahrung. Verschiedene Flussradwege mit Gepäcktaschen und Übernachtungen in Jugendherbergen - hab ich gemacht. Finde ich leichter zu organisieren als einen Etappenlauf.

Evtl. kann man etwas mit Gepäcktransport "buchen"? So das man "nur" die normale Verpflegung mitnehmen müsste. Bei Radreisen weiß ich das es so etwas gibt. Hab aber bisher mein Zeugs lieber selbst organisiert.

Ansonsten kommt man mit vollgepacktem Laufrucksack und Einschränkung der "normalen" Wechselmentalität sicher auch weit. Verpflegung im Dorf "nachtanken" - und gut ist.

Hört sich nach einem schönen Steig an!

Natur hat für mich auch eine meditative Komponente, die den Alltag entschleunigt und wie Urlaub wirkt. Seufz, ich brauch das auch mal.

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