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Benutzerbild von the new waxl

Panik macht sich in meinen Augen breit. Blanke Angst. Meine Knie schlottern. Mein Atem gleicht der Schnappatmung in ca 3 Grad kaltem Wasser. Warum, denke ich mir. Warum immer ich.

Hosen runter tönt es aus dem Hintergrund. Ich gehorche. Hab ja keine andere Wahl.

Mal wieder bin ich am Airport in eine Filzkontrolle geraten. Mal wieder hab ich vergessen was aus meinen Taschen zu holen. Der Pieper löst aus und die Beamten schießen sich auf mich ein. Finden werden sie nix. Aber eine nette BeamtIN wäre mir schon lieber gewesen als dieser Typ ;)

Egal. Knappe 1,5 Std. später sitze ich endlich mit Babs im Auto. Richtung Kaprun. Richtung Großglockner Ultra Trail. Wir wollen uns auf die 110km lange und 7000hm+ fassende Strecke machen. Unser Hotel liegt so dermaßen günstig. 50 Meter bis zum Start/Zielgelände. Das Kitzsteinhorn hüllt sich in Wolken. Wir treffen die ersten Bekannten. Neue Bekannte kommen dazu. Wir tauchen ein in die Welt des Trailrunning. Eine andere Welt, wie Babs so schön sagt. Und damit hat sie Recht. Es ist wie eine zweite Familie. Und wenn zuhause jemand nicht versteht warum man so etwas macht. Hier versteht man Dich. Hier huscht ein Lächeln auf Gesicht auch wenn man sich nicht kennt. Es ist einfach toll.

Zum Lauf:

Start ist Freitag Abend um 18:00. Zeitlimit 30 Stunden. Wir gammeln den Tag über vor uns hin. Bisserl ratschen mit immer mehr Bekannten die aufschlagen. Machen uns in Ruhe fertig. Tingeln zum Start. Ist noch ziemlich warm. Drückend. Kurzes Briefing und dann geht es los.

Den knappen ersten km laufen wir durch Kaprun bevor wir rechts in eine leicht Irgendetwas stimmt aber nicht. Meine Beine sind schwer wie Blei.

Wird sich schon geben. Bis ich meine Rhythmus habe dauert es bekannterweise immer 10-12 km. Nach ca. 1,5 km geht es richtig los. Ich reihe mich ein in den Lindwurm der Läufer im Singletrail. Es ist schwer. Aber auch unglaublich schön. Mitten in diesem ersten Anstieg wird mir komisch. Mein Schädel brummt. Mir wird schwindelig. Ich merke wie ich richtige Probleme bekomme.

107km vor dem Ziel. Ich warte ein paar Sekunden. Babs und Wolfgang kommen. Merken das ich Probleme habe und warten auf mich. Ziehen mich mit. Irgendwann ist der erste Anstieg geschafft. Wie weiß ich nicht. Ich frage mich was wohl los ist. Denke mir das sich das mit dem weiteren Rennverlauf geben wird. Wir laufen weiter. Es wird tatsächlich besser. Der erste downhill kommt. Geil. Macht das Spaß. Die Probleme sind (fast) vergessen. Die beiden reden mir gut zu. Es tut gut solche Mitläufer zu haben.

Kurz vor Fusch gehen die Probleme wieder los. Diesmal in einem kurzen Flachstück. Der Schwindel ist wieder da. Ich gehe alles durch. Was habe ich gemacht. Was habe ich evtl. falsch gemacht. Getrunken hab ich in den letzten 2 Tagen ausreichend. Auch das richtige. Gegessen auch. Entspannt hab ich auch. Alles richtig gemacht vorher. Was zum Teufel ging also hier ab.

Ich versuche meine zwei wegzuschicken. Ich hab das Gefühl sie zu bremsen. Sie wollen nicht. Warten immer wieder auf mich. Versuchen mich zu motivieren was auch immer wieder kurzzeitig gelingt. Mein Kopf ist stark wie noch nie. Ich will. Ich kann aber nicht.

Dann schick ich sie weg. Forsch. Grob. Sage Ihnen, das sie gefälligst abhauen sollen. Diesmal gehorchen sie. Ein kurzer Anstieg und ein steiler Downhill folgen. Mir wird schwarz vor Augen. Dann sehe ich doppelt. Und knalle seitlich in die Wiese. Rappel mich wieder auf. Wow. Jetzt wirds aber richtig übel hier.

Es folgt ein flaches Stück. Ca. 400m Straße. Ich will laufen. Kann aber nicht. Es geht einfach nicht. Ich laufe wieder an. 6:40, 7:00, 8:00, 9:40 Schnitt. Es geht nicht. Gehen. Wieder versuchen. Gehen. Laufen. Bleibe stehen. Stütze mich auf die Stecken. 2, 3 Minuten. Versuche in mich reinzuhorchen. Der Puls beruhigt sich. Laufe langsam wieder an. Wir sind bei km 13 und ich habe meinen Trinkvorrat im Rucksack aufgebraucht. 2,5ltr. weg. Wann kam nochmal der VP? Gegen km 20. Das muss doch drin sein.

Es wird kühler. Angenehmer. Die Sonne verschwindet hinter den Bergen. Über mir sehe ich wie die Strecke weitergeht. Sehe Babs und Wolfgang. Nehme mein Herz in die Hand und beginne wieder mit der Bewegung. Es geht. Wird wieder besser. Ich stiefele den Anstieg hoch. Mein Tempo. Finde den Rhythmus auf den ich so lange gewartet habe. Und dann bin ich drin.

Yeah. Da bin ich wieder. Ich merke wie ich anfange innerlich zu grinsen. Geht doch verdammt nochmal. Ich habe mir meine Lampe schon mal aufgesetzt. Dann brauch ich gleich unterbrechen, sondern sie nur anknipsen. Ich laufe. Tatsächlich.

Doch keine 400m später, es geht gerade in eine fiese Traverse, geht es wieder los. Schwindel. Punkte die vor den Augen tanzen wie Balu der Bär beim "Versuchsmalmitgemütlichkeitssong". Geht mir nicht aus dem Kopf. Eigentlich ein klasse Song mit tollem Text. Sollte nicht alles im Leben.................ah ich schweife ab. Der Sturz den ich jetzt hinlege gleicht dem Abtauchen eines Seeadlers. Halt nur nicht so grazil. Die Stöcke fliegen in die Gegend. Stirnlampe weg. Vor mir keiner. Hinter mir keiner. Ich allein mit mir und der Gewissheit, ich muss die 4 m die ich runterpurzel auch wieder hoch. DreckDreckerda. Schütteln. Alles heile. Normal ist anders.

Die letzten Meter zum VP Ferleiten laufe ich. Ein seltenes Bild an diesem denkwürdigen Abend der mittlerweile kein Tageslicht mehr besitzt. Ich laufe also auf den VP zu. Fest entschlossen. Entschlossen weiterzumachen. Waxl will es. Er will es mit der Brechstange. Und gleichzeitig weiß ich das es totaler Unsinn ist.

Am VP fragt man wie es geht. Ich sage alles top. Man kann ich lügen. Aber wen belüge ich? Im Höchstfall mich selbst. Und wozu, zu welchem Preis? Ich halte mich an der Zeltstangen fest um nicht zu schwanken. Ich belüge mich so dermaßen das ich es selber fast glaube. Selber glaube es könnte weitergehen. Nach ein paar Worten mit der VP Mannschaft und anderen Läufern höre ich auf. Gebe meine Nummer ab sag zuhause Bescheid und organisiere den Rücktransport nach Kaprun. Der Berg hat mich abgeworfen noch bevor er richtig begonnen hat.

Im Nachhinein die beste Entscheidung die ich treffen konnte. Die folgenden An- und Abstiege hätte ich todsicher nicht überstanden. Nicht heile. Nicht in diesem Zustand. Nicht heute. Das ist es nicht wert. Trailrunning ist so schön. Das Zusammentreffen der (fast) immer wieder gleichen Menschen sehr bereichernd. Nein, das will ich noch ganz oft haben. Ich bin schwer enttäuscht. Noch nie war mein Kopf, der mir schon so oft einen Strich durch die Rechnung gemacht hat so stark. Und dann sowas.

In Kaprun zurück liege ich im Hotelzimmer. Mache die ganze Nacht kein Auge zu. Hoffe das alle anderen gut da durchkommen. Wolfgang muss später mit Magenproblemen raus. Barbara wird um die Rudolfshütte mehr oder weniger aus dem Rennen genommen. Sie hätte das dicke geschafft. Bin ich mir sicher. Kurze Zeit später wird das Rennen abgebrochen. Gewitterwarnung. Wetter in den Bergen ist unberechenbar. Dann fängt es im Ort übel zum Regnen an. Ich kann mir ausmalen wie es wohl oben sein muss.

Seht Euch dazu auch mal die sehr schönen Berichte von wusaonthemountain, Gripmaster, Demeter Dick und Bernd Zwinger an.

Im Endeffekt hat der Veranstalter richtig gehandelt. Die Sicherheit der Läufer geht vor. Wer mich kennt weiß das ich nicht sehr übertreibe sondern immer versuche die Dinge relativ nüchtern zu betrachten. Aber was uns Läufern hier geboten wird ist schon ne ordentliche Hausnummer. Das Wort Monster ist oft gefallen. Ich glaube das kann man so stehen lassen. Es war die erste Austragung dieses Rennens. Meiner Meinung nach sollte man vor allem an den VP´s nachbessern. Zumindest im hinteren Teil des Läuferfeldes. Die Strecke ist ein Traum. Leider kann ich mich nur an das halten was ich von anderen gehört habe. Aber vieles soll definitiv nur als Wanderung zu bewältigen sein.

Schlussendlich kann man die Organisatoren nur beglückwünschen das sie in den wichtigen Situationen meiner Meinung nach richtig gehandelt haben. Ihr habt einen geilen Job gemacht. Respekt. Ich finde den Lauf super und muss hier unbedingt nochmal hin. Danke für ein super Wochenende und bis zum nächsten Jahr :)

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Mensch waxl,

gut, dass du aufgehört hast. Wer weiß, was da noch hätte passieren können mit deinen Schwindelanfällen.
Und der Großglockner steht nächstes Jahr auch noch da, dann versuchst du es halt noch mal.

LG,
Anja

ach herrje

grade noch die Kurve gekratz. Großen Respekt das dein Hirn dir doch noch das Richtige geraten hat. Zieh meinen Hut vor dieser echt schweren Entscheidung.

und wie schon geschrieben, der Berg steht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nächstes mal auch noch da wo er heute steht ;-)

Viel Spaß beim nächsten Versuch der hoffentlich ohne Schwindelanfälle und ohne Gewitter über die Bühne geht.

Erhol dich gut!

Oh Mann!

Da hast Du ja 'ne emotionale Achterbahnfahrt mitgemacht.
Hast Du eine Ursache fürs Geschwindel gefunden?
Nächstes Jahr wird alles besser!
Herzliche Grüße, Conny

Ohjeeee,

was habe ich für Gänsehaut beim Lesen, wuarrrrr! Natürlich hast du alles goldrichtig gemacht, gar keine Frage. Aber natürlich bist du enttäuscht, auch gar keine Frage. Doch die Frage aller Fragen, "was, warum, wieso gerade ich....", wirst du wohl nie beantwortet bekommen. Ich schätze mal, du hast dir "ganz einfach" einen Virus eingefangen. Da oben in den Bergen wirkt er sich halt auch ganz anders aus. Zuhause hättest dich einfach schlapp gefühlt, aber wenn der Körper Höchstleistung bringen soll, man also absolut konzentriert ist, reagiert er bei Unwohlsein sofort mit Schwindelattacken! Selbstschutz!
Du wirst wieder bei Trailrennen dabei sein, auch bei den gaaaaanz gaaaaaanz großen Dingern. Und beim nächsten Mal erwischt es dich nicht, sagt meine Zauberkugel;-)


Lieben Gruß
Tame

Oh Mann! Das ist bitter!

Alles richtig gemacht und dann das! Doch davor ist nicht mal der erfahrenste (Ultra-)Läufer gefeit. Fühlt sich sch... an, ich weiß, aber Kopf hoch! Sobald die Online-Anmeldung für 2016 offen ist, weißte ja, was du zu tun hast.... Jetzt erst recht oder? ;-))

Kennst du inzwischen die Ursache deines Schwindels? Wir hatten dich ja anfangs gesehen, wie du etwas getrunken hattest und ich hatte mich noch gewundert, weil das ja doch noch zu einem recht frühen Zeitpunkt war.

Was hab ich mich erschrocken,...

als Du Detlef Freitagabend tatsächlich Antwort schicktes...das konnte ja eigentlich nicht sein, leider dann doch. :o(
Konnte sofort die Enttäuschung nachfühlen und die Probleme fast nicht glauben, warst Du doch so fit wie nie zuvor!

Hey, zwei Stürze, Doppelbilder und Sterne, mehr darf es nun wirklich nicht sein, um diese absolut richtige Entscheidung für den Abbruch zu fällen.
Wir brauchen Dich noch und was danach noch kam, sollte kein Pappenstiel werden.

Offene Rechnungen schüren unseren Ehrgeiz und die begleichen wir einfach nächstes Jahr!! :o)
Du bist heile, das ist das wichtigste!!
Jetzt weiter analysieren und optimieren und auf gehts zu neuen Aufgaben. :o)

Lieben Gruß Carla Hase :o)
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Bus fahren kann ich schon! ...

... ist da in der Tat der falsche Spruch. Auch wenn es unten im Tal für andere lustig klingen mag. Dort oben ist es der falsche Antrieb, stimmt!
In den Bergen wandern und laufen kann ich schon! Und ich möchte es auch immer wieder mit lieben Freunden gemeinsam tun.
Nächstes Jahr sehen wir uns wohl in Kaprun. Dann schauen wir uns den Hügel da mal genauer an.
;-)

Hey, ist das hart ...

... brutal hart, das zu erleben. So´ne Schwächephasen, dass man sich selber nicht mehr kennt, das hat jeder Läufer schon erlebt - meist im Hintergrund ein versteckter Infekt. Aber gerade bei dem Lauf, dem Höhepunkt, auf den man hingefiebert hat, intensiv hintrainiert hat - das braucht kein Mensch. Ich hatte ja auch keinerlei Kraft in den Beinen die Pfandlscharte hoch und dahinter lange Zeit, hab gezetert, an mir gezweifelt. Aber das ist ein Klacks gegen das, was Du erleben musstest. Möchte mir gar nicht vorstellen, wie Du Dich gefühlt haben musst. Hast einen Brocken zu verdauen.

Ach, ich hätte mich gefreut, Dich auf der Strecke zu treffen. Nachdem wir am Freitag kaum Zeit hatten wegen unserer späten Anreise. Nächstes Jahr sehen wir uns in Kaprun?! Mit mehr Zeit. Freu mich drauf!

Danke Euch

den Grund für mein allzufrühes Abnippeln hab ich noch nicht aber es verdichten sich die Anzeichen das es eine Kombi aus vielen Kleinigkeiten war die u.a. auch mit der Ernährung zu tun hat.

Anyway, der Termin für 2016 ist schon raus

waxlontherocks

Waxl

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