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Benutzerbild von Moritz79

Phase 1: Nach- und Nebenwirkungen eines DNF

Der Ausstieg bei der Deutschen Meisterschaft über 100 Km am 11. April hing mir noch einige Zeit ein wenig nach. Dennoch war es in der Rückschau immer noch die richtige und vernünftige Entscheidung, alle anderen Optionen hatte ich mir durch die offensive Taktik verbaut.

Der Infekt war nach ein paar Tagen im Griff, aber die Form war natürlich erst mal futsch und die Frühjahrssaison damit in Sachen Topleistung gelaufen. Auf die bereits eingeplanten Wettkämpfe beim Düsseldorf Marathon am 26. April und beim 10 Km Lauf in Frechen am 03. Mai wollte ich aber nicht verzichten und so gelang es mir mit zwei gut eingeteilten Rennen (32. Platz in Düsseldorf in 2:52:08 Std. und 5. Platz in Frechen in 35:09 Min.) Vertrauen in den eigenen Körper zurück zu gewinnen.

Phase 2: Wieder in die Spur kommen

Nach zwei Wochen Urlaub ohne Laufschuhe und geistiger und körperlicher Erholung ging es dann daran, wieder Fahrt aufzunehmen. Aber was anfangen? Für einen "Ultrasommer" blieb keine Zeit, zumindest nicht, um danach noch einen vernünftigen Formaufbau für den Herbst hinzulegen.

Also beschloss ich, zunächst mal nach Lust und Laune zu Laufen. Bereits am zweiten Tag nach dem Urlaub bot sich ein Wettkampf in der Nähe des Arbeitsstandorts Eindhoven/NL an. Und so kam es, dass ich im zarten Alter von 36 Jahren zu meinem ersten Bahnwettkampf antrat. Es war eine Abwechslung, die mir gefiel und so wurden es bis zum heutigen Tage vier Wettkämpfe auf der Bahn, die mir dabei halfen, läuferisch wieder in die Spur zu finden. Aktuell bin ich seit drei Wochen wieder im Formaufbau für den Herbst und habe die ersten langen Läufe im Kasten, aber vorher möchte ich noch kurz auf diese, meine erste Bahnsaison zurückblicken.

Station 1: Mitttwoch 20. Mai 2015, Avondwedstrijd Regio 13, Dongen/NL, 5000 m

Kaltstart nach dem Urlaub und dann gleich 12,5 Runden auf der Bahn, das konnte ja heiter werden. Zudem einer der ersten wärmeren Tage des Jahres, da war es bereits klar, dass mir nach 2000 m die Zunge aus dem Hals hängen würde. So kam es dann auch, erster Km ohne jegliches Tempogefühl in 3:20 Min, danach wurde ich langsamer und langsamer und rettete mich schlussendlich in 17:32,78 Minuten ins Ziel. Naja, im Großen und Ganzen war ich zufrieden, die Zeit hätte angesichts des Kaltstarts nach dem Urlaub auch schlimmer sein können. Insofern: Bahndebüt geglückt!


"Wie weit ist es denn noch?"

Station 2: Dienstag 16. Juni 2015, Avondwedstrijd Circuit 14, Eindhoven/NL, 3000 m

Knapp 3 Wochen und 250 Laufkilometer später bot sich die nächste Gelegenheit auf der Bahn, wieder unter der Woche in den Niederlanden. Das ist eigentlich eine praktische Sache mit diesen kleinen Abendmeetings für Freizeitläufer: Nach der Arbeit auf dem Weg nach Hause statt Trainingsrunde einfach mal einen Wettkampf absolvieren. Die Startgelder sind mit 3-4 Euro je Disziplin auch moderat.
In Eindhoven war die größte Veranstaltung meiner Bahnsaison, hier gab es 3 Serien über die 3000m. Ich "verpasste" mit meiner Vormeldezeit von 10:00 Minuten den A-Lauf und durfte so von Außen eine (einsame) 8:26 Min. eines "Local Hero" bestaunen. Das war schon recht flott anzuschauen. Im zweiten Lauf orientierte ich mich dann an meinem Zieltempo von 3:20 Min/Km (80er Runden), womit ich zu Beginn an 3. Stelle lag. Nach etwa 3 Runden begannen die Führenden dann aber zu schwächeln und ich setzte mich an die Spitze.


Aufgereiht wie auf der Perlenschnur

Ich konnte das Tempo (für mich selbst überraschend) halten und steigern und die avisierten 10:00 Minuten mit einer Zeit von 9:53,41 deutlich unterbieten. Pace also etwa bei 3:18 Min, das war schon mal wirklich ordentlich. Es ging wieder sichtbar und spürbar aufwärts.

Station 3: Dienstag, 30. Juni 2015, Limbra Baancircuit, Weert/NL, 800 m

Zwei Wochen später dann der nächste Streich. Am Wochenende zuvor hatte ich samstags den ersten 35er seit dem 28. März absolviert und montags gleich noch mal 28 Km nachgelegt. Eigentlich wollte ich in Weert 3000 m laufen, aber da ich mit der Zeit von Eindhoven recht zufrieden war und zudem der 3000 m Lauf im Zeitplan ganz hinten angesetzt war, meldete ich ganz spontan für die 800 m. Mittelstrecke, bislang allenfalls aus dem Schulsport in grauer Vorzeit ein Begriff. Es war einer dieser warmen Freitage, immer noch knackige 28° C (im auf der Bahn nicht vorhandenen Schatten) beim Start um 20:00 Uhr. Aber das ist der Vorteil der Mittelstrecke: Bevor einem die Zunge komplett aus dem Hals hängt, ist das Ganze auch schon wieder vorbei. 800 m Rezept ist ganz einfach, wie ich mal irgendwo aufgeschnappt habe: Man muss 95% Gas geben auf der ersten Runde, mit dem Gefühl dass es noch ein ganz klein wenig schneller gehen könnte. Auf der Schlussrunde gibt man dann Vollgas um dann festzustellen, dass man zwar trotzdem die schlechtere zweite Runde hatte, aber trotzdem weniger eingegangen ist als die Anderen. So ging es mir dann letztlich auch. Anfangs irgendwo im Mittelfeldd zwischen fast ausnahmslos mit Spikes "bewaffneten" A- und B-Junioren, hinten raus am Ende der Kräfte aber trotzdem auf der Schlussrunde drei Plätze gewonnen.


Die Schlussrunde hat begonnen, von den 4 Läufern vor mir habe ich immerhin noch 3 bekommen

Die Zeit? 2:13,47 Minuten. Meine erste Wettkampf-Pace "sub 3"-Minuten. Na gut, der ganze Spaß war ja nicht mal 'nen Kilometer lang. Aber vielleicht kann ich ja auch die 1000 m unter 3 Minuten laufen... Trotzdem: Zufrieden nach Hause.

Ob es was gebracht hätte, statt der beiden langen Läufe an den Tagen zuvor nur "8 Km locker mit Steigerungen" zu machen? Ich weiß es nicht, aber es hätte sicher meine Siegchancen erhöht, wenn man die anderen gezwungen hätte, auch an den drei Tagen vorher einen 35er und einen 28er zu absolvieren.

Station 4: Freitag 17. Juli 2015, Limbra Baancircuit, Roermond/NL, 1500 m

Tja, mittlerweile ist es Mitte Juli und die Vorbereitung auf die Ziele im Herbst hat begonnen. Es heißt wieder mehr und mehr langer Dauerlauf und Tempolauf statt Bahn-Intervalle. Dennoch wird der aufmerksame Leser festgestellt haben: Da fehlt doch noch einer! Richtig, die 1500 m, um den Satz der gängigen Bahndistanzen zu komplettieren. Die 10000 m sind ja fast gewohntes Metier, das kann man ja später noch mal einschieben. Aber die 1500 m? Also, jetzt oder nie lautete die Devise und so legte ich an diesem Freitag erneut einen Stopp auf dem Weg von der Arbeit ins heimische Rheinland ein, um erneut an einem Lauf des Limbra Baancircuit teilzunehmen. Übrigens, wer über die Bezeichnung "Limbra" rätselt, dem sei hier ein heißer Tipp gegeben: Einfach mal googlen wie die beiden südlichen Provinzen der Niederlande an der Grenze zu Deutschland und Belgien heißen. Es war der Abschluss der Bahnserie und für eine Wertung hätte man 3 Läufe benötigt. Also war ich da mit 2 Starts außen vor, aber ich hatte ja meine eigene persönliche holländische Bahnserie gebaut.

Auch hier war es wieder ein schöner Sommertag, um die 30° Grad und immerhin die Hälfte der Bahn im Schatten. Wieder mit kleiner Vorbelastung von 29 Km am Tag zuvor und 8 Kilometer Auslaufen am Morgen. Als Meldezeit gab ich 4:35 Minuten an, aber es gab an diesem Tag sowieso nur einen Lauf mit 13 Startwilligen. Ich erkannte einige Gesichter aus Weert wieder, vornehmlich 3 Läufer, die dort etwas schneller als ich waren (2:05, 2:06 und 2:09 Minuten). Ich selbst wollte so lang es geht auf Kurs 4:30 Minuten bleiben, was 18 Sekunden für 100 m bzw. 72 Sekunden für eine komplette Runde bedeutet. Exakt eine Pace von 3:00 Min/Km. Ich traf mein Tempo auch ziemlich genau, 54 Sekunden zeigte die Uhr beim ersten Zieldurchlauf nach 300 m. Nun also 3 Runden dieses Tempo halten. Ich lag an vierter Stelle, die vorher ausgemachten Läufer lagen vor mir. Dennoch, nur einer war weit weg, die anderen beiden holte ich auf der vorletzten Runde ein und zog dann auch vorbei. Mit den beiden anderen im Schlepptau und brennenden Lungen ging es auf die Schlussrunde. Die Uhr war bei der Siegerzeit von 4:22 Min stehen geblieben. Trotz meiner eher mittelprächtigen Spurtqualitäten konnte ich die zweite Position halten. Während ich meine eigene Uhr am Handgelenk erst einige Sekunden später zum Stoppen bringen konnte, hatte einer der Mitläufer 4:31 gestoppt, allerdings unwesentlich nach der Ziellinie. Aber der Luxus einer elektronischen Zeitmessung befreit dann nach kurzer Zeit von allen Spekulationen: 4:29,39 Minuten, ein glatter Schnitt von 3:00 Minuten/Km und damit das ambitioniert gesteckte Ziel von unter 4:30 Minuten geschafft.

Ich bin endgültig wieder in der Spur!

Phase 3: Fazit und neue Ziele
Die Bahn macht Spaß. Wettkämpfe allemal mehr als alleine Intervalle kloppen. Die Chance ist groß, dass ich ES noch öfter tun werde. Dennoch bin und bleibe ich ein Straßenläufer mit Fokus auf Marathon und Ultra. Ich werde also die Bahn und auch Bahnwettkämpfe nutzen, um Abwechslung zu haben, die Schnelligkeit zu erhalten und die Laufökonoomie zu schulen. Auch mental hat es ein gutes Stück weit dazu beigetragen, wieder in die Spur zu finden und den Kopf frei für neue Ziele zu kriegen. Die Vorbereitung läuft und ich freue mich auf den Herbst.

5
Gesamtwertung: 5 (8 Wertungen)

Bahnwettkämpfe

finde ich auch so als Abwechslung höchst nett. Und kurz und hart macht auch mal Spaß ;-)) Früher konnten hier bei den Läuferabenden auch die Volkläufer sich mal testen, inzwischen ist das Ganze derart in der Hand der Leichtathleten, dass zwar du mithalten könntest aber ich schon in Runde 2 überholt werde...

Schön, dass es für dich wieder läuft! Und zwar wie... Bei deinem Tempo bleibt mir immer beim Lesen die Spucke weg!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Ich hab mich

selten überhaupt zum Training auf die Bahn begeben. Zu einem Wettkampf zuletzt zu Schulzeiten beim alljährlichen Sportfest.

Bist Du mit normalen Lauflatschen da durchgeflogen? Klasse Zeiten! Hört sich auch nach Spaß an. Bei (einmal!) 800m sind die Temperaturen eher zweitrangig denke ich. Da läuft man eh "heiß" :kicher - Kopfkino:

Du wirst schon noch den Ultraspaß wiederfinden, da bin ich mir ganz sicher.

Übrigens hat mir am Donnerstag einer beim Schwimmtraining gesagt Ultra wäre nur was für die Langsamen. Wer nicht schnell könnte würde halt länger laufen. Der wusste aber nichts von 100km- oder 24h-Nationalmannschaft.

Bahn-Meetings

Hallo strider,

ich habe das Gefühl, dass es in den Niederlanden auch wesentlich mehr dieser kleinen Abendmeetings für Hobby- und Altersklassenläufer gibt. Auf den größeren Meetings schaffe ich auch nicht die geforderten Qualizeiten.

Aber die Atmosphäre dort war sehr nett Du hättest dich dort auch durchaus auf die Bahn trauen können.

Übrigens sehen wir uns vermutlich am 09.08., wenn die Meldeliste besagten Laufes mit euren aktuellen Planungen übereinstimmt. Das wird dann zwar wohl eher nicht "kurz und hart" sondern eher "lang und genußvoll", aber das ist ja auch ganz nett. ;)

Bis die Tage,

Moritz

@fazerBS: "normale" Rennschlappen

Ja, bin bisher mit normalen Rennschlappen auf der Bahn unterwegs. Die jungen Läufer tragen fast ausnahmslos Spikes, nur die den AK-Läufern war auch der ein oder andere mit normalen Laufschuhen unterwegs.

Vielleicht lege ich mir auch irgendwann Spikes zu, aber bisher zum Ausprobieren ging das auch so ganz gut.

Ach ja, und die Frotzeleien mit dem "Ultra läuft man nur, wenn man für die normale Leichtathletik nicht schnell genug ist", die kenne ich auch. Macht mir aber nix. :)

Mit gleichem

Recht könnte man frotzeln:
"Diese Kurzstrecken machen halt nur diese jungen Leichtathleten, die keine Ausdauer haben, aber Spikes." ;o)
Aber du kannst halt einfach beides - große Klasse!

ER schafft das Wollen und das voll Bringen - mit extrem hohem Bringungsfaktor.

oh schön!!

du meinst für dich "kurz und genussvoll" und für mich "lang und hart" *ganzbreitgrins* Aber du willst da nicht die Spikes testen, oder??? *jetztaberschnellwech*

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

5 Sterne von mir.

Total cool. ☺

"Ceterum censeo Carthaginem esse delendam."

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