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Triathleten sagen gerne "Schwimmen ist meine Schwäche". Ich sage es auch - nur bei mir ist es wirklich so. Wenn ich die Ergebnislisten hinterher analysiere (was fast noch mehr Spaß macht, als der Triathlon selber), dann klafft das Leistungsgefälle über die drei Teildisziplinen bei niemandem so weit auseinander, wie bei mir. Also liegt der Gedanke eigentlich auf der Hand es mal mit Duathlon zu probieren. Aber das empfinde ich dann wie "weglaufen". Duathlon ist nur etwas für Leute, die kein Triathlon können. Ok, das würde auf mich sogar zutreffen. Trotzdem ist der Ehrgeiz bei mir noch größer irgendwann mal das Schwimmen zu lernen, als mich auf Duathlon zu fokussieren.

Dennoch fand ich die Frage immer spannend, wie ich wohl in einem Duathlon abschneiden würde. Bei meinem ersten großen Wettkampf in Rimini dieses Jahr war es schon kurz davor. Noch zwei Tage vor dem Wettkampf war der Wellengang in der Adria so hoch, dass an einen Ausdauerdreikampf unmöglich zu denken war. Wenn es also die Rahmenbedingungen so wollen, dann würde ich es schon gerne mal ausprobieren. Doch proaktiv für einen Duathlon zu melden, fand ich noch nicht so attraktiv.

Vergangenen Sonntag in Bad Bodenteich war es dann aber soweit. Aber diesmal hat es mich wirklich ein wenig geärgert. Der primäre Grund, warum ich in Bad Bodenteich starten wollte war (neben dem besten Finisherbuffet der Welt), dass ich nochmal unter Wettkampfbedingungen 2.000m schwimmen wollte, bevor zwei Wochen später in Roth meine alljährliche Langdistanz auf dem Programm steht. Schon am Freitag, zwei Tage also vor dem Wettkampf verbreitete sich schnell die Information, dass die nahgelegene Biogasanlage Gülle in den See gepumpt hatte und daher aus dem Tri- ein Duathlon wurde. Nähere Informationen würden folgen - hieß es.

Spät am Freitag Abend wurden dann auch dieses "näheren Informationen" verkündet. Die Streckenfolge sollte nun aus 10,4km laufen, 90km Rad und wieder 10,4km Laufen bestehen. Wieder war ich ein wenig enttäuscht, denn von der Streckenlänge her, wurde nun ganz auf das Schwimmen verzichtet und die ohnehin vorgesehene Laufentfernung einfach aufgeteilt. Je länger der ganze Wettkampf, vor allem aber auch das Laufen ist, umso mehr sollte mir das sportlich entgegen kommen. Andererseits war es wohl auch nicht schlimm, dass ich zwei Wochen vor Roth ein paar Wettkampfkilometer weniger mache, als ursprünglich geplant.

Die Anreise verlief recht reibungslos, bis auf die Tatsache, dass um 5:45 Uhr mein Wecker klingelte. Ist nicht ganz meine Uhrzeit, aber in Roth muss ich noch weitere zwei Stunden früher aufstehen - so gesehen auch das eine gute Vorbereitung. Ich kam rechtzeitig an, erhielt meine Startunterlagen, checkte mein Rad ein und präparierte die Wechselzone. Soweit alles Routine. Zu den Startunterlagen muss man sagen, dass schon hier wieder klar war, was für ein tolles Event dort in Bad Bodenteich aufgezogen wird. Für die insgesamt 60 EUR Startgeld erhält man eine sehr gut organisierte Mitteldistanz in höchst attraktiver landschaftlicher Umgebung, das ungelogen beste Finisherbuffet der Welt und diesmal gab es ein riesiges Badetuch mit dem Logo des Triathlon als Geschenk. Eine willkommene Abwechslung, statt des 483. Finisher-Shirts.

An der Startlinie atmete ich nochmal tief durch. Nun musste ich wohl für mich und alle Triathlonfreunde den Beweis antreten, dass ich Duathlon kann. Bisher konnte ich immer sagen: "im Duathlon wäre ich spitze", ab Sonntag mittag sollte dieser Satz gestrichen werden, zugunsten einer nachweisbaren Zeit und Platzierung in einem Duathlon-Wettkampf.

Ich hatte kurz überlegt, wie ich so einen 10,4km-Lauf zu Beginn eines Wettkampf angehe - schließlich sollten dann ja noch weitere gut drei Stunden Sport folgen. Aber ich dachte mir "egal, Attacke"! So ein schneller 10er geht immer und auf dem Rad kann ich ganz gut erholen, auch wenn ich da auch am Limit unterwegs sein würde.

Der Startschuss ertönte und ich rannte los. Es würde auch insgesamt eine neue Erfahrung werden - ich sollte von Beginn bis Ende von Teilnehmern umgeben sein, mit denen ich direkt im Wettbewerb stehe. Da ich mit den schnellen Läufern unterwegs sein würde, statt mit den anderen schlechten Schwimmern (oder sogar dahinter) aus dem Wasser zu steigen, gab es auch keine Gelegenheitstriathleten, die ich auf dem Rad erstmal überholen musste, bis ich auf diejenigen auffuhr, mit denen ich mich in der Ergebnisliste messe.

Ich rannte los und war gespannt, wie sich das Feld wohl sortieren würde. Da ich auf die Strategie "egal, Attacke" setzte, war ich gleich recht weit vorne unterwegs. Nach etwa 200m war ich sogar auf Höhe der etwa 5köpfigen Spitzengruppe und hätte mit einem kleinen Zwischensprint auch die Gesamtführung des Wettbewerbs übernehmen können. Aber ich wurde zumindest ein Stück weit vernünftig, lies dann auch die Spitzengruppe Spitzengruppe sein und reihte mich etwa auf Position 15 ein. Nach knapp 2km kam dann eine kleine Wendepunktstrecke, wo ich erstmals einen guten Eindruck davon bekam, was hinter mir los war. Vorne die Spitze war zwar weg, aber noch irgendwo in Schlagdistanz. Begeistert war ich aber, als ich die ganze Meute an Triathleten sah, die da hinter mir unterwegs waren.

Ich muss aber gestehen, dass ich am Wendepunkt auch ein paar Läufern in die Augen gucken durfte, die mich dann später noch überholten. Ich war die erste Runde eher in 3:50-Pace gelaufen und mit dem Zeitpuffer war ich dann auch zur Halbzeit der ersten Laufstrecke noch unter 4er-Schnitt unterwegs. Den Schnitt sollte, bzw. wollte ich aber nicht halten. Es war mir suspekt unter Berücksichtigung dessen, was am Vormittag noch an weiterer Sporteinheit auf mich zukommen sollte.

Nach knapp 10km war der erste Wechsel nah und ich begann wie gewohnt frühzeitig diesen im Kopf durchzugehen. Auch wenn ich es immer noch nicht ganz verstehe, wieso viele Athleten in der "vierten Disziplin" so viel Zeit liegen lassen, hier war es wieder soweit. Wenn man sich einfach den bevorstehenden Ablauf ein paar Mal durch den Kopf gehen lässt, läuft es ganz automatisch ab und man gewinnt bestimmt eine Minute oder mehr auf diejenigen, die am Fahrrad stehen und erstmal anfangen zu überlegen, was eigentlich zu tun ist. Allerdings habe ich mich diesmal auch selbst damit veräppelt. In meiner Wechselzeitoptimierung spielte diesmal auch eine Bad Bodenteicher Besonderheit eine Rolle. Man bekam pro Laufrunde ein Bändchen und der Organisator war sehr darum bemüht klarzustellen, dass nur wer drei Bändchen am Eingang der Wechselzone abgeben konnte, dort auch Einlass erhielt. Die Bänder hatte ich bislang am Unterarm getragen und ich wollte sie schon mal beim Laufen ab machen um diese Sekunden nicht am "Einlasswärter" der Wechselzone zu verlieren. Der Plan war sogar die Bändchen so zu halten, dass er schon von weitem sehen konnte, dass es drei sind. Als ich genau das simulieren wollte, ereignete sich der worst case. Ein Bändchen fiel mir in vollem Lauf runter, ich musste umdrehen um dann auch noch festzustellen, dass es mitten in einen dicht bewachsenen Busch im Schatten gefallen war. Na super! Die Wechselzeit hatte ich vielleicht optimiert, aber die Laufzeit dafür ruiniert.

Ich hatte noch halbwegs Glück und fand das Bändchen dann doch recht flott und rannte nun auf die Wechselzone zu. Die Zeitmessung löste ich nach 42:20 Minuten (Platz 22) aus, was einem 4:04-Minutenschnitt pro Kilometer entsprach. Ich eilte zum Rad und machte erneut eine neue Erfahrung. Sonst, wenn ich aus dem Wasser komme, finde ich mein Rad sofort - es ist oft das einzige, was noch da steht. Diesmal musste ich es aus der Masse herumstehender Fahrräder identifizieren, den Helm aufsetzen, Laufschuhe abstreifen, Rad schnappen, raus schieben und aufsetzen. Aber auch das gelang ganz gut. Und das ich wieder einen flotten Wechsel gezeigt habe zeigt sich daran, dass ich vor meinem Bändchen-Dilemma direkt hinter einem Konkurrenten hergelaufen bin, auf den ich natürlich erstmal den Anschluss verloren hatte. Dennoch bin ich vor ihm wieder aus der Wechselzone raus und habe ihn auch den Rest des Wettkampfes nicht mehr gesehen. Insgesamt 1:09 Minuten dauerte es für mich, bis ich auf dem Rad saß und versuchte mich vom ersten Lauf zu erholen.

Nun kam die Disziplin, in der ich zuletzt nicht so richtig wusste, wo ich stehe. Gerade bei meinen beiden Sprinttriathlon in Bokeloh und Limmer konnte ich nicht den Schnitt fahren, den ich mir erhoffte. Im Hinblick auf Roth bedeutete dies für mich, dass ich vorsichtig meine Erwartungshaltung drosseln wollte. 5:12h bin ich letztes Jahr dort gefahren - ein 34,6km/h-Schnitt. Bislang war ich in diesem Jahr kaum in der Lage einen solchen Schnitt auf mehr als 20km zu fahren. Das sollte sich aber in Bad Bodenteich ändern.

Gleich nach dem Wechsel überholte ich schnell zwei Konkurrenten, war dann aber ziemlich allein unterwegs. Ich hatte gehofft einen festen Bezugspunkt in Form eines Fahrers vor mir zu finden, der mich zu einer guten Radzeit pushte. Aber nach vorne habe ich schnell niemanden gesehen und von hinten kam erstmal nichts. Also musste ich doch in Eigenregie versuchen Druck auf die Pedale zu geben. Mitte der ersten Radrunde riskierte ich einen Blick auf die relevante Seite meines Tacho...34,9km/h bis dato. Na gut - akzeptiert. Es war zwar weitgehend windstill, aber da der erste Teil der Radrunde der eher wellige war, ging ich davon aus, dass sich der Schnitt noch etwas nach oben korrigieren würde.

Als ich die erste von 3 Radrunden a 30km abgeschlossen hatte, stoppte die Uhr bei ziemlich genau 50 Minuten - also 36,0km/h-Schnitt. Die Frage war also, ob ich es schaffen würde unter der Grenze von 2,5 Stunden zu bleiben, was mir bislang noch nie über eine Mitteldistanz gelungen ist. Als ich auf die zweite Runde einbog, gesellten sich zu mir weitere Fahrer aus der kürzen Distanz des Wettbewerbs. Nun hatte ich die Situation, auf die ich von Anfang an gehofft hatte. Wir fuhren zwar innerhalb des Regelwerkes, also ohne Windschatten, konnten uns aber dennoch ganz gut gegenseitig unterstützen und das Tempo hoch halten. Dies gelang und die zweite Runde dauerte nur knapp über 47 Minuten. Schnell definierte ich mein Ziel des Tages um. Wenn ich die dritte Runde unter 53 Minuten fahre, würde ich erstmals die 2,5-Stunden-Grenze durchbrechen. Also erneut "Attacke", was dann beim Laufen passiert war egal - die Rad-Bestzeit würde mir dann niemand nehmen können.

Hinten raus in der dritten Runde wurde ich schon etwas müde, aber es sollte reichen. Die dritte Runde dauerte gut 49 Minuten und so beende ich die 90km auf dem Drahtesel in 2:26:59 Stunden - ein 36,7km/h-Schnitt. Ich war stolz wie Bolle.

Nun folgte nur noch ein weiterer 10,4km-Lauf, das sollte doch locker gehen. In meiner Einschätzung vor dem Rennen räumte ich mir 2 Minuten mehr ein, als auf der ersten Runde. Das Ziel sollte also sein irgendwo im Bereich 4:15- bis 4:20-Pace zu laufen. Doch hier realisierte ich dann, dass es doch einen signifikanten Zusammenhang zwischen Radzeit und anschließend möglicher Laufperformance gibt. Ich konnte das Tempo nicht zeigen und hoffte im Laufe der Runden das Rennen immerhin unter 4 Stunden abschließen zu können.

Das gelang. Im Endeffekt war die zweite Laufeinheit der härteste Teil des Tages. Ich quälte mich ins Ziel und benötigte diesmal 46:30 Minuten, was einer 4:28-Pace entsprach. Immerhin sollte mir die Ergebnisliste zeigen, dass es nicht nur mir so ging. Mit der Zeit war ich ebenso wie beim ersten Lauf die 22.Laufzeit gelaufen. Insgesamt reicht die Zeit von 3:57:54 zu Platz 17 des Wettbewerbs.

Etwas ärgerlich war ich dann doch für einen Moment bei der Siegerehrung. Ich hatte ja in der Vorwoche schon mein Siegerehrung-Trauma dargestellt - durfte ich doch noch nie an einer Siegerehrung teilnehmen. Diesmal wusste ich, dass ich irgendwo im Bereich der ersten 20 unterwegs war und auch, dass in jeder Altersklasse die ersten drei geehrt wurden. Als ich sah wie die Ergebnislisten ausgehangen wurden, sagte ich noch zum Spaß "wollen wir wetten - ich bin Vierter in der AK". Und ich sollte recht behalten. Wieder nix mit Siegerehrung - knappe 2 Minuten haben gefehlt.

Dennoch bin ich total zufrieden. 3:57h für eine Mitteldistanz ohne Schwimmen. Wenn ich jetzt noch rund 40 Minuten draufziehe - eine realistische Schwimmzeit für mich -, dann komme ich bei 4:37h raus. Wenn ich die Zeit mal im Ziel erleben darf, werde ich wohl aus dem Feiern kaum mehr rauskommen. Spannend bleibt aber auch die Frage, wie es sich auswirkt, dass der Lauf zweigeteilt war. Gefühlt ist es einfacher erst zu laufen, dann radeln und nochmal laufen. Ich denke wenn ich erst geradelt wäre und dann die vollen 20,8km hätte laufen müssen, wäre eine Zeit über 4 Stunden rausgekommen. Aber ist nur so ein Gefühl...was zu beweisen wäre.

Bewiesen habe ich aber, dass ich Duathlon tatsächlich kann. Ich war sogar schneller als gedacht. Das lässt mich positiv auf den 6.September blicken, wo ich dann doch proaktiv mal einen Duathlon mache. Es wird die Langdistanz-Weltmeisterschaft im schweizerischen Zofingen. Der Einteiler der Altersklassen-Nationalmannschaft ist heute angekommen. Das wird ein Fest...vorher stehen aber noch ein paar andere Herausforderungen.

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

q.e.d.

Hipp hipp hurra! Wunderbarer Bericht, einmal in meinem Leben darf ich wenigstens am Bildschirm einen 36er Schnitt mitfahren ;-))

Das mit dem Bändchen hätte von mir sein können ,-)))

Glückwunsch! Platz 4 ist zwar doof, aber die Zeit nimmt dir keiner mehr!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Hüsetel,

ich glaub ich müsste mal Rad trainieren.

Klasse Bericht, super Radleistung. Ein Tick raus - und es klappt auch mit dem Laufen wieder.

Bisher hatte ich das Kunststück auch einmal in Bonn ganz ungeplant. Radsuche inklusive.

Zofingen: kann ich da auch hin oder nur Cracks? Hört sich interessant an.

Da fällt mir doch irgendwie spontan ...

... erstmal so ein Seitenhieb auf diese Triatlon-novizen ein. Wieso die Laufstrecke teilen und nicht anstatt des Schwimmens das erste Laufen aufschlagen und dann eben die "normalen" 21,095km laufen? Das Laufen halbieren ist doch Tria-Logik, die nur von Radlern oder Schwimmern kommen kann. - Ok, heißt ja auch "nur" Duathlon, also Zwei.
Aber was du dann drauß gemacht hast, klingt wiederum ganz gut.
Viel Spaß in Roth!
;-)

Schalk hat Recht

ich würde ja das Radfahren teilen (und d.h. die zweite Hälfte weglassen) und dafür mehr laufen oder so... aber ich bin ja kein Triathlet ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Beweis erbracht:

Du bist so oder so schnell! Echt klasse Zeiten!
Danke für den Bericht!
...und ich schließe mich fazer an: ich müsste wohl auch etwas Rad trainieren (UND Laufen UND schwimmen *hust*)

Gruß, Dominik

UND natürlich jetzt schon mal einen Haufen Vorfreude auf Roth!!!
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

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