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Benutzerbild von ulsaba

Ich stehe an der Quelle der Moldau, gut einen km hinter der deutsch-tschechischen Grenze. Gegen acht Uhr abends ist es noch wunderbar hell und warm. Nur ein paar dunkle Wolken drohen ein Gewitter an, aber die knappe Stunde die ich zurück nach Finsterau brauchen werde wird es noch hell sein und das Wetter halten. Kein Grund zur Eile und Zeit die Gedanken etwas in die Vergangenheit schweifen zu lassen.
Als ich vor einer Stunde im Salvador-Allende-Haus in Finsterau loslief wollte ich eigentlich nur auf den Siebensteinkopf, ein paar Höhenmeter sammeln und den Bayrischen Wald genießen.
Kurz vor dem Gipfel ein Schild: Moldau-Quelle 2km. Ich nahm es wahr, aber dachte zunächst nichts dabei. Für die geplanten km reicht die Strecke zum Gipfel genau aus.
Aber langsam kamen dann Gedanken an meine Jugend in Weiden auf.
Manche Wanderung führte uns an die Grenze, damals das Ende der (westlichen) Welt. Immer wieder hörten wir Geschichten, von Wanderern die aus versehen in die Tschechoslowakei geraten waren und erst nach ein paar Tagen oder gar Wochen wieder frei gelassen worden waren. So war es eine besondere Mutprobe für uns ein oder zwei Meter ins „böse“ andere Land zu laufen und so schnell es ging wieder zurück ins „sichere“ Deutschland. Auch die Umrundung der Waldnaab-Quelle stellte ein dieser Mutproben im Grenzgebiet für uns dar. Der Fluss der durch Weiden und große Teile der Oberpfalz fließt, entspringt nur wenige Meter auf der Deutschen Seite um dann zwei km durch Tschechien zu fließen.

2 km!
Genau so weit bin ich jetzt noch von der Quelle der Moldau entfernt.

Später als ich mein erstes Motorrad hatte ging die Grenze auf. Wir konnten also ins Nachbarland reisen. Noch brauchten Wir einen Ausweis und es gab bei der Ein- und Ausreise einen Stempel in den Pass. Wir hatten immer das Gefühl, richtig im Ausland zu sein. Und irgendwie war uns immer etwas mulmig, auch wenn wir nur die ein oder zwei km zum tanken fuhren.
Während meiner Bundeswehrzeit wussten wir wo unsere Panzer an dieser Grenze in Stellung gehen sollten, falls es zu einem Angriff des Warschauer Packtes kommen sollte. Unsere Gegner wären die Soldaten der Tschechoslowakei gewesen.

Ich laufe am Gipfel des Siebensteinkopfes los. Als der Weg breiter wird kommt die Weggabelung nach Finsterau oder …
Ohne Nachzudenken oder lange zu fragen laufe ich nach rechtes, entlang der Grenzsteine. Wahrscheinlich war diese Entscheidung schon lange vorher gefallen.
Noch steht auf meiner Seite der weißen Stehlen ein D. Nach ein paar hundert Meter taucht der nächste Grenzstein auf meiner rechten Seite auf und zeigt mir ein C. Ich bin also in Tschechien. Meine ersten Laufmeter in diesen früher so unerreichbaren Land.

Ein paar Minuten später fällt mir ein, dass ich nicht einmal einen Ausweis dabei habe. Nur meine Laufklamotten und mein Handy. Ich bin alleine unterwegs, im Wald, im fremden Land. Es fühlt sich seltsam, aber gut an.

Jetzt stehe ich also an der Quelle dieses berühmten Flusses den Smetana so herrlich vertont hat. Aus der Quelle schimmern mir viele Müntzen entgegen. Ich erkenne Kronen und Euros, schde das ich nicht einen Cent in der Tasche habe.

Noch ein paar Minuten bleibe ich stehen, dann mache ich mich wieder auf den Rückweg im Bewustsein, dass dieser Lauf ein ganz besonderer war, den ich lange nicht vergessen werde.

Uli

Mehr gibts auf uliunddersport.blogger.de

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (6 Wertungen)

Ganz besonderer Lauf

Auch ich bin ein Grenzkind, an der deutsch-deutschen Grenze geboren und aufgewachsen. Auch bei uns gehörte es zu einer Mutprobe, sich bis zum Zaun zu wagen: Da dieser auf DDR-Gebiet stand patrollierten die DDR-Grenzer VOR dem Zaun und kassierten schon mal ein paar Jugendliche ein. Der DDR-Staat bekam Devisen, die Kids waren Helden, nur die Eltern wenig glücklich, die zur Kasse gebeten wurden ;-)) Als die Mauer fiel war ich zu Hause und bin mit meinem Vater zu Fuß durch den Zaun, der aufgeschnitten und beiseite gerollt beidseits des Weges stand.

Heute im deutsch-französischen Grenzgebiet wohnend weiß ich manchmal gar nicht genau, ob ich auf deutschem oder französischem Territorium laufe. Einen Ausweis habe ich nie dabei.... Gutes Gefühl!

Danke für deinen Bericht!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Sehr poetisch!

Danke! Musste bei der Überschrift auch gleich an Smetana denken...

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Ähnliches habe ich auch gemacht

Als Kind im Urlaub stand ich mit meinen Eltern auf dem Arber und habe die "böse Grenze mit den Soldaten mit Maschinengewehren die auf jeden schießen der raus will" gesehen. Wir sind gar einmal bis in die Nähe gefahren.

Einige Jahre später bin ich mit meiner Tochter am Dreisessel gewandert - ebenfalls "Heimlich" über die Grenze - und um den Dreiländereck-Stein gehüpft.

Ja, das war bestimmt ein ganz besonderer Lauf. Und sehr schöne Bilder - auf dem einen sieht es aus als ob da ein Gorilla wäre :lach:

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