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Benutzerbild von MagnumClassic

Mit dem ZUT war ja noch eine Rechnung vom letzten Jahr zu begleichen. Der Wetterbericht sah Schauriges voraus, so dass wir zunächst mal ein Unterkunftsproblem hatten. Denn ursprünglich wollten wir – wie eigentlich immer bei solchen Läufen – ähem... zelten. Doch wir hatten Glück, denn in einer kleinen Pension ist kurzfristig jemand abgesprungen, so dass wir dort Unterschlupf finden konnten.
Wir hatten Schiss vor dem ZUT. Sehr großen Schiss sogar. Bei der Erledigung der üblichen Registrierungsformalitäten begrüßte uns Plan-B-Chefin Uta Albrecht ganz herzlich und meinte, wir seien doch alte Hasen. Tat natürlich gut, aber ohne (Stirn-)Lampenfieber geht’s eben nicht.
Auf dem Weg zum Start machten wir noch einen kleinen Abstecher, um die Ersatzkleiderbeutel (auf gut neudeutsch: drop bags) abzugeben. Einen Satz kurze (man ist ja Optimist!) und lange Laufklamotten, Laufschuhe sowie eine Regenhose können bei diesem zu erwartenden Schietwetter sicher von Nutzen sein. Letzteres durfte also eher für die Psyche in den Beutel, denn womöglich stört die Regenhose beim Laufen? Wobei wir im Nachhinein betrachtet mit Neo, Schwimmflossen und Schnorchel ebenfalls sehr gut bedient gewesen wären.
Bevor wir auf die Strecke durften, gabs nochmals ein letztes Streckenbriefing. Fast schon winterliche Kälte, reichlich Regen und etwas Schnee bestätigten alle Wettervorhersagen; die Originalstrecke konnte jedoch wohl beibehalten werden. Sehr schön, denn wie sehr hatten wir uns auf das Gebirge gefreut und außerdem hatte uns Strider schon am Vorabend den Tipp von Schalk übermittelt, einfach mehr Dembo zu machen. Dann würde uns schon nicht kalt werden. O.k., also alles „gaaanz easy“ und „völ-lig unproblemaddisch“, wie Tiger oft zu sagen pflegt.
Der Startschuss fiel. Wir kamen gut weg und fanden schnell zu einem angenehmen Tempo. Nach einem ganz kurzen Boxenstop an der Abzweigung zur Eibsee -Alm ging's zügig der deutsch-österreichischen Grenze bei Ehrwald entgegen. Wir bissen uns gerade die Zähne beim Steigen aus, als Cherry65 zu uns aufschloss. Er informierte uns darüber, dass nun doch auf eine Alternativstrecke ausgewichen werden sollte. Zwar schade, aber richtig so. Denn wir waren ja jetzt schon durchnässt und die kalte Luft zog so richtig die Kraft aus den Beinen. Wir kramten unsere Handschuhe heraus, doch auch diese blieben nicht lange trocken und hingen schwer an den Händen. Doch man gewöhnte sich schnell daran und ohne wäre dennoch undenkbar gewesen.
An der Pestkapelle zog es wie Hechtsuppe, so dass zum Schlemmen keine Zeit blieb. Klar, wir sind ja auch nicht zum Spaß da! ;-) Hier ging der erste alternative Streckenteil ab direkt zur Hämmermoosalm. Auch hier war's nicht gerade heimelig und ich hatte Wade. Na suuuper! Vielleicht läuft's sich ja noch raus. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Ein Läufer vor uns schimpfte über die Streckenbeschaffenheit und das nasskalte Wetter. „Ooooohhhhhhmmmm! Ruhig, Brauner! Alles wird gut!“, beschwor ich ihn. Bei der nächsten Möglichkeit sahen wir zu, dass wir an ihm vorbeikamen, denn dieses negative Galama braucht kein Mensch. Nun hatten wir mit einem besonderen Aufstieg das Vergnügen. Absolut steil und mit vertikalen Wurzelkonglomeraten durchzogen. Nicht gerade kompatibel für ein Hascherl von < 1,60 m, dafür aber höggschd amüsant. Manchmal musste ich nämlich sogar stehen bleiben und überlegen, wie man im Einzelfall da am besten hochkommt. Doch zum Glück hatte ich meine Hände frei und konnte auf allen Vieren hoch krabbeln oder einen überstehenden Zweig als Handlauf zweckentfremden.
Inzwischen hatten wir das Scharnitzjoch bezwungen. Hier oben lag etwas Schnee. Die Trails waren etwas schlammig, aber frei und mit guten Trailschlappen machbar. Beim Downhill musste ich mich zwar einmal lang machen, bin aber ganz weich auf meinem Bobbes gelandet. Ich versuchte, ein wadenschonendes Tempo anzuschlagen und vor lauter Wadenfixiertheit verlor ich Vollkonifere meinen Kreislauf aus den Augen, der dann auch prompt in den Keller rutschte und somit mein Runterkacheln vereitelte. Denn Runterkacheln bedingt Konzentration und einen klaren Kopf. Ich fühlte mich wie auf links gedreht und konnte mich selbst nicht mehr leiden, denn so etwas darf mir eigentlich nicht mehr passieren. Natürlich wurden wir gnadenlos nach hinten durchgereicht. ***schmoll*** Tiger, für den der ZUT2015 sein erster Hunderter hätte sein sollen, war mega gut drauf. Ich wollte ihn ziehen lassen, doch er bestand auf ein gemeinsames Finish. Naja, die Verpflegung (Nudelsuppe!) am Hubertushof wird’s schon richten.
In meiner Lauf“karriere“ hatte ich sonst immer die Philosophie „never touch a running system“. Denn mit Hirschtalgsalbe, Laufsocken und dem späteren Schweiß, respektive der Laufschuhe lässt sich nämlich ein blasensicheres Feuchtbiotop generieren, welches man keinesfalls stören sollte. Außerdem kostet diese Umzieherei jede Menge Zeit. Im Hinblick auf den Dauerregen schien dieses Mal jedoch eine Ausnahme sinnvoll. Ja, es tat richtig gut, wieder trockene Klamotten auf dem Leib zu haben. Doch auch die trockenen Füße währten nur kurz. Denn kaum waren wir wieder los gezogen, wurde der Regen wieder stärker. Inzwischen war ich fast schon wieder die Alte und konnte sogar Tiger über das öde Flachstück nach Mittenwald ziehen. So paradox es klingt, macht nämlich die einförmige Dauerbelastung in der Ebene sehr zu schaffen.
Nach sage und schreibe 80 km konnte endlich das Wadenproblem heraus gelaufen werden. Allmählich wurde es dämmerig und auch die Waldautobahn forderte mental. Jeder gelaufene Meter ist ein guter Meter, so nun unser Mantra. Wir bogen auf den Trail ab, der uns zur Talstation Längenfelder führen sollte. Ab hier kam man um eine Stirnlampe nicht mehr herum. Zügigen Schrittes stiegen wir empor, doch bald wurde es steiler, so dass man etwas Gas heraus nehmen musste. Inzwischen war es zappenduster und ab und an musste man stehen bleiben, um sich zu vergewissern, ob man noch richtig war. Manchmal bestätigten uns die Lichter weiter oben in unserem Tun, manchmal schienen wir allein auf dem Trail zu sein. Wobei Trail untertrieben ist. Knöcheltief standen wir im Wasser und in bester Kneipp-Manier nahmen wir Kurs auf den nächsten Verpflegungspunkt. Einerseits musste ich schmunzeln, andererseits wäre ich am liebsten zwischendurch stehen geblieben, um kurz durchzuatmen. Doch das verbat sich von selbst, weil man sonst verdammt schnell auskühlte. Das Waten durchs Wasser dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Irgendwann vernahmen wir Motorengeräusche, die Nahrungsquelle konnte also nicht mehr weit sein. Auch hier zog es wie Hechtsuppe, zumal jetzt in der Nacht. Nicht umsonst wurde die Strecke auch an dieser Stelle gekappt, d.h. anstatt zur Alpspitzbahn wurden wir nun zum finalen Downhill geleitet, wo ich mich vor zwei Jahren beim Supertrail absolut nicht getraut hatte, weil ich es schlicht nicht konnte. Doch inzwischen hatte ich viel dazugelernt und mit einer guten Stirnlampe bewaffnet ließ es sich so gut kacheln, dass nicht mal der Tiger hinterher kam. Während ich kurz auf ihn wartete – er musste jeden Moment auftauchen – erkundigte sich ein anderer Läufer, ob ich verletzt sei und bot mir sogar einen seiner Stöcke an. Ich lehnte dankend ab, denn spätestens jetzt weiß ich, dass ich ohne definitiv besser klarkomme. Mit dem Tiger ging es dann an die letzten Kilometer. Einmal hatte mich Mutter Natur nochmals zu Boden gezogen, aber nix ist passiert. Wir konnten noch einige Läufer einsammeln, bevor wir mit dem letzten Asphaltstück in Grainau wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Jetzt hieß es nur noch: mit Stil ins Ziel und nach 17:05 h war's geschafft! Was für ein geiler Lauf! :-)
Nur: was machen wir nun mit der offenen Rechnung? Immerhin waren es ja nur 90,9 km und keine 100 km! Oder kann man vielleicht über einen Schuldenschnitt verhandeln? ;-))

5
Gesamtwertung: 5 (11 Wertungen)

Schön :-)

Ihr wisst jetzt schon dass diese Ultra-Berichte infektioes sind, oder?

- Stefan

Einfach mehr Dembo....

.....*kicher!* Was sich so locker liest, ist ganz harte Arbeit! Du musst lauftechnisch und auch mental richtig gut drauf sein, ich freue mich total für dich! Was für eine Leistung! Grandios! Andere wären im Ziel zusammengesunken; du sprichst von offener Rechnung, ich fasse es nicht! :-)))
Und jaaaaaaaa, ich glaube an die Ansteckung! (Aber wenn, dann nur klein und chillig....Hauptsache schön matschig, *lach!*

Lieben Gruß
Tame

62km länger unterwegs!

Also länger als die Basetrail XLer, denn nur das kann ich ja beurteilen. Das find ich irre beeindruckend und nach wie vor unvorstellbar! Allerherzlichste Glückwünsche auch hier nochmal.
Es war so schön, dich jetzt auch in echt kennengelernt zu haben! Und mir fehlen ja auch noch 6km an meinem Lauf. Ich komme auf alle Fälle nochmal wieder, um die Schulden zu begleichen. Und "vertikale Wurzelkonglomerate" finde ich eine besonders gelungene Wortschöpfung :-)

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

ach mc...

...der rest is trinkgeld...oder so! ;-)
wow, danke für´s erzählen. schön, dass ich grad dabei sein konnte, ohne mir die füße nass zu machen! ihr seid ein grandioses team...
____________________
laufend hofft, mc bald mal wieder zu treffen und dann auch den tiger kennenzulernen: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Vollkonifere

merke ich mir, den kennen- glaube ich - nicht mal meine Schüler *kicher*.

Wie , ihr könnt nicht flach laufen? Höggschd befremdlich *nochmehrkicher*. Ich kann das, nur kann ich den Rest nicht ;-))

Saustark!!! Und da ich weiß, dass Triathleten unsere heimische Waldrunde angesichts der Höhenmeter mit Faktor 1,4 multiplizieren habt ihr in dieser "wetterangepassten Rechnung" die 100 mehr als voll!

Mein höggschder Reschpekt ist euch gewiss! Und wenn Tiger mal 100 im Flachen laufen will - ich begleite euch auch *jetztaberwech*.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Wie das

mit dem Schuldenschnitt läuft erklär ich Dir am 24.07 ;)

Sauber gemacht. Und zum Schlemmen an der Pestkapelle biste ja auch nich da gewesen, oder ? ;))

waxlontherocks

Waxl

Ich fröstel

Nach Deinem Bericht fröstel ich gleich mit ... also lieber Regen als Sonne, aber das war Ihr da erlebt habt, ist ja irre und unvorstellbar für Flachlandtiroler wie mich.

Schuldenfalle? Ich denke, Du solltest Erschwerniszuschlag beantragen, da bekommste noch fett raus!

"Sag mir nicht, das ich nicht fliegen kann!"
unbekannt

In höggschd bermerkenswerter Manier

im Duo bezwungen. Schuldenschnitt / Schuldenfalle / Retourkutsche? Mhm, ich denke mal die messen da eh nur die waagerechten Kilometer, von daher passt das dann schon mit dem 100er.

Lauft den bloß nicht flach, auch wenn ich strider nicht um das Vergnügen bringen möchte eine solche Wahnsinnstat mit Euch zu bestreiten. Aber von Deinen Blogs mag ich gern mehr lesen.

Vollkoniferen und Wurzelkontingente gibt es flach ja eher nicht. Wäre echt schade für diese längenmäßig kleine aber ansonsten große Läuferin mc!

Herzliche Glückwünsche!

Du bist wahrscheinlich sooft rückwärts gerutscht, dass Du die 100km mehr als erfüllt hast!

Gruß Nicole

gut gemacht

MC so wie ich dich kennengelernt habe,so stellte ich mir gerade das vor obwohl eigentlich unvorstellbar.

aber wie du schon schreibst schulden aufschieben oder begleichen , ich wär für begleichen 2016 oder?

Gromsi

Vielen Dank euch allen!

Hihi, nicht nur die Infektionsgefahr, sondern auch den Sucht"fuck"tor darf man nicht unterschätzen!

Im Ernst? Dass es bei euch, strider, etwa so wie hier im Ländle profiliert ist, weil ich ja, aber einen Höhenmeter-Faktor anzusetzen...? Smilie by GreenSmilies.com

Ja, Fazer, ohne Wurzelkontigent (das ist mal 'ne Wortschöpfung!) würden wir doch was vermissen! Smilie by GreenSmilies.com

Zum 24.07., Waxl: OMG! ***knieschlotter***
Wir sehen uns!

Smilie by GreenSmilies.com

Nein, nein, bin ja schon ganz ruhig...

;-))

Mit Stil ins Ziel!

flat is boring

Danke, mein Schatz, für die witzige und treffende Nachlese zu diesem gemeinsamen Erlebnis. Wie schön es war, wieder mit Dir durch´s Gebirge zu streifen. Auch unter diesen Wetterbedingungen ein Genuss höchsten Grades. Danke für die Begleitung und für´s Ziehen in der Ebene. Bist eine ganz starke Läuferin.

Und vielleicht ergibt sich für mich doch irgendwann mal die Gelegenheit, die 100 km zu knacken ;-) Nur, meine liebe Frau Strider, ganz bestimmt nicht flach. Das könnte ich nicht, niemals, auch nicht mit Deiner Begleitung.

Höhenmeterfaktor

Mein voller Ernst! Die Triathleten vom Bundesstützpunkt! Wir natürlich nicht, wir sind ja nur Genussjogger ;-)))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

hihihi

Das nennt man wohl einen Korb ;-)))

Na, dann nimm den Coach mit, der kann sowas auch mit Höhenmetern. Dann seid ihr schon zu dritt, das ist immer ein gutes team. Ich supporte euch dann ,-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Schuldenschnitt is nich MC! ...

... Und außerdem schreibste ja, dass es ganz toll war. Da kannste also wieder kommen.
Berge runter und naß kannste auch.
Also!
;-)
PS: Wasserdichte Überhandschuhe haben sich bei so nem Wetter echt bewährt. Sind beim UTMB z. B. Pflicht. Die wissen warum.

Überhandschuhe???

UTMB ist gestrichen ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Überhandschuhe

... sind inzwischen bestellt...
;-))

Mit Stil ins Ziel!

Wehe wenn MC mal den Tigger

Wehe wenn MC mal den Tigger aus dem Sack lässt.
Da wird er zum Berglöwen ;-)
Den Lauf habt ihr beide Klasse gemeistert. Ich kenne die restlichem Kilometer.
Wir können froh sein dass uns die erspart blieben bei diesen Wetterbedingungen.
Ich hatte bei bestem Wetter vor 2 Jahren für die letzten 15 Kilometer knapp 3h gebraucht.
Das war hart dort oben über die Schneefelder zu kommen. Die Kletterabstiege wären dieses Mal noch härter gewesen. Eine Weise Entscheidung vom Veranstalter da die Strecke zu kürzen.
Ihr seid ein prima Team aus dem Süden.

LG

.....Der Schmerz geht, Aufgeben bleibt für immer!.....

... oder eher zur Berggazelle

... oder doch eher Murmeltiergemse?

Klar fuxen einem ein wenig die fehlenden Kilometer, aber ich sehe das genauso, die Entscheidung war genau richtig und offen gestanden waren wir auch sehr froh darüber!

Danke dir! Das Gleiche kann ich zurückgeben, denn auch ihr seid ein klasse Team! Nur über die Sache mit dem besten Coach müsste man mal diskutieren! ;-))

Mit Stil ins Ziel!

warum

willst du über meinen besten coach diskutieren??? Der ist unschuldig, wenn ich so rummemme...

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

weil...

... isch 'abe auch einen...
;-))

Mit Stil ins Ziel!

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