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Benutzerbild von Etu58

Als wir letztes Jahr die Läufe aussuchten, fiel uns dieser Lauf besonders auf.
Ein Halbmarathon entlang der Doubs in der Französischen Schweiz hört sich nach einem wunderbaren
Landschaftslauf mit überschaubaren Höhenmetern an. 442 m Höhendiffernz waren ausgeschrieben. Wir sind diesen Lauf letztes Jahr dann gelaufen und ich persönlich musste schon nach gut 5 km feststellen, dass da von der wunderbaren Landschaft nicht viel zu sehen war, da man auf absolut trailigen Gelände auf jeden Schritt achten musste. Für mich stand seinerzeit fest, einmal und nie wieder.
Nun ist ein Jahr ins Land gegangen und immer wieder blitzte der Gedanke auf, dass da eine Revanche fällig ist.
So haben wir uns gestern auf den Weg nach Les Brenets gemacht. Mehr als zwei Stunden Fahrt waren für die 160 km einzuplanen. Am letztjährigen Veranstaltungsort angekommen, mussten wir erst mal feststellen, dass nichts nach einem Lauf aussah. Kein Zielbereich, keine Nachmeldemöglichkeit. Hatten wir uns im Datum geirrt? Nein. Wir hatten ja die Deutsche Ausschreibung ausgedruckt dabei. Ein paar Leute waren auf dem Gelände zu finden, die allerdings dort ihren Müll entsorgten und nicht nach Läufer aussahen. Mit keinerlei Französisch Kenntnissen und der ausgedruckten Ausschreibung suchte ich mir Hilfe.
Ein freundlicher Herr nahm sich unserer an und geleitete uns zum diesjährigen Veranstaltungsort. Ein freundliches Merci und ein winken seinerseits, dann waren wir uns selbst überlassen. Erklärung für das Durcheinander war, dass die Veranstaltung letztes Jahr ausnahmsweise von der Turnhalle ausgelagert wurde, weil dort etwas anderes statt fand, dies wurde allerdings auf der Deutschen Ausschreibung vergessen zu erwähnen. Wir meldeten uns dann mal nach, steckten die Startnummern an und suchten unsere Busse, die uns zum jeweiligen Startgelände für 12 km und 21,1 km fahren sollten. Auch wieder schwierig, wenn man die Sprache nicht beherrscht. Endlich ging es dann los, fast eine dreiviertel Std. war der Bus unterwegs nach Biaufond, wo der Start für die HMs war. Als es nun die sich ewig schlängelnde Passstrasse hinunter ging, wurde mir schlagartig wieder klar, woher die vielen Höhenmeter auf meinem Garminprotokoll letztes Jahr kamen. Der Start war beim Restaurant Biaufond, welches von den Ausläufern der Doubs umgeben ist. Über eine Std. Zeit hatte ich noch bis dahin. WC, etwas einlaufen und dem bunten Treiben einer weiteren Veranstaltung von Vogelkundlern, das dort herrschte etwas folgen. Der Start erfolgte pünktlich um 14 Uhr, der Himmel, wie auch letztes Jahr, wolkenverhangen. Der Starter erzählte ganze Romane auf Französisch, die Menge applaudierte, ich wusste nicht, was da erzählt wurde und nach dem Countdown lief ich einfach los. Schnell zog sich das Feld auseinander. Zwei KM Passstrasse und dann ging es ab in das trailige Gelände in den Steilhängen der Doubs. Wer denkt, da würde ein Uferweg verlaufen, der irrt. Es ging die Hänge rauf und runter über Geröllhalden, tiefe Matschlöcher, hindurch durch Felsdurchbrüche.

Weiter über das Kraftwerk, steilst herunter und über serpentinenartige Schotterwege wieder hoch. Die Abläufe waren einfach nicht schnell für mich zu nehmen, ständig Steine, Wurzeln oder Matsch. An Felsüberhängen kam das Wasser von oben wie eine feine Dusche. Das tat gut. Bei KM 8 der erste Verpflegungsstand. Gerne nahm ich Wasser, Tee und die schönen Leckereien wie Schoggi, Müsliriegel, Rosinen, Bananen stückenweise mit auf den Weg. Wie ein Hamster hielt ich das vorratsmässig in der Hand. Das erste KM-Schild kam bei KM 10. Die Uhr zeigt 1:13 h. Ich bin ganz zufrieden. Fast Halbzeit dachte ich. Bis KM 12 lief es noch recht gut, dann wurde es langsam mühsam. Hier nahm ich mein mitgenommenes Gel. Es ging über kleine Holzstege entlang am Steilhang.

Ab und zu warf ich mal einen Blick hinter ins Doubstal, dabei wurde mir fast schwindlig angesichts der Höhe. Nun musste ich zwei Höhlen durchqueren, die zweite war stockdunkel.

Dahinter, bei KM 15 der zweite Verpflegungsstand. Man versuchte eine holprige Konversation mit mir, alle waren wahnsinnig nett und aufmerksam an diesem Stand. Hier beschied ich mich auf Tee und ein Stück Banane. Irgendwie fühlte ich mich voll im Bauch. Die Trails wurden immer rauer. Als Wegmarkierung diente Absperrband, welches von den Bäumen hin. Dann musste man durch ein Gartengrundstück laufen, das war schon lustig. Man war mal wieder unten und konnte die Fischer in der Doubs stehend beobachten, die ihre Leinen auswarfen. Dieser Lauf kostet viel Kraft. Noch mal mobilisiere ich alles bis zum 3. Verpflegungspunkt bei KM 18. Nur noch Tee trinken und ein Wasser über den Kopf rinnen lassen und dann weiter. Eigentlich würde nun der Streckenteil kommen, bei dem ich Zeit heraus holen konnte. Die aufwärtsführende Passstrasse, bei der ich letztes Jahr so richtig Gas geben konnte. Aber dem war nichts so, es war, als hätte man den Stecker gezogen. Jetzt forderte mein Körper, genauer gesagt mein wieder mal so tiefer Eisen/Ferritinwert seinen Tribut. Ich rannte, ich ging. Das KM-Schild 20 tauchte auf. Als ich auf meinem Garmin 20,8 KM hatte, dachte ich, nun ist es nicht mehr weit, gib alles. Da taucht doch so ein Schild auf, noch ein KM bis zum finish. Das war dann doch etwas demotivierend, aber ich lief weiter. 400 m vor dem Ziel stand mein Männe, der die 12 KM-Strecke gewalked war und machte ein Foto.

Dann Endspurt und ab ins Ziel. Garmin sagte 21,94 KM und 1065 Höhenmeter und eine Laufzeit von 2:57 h. Schneller als letztes Jahr, das war positiv. Aber um dort wirklich Zeit heraus zu holen, muss ich wohl eisenmässig auf absoluter Höher sein. Man liess sich meine Startnummer geben und erklärte mir, dass man zu wenig Erinnerungspreise habe und mir diesen dann per Post nachsenden werden. Nach dem Duschen - es gab noch warmes Wasser - haben wir erst mal unsere verdiente Pasta genossen. Fazit, ich werde es, so es mir meine Gesundheit erlaubt, wieder tun. Diese Veranstaltung ist so familiär und sympatisch, das macht alle Anstrengungen wett.

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (8 Wertungen)

Da will ich jetzt auch hin..

Das klingt ja sowas von schön.. und ist auch nur 94km von Basel weg!
Gratulation zu Deiner guten Zeit und für's Durchbeissen (auch sprachlich)!

- Stefan

So schöne Bilder

und so eine tolle Landschaft! Wow, einfach der Hammer. Wenn's nicht so weit weg ware...

Hast Du super gemacht - und nächstes Mal schickste dann mal die Ausschreibung in französischer Sprache vorab und ich schick Dir die Besonderheiten auf Deutsch zurück :lach:

Was ein tolles Erlebnis!

Tu was am Eisen - hilft wirklich. Rote Beete ist auch super.

Was für ein schöner Laufbericht!

Und was für ein schöner Lauf. Gratulation zum Durchbeissen und zur tollen Zeit! Schön, dass du die Revanche angenommen und dich mit der Strecke versöhnt hast!

LG clarin

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