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Benutzerbild von ulsaba

Nach dem Debakel in Moritzburg im letzten Jahr hatte es irgendwie nicht mehr geschafft bei einem Triathlon zu starten. Daher sollte die Mitteldistanz in Ingolstadt sowohl ein Wiedereinstieg als auch einer der Saisionhöhepunte in diesem Jahr werden.

Aufregeung war also sicher, aber wass heisst da Aufregung? Ich war ein einziges Nervenbündel. Tage zuvor war klar, dass ich nie und nimmer ins Ziel kommen würde! Entweder ich ersaufe oder ich hab eine Radpanne oder ich bleib an der Zeitgrenze beim radln hängen oder oder oder ...

Um die Aufregung etwas in den Griff zu bekommen brachte ich das Rad schon am Samstag in die Wechselzone und baute alles Nötige auf. Am Weg dahin gab's noch ein kurzes Treffen mit Florian Wildgruber.* Als die Wechselzone halbwegs wasserfest aufgebaut war, machte ich mich auf den Heimweg. Am Abend noch 5km laufen um die Beine aufzuwecken.

Nächster Schreck: Ich laufe. Mit meiner Uhr und dem GPS – Empfänger! Aber der müsste doch am Rad sein! Mist, alle Entspannung wieder hin, Uli das Nervenbündel.

Jetzt die Frage: Entweder ich fahr' doch schon am Morgen rüber und schaue vor 9.00 noch in die Wechselzone oder ich schwimme mit dem Empfänger? Aber nirgends ist eine Antwort zu finden ob der das überleben würde.
Also sicherheitshalber schon am Morgen nach Ingolstadt fahren und den Empfänger ans Rad hängen und einschalten.

Mit den Schwimmsachen über der Schulter gings dann raus aus der Wechselzone. Jetzt ging nix mehr. Jetzt galt's! Die fast 2h die ich noch bis zum Start hatte gingen mit dem üblichen Vorstartsmalltalk und ein bischen zuschauen bei den Starts der anderen Gruppen relativ flott über die Bühne.

Schwimmen
Um 10:53 fiel dann endlich der Startschuß für die letzte Startgruppe im letzten Rennen. Also meine. Wie immer ging ich ganz hinten ins Wasser um mich möglichst aus allen Gewühle rauszuhalten. Aber hier gab's dann die nächste Überraschung da war ein ganzer Pulk vor mir, der noch langsamer schwamm als ich. Im und durch den Pulk zu schwimmen ist ja eine ganz neue Erfahrung gewesen. Macht ja fast Spass, fordert aber auch viel mehr Konzentration.
Sofort kammen aber wieder die Nerven! Das einzige mal, das sich das Schwimmen bisher gut angefühlt hat war in Moritzburg 2014 und das ging ja dann gründlich schief, wird heute sicher auch wieder so enden ...
Nach gut der halben Strecke taucht eine rote Kappe vor mir auf. Sollte das wirklich der letzte Staffelstarter sein? Läuft ja wirklich gut, aber wenn das Schwimmen gut läuft, ...
Das ganz große ABER kam nach 37min. Wieder einmal bin ich einem der vor mir Schwimmenden zu nahe gekommen. Diesmal geht's nicht mit ein paar Streicheneinheiten ab, sondern mit einem Volltreffer ins Gesicht!
Brille weg, Orientiertung weg, dafür jede Menge Wasser geschluckt!
Irgendwie bekam ich die Brille wieder zu fassen. Erst mal auf der Stelle Wassertretten und die Brille wieder auf die Nase. Weiter, der Ausstieg ist ja schon fast in Sicht. Nach 00:46:31 h waren die 2km vorbei und ich aus dem Wasser. Viel, viel schneller als jemals erträumt.

Also schnell zum Rad und ab auf die Strecke.

Radfahren
Nächster Schock! Der Empfänger ist aus! War dem langweilig, ist der Akku leer oder was ist los.
Und was mach ich jetzt? Absteigen und alles in Ruhe einschalten, ohne Daten fahren oder versuchen das ganze während des Fahrens in Ordnug zu bringen.
Erstmal versuchen im Fahren den Empfänger wieder einzuschalten. O.k. Er blinkt wieder rot. Also an den Anzug fummeln. Nach knapp 3km meldete sich dann endlich die Uhr. Jetzt sah ich endlich das was ich die letzten 3 km schon dachte, es rollt ganz flott.
Auch hier gab's neue Erlebnisse: Ich hatte das Gefühl weiter im Feld zu sein als bei früheren Rennen. Ich musste richtig aufpassen nicht in die Windschattenbox der Vordermänner und -frauen zu fahren. Ich überholte, wurde überholt, überholte wieder usw.
Einige blieben mir bis ins Radziel treu. Das Ganze fühlte sich immer mehr nach einem Rennen mit anderen an, als an das Alleine-Fahren, der letzten Male.
Nach der halben Radstrecke dann der erste Höhepunkt. Das Zeitlimit war weit weg, ich fühlte mich gut und kurz vor der Verpflegungsstation war die selbstmitgebrachte Flasche leer. Bewusst hatte ich eine aus Moritzburg gewählt. Mit einem Schrei und mit aller Kraft flog diese Erinnerung an das einzige nicht zu Ende gebrachte Rennen in die Mülltonne!
Weg mit dem Fluch von Moritzburg! Was sich da wohl die Helfer gedacht haben?
Jetzt ging das Rechnen los. Wenn's so weiter läuft könnte ich unter 2:30h vom Rad steigen.
Und es lief so weiter, vielleicht etwas zu gut. Immer wieder kam auch die Angst hoch auf dem Rad zu überziehen. Schwer langsamer zu werden, wenn's gerade so viel Spass macht.
Nach 77km und 2:24:29h war dann der Spass auch vorbei

Schuhe wechseln, Helm gegen Kappe tauschen und schon geht's weiter.

Laufen
Wie üblich sind die Beine wie Pudding, zumindest auf den ersten Kilometern kennt am das ja. Nach einem km der Blick auf die Uhr: 5:14' viel zu schnell, weder wollte ich so schnell (5:40' waren geplant) noch hatte ich das Gefühl so schnell zu laufen. Auch auf dem zweiten und dritten km stellte sich kein richtiges Gefühl für den Lauf ein. Nach knapp 5km gings zum ersten mal am Ziel vorbei und es wurde langsam klar, dass die nächsten 3 Runden richtig hart werden würden.
Der 9. km war dann auch der letzte der unter 6' ging.
Es war heiß, die Sonne brannte jede Menge Menschen hatten ihren Spass im See, grillten, tranken im Schatten ein schönes Weizen oder faulenzten einfach. Und ich? Ich quäle mich km für km weiter.
Warum tu ich das eigendlich? Nie wieder werde ich laufen oder sonst einen Sport betreiben, das ist Sicher!
Km 15 war dann der absolute Tiefpunkt: 8:34'!
Geht ja gar nicht, haben sich jetzt alle Hammermänner, die mich die letzten Jahre verschonten, gegen mich verschworen?
Aufgeben, wäre jetzt eine Möglichkeit. Ich rechne nicht mal mehr Zeiten aus, wie ich's sonnst gerne mache um meinen Kopf von den Beinen abzulenken und zu entkoppeln.

Aufgeben?

Plötzlich ist der Kopf wieder da!: "Wenn ich jetzt aufgebe werd' ich ewig daran nagen. Vielleicht nie mehr anfangen. Auch rechnen geht plötzlich wieder: Ich kann immer noch deutlich unter 5:30h ins Ziel kommen. Ich muss die letzten Km nur unter 7' laufen." Verdammt nochmal das muss doch zu machen sein.
Ca. 3km vor dem Ziel läuft ein Anderer auf mich auf, ihm geht's auch nicht viel besser und wir beschliessen zusammen weiter zu laufen. Zu Zweit läuft und leidet es sich leichter, die km-Zeiten nähern sich wieder den 6'. Letzter Hügel, dann kommt endlich die Abzweigung ins Ziel und der Zielbogen.

Hand in Hand laufen wir nach 5:22:24h ins Ziel!

Vergessen alle Gedanken ans Aufgeben oder gar Aufhören mit dem Sport.

Jetzt weiß ich wieder warum ich diesen Sport so liebe.

Welch ein schönes Rennen!

Nur die Laufzeit von 2:05:50 wurmt mich, das kann ich schneller!
Aber für die Challenge Regensburg 2016 und alles was noch dazwischen kommt bin ich jetzt motiviert bis in die Haarspitzen.

Und nochwas hab ich gelernt, auch mit verletzungsbedingt mangelhafter Vorbereitung und unausgeschlafen kann man auf einer Mitteldistanz jede Menge Spass haben!

Heute wird noch geruht, aber für Morgen juckt's schon wieder.

Uli

* der hier in Ingolstadt die Deutsche Sprintmeisterschaft der Altersklassen gewinnen sollte.

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Laufen

scheint irgendwie das Waterloo für alle Läufer beim Triathlon zu sein... Ich bewundere ja deine Schwimm- und Radzeit, aber wie! Und irgendwie bleibt Triathlon spannend, weil da einfach viel mehr passieren kann und auch tatsächlich passiert als beim "Nur-Laufen" ;-))

Sauber gemeistert, das wird mit Regensburg!!! Für manches braucht man zwei Anläufe ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Diese Leistung sollte Dich

Diese Leistung sollte Dich mehr als entschädigen für Moritzburg. Daumen hoch fürs Durchhalten in einer grandiosen Zeit und das zusammen mit einem Teamplayer. So muss Wettkampf sein!

Und Moritzburg ... hm, ich kann Dir nur raten, die Rechnung noch zu begleichen. Moritzburg ist jedes Jahr wieder einfach ein tolles Erlebnis. Habe mir gleich den Blog vom letzten Jahr noch durchgelesen und mit gelitten.

Viele Grüße
die trödelnde Liese

"Sag mir nicht, das ich nicht fliegen kann!"
unbekannt

Schließe mich bezüglich Laufen

striders Aussage uneingeschränkt an. Warum eigentlich Triathlon, wo doch Laufen an sich so einfach ist?

Weil's einfach Spaß macht - so wie Du schreibst. Hey, das war ja richtig super. Die Schwimmzeit, das Im-Pulk-Schwimmen (will auch!). Die Radzeit - Hammer! Das mit der Windschattenbox hatte ich irgendwie auch dauernd im Kraichgau. Macht Megaspaß in so einem Riesenpulk durch wunderschöne Gegend zu rollen!

Nur am Laufen - ich glaub da üben wir dann nochmal :kicher:

Jedenfalls hast Du den Fluch besiegt und bist auf einem guten Weg Richtung Regensburg 2016! Ist ja noch jede Menge Zeit.

Toll gemacht. Anders als nur

Toll gemacht. Anders als nur beim Laufen kann beim Triathlon ein Fehler in einer Disziplin das komplette aus bedeuten.
Ich habe da auch schon reichlich Erfahrung gesammelt. Vom falsch aufgesetzten Helm bis hin zum Sturz in Bonn direkt am Balken beim Aufschwung auf das Fahrrad war einiges dabei. Dabei lief die Trinkflasche komplett leer, die Gels die am Rad klebten waren kaputt und mein Radschuh fiel 2 m tief die Rheinböschung hinunter. Abgesehen von Blutungen und Schürfwunden ging es mir gut. Mit einer Portion Wut im Bauch ging es aber weiter.
Hier hast auch du mentale Stärke beim Laufen gezeigt. Du hast 2 Disziplinen gekämpft und wenn in der Dritten die Zweifel kamen warst du stärker und hast das Rennen beendet.
Klasse Zeit.
Triathlon macht Spaß

LG

.....Der Schmerz geht, Aufgeben bleibt für immer!.....

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