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Benutzerbild von Troedelliese

Es ist Frühsommer und wie Perlen an der Schnur reihen sich die Wettkämpfe am Wochenende auf. Bleibt nur die Qual der Wahl und wo man laufen will und ich will laufen. Weniger wegen des Wettkampfes an sich, sondern weil mir das Laufen während eines Wettkampfes eben doch Spaß macht. Gerade jetzt, wo nicht mehr jeder Schritt Kampf und nach Luft schnappen ist. Wo es nicht schnell, aber doch leichter ist wieder zu laufen.

Letzte Woche hatte ich nun den Entschluss gefasst, mal wieder alles zu geben und das habe ich auch getan. Vorweg: ich habe nicht das geschafft, was ich gern gewollt hätte. Aber das Wissen, endlich einmal wieder alles gegeben zu haben, ist einfach nur befreiend. Sich im Ziel nicht fragen, was wäre denn noch gegangen.

Aber von vorn. Schon die Tage vorher bescherte uns der Sommer einen herrlichen Einblick und über 30 Grad. So wurde aus ein paar Radkilometern, einer Schwimmeinnheit und einem wirklich Mini-Koppel-Training nicht viel. Muss ja auch nicht finde ich, nur die 30 Grad, die wollte ich Sonntag wirklich nicht. Und weil ich das Beschreien wieder nicht sein lassen konnte, tönte ich, ich würde dann lieber Regen nehmen.

Tja, da hat jemand wirklich gut zugehört. Sonntag Morgen 8 Uhr und die Schleusen öffnen sich. Aber da ich dem Wetterbericht hörig bin und der sagte, das hört SOFORT wieder auf, ok, dann glaube ich das. Also schnell was zu trinken eingepackt und vorbildlich noch ins Wahllokal gejoggt, um von dort zum Start abgeholt zu werden.

Richtung Görlitz sah das Wetter dann nicht so schlecht aus, das Dumme ist nur, das Wetter kommt selten von Osten und wir fuhren Richtung Osten. Sprich, langsam keimte die Befürchtung in mir, das Wechselsachen nicht so dumm gewesen wären. Das übliche Tamtam mit Parkplatzsuche, mit anderen quatschen und allen Freunden und Bekannten viel Glück und Spaß wünschen. Irgendjemand sagte doch glatt, ab 11 solle es regnen wie aus Kübeln, ne jetzt, oder? Das bleibt doch jetzt hoffentlich bei dem Nieselregen.

Pünktlich um 10:50 Uhr fiel der Startschuss und mit ihm öffneten sich des Himmels Schleusen. Was war ich froh, dass ich die Jacke abgegeben, aber das Cap aufgelassen hatte. Zwei 90 Grad Kurven brachten das Läuferfeld schlagartig wieder zum Stehen und so dauerte es doch ein paar Meter, bis ich frei laufen konnte. Die Uhr zeigt auf dem ersten halben Kilometer auch weit über 6 min an und ich hatte doch heute gleich 3 Ziele.

Das Minimalziel mit 57 Minuten, das Optimalziel mit 56 Minuten und das Maximalziel mit 55 Minuten. Ich hielt es für unwahrscheinlich die 55 zu erreichen, aber ich wollte so nah wie möglich ran. Also lief ich mit einer Pace von 5:20 an der Kaserne vorbei Richtung Altstadtbrücke, wo auf polnischer Seite die erste Blaskapelle aufspielte. An der Neiße entlang ging es Richtung Stadtpark, unter der Stadtbrücke hindurch zum ersten Verpflegungspunkt, und von diesen hat der Europamarathon wirklich viele, auch wenn ich diesebei diesen Wassermassen getrost vernachlässigen konnte. Ich kann eh nichts trinken, das schwappert mir im Magen und mir wird einfach schlecht, also nur einen kleinen Schluck. Außerdem war ich mit dem Gedanken beschäftigt zu zählen. Nämlich zu zählen zwischen den Blitzen und den Donnerschläge und ob einen so ein Blitz wohl treffen könnte.

Ich war mir ja sicher, ich könnte die Steigungen heute locker schaffen, hm ... naja, ich fürchte doch nicht. Der erste Anstieg lief noch, beim zweiten ging ich dann doch in die Knie. Da es aber nicht lang ist, einfach weiter und oben verlief die Strecke flach durch den Park. Meine Pace lag trotz des Anstiegs immer noch unter 5:30 und das war es doch was ich irgendwie wollte. Kein Gedanke war es mir wert, darüber nachzudenken was mir weh tat oder ob ich noch konnte. Stur behielt ich meine Uhr im Blick und wollte auf keinen Fall nachgeben.

Mit ebendieser Sturheit ging ich die zweite lange Steigung an, wissend, dass auch noch eine dritte und schwerste auf mich warten würde. Alles was danach kam ... paah, pillepalle. ;) Ich begann endlich ein bisschen Läufer zu einzusammeln, oh nein, aus mir wird kein Bergläufer, aber zumindest halfen mir hier und heute die letzten Läufe. Die dritte Steigung war dann tatsächlich nur noch anstrengend, aber nicht mehr vernichtend. Erstaunlich, wie die Perspektiven sich verschieben! Ich zog die dritte Steigung hoch (ok, jetzt lacht nicht, aber für mich war das echt hochziehen). Die Uhr zeigt immer noch durchschnittlich 5:38 an und danach würde es einfacher werden.

Naja, das nicht wirklich, aber ein bisschen gefühlt zumindest. An der Wendeschleife kam mir eine Freundin und ein Kollege entgegen, beide nicht so weit vor mir wie ich dachte und das gab mir Auftrieb. Zum Wendepunkt geht es leicht bergab, zurück natürlich leicht wieder hinauf. Nicht weit, vielleicht 200 Meter, doch ich wollte ja wieder an die 5:30 heran ...

Ich kann nicht sagen, dass ich im Tunnelblick war, eher hochkonzentriert den Grad zwischen zu schnell und zu langsam zu finden. Eine Stadionrunde (wo ein paar Läufer wieder abkürzten und diese ausließen, was haben die denn nur davon?) und wieder ein Bekannter zum abklatschen. Yeah, so macht mir das Laufen Spaß.

Ab jetzt nur noch zurück zur Stadtbrücke, wieder kurz hinauf und den letzten Kilometer irgendwie ins Ziel laufen. Es war ein Kampf gegen die Uhr, gegen den Schweinehund, gegen die Zeit und gegen jedes miese Gefühl das ich in der letzten Zeit beim Laufen gehabt habe. Mühsam quälte sich meine Uhr zurück auf 5:35, 5:34, 5:33 und letztendlich auf 5:32. Von hier wollte sie sich nicht mehr weg bewegen und sie blieb so stehen bis zum Ziel.

Die letzte Kurve, die Zielgerade über knapp 200 Meter und der Versuch eines Schlusssprints. Ich weiß schon, Sprint ist anders, aber in diesem Moment wusste ich, ich habe alles gegeben was mir möglich war. Der letzte Anfeuerungsruf einer Kollegin neben der Strecke (die muss doch auch nass bis auf die Knochen sein), eine Läuferin gegen die ich noch gewinne, eine gegen die ich verliere. Alles ist relativ ... und ich bin im Ziel.

Meine Uhr bleibt stehen bei 56min11sek ... japsend komme ich zum Stehen, fotografisch festgehalten von meinem Chef, der dort auf seine Kinder, meine Kollegen und vielleicht auch auf mich wartet. Medaille umgehangen und ich stehe noch immer buchstäblich im Regen. Ich müsste aus der Kälte, aber wir müssen warten, auf meine Kinder und meine bessere Hälfte, die nach mir gestartet sind auf den 5 km, auf Kollegen die sich noch durch den Regen kämpfen. Mit den Zähnen klappernd finden wir uns alle, Rucksack geholt und nur noch zum Auto und nach Hause zum umziehen.

Das war er also, mein 6. Europamarathon, völlig unspektakulär. Keine großartigen Endorphine wie erhofft, kein wütender Frust auf mich selbst. Ein Lauf, den ich stur mit einem Ziel vor Augen und auf der Uhr abgearbeitet habe. Es war keine Bestzeit, aber es war eine Zeit, die ich mir erlaufen habe, ohne völlig am Ende zu sein, aber in dem Wissen, alles gegeben zu haben. Vielleicht hätte ein Hase noch ein paar Sekunden rausholen können, vielleicht wären die 11 Sekunden am Anfang drin gewesen, wenn ich mich nicht wieder in der letzten Reihe aufgestellt hätte. Wer weiß das schon?

Ich bin zufrieden ... wann war ich das zum letzten Mal beim Laufen? Ein schönes Gefühl ... und das ist der Punkt wo die Endorphine wieder kommen und ich weiß, nächste Woche in Moritzburg beim Jedermann, da werde ich auch alles geben. Und wenn ich Letzte bin, na und? Erst musste ich meine Motivation suchen, dann habe ich versucht die Schnelligkeit zu suchen und gefunden habe ich nur persönlichen Frust. Aber heute war Laufen endlich das, was es für mich sein muss. Einfach ein gutes Gefühl.

In diesem Sinne, viele Grüße von der trödelnden Liese.

Und für die Zahlenfetischisten:

AK 11 Platz von 33
Gesamt 59 Platz von 194

PS: Wer Fehler findet, darf sie behalten ... ist zu spät zum Korrekturlesen. ;)

4.857145
Gesamtwertung: 4.9 (7 Wertungen)

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