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Im September hatte eine Bekannte mich auf den Triathlon im Kraichgau aufmerksam gemacht. Die Vereinskollegen hatten schon oft und viel davon geschwärmt: tolle Radstrecken, super Stimmung, familiar. Nur: 2015 sollte der von Ironman veranstaltet werden - und nicht mehr von Challenge (aufgekauft). Es würden Slots für Hawaii vergeben (wo ich mir überhaupt keine Gedanken zu machte, weil mir klar war dass ich dafür die AK gewinnen müsste und das war aufgrund der Leistungen des Vorjahres schier unmöglich) und es würde auch Slots für die 70.3 WM in Zell am See vergeben - allerdings mehr als dreimal so viele. Mhm, auch das ein Wettkampf von dem schon viel geschwärmt wurde. Eine Triathlon WM - und dann noch in Europa - das wäre doch was.

Im Zustand geistiger Umnachtung nach Sportentzug wegen Krankheit hatte ich mich dann kurz vor Mitternacht dafür angemeldet. Ups, DM ist da auch noch. Egal, dann muss ich halt was am Schwimmen tun. Also wurde im November die Schwimmoffensive gestartet. Seither habe ich fast jede Woche dreimal beim Schwimmen meine Zeit verplempert, eine Privatstunde und einen Technikkurs bezahlt und fleißig trainiert. Erste Erfolge im Becken waren messbar, bestätigten sich aber nicht im Freiwasser. Das war allerdings noch kalt - 16 Grad sind selbst mit Neo sportlich!

Da ich den Fokus zunächst auf Marathon gelegt hatte kam das Radfahren etwas kurz. Das änderte sich dann Ende April mit einer Woche Triathlon-Camp in der fränkischen Schweiz bei gut hügeligen Bedingungen. Danach wurde dann hier fleißig trainiert und auch 2-3 RTFs mitgefahren - ebenfalls recht hügelig. Allerdings ließ der Durchschnitt zu wünschen übrig - 24-25er Schnitt war nicht das, was ich mir so erhoffte.

Nun ja, eine neue Kette musste her - das hatten wir bei coach gemessen - und neue Bremsbeläge bräuchte ich auch (hatte ich im Trainingslager gesehen). Dazu hatte ich schon neue Schlappen, die ich allerdings nur beim Duathlon mal drauf- und dann gleich wieder fur's Training runter gemacht hatte. Ein neuer Helm musste her, weil der alte a) sein Alter und b) die Bänder drinnen schon mal getauscht aber schon wieder bis zum Kopfschmerz verschlissen hatte. Die Schluppen draufgezogen, das Rad zum empfohlenen Händler gebracht (zumal der in der Nähe mir 5 Wochen Wartezeit angesagt hatte!). Der hat dann alles getauscht und gleich noch eine Anpassung gemacht. Sattel kam höher und weiter nach vorne. Helm hatte er da, musste er allerdings in meiner Kindergröße erst bestellen (dabei hab ich einen Dickkopf!). Dann hat er mir andere Pedale mit Rennradschuhen (das neue System passte nicht unter die MTB-Schuhe) ans Herz gelegt. Die Cleats (SPD SL) hätten eine viel größere Fläche und würden sich a) besser treten lassen und b) die Füße entlasten, so dass man anschließend besser laufen könnte. Also: die Dinger noch getauscht, mir den ersten Muskelkater seit langem auf dem Rad mit der neuen Position geholt und das Wechseln mit Schuhen am Rad vergeblich geübt - alles in der Vorwoche vor dem Wettkampf.

Anreise gestaltete sich staureich und heiß - es wurde über 40 Grad in der Sonne. Das Wetter war nämlich plötzlich gekippt - zu meinen Ungunsten! Mit Hitze komme ich - zumal noch so schnell - nicht zurecht. Endlich im Hotel angekommen musste das Rad mit ins - ach nee, nur ans - Bett.

Triathlon 1 (finde die Parkplätze - kriege die Beutel organisiert - finde die Pumpe):
Am nächsten Morgen wollten wir dann die Orte des Geschehens inspizieren. Das gestaltete sich etwas aufwändig. Es gab nämlich Ort 1, wo das Ziel und die Wechselzone 2 sowie die Startnummernausgabe war und Ort 2, wo der See und die Wechselzone 1 waren. Als wir aus dem Hotel kamen war es als ob einer einen Fön ins Gesicht halten würde - auf höchster Stufe. Es wurde ca. 33 Grad an dem Tag! Ich kippte fast aus den Latschen. Glücklicherweise hatte das Hotel einen tollen Sessel, wo ich dann die Füße hochlegen konnte, während einige Kollegen aus dem Verein, die im selben Hotel waren (die hatten mir das empfohlen - und es war auch super), noch trainierten.

Erst mal los zum Einchecken. Alles mit Kontrolle Personalausweis und Startpass, natürlich musste man den Veranstalter von jeglicher Haftung entbinden und wurde dann mit dem All-Inclusive-Bändchen versehen.

Danach wurde das Zielgelände und die Laufwege inspiziert sowie ein Blick in Wechselzone 2 geworfen. Das System erschloss sich nicht auf Anhieb, ein Zugang war aber nicht möglich. Das würde ich auf mich zukommen lassen müssen. Der Zielbereich stand schon - und war menschenleer.

Danach auf zum See. Freibadeintritt war für mich gratis - weil inclusive - mein Freund musste löhnen. Die Idee war sich das Gelände anzusehen. Hier war man auch schon im Aufbau. Die Wechselzone konnte man gut einsehen und das System wurde durchschaut. Beutelständer mit Haken durchnummeriert - hier müsste der Wechselbeutel hin. Radständer - hier die Räder. Da rein - da raus. Ok, See anschauen. Sehr schöner Baggersee, die Temperaturen waren schon so angenehm, dass die Kinder im flachen Bereich spielten und einige Schwimmer in Badezeugs unterwegs waren. Natürlich auch einige Triathleten, die scheinbar die Strecke probeschwammen. Irgendwas mach ich wohl verkehrt - ich wollte nur Schatten und ein wenig angenehmen Wind.

Ein Bekannter kam vorbei und fragte ob ich auch probeschwimmen wolle. Eigentlich schon, aber ich hätte kein Badezeugs mit. Neo wollte ich meinen auch nicht nass machen. Ach, meinte er, leih dir einen - gibt Neo-Testschwimmen. Und dann bekam ich noch den Bikini seiner Tochter geliehen (148) - und hatte keine Ausrede mehr. Ich bekam mich in den Bikini gequetscht, einen Neo bekam ich gleich mit Brille geliehen und so machte ich mich auf in den See nur ein paar Meter hin und herschwimmen. Das Wasser war angenehm und schmeckte gut. Keine Strömung, nichts. Also versuchte ich noch das Anschwimmen des Schwimmausstiegs zu üben und gut war. Gab den Neo ab, trocknete den Bikini im Schatten und machte mich mit meinem Freund auf Richtung Hotel um die Büddel zu packen (drei waren zu packen!).

Auf dem Weg machten wir noch Rast in einem Café zum Carboloading. Lecker Erdbeerkuchen mit Sahne - doch ich hatte höllische Kopfschmerzen und brauchte dringend Salz. Die nette Bedienung schaute etwas irritiert ob meiner Frage nach Salz, brachte aber brav einen Salzstreuer zum Kuchen. Ich kippte mir gleich einen TL Salz rein - brr. Egal, es wurde bis abends besser mit den Kopfschmezen.

Dann Beutel packen. Was ein Gerödel fur's Rad. Dabei war auch noch die Frage offen geblieben ob wir am nächsten Tag noch ans Rad kämen; d.h. auch die Radflaschen wurden vorbereitet!
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Dagegen kann das Leben doch so einfach sein - der Beutel für's Laufen:

Rad auf maximalen Druck bringen - 8,5 bar, auch wenn das nicht mehr die gültige Einheit ist, aber sie steht noch auf meiner Pumpe:

Schnell wieder los zu Ort 1 zur Athletenbesprechung, die aber außer dem Nudelbüffet wenig zu bieten hatte. Einige Fragen konnten nicht abschließend geklärt werden - u.a. ob man nun einen oder beide Beutel abgeben könnte (der dritte war für die Sachen nach dem WK und am nächsten Tag vor dem Start abzugeben). Diese Pastaparty war Nachschub bis zum Abwinken. Begleiter hätten 8 Euro dafür bezahlt, aber ein Teller und zwei Löffel mit reichlich Nachschub waren auch in Ordnung :grins:. Die Nudeln verspeisten wir gleich bei der Besprechung, so dass keine Zeit verloren ging.

Dann nichts wie ab zum Ort 2 mit Rad-Check-In. Hier herrschte das Chaos, doch das hatte etwas Ordnung. Nein, nur roter Beutel, blau erst morgen. Zugang zur Radzone morgens hätte man, Reifen bitte nicht vollpumpen wegen Platzangst (nee, natürlich weil die wegen der Hitze leicht platzen könnten). Also etwas Luft aus den Reifen entlassen, Ort suchen, Rad aufhängen. Doch hallo, die haben alle so nette Radgaragen (Plastiktüten) zum Überstülpen. Wo bitte gibt es die? Gefunden, geholt, Rad einpacken. Menno, das Dinge musste man dann nochmal ausklappen bevor es einigermaßen passte. Dann war der Raum zwischen den Rädern zu eng, weil die Pappnasen neben mir ihre Räder falsch aufgehängt hatten (natürlich jeweils zu meinem gesehen innen neben den Nummern) und eine weitere Kollegin musste noch an der anderen Seite dazwischen. Bei den anderen geschaut - Räder umgehängt - alles passt. Laufwege einprägen - doch da gab es dann eine zweite Aussage (die dann richtig war). Alles zurück auf LOS und neu einprägen. Ging nämlich genau anders rum.

Zurück zum Hotel wollten wir noch eine Kleinigkeit essen und haben uns dann eine Pizza geteilt. Ein alkoholfreies Bier dazu rundete das Carboloading ab. Dann Richtung Bett - war schließlich spät geworden (wir mussten lange warten).

Triathlon 2 - Schwimmen, Radfahren, Laufen:
Morgens dann Frühstück gemacht und rein damit, dann los zum Ort 2. Hier gestaltete sich die Parkplatzsuche schon schwierig. Die am Vortag ausgeguckte Ecke wurde - entgegen der Ausschreibung - schon gesperrt als wir dort gerade ankamen - vor unserer Nase. Nun ja, also ab zum ausgeschilderten - immerhin - Parkplatz. Stau - also Umweg gesucht und was freies gefunden. Taschen um und Pumpe eingepackt, denn es sollte nicht genug Pumpen vor Ort geben. Die Pumpe musste man wieder rausgeben aus der Wechselzone, weil die nicht in den Beutel dürften. Auch gut, dann würde mein Freund die wieder ins Auto tun. Rein, Rad suchen, auspacken, Startnummer dran und Beutel weghängen. Rad raus, aufpumpen und Pumpe kurz weggelegt um das Rad aufzuhängen. Umdrehen - Pumpe weg. Panik! Ich sehe auch mehrere Leute mit Pumpen, aber das sind die vom Veranstalter! Alle orange wie meine. Rumlaufen, suchen, Helfer ansprechen, dann doch noch gefunden. Wieder raus, Freund suchen. Endlich auch gefunden - wir mussten dann quasi sofort Richtung Schwimmstart. In den Neo musste ich mich auch noch pellen und die Profis waren schon beim Einschwimmen!

So war die Wartezeit recht kurz und die Zeit zum Sorgen machen auch. Ich habe mich dann - es war ein Start mitten im See - auf dem Weg zum Start eingeschwommen und mir den Rest gespart. Allerdings bekam ich die Brille nicht dicht. Die darübergezogene - schrecklich pinke - Badekappe machte das schwierig. Aber es ging quasi sofort nach den Profidamen los und so musste ich auf den ersten paar Metern dreimal Brille richten bis es dann einigermaßen ging. Zeit vertrödelt. Egal, das Feld zog sich in die Breite und Länge - und ich hatte noch welche in Sichtweite. Rein in den Langstreckenmodus und ruhig los, immer wieder Richtung Boje peilen. War ziemlich weit weg! Ich hatte vorher noch Bedenken, weil die Männer 5 Minuten nach uns starteten und dann im 10-Minuten-Takt. Wegen Überschwimmen und so. Irgendwann schon fast an der ersten Boje sah ich dann auch neben mir grüne Badekappen auftauchen, aber entweder waren die zu nett oder pink zu schrecklich, so dass sie mich höflich umschwammen. Irgendwann war ich dann in einem Pulk grüner Kappen und sah noch ein paar pinke Kappen. Klasse! Und wir waren schon Richtung Ausstieg unterwegs - und noch keine schwarzen Kappen in Sicht! Yeah, ich würde nicht von noch einer Welle überschwommen werden!

Ich entstieg dann mit einige grünen und pinken Badekappen dem Wasser und machte mich flugs auf Richtung Wechselzone. Neo kriegte ich nicht runter - das Ding klebte wie verrückt. Dabei hatte ich vorher noch geschmiert. Egal, ich kriegte zumindest einen Arm raus, bevor ich ankam. Und was war das? Da saßen einige Mädels auf den Bänken? Häh? War ich im falschen Film? Die falteten in aller Seelenruhe ihre Neos fein in den Beutel. Nun ja, ich hab ziemlich robust das Ding vom Leib gezupft und gerutscht, raus, reinknüllen in den Büddel nachdem ich die Schuhe rausgenommen habe, rin inne Schuhe, Büddel zu, wo bitte hin? Ah, da hinten. Rum, abwerfen, renne zum Rad. Hilfe - so viele noch? Aber ich finde meins, renne damit Richtung Radstart und dann mit einem ganzen Pulk los! Nix wie ab, klick 1, rum, klick 2 und Uhr? Auch noch klick - und los. Blick auf die Uhr - steht. Uhrzeit sagt 9:51 - hä? Ist die auch stehengeblieben? Doch nein, die läuft weiter, während ich strample. Aber die Uhr steht immer noch - da tut sich nix. Irgendwann Stop erwischt statt Lap oder was auch immer, mal starten - ich schwimme noch.

Lap, Lap, los! Mir fehlen ca. 5 min jetzt. Auch wurscht. Und während ich so trample versuche ich zu begreifen was da wohl passiert ist. Ich bin unter 45 min geschwommen! Yeah, wie genial ist das denn? Und ich bin hier mit genug Zugpferden unterwegs - das macht Spaß. Die ersten 10 km sind beinahe flach, dann geht es an die Steigungen. Schon km 30 erreicht - jupp, das fühlt sich toll an. Die Strecke ist wirklich schön grün, viele Felder, an den Anstiegen oder längeren Flachstücken hat man immer einen tollen Blick auf viele Farbpunkte, die irgendwie schnell unterwegs sind. Kurz dahinter kommen dann Motorräder entgegen und zwei Radfahrer - die führenden Profis - rauschen vorbei. Und wech! Dass das Sebastian Kienle war denke ich mir hier schon. Stimmte auch. Ich futtere zwischendurch meine Feige, nehme eine Salzkapsel und noch eine, saufe die erste Trinkflasche leer. Hölle, ist das warm! Dann kommt die erste Verpflegungsstation und ich erwische eine Wasserflasche und ein Stückchen Banane. Auch hier wieder schwierig, die noch in der Verpflegungszone zu entpellen und die Schale in die Tonne zu werfen - daneben. Aber Müll auf die Strecke = Disqualifikation!

Unterwegs macht mich eine Mitstreiterin darauf aufmerksam, dass meine Nummer nur noch an einer Stelle fest ist. Mist, ein Druckknopf ist weg. Was tun? Unter dem Band bleibt die Nummer nicht hängen, da müsste ich anhalten. Will ich nicht - ich habe noch Sicherheitsnadeln am Band. Also was tun? Ich muss langsamer fahren, frickel die Nummer nach vorne, mühevoll eine Nadel aus dem Band, noch mühevoller durch die Nummer und das Band - und nicht in den Bauch - und am mühevollsten schließe ich die Nadel dann, bevor ich das Teil wieder nach hinten drehe. Geschafft! Hat natürlich Zeit gekostet, weil ich die Geschwindigkeit runternehmen und einhändig fahren musste. Egal, jetzt ist sie wieder fest und mir kann nichts mehr passieren.

Die Kampfrichter scheinen mit Karten sparsam zu sein - ich bekomme keine mit und auch die Penaltybox ist leer als ich vorbeifahre. Obwohl manchmal Athleten nebeneinander fahren und teilweise sehr dicht dran sind. Sie sind nicht pingelig mit der Windschattenregel. Aber ich fahre ohne und überhole zügig - werde auch bergab wieder von denen überrollt, die ich bergauf überhole. So rollen wir durch den wunderschönen Kraichgau. Es wird heiß und heißer. Stellenweise fahren wir durch Ortschaften, wo die Zuschauer dicht an dicht stehen und uns - wie auch bei manchen Anstiegen - frenetisch anfeuern. Mit Kuhglocken, Rasseln, Pfeifen und allem was gerade aufzutreiben war. Als ich um 12h durch einen Ort komme fängt sogar gerade nach dem Glockenschlag ein Glockenspiel an - herrlich, nur für mich (nee, natürlich nicht, aber ich empfinde es so).

Der Bergwertung am Schindelsberg entziehe ich mich und sprinte nicht da hoch. Ich mach normal und genieße dann die letzten 10km mehr oder weniger bergab Richtung Wechselzone 2. Kurz vorher ein Schild "jetzt nur noch laufen" - es erinnert mich rechtzeitig daran die Schuhe auf dem Rad auszuziehen und so kann ich barfuß absteigen und reinlaufen. Das Rad wird vom n-ten Helfer (nachdem die ersten mich weitergewunken haben) dann entgegengenommen und ich hechte dem vor mir laufenden hinterher zum Beutelständer. Schuhe an - und los. Socken? Spare ich mir - kostet nur Zeit! Gerade läuft Sebastian Kienle ein, während ich in die Schuhe schlüpfe. Pfff, der ist nur 'nen Halbmarathon schneller als ich!

Nix wie los auf die Laufstrecke, die auf Asphalt weitgehend in der knallen Mittagssonne verläuft. Immer wieder kleine, bissige Anstiege und Abstiege im Käfiggetümmel. Jedenfalls komme ich mir meist vor wie ein Tiger, der im Käfig hin- und herrennt. Das hat nichts mit der Freiheit beim Laufen zu tun, die ich sonst so liebe.

Nach ca. 2km kommt mir das Rad mit "3. Frau" entgegen - die Profi-Mädels sind nicht mal 14km vor mir - und keine überholt mich!

Die Zuschauer stehen am Rand und feuern uns an, einige haben Duschen aufgebaut, an den Verpflegungsstellen gibt es auch von vielen netten Helfern Schwämme, Wasser, und was auch immer gereicht. Jedesmal wieder Slalom und voll - zum Glück gibt es am Ende nochmal Wasser, so dass man drumrum laufen kann. Lustigerweise habe ich schon auf der Radstrecke eine Bekannte aus dem Trainingslager getroffen und begrüßt.

Ich spüre schon auf den ersten Kilometern, dass ich links eine Blase unter dem Fuß bekomme - Mist. Das hindert beim Laufen. Hätte ich doch Socken angezogen oder die Füße vorher abgewischt. Jetzt ist es zu spät und ich muss da durch. Also humpel ich weiter. Ich treffe ein paar Bekannte und feuere sie an, ebenso die Vereinskolleginnen, die mir entgegenkommen oder die ich überhole aus beiden Vereinen.

Rum um den Pudding, am Ziel vorbei jeweils in die nächste Runde. Am anderen Ende ein Bändchen abholen - mit Gattern für Runde 1, 2 oder 3 und verschiedenen Farben. Bei km 18 überhole ich die schnelle Vereinskameradin, die eine Granate auf dem Rad und beim Schwimmen ist. Auch beim Laufen ist sie gut, wird hier aber kassiert. Grübel... Doch dann durchzucken Schmerzen meinen Körper. Es fühlt sich erst an wie Seitenstiche - dabei laufe ich recht langsam für meine Verhältnisse - die ich kaum weggeatmet bekomme. Dann kommt irgendwie eine Art Taubheit auf dem rechten Ohr dazu - so als ob ich Wasser drin hätte. Und dann kriege ich Luftnot und japse rum. Schrott - noch 2km! Tempo runter, lockern, weiter. Vorbei an drei Jungs, die gerade gehen und meinen das wäre noch anstrengender als laufen. Ich rufe "dann lauft doch" und ernte fröhliches Gelächter. Weiter, die Straße runter, nur noch bis zum Ziel. Ich bin so froh, dass ich noch laufen kann und befürchte die Kollegin holt mich wieder ein so wie ich hier rumschleiche. Kurz vor dem Ziel gibt es eine Verpflegungsstelle, die ich auslasse. Nix wie rein - noch eine überholen und endlich, endlich rechts abbiegen. Auf den Teppich, vorbei an zig Zuschauern laufe ich durch den Zielbogen. Keine Ansage, die Zeitanzeige ist noch von den Vorgängern. Meine sehe ich nicht. Egal, ich bin durch, ich hab's geschafft. Warte dann an der Seite auf die Vereinskollegin. Und wundere mich, dass die eine Medaille hat. Mhm, woher? Da vorne. Also humpel ich zurück und bekomme auch eine.

Danach suche ich meinen Freund, finde heraus dass es Finishershirts gibt - zum Glück nicht in pink! - und treffe ein paar Vereinskollegen. Bier gibt es, Helfer laufen mit Obst und Salzbrezelstücken sowie Kuchen durch die Gegend, es gibt drei Pools - und ich fläze mich in einen. Kommt ein Helfer vorbei und meint was es denn sein dürfe. Ich so "'n Bier und 'ne Brezel bitte" - und hab die Lacher auf meiner Seite. Damit kann er nicht dienen, hat nur Obst auf dem Teller.

Triathlon 3 (finde die Begleiter - finde die Duschen - finde das Rad):
Meinen Freund hatte ich zwischendurch schon gesucht und nicht gesehen. Dann sehe ich, dass es eine "kiss and greet" Zone gibt. Dort sieht er mich - und dann gibt es genau das. Und ich besorge ihm, der den ganzen Tag nur rumgeirrt ist, auch was zu essen und 'nen Bier.

Dann geht die Suche nach dem weißen Beutel und den Duschen los, die die ganze Zeit - immerhin warm - vor sich hintröpfeln. Mit etwas Bewegung - soll ja gesund sein - kriege ich die Salzkruste runter. Nur um dann die Radausgabe zu suchen, wo es zum Glück auch Beutel blau und rot wieder gibt (so dass ich nicht nochmal zum See muss) und ich mein Rad unter den zig nicht nach Nummern sortierten Rädern, aber immerhin auf dem Ständer mit dem Nummernkreis, wiederfinde. Beim Rausgehen fragt noch einer der Männer, ob man sein Rad nehmen müsse oder eins wählen könne. Ich so zu ihm: "man darf das Schönste wählen - ich hab meins mitgenommen". Wieder Gelächter um mich rum.

Mein Freund hat das Auto vom See in den Zielort gebracht - mit viel Sucherei mangels Umleitungsschildern und wegen gesperrter Straßen. Es ist ein ganzes Stück zu laufen, aber letztendlich kommen wir an und er fährt dann netterweise nach Hause, so dass ich zwischendurch mal wegnicken kann. Spätabends kommen wir dann endlich todmüde an.

Ach so, da hing auch eine Ergebnisliste an der Duschhalle, so dass ich wusste es lohnt nicht zu bleiben. Platz 5 AK ließ weder auf DM (vor mir alle GER, die wegen Hawaii gefürchteten internationalen Teilnehmerinnen hatte ich überholt oder die waren nicht angetreten) noch auf Slot schließen.

In Zahlen (die Angaben in Klammern nur auf Frauen in meiner AK bezogen):
1,9km in 42:09 min (Platz 25 von 30 - da waren noch 5 langsamer als ich!)
90km in 3:01:56h (Platz 6 von 29) - hier lt. Angabe des Veranstalters 1000 Höhenmeter - Kraichgau wird auch liebevoll "Land der 1000 Hügel" genannt
21,1km in 1:42:34h (Platz 3 von 29)
In Summe 5:31:30h
AK 5 (29 Finisherinnen)
Frauen 112 (333 Finisherinnen)
Gesamt 1189 (2042 Finisher; 2419 Teilnehmer in der Liste).
Wechselzeiten und Splits hab ich noch nicht gefunden. Auf dem Ausdruck an der Halle sah das nach gut 3min und ca. 1:30min aus.

Die vereinsinterne Wertung meines Triathlon-Vereins bei den Frauen hab ich mit 14 Sekunden Vorsprung gewonnen - als Bleiente! Dazu habe ich noch die beste Rad- und Laufzeit der Vereinsfrauen erreicht. Und das mit einem Alu-Rennrad gegen gute Zeitfahrräder.

Wie sagte noch jemand: der Triathlon wird beim Laufen entschieden - genau so war es.

Noch etwas zur Veranstaltung: wenig Platz in der Wechselzone, Durcheinander bei den Beuteln, mangelnde bzw. fehlerhafte Informationen vorher, Stress mit der Parkerei, uninformierte Helfe (oder falsch informierte) und mangelnde Beschilderung - da sind manche lokalen Events besser (und viiiieeeel billiger). Mein Freund fand es ziemlich schwierig für Zuschauer - er hat nicht mal eine Toilette oder was zu essen zwischendurch gefunden, wusste nicht wo er mich hinterher finden kann (mangels Absprache und in Unkenntnis der örtlichen Käfige). Für Ersttäter war das ganz schön anstrengend!

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

Wahnsinn!!!

Ok, schade dass das mit dem Slot nicht geklappt hat, aber was für eine Wahnsinnsleistung!!! Obwohl ich einen Teil am Bildschirm mitverfolgen konnte bin ich immer noch (oder schon wieder) beeindruckt, danke für den Bericht!!!

Und von uns ganz herzlichen Glückwunsch!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Voller Spannung habe ich deinen Bericht verschlungen

Riesenkompliment zu deiner großartigen Leistung! Ganz großes Kino! Spitzenzeiten hast du da abgeliefert!
Manchmal denke ich, ich könnte auch mal eine ganze MD versuchen. Wenn da nur nicht das Schwimmen wäre.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Respektvoll auch doppelte Glückwünsche!

Du bist klasse!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Super!

Nicht letzte beim Schwimmen und auf dem Rad richtig was raus gehauen. Dass Du laufen kannst, wissen wir ja hier alle. Aber Du kannst nun mal auch TRIATHLON!

Schöne Regeneration, das nächste Highlight hast Du doch bestimmt schon wieder geplant. ;-)

Petra

Großartig!

Vielen Dank für diesen wunderbar lebendigen Bericht mit Vorher und Nachher und natürlich Währenddessen. Toll, wie Du die Veranstaltung von hinten aufgerollt hast! Ich bin übrigens ganz sicher, dass das "fürs Mentale" viel besser ist, als schnell zu schwimmen, und dann nach hinten durchgereicht zu werden.

Herzlichen Glückwunsch!
yazi

Ach

@strider: den Slot gab's nicht gratis (315 Euro plus 6% Active Gebühr!). Vielleicht hätte eine oder zwei verzichtet, aber bei 2 Slots hab ich mir keine Chancen ausgerechnet und wir sind 2-3h vor der Vergabe nach Hause. Eine Bekannte meinte das könnte ein Fehler gewesen sein. Hab gerade gesehen, dass eine andere Bekannte als 8. AK 45 einen Slot bekommen hat. Die hatten aber vermutlich 4 oder 5 davon (nach Anzahl der Teilnehmerinnen zu schließen).

@Sonnenblume2: Wer OD kann - kann auch MD. Das Schwimmen ist doch kaum mehr. Von VD auf OD ist es gleich dreimal so viel, hier nur 400m mehr. Rad kannst Du doch schon - der Rest passt schon. Einfach machen!

@dummehunde: War zumindest nicht soo schlecht :kicher:, auch wenn von KÖNNEN noch keine Rede sein kann.

@yazi: das stimmt schon, aber es macht wenig Spaß mutterseelenallein auf dem Rad durch die Gegend zu gurken. Es ist schon schöner mit nicht ganz so viel Rückstand loszudüsen :grins:

Du bist der Wahnsinn

Dass in so einer kleinen Person so viel Power stecken kann, unglaublich.

LG,
Anja

Top

Frauen schreiben immer so ne ellenlange Berichte ( wieviel Luft hat mein Fahrrad ....) egal, top Leistung und für mich als Kenner : Dein HM Lauf, besonders echt stark. Gruß Maik

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