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Benutzerbild von dfrobeen

Ich habe es gerade gestern nochmal im Rahmen meiner Meldung für die ITU-Weltmeisterschaft im Langdistanz-Duathlon (dazu dann zu geeigneter Zeit mehr) nachgesehen: ich habe in 2014 keinen einzigen Sprint- oder Volksdistanz-Triathlon gemacht. Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass hier nicht meine Talente oder mein aktueller Trainingszustand liegen. Aber spätestens seit vergangenem Samstag weiß ich wieder, wie sehr auch so ein kurzes Ding Spaß machen kann.

Hinzu kommt, dass der Bokeloh-Triathlon eine weitere Premiere war. Ich war erstmals Teilnehmer eines Teamtriathlon. "Team" bedeutet an dieser Stelle unsere neu gegründete Landesliga-Mannschaft, zu deren Kapitän ich gekührt wurde (ok, es wollte niemand anderes den Job machen - aber egal).

Ich gebe zu, in seiner originären Ausprägung ist Triathlon ein Sport für Einzelkämpfer. Wer trainiert am härtesten und/oder kann dann im Wettkampf am optimalsten den Kampf gegen sich selbst gewinnen. Man braucht keine mannschaftlichen Spielzüge, Taktiken oder ähnlich. Auch das Format der (meisten) Ligawettkämpfe macht diesen Charakter nicht kaputt. Jeder startet für sich, die Platzierungen der Teammitglieder werden aufaddiert und die Mannschaft mit der niedrigsten Platzziffer gewinnt den Ligawettkampf.

Dennoch habe ich spätestens letzten Samstag gelernt, dass es dennoch ein Teamsport sein kann. Schon seit mittlerweile 2 Jahren trainiere ich hier lokal mit dem Triathlon Team Braunschweig. Es war eigentlich die Konsequenz daraus, dass ich den Eindruck hatte mit der ewigen Allein-Trainiererei nicht mehr weiter zu kommen. Das ich bei diesem Team gelandet bin war eher Zufall und der regionalen Nähe geschuldet. Das Team bezeichnet sich immer wieder gerne als "das beste Team der Welt" und wenn ich jetzt so darüber nachdenke...sie haben recht...nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe einen Haufen echter Freunde gefunden und immer ein paar bekloppte, mit denen ich was unternehmen kann, wenn mir nichts besseres einfällt. Obwohl...oftmals fällt mir mittlerweile nichts besseres ein, als mit den Jungs und Mädels zusammen wieder etwas anzustellen. Und, ach ja, zusammen trainieren macht ja auch viel mehr Spaß, als alleine die ganzen Kilometer zu schrubben.

Den zwischenzeitlichen Höhepunkt fand das ganze in der Tour zu 9 Personen zur Challenge Rimini am vorletzten Wochenende. Urlaube habe ich zuletzt eigentlich alleine gemacht, bzw. Mitreisende und nette Bekanntschaften vor Ort getroffen. Nun waren wir als Gruppe unterwegs - und auch wenn es zu 9 Verrückten (und nichts anders sind Triathleten) auch gerne mal zu Diskussionen zu Tagesplanung, Verpflegung oder Placeboeffekten von Glutenunverträglichkeit kam, so war es eine tolle Tour.

Letzten Samstag war aber wieder etwas neues für mich angesagt. Der erste Landesligastart. Wir trafen uns um 9:15 Uhr auf einem Parkplatz in Autobahnnähe. Das war katastrophal zu früh, denn wir alle sollten um 13:55 Uhr mit der letzten Landesliga-Startwelle ins Rennen starten. Aber die Ausschreibung hat uns das Leben maximal schwer gemacht. Es gab eine einzige Wettkampfbesprechung für Landesligisten und pünktlich zu dieser war die Deadline für den Rad-Check-inn. Einer von uns kam 3 Minuten zu spät an und kassierte eine gelbe Karte wegen verspätetem Einchecken...da waren aber immer noch fast 2,5 Stunden Zeit bis zu unserem Start.

Am ärgerlichsten fand ich dabei, dass es total egal gewesen wäre. Die Wettkampfbesprechung, zu der wir gewissenhaft gehen wollten, haben wir einfach nicht gefunden. Und die Wechselzone war jederzeit offen, sodass es auch nicht das Argument war, dass man diese für die im Rennen befindlichen Wettkampfteilnehmer exklusiv halten wollte. Dies hatte ich mal beim ITU-Triathlon in Chicago so - dann habe ich da auch Verständnis für.

Wir waren also fast 3 Stunden vor unserem Start vor Ort und haben eigentlich maximal Zeit totgeschlagen. Dennoch haben wir auch da schon als Team agiert. Wir waren ein toller Haufen, das hat sich im Verlauf des Tages immer mehr gezeigt und ich bin auch sicher, dass sich dieser Eindruck im weiteren Saisonverlauf noch weiter festigen wird. Wir quatschten, witzelten, rannten rum, analysierten Wechselzone, Lauf- und Radstrecke, Kaffee- und Kuchenbuffet, sowie was uns sonst so alles aufgefallen ist.

Irgendwann - wir hatten kaum noch dran geglaubt - sollten wir dann auch noch Sport machen. Bokeloh, ein Stadtteil der Weltstadt Wunstorf (für Leute außerhalb des europäischen Kontinent...das liegt alles etwas westlich von Hannover) lag ohnehin schon den ganzen Tag im strömenden Regen. Daran hatte ich mich zuletzt beim Boston Marathon und der Challenge Rimini gewöhnen können. In eben diesem Regen, stiegen wir nun in das 26 Grad heiße (!!!) Wasser.

Ich weiß bis heute nicht warum - wahrscheinlich hatte der Starter selber keine Lust im Regen zu stehen - jedenfalls erfolgte unser Startschuss dann 4 Minuten vor der eigentlich angekündigten Zeit. Ich hatte gar keine Chance mehr meine Garmin zu starten, da musste ich schon im Bokeloher 50m-Becken meine insgesamt 14 Bahnen ziehen. Es war ähnlich wie schon zwei Wochen zuvor in Buschhütten. Ich fühlte mich eigentlich im Wasser ganz ok. Dieses Hassgefühl gegenüber dem Wasser aus dem Vorjahren war weg. Die Zeit verging im Kopf also recht flott...das Problem war nur, dass die Zeit leider auch auf der Uhr flott verging.

Ich schwimme einfach zu langsam. Ich war ja froh, dass ich die 700m ohne Neo solide durchgekrault bin. Aber das ich kraulend für diese Distanz 18:03 Minuten brauchte, das war doch mehr als erschreckend. Von 493 Athleten, die das Rennen finishten, lag ich zu diesem Moment auf Rang 450. Die anderen 6 Akteure meines Teams schwammen alle zwischen 12:07 und 12:38 Minuten - ich hatte also gepflegte 6 Minuten auf alle meine Mannschaftskameraden verloren. Nun stieg ich aus dem Becken und durfte den weiteren Wettkampf wie alle anderen klatschnass bei 9 Grad Außentemperatur und Regen fortführen.

Der Wechsel war dafür recht einfach - viele Räder standen ja nicht mehr zur Auswahl. Ich war also auf der Radstrecke und realisierte, dass ich nicht nur langsam geschwommen war, sondern so langsam, dass ich auch nicht von Beginn an starten konnte, die Radfahrer vor mir einzusammeln. Es dauerte schon eine Weile bis ich die ersten überholte. Irgendwie hatte ich mir eingeredet, dass ich wohl gegen Ende der Radstrecke meine ersten Mannschaftskameraden einholen würde. Aber da bin ich wohl auch nicht davon ausgegangen, dass ich dazu auf 21km Radstrecke 6 Minuten gut machen musste. So eine Lücke macht man nicht so ohne weiteres auf dem Rad wett, erst recht nicht gegenüber den Jungs, mit denen ich gemeinsam angereist war.

Auf dem Rad merkte ich doch, dass ich 6 Tage zuvor noch eine Mitteldistanz in Rimini gemacht hatte. Ich konnte irgendwie nicht den Druck auf die Pedale geben, den ich gerne gehabt hätte. Das erste flache Stück gegen den Wind lief noch ganz brauchbar, aber als dann drei doch recht merkbare Wellen kamen, hatte ich den Eindruck hier nicht die gewünschte Pace bringen zu können. Der Schnitt war immer knapp über 30, was ich nicht so recht einschätzen konnte. Die Frage war, wie viel man diesen auf der Rückenwind-Passage zurück zur Wechelzone noch nach oben treiben konnte.

Hier war das Radeln dann ein Selbstläufer, aber in die Temporegionen, in die ich über 21km gerne kommen wollte, kam ich nicht mehr. Der Tacho zeigte durchgängig über 45km/h und der Schnitt stieg Zehntel für Zehntel. Aber ich sah auch schon die markante Kali-Grube neben der Wechselzone, die mir transparent machte, dass es gleich vorbei sein sollte mit Schnitt nach oben treiben. Ich stellte mein Rad dann in die Wechselzone, als der Tacho einen Mittelwert von 34,5km/h zeigte - ich befand dies deutlich zu langsam.

Später in der Ergebnisanalyse sollte ich feststellen, dass der Radsplit meine relativ gesehen beste Teildisziplin war. Rang 41 testierte mir diese Aufstellung, der gefühlt deutlich bessere Lauf reichte nur zu Platz 56. Aus meinem Team übertraf Alex nochmal die guten Radleistungen aller anderen. Er nahm mir zusätzlich zu den 5 1/2 Minuten im Schwimmbecken nochmal 2 weitere auf dem Rad ab. Er absolvierte von allen Landesligastartern die Radstrecke mit der 8besten Zeit.

Ich stellte in der Wechselzone mein Rad ab und schlüpfte in die bereitgestellten Schuhe. Sofort nachdem ich Tempo aufnahm realisierte ich, dass irgendwas da in meinem rechten Schuh nicht stimmte. Mein kleiner Zeh war nicht da, wo er eigentlich sein sollte - sondern eingeklemmt zwischen Lasche und Außenwand des Schuh. Außerdem war die Sohle verrutscht...ich dachte schon darüber nach, wie ich die Blasen unter meinem Fuß die nächsten Tage auskurieren würde.

Die Frage war, ob ich anhalte und alles korrigiere oder die 5,2km einfach durchlaufe. Einmal auf der Strecke war mein Ehrgeiz größer. Irgendwie ging es mit dem Laufen, auch wenn es sich verdammt komisch anfühlte. Die Strecke bestand aus einer 1,2km-Runde um ein Feld, die viermal zu laufen war. Der Zugang zur Strecke führte aber über eine steile Treppe mit etwa 50 Stufen, die direkt mal Laktat in die Beine zauberte. Ich sah immer noch keinen meiner Mannschaftskameraden, und das, obwohl ich scheinbar schnell unterwegs war. Die Pulsuhr testierte mir für den ersten km eine 3:51 - damit sollte ich doch im Teamvergleich weiter Rückstand aufholen.

Auf der zweiten Runde sah ich dann Felix vor mir. Ich wusste allerdings, dass er auch ein guter Läufer ist und ich kaum Zeit gut machen würde. Dennoch wollte ich näher auf ihn auflaufen - letzter Braunschweiger war nicht gerade meine Zielsetzung für dieses Rennen. Die weiteren Kilometer gingen noch schneller raus - im durchschnitt lief ich die Strecke in 3:48-Pace. Am Ende meiner dritten Runde hatte ich ihn dann zurecht gelegt. Nach der nächsten Rechtskurve würde ich auf ihn auflaufen und dann würden wir gemeinsame Sache machen und noch einige Plätze für die Mannschaftswertung gut machen. Aber was passiert da? Er biegt links ab in Richtung Zielkanal...hat offensichtlich schon eine Runde mehr im Haben, als ich. Na gut - freut mich ja für mich. Dann hat er ein richtig gutes Rennen abgeliefert...

Nun hatte ich wieder keinen TTBler vor mir, aber es stimmte mich dennoch zufrieden, dass ich mittlerweile Läufer für Läufer überholte und eine schnelle Pace lief. Erst zum Ende der vierten Runde sah ich Patrick näher kommen. Er war von uns allen die schnellste Schwimmzeit geschwommen, ist aber noch sehr jung und konnte seine Schwimmzeit nicht 1:1 auf Rad und Lauf übertragen. Als auch wir dann links in Richtung Ziel abbiegen durften, hatten wir noch zwei andere Läufer vor uns. Diese überholten wir auch noch und beendeten das Rennen dann gemeinschaftlich, 2 Sekunden auseinander.

Ich beendete das Rennen auf Rang 189, hatte also doch noch kräftig Konkurrenten eingesammelt. Dennoch bin ich nur bedingt zufrieden. Der Lauf war gut und fühlte sich gut an. Auf dem Rad fühlte ich mich müde, aber mit Platz 41 bin ich da doch zufrieden. Aber der Rückstand im Schwimmen ist einfach viel zu groß - da muss ich kurzfristig was dran tun.

Aber wir waren ja nicht als Einzelkämpfer hier - und das zeigte sich gleich hinter der Ziellinie. Wir waren alle innerhalb weniger Minuten dort eingetroffen und lagen uns gemeinsam in den Armen. Jeder von uns hat sein bestes gegeben und phantastische Leistungen gezeigt. Wir verbrachten noch einige Zeit in Bokeloh, erst im heißen Becken zur Regeneration, dann unter der Dusche und letztlich an Kaffee- und Kuchentheke. Auf der Rückfahrt belohnten wir uns für die geleistete Arbeit mit einem Zwischenstopp bei Burger King. Es war wirklich ein toller Tag - auch wenn wir diesen wirklich komplett für gut eine Stunde Sport investierten. Wieder zurück in Braunschweig entnahmen wir der Ergebnisliste, dass wir als Team auf Rang 9 von 35 gelandet sind. Das ist deutlich mehr, als wir erwartet hätten. So darf die Saison weiter gehen...und zwar gleich schon eine Woche später in Hannover-Limmer, wo der nächste Landesliga-Wettkampf ansteht.

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Spannend! Und du bist mit

Spannend!
Und du bist mit eingeklemmter Zehe die fünf Kilometer durchgerannt? Cool!
Ich Frage jetzt besser mal nicht, wie die jetzt aussieht :-))
Viel Spaß und Glück in Limmer!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Ich ich ich!

Ich weiß, wo Bokeloh liegt!!! ;-))))

Herrje, das mit den langen Wartezeiten ärgert mich auch immer beim Triathlon, der Zeitaufwand ist mitunter beträchtlich und steht in keinerlei Verhältnis zur "Netto"Sportzeit. Bei dir noch weniger als bei mir ;-) Ich wäre mindestens genauso langsam geschwommen, aber mich hättest du gleich eingeholt auf dem Rad ;-)

Aber wenn es Spaß macht... Und so ein Mannschaftserlebnis ist schon g... Meine älteste Tochter erzählte das auch immer von Schwimmwettkämpfen.

Fein gemacht, weiter so!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Teamgeist

Also das beste Team der Welt kann ja unmöglich eures sein, das ist nämlich schon unseres ;-)
Einen tollen Wettkampf beschreibst du da! Glückwunsch zum Teamergebnis!
Und in Limmer hatten wir heute doch das perfekte Triathlon-Wetter, oder?

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Jedenfalls

hört es sich auch nach einer Menge Spaß an - zumindest was das Team betrifft.

Und die Leistung ist doch in Ordnung - nicht Letzter; das hat was.

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