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Topangebot der Woche

Benutzerbild von Sirius

Vor Sonntag:
Meine Vorbereitung verlief anfangs schleppend, um nicht zu sagen: sehr schleppend. Aber gute Trainingseinheiten im März und April ließen mich zusammen mit der besten Supporterin von allen optimistisch nach Hamburg reisen. Familiäre Unterkunft und Verpflegung bei meiner Schwester. Die Jogmap-Pasta-Party musste ich daher leider wieder mal ausfallen lassen. Samstag die übliche Shopping-Einheit, wieder etwas zu lang.

Sonntag:
Zusammen mit meinem dreiköpfigen Supporterteam komme ich im Startbereich an. Nach dem „grüne-Jacken-Desaster“ aus dem Vorjahr mit der verzweifelten Suche nach meinem Support setzen meine Anhänger diesmal auf auffällige Braun- und Grautöne. Zusätzlich hat Schwesterherz als leidenschaftliche Percussionistin noch ein paar kleine, aber laut und hell klingende Instrumente mitgenommen, die, in einem bestimmten Samba-Rhythmus gespielt, mir eine akustische Orientierung geben sollen.

Die Stimmung am Start ist klasse. Der Veranstalter peitscht sie zusätzlich mit der entsprechenden Musik an (Kein Witz! Das haben sie wirklich gespielt!).Ein großes Zeitziel habe ich nicht, aber unter 4 Stunden wäre schon schön. Aus dem Startblock G, noch deutlich hinter den 4-h-Pacemaker-Ballons, gehe ich auf die Strecke. Ich will es anfangs ruhig angehen lassen um nach Möglichkeit zum Schluss noch zulegen zu können.

Zunächst geht’s auf die Reeperbahn. Dort wirbt eine Bar mit freiem Eintritt. Vorsicht: Lockangebot! Ein Bier kostet bestimmt 10 €. Geld habe ich keins dabei. Also laufe ich weiter.

Ich überhole Werner Momsen, der unterwegs ist, um den Handpuppen-Marathon-Weltrekord zu knacken. Er sieht noch gut aus. Schwitzt kein bisschen.

An einem Zebrastreifen steht eine alte Dame mit einem Rollator. Sie sieht nicht wie eine typische Marathon-Supporterin aus. Ich glaube, sie will einfach nur über die Straße. Das könnte noch eine Weile schwierig werden.

Bei der ersten Wasserstelle nach Km 5 passiert es dann: Ein anderer Läufer stellt mir beim Wasserholen ein Bein. Kann ja mal passieren. :-( Ich bin nicht nachtragend. Es ist immer schön, wenn man den Boden auf sich zukommen sieht. Ich lande also unsanft auf dem überschwemmten Asphalt, rappele mich aber schnell wieder auf, beruhige besorgte Mitläufer und führe einen Körperscan durch. Das rechte Knie hat wohl was abbekommen. Das lässt sich aber hoffentlich „weglaufen“. Etwas Zeit habe ich aber verloren. Und ich verliere immer mehr. Anscheinend hat meine Uhr durch den Sturz das Satellitensignal verloren. Ich bin zeitlich nicht mehr orientiert. Na bravo! Hätte dieser Typ nicht aufpassen können? Ich hoffe darauf, dass sich irgendwo in Hamburg noch ein Satellit auffinden lässt. Bis zum Ende hoffe ich vergebens. So ein Idiot!

Dann kann ich ja endlich mal nach Gefühl laufen. Oder mich an die Pacemaker für vier Stunden halten. Weit und breit ist aber kein Ballon zu sehen. Wie soll jemand einen Marathon in vier Stunden laufen können, wenn er nicht mal in der Lage ist, einen Luftballon festzuhalten?

Mein Knie ist nach 2 km wieder in Ordnung. Ich überhole einen Läufer in Sträflingsklamotten. Mit angelegten Handschellen versucht er, im dichten Läuferfeld unterzutauchen und einen Vorsprung gegenüber seinen Verfolgern herauszulaufen. Er sollte dann nur nicht bis ins Ziel laufen, sondern sich rechtzeitig absetzen. Sonst ist der Vorsprung wieder futsch. Ich wünsche ihm viel Glück.

Ein lustiger Geselle mit einer lustigen schwarz-rot-gelben Mütze überholt mich. Was sich manche Leute antun! Mit einem eindrucksvollen Spurt zieht er an mir vorbei. Aber nicht so schnell, dass ich nicht die Aufschrift auf seinem Shirt erkennen könnte. Das ist er. Der Pacemaker für 3:59:59 h. Was hat der denn für einen Auftrag? Entweder hat er sich verlaufen und sucht nun seine Truppe oder seine Mutti hat ihm morgens das falsche Hemd herausgelegt.

Irgendwann treffe ich jtRun. Wir kennen uns vom Mainz-Marathon vor zwei Jahren. Es ist immer schön, wenn man sich auf solch kleinen, übersichtlichen Laufveranstaltungen wieder trifft. Bei den großen Massenveranstaltungen wäre so etwas gar nicht möglich. jtRun kennt wiederum den Läufer mit der lustigen Mütze, der auf einmal kurz vor uns herläuft, diesmal in perfektem 4-h-Tempo. Das ist also Maikdererste, der hier als „inoffizieller“ Pacemaker seine Dienste angeboten hatte. Da kann ich mich ja ran hängen und wenn mir danach ist, vielleicht sogar noch den Turbo zünden.

Bei Km 23 fragt mich Maikdererste: „Und? Wie geht’s?“ Was für eine Frage? Bei Km 23! Wie soll es mir da wohl gehen? Gut natürlich. „Sieht aus, als wenn du etwas schwächelst.“ Ich mag offene Worte. Zwei Stunden lang hört man nur Rufe wie „Gut siehst du aus!“ und „So locker!“ und jetzt das. Zeit für einen zweiten Körperscan. Knie in Ordnung aber Beine total schwer. Die Shopping-Einheit vom Vortag war mal wieder zu lang. Maikdererste hat Recht. Locker ist anders. Ich habe tatsächlich etwas zu kämpfen.

Auf meinen Anhang ist Verlass. An fünf vereinbarten Stellen treffen wir uns. Sogar als ich nach einsetzendem Regen mit total verschwommenen Brillengläsern nur noch wenig sehen kann. Der Samba-Rhythmus ist deutlich aus der übrigen Geräuschkulisse herauszuhören. Durch die Treffen und an den Verpflegungsständen verliere ich immer wieder Zeit. Aber die bunte Mütze ist immer von Weitem zu sehen, so dass ich immer wieder aufschließen kann. Den Turbo zünde ich nicht mehr. Ich habe nichts mehr zu zünden. Wie auch bei dem Regen? Die letzten drei Kilometer sind schwer, aber ich habe keine Sorge mein Zeitziel zu verpassen. Mit 3:58:54 h laufe ich ein. In der späteren Auswertung der 5 km-Splitts stelle ich eine erstaunliche Konstanz fest. Ab Km 10 war ich ausschließlich mit einer Pace von 5:40 – 5:42 unterwegs. Dabei hatte ich das Gefühl, immer langsamer zu werden. Maikdererste ist ein laufendes Uhrwerk. Danke fürs Mitschleppen!

Gruß

Sirius
...der im Samba-Rhythmus rennt.

4.57143
Gesamtwertung: 4.6 (7 Wertungen)

Ich schwanke zwischen

kugeln vor Lachen vor deinem Wortwitz und Sarkasmus und tiefem Mitgefühl... Aber mal ehrlich, wenn eigentlich alles schief läuft - doch noch unter 4h einlaufen? Wahnsinn!!!

Meinen Respekt hast du ;-))

Samba gibt es übrigens auch in Luxemburg am 30.5. Die Pacemaker für 4:00 und 4.44 kenne ich persönlich, Lust?

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

hahahaaaa...

...jede zelle meines körpers hat sich gar köstlich amüsiert beim lesen deines blogs. danke, sirius!
ja, hamburg ist schon nen echt klasse marathon, wa? naja, und ich finde angesichts der stolperpanne und des regens haste dich voll krass tapfer geschlagen. und dann noch sub vier gemacht - not bääd! ;-)
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laufend fragt sich, ob sirius auch mal wieder in münster rennt: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Noch ne Bauchlandung.

Willkommen im Club. Wobei Deine innerstädtische Landung mit Sicherheit deutlich härter war als meine im Waldgras des Harzes.
Es klingt ein wenig Quälerei in Deinen Worten mit. Aber es war ja auch ein Marathon, das hast Du fürs Quälen schließlich Startgeld bezahlt. Und so bin auch ich voller Bewunderung, mit so einer Stimmung auch noch diesseits der 5 Stunden zu laufen!
Ganz großes Kino!

Wie gut,

dass Du nach deinem Sturz nicht den Rollator der guten Dame entwenden musstest, um heil ins Ziel zu kommen!
Fügt sich doch alles -- klasse gemacht (sehr schicke sub4h!) und danke für diese amüsanten Seitenblicke!!!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Ach, Sirius, auf deinen Humor ist Verlass!

Danke für diesen amüsanten Beitrag! Den Körperzellensong vorm Start hatte ich glatt schon wieder vergessen und mich jetzt voller Freude daran zurückerinnert. Ich glaube übrigens, du hast mich unterwegs so mindestens 10x gefragt, wie es mir gehe. Das fand ich sehr fürsorglich, wollte ich dir noch zurückmelden.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

„Sieht aus, als wenn du etwas schwächelst.“ ...

... Yes! Das finde ich doch sehr symphatisch.
Klingt nach einem sehr schönen Marathon. Also schön in Form von doch auch mit den notwendigen Ecken und Kanten, um sich später auch noch mal dran zu erinnern. Dieses Glatte ist mir auch immer etwas suspekt.
;-)

Nach deinem Bericht...

Nach deinem Bericht und der kurzweiligen und bombastischen TV-Übertragung werde ich wohl nächstes Jahr wieder in HH laufen. Hab da eh noch 'ne kleine Rechnung offen.

Danke für die stimmungsvolle Beschreibung.

Ach ja, Kompliment zum finish.

Liebe Grüße,
Thomas

"Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende" (Oscar Wilde)

Kugel dich lieber.

Mitgefühl ist nicht angebracht. Ich habe es gut überstanden und hatte auch Spaß. Knie und Uhr funktionieren einwandfrei.

In vier Wochen schon wieder einen Marathon? An so eine Schlagzahl werde ich mich wohl nie gewöhnen können. Danke trotzdem für den Hinweis. Aber tatsächlich plane ich, eine Marathon-Pause einzulegen. Ich habe im Moment nicht ganz den Kopf dafür. Vielleicht im nächsten Jahr wieder.

Münster ist immer eine

Münster ist immer eine Option, auch wenn das Studium meines Sohnes dort bald beendet sein wird (wie ich hoffe).

Ich hab' mich schon mal mehr

Ich hab' mich schon mal mehr gequält. So schlimm war es nicht. Ich bin ja noch nicht mal langsamer geworden. Aber wenn ich das nächste Mal stürze, dann suche ich mir eine Waldgrasfläche aus.

An den Rollator habe ich

An den Rollator habe ich tatsächlich gedacht. Ich hätte dann nur etwas zurücklaufen müssen. Und auf irgendeinem Schild habe ich gelesen, dass umkehren blöd sei.

Mit Freude?

Wieso mit Freude? Ich hatte sogar überlegt wieder nach Hause zu fahren.

Zwei Mal hatte ich nur gefragt und beim 2. Mal ja auch die Antwort erhalten, dass ich nicht fragen soll. Vollstes Verständnis. Dein Bericht erklärt alles.

Ja, es war ein schöner

Ja, es war ein schöner Lauf. Es war auch einer mit Erinnerungswert.

Aufgrund meines Berichtes

Aufgrund meines Berichtes willst du da laufen? Trotz Horrormusik, Laufrüpeln, demotivierenden Pacemakern und strömendem Regen? Die TV-Übertragung muss wirklich bombastisch gewesen sein.

Keine Ursache

Ende gut alles gut ,witzig geschrieben und 42 km rennen ,heißt immer auch sich quälen, egal wie lange man läuft .Die Mütze (schön warm ) wollte ich eigentlich unterwegs ein Kind schenken , aber die Gefahr war mir dann zu groß, das im Getümmel irgendeiner verloren geht. Gruß Maik vlt sehen wir uns ja mal wieder und bleib gesund

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