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Benutzerbild von dfrobeen

Es gibt Dinge, die muss man nicht verstehen. Als ich mich ein wenig mit der Flugbuchung zum Boston-Marathon beschäftigte fand ich eine recht skurrile, aber sensationell günstige Buchungsvariante. Wenn ich mit dem Lufthansa A380 von Frankfurt nach New York fliege, diesen Flug aber nicht direkt, sondern über einen Zwischenhalt in Oslo antrete, würde sich der Flugpreis von eigentlich knapp 800 EUR auf letztlich 392 EUR mehr als halbieren. Macht keinen Sinn, war mir aber egal.

Da man das ganze dann auch noch mit ein Stopover gestalten konnte, hatte ich nun also zu Beginn und am Ende meines Boston-Marathon-Trips einen Aufenthalt in Oslo. Während ich am Anfang der Reise einen Tag in der norwegischen Hauptstadt hatte, versuchte ich diese mittels eines kleinen Laufes sightseeing-technisch zu erkunden. Erst war ich noch mit Hilfe der S-Bahn oben auf dem Holmenkommen, bevor ich mir wieder unten in der Stadt angekommen die Schuhe schnürte. Es war mittlerweile nur noch 5 Tage vor dem Rennen in Boston, also war eigentlich tapern angesagt. Der gute Herr Steffny sagte für diesen Tag eine lockere 60 Minuten-Runde an, also etwa 12km. Mein Reiseführer hatte drei Spaziergangsvorschläge für die Stadt, den am Holmenkollen hatte ich schon gemacht, also wollte ich die beiden anderen über meinen Lauf verbinden. Ich hatte eine ganz grobe Planung auf der Stadtkarte gekritzelt und bin los. Das, was ich mir aber als 12km-Runde ausgedacht hatte, entpuppte sich ohnehin schon als absolut unschaffbar. Und selbst wenn ich den Lauf entlang des Flüsschens Akerselva wegließ, kam ich auf deutlich zu viele Kilometer. Aber es machte einfach Spaß und ich ließ mich treiben. Langsam war der Lauf, dafür kamen ein paar Meter zusammen, letztlich 20,7km - aber ganz entspannt. Und beim Rennen des Boston-Marathon sollte sich ja zeigen, dass mir diese überlange Einheit zumindest nicht dolle geschadet hat.

Der eigentliche Lauf in Oslo sollte für mich dann aber am Ende der Reise, also am Samstag, den 25.April stattfinden. Boston war erfolgreich gefinished und im Anschluss eine wunderschöne Woche in Boston und New York verbracht. Mit Oslo hatte ich mich im Vorfeld gar nicht so beschäftigt. Ich freute mich zwar auf die Stadt - ich mag generell die skandinavischen Großstädte -, aber was ich da in meinen insgesamt 3 Tagen machen sollte, hatte ich keine Ahnung. Es ist einer schlaflosen Nacht etwa eine Woche vor dem Urlaub zu verdanken, dass ich mir ein Programm zusammenstellte. Ich gab mal das Wochenende, was ich sowieso vor Ort bin in Google ein und heraus kam ein buntes Gemisch aus norwegischen Buchstabensalaten. Als Hauptevent für das Wochenende wurde aber Sentrumsløped angepriesen. Mein norwegisch ist zwar insgesamt eher durchschnittlich, aber "Løped" klang mir schon verdächtig nach "Lauf".

Es stellte sich tatsächlich heraus, dass genau an diesem Tag die größte norwegische Laufveranstaltung stattfinden sollte, ein 10km Rennen mit 13.000 Teilnehmern durch die City von Oslo. Ich musste nicht lang überlegen und schon war ich angemeldet.

Ich war am Vorabend in New York losgeflogen, hatte morgens um 5:30 Uhr Frankfurt erreicht, wartete dort 4 Stunden auf den Anschluss und landete letztlich um 11:55 Uhr wieder in Oslo. Damit hatte ich noch 4 Stunden Zeit um vom Flughafen in die Stadt zu kommen, in meiner Unterkunft einzuchecken, die Startunterlagen abzuholen, das Wettkampfdress überzustülpen und zur Startlinie zu watscheln. Alles klappte problemlos und wurde eine ziemlich entspannte Angelegenheit.

Ich stand im ersten Startblock, dazu musste ich schon eine Zielzeit von 37:xx angeben. Mir war zwar relativ klar, dass in der Woche nach dem Frühjahrsmarathon keine Bestzeit möglich ist, dennoch gab ich meine eigene PB als Indikator an. Das reichte so gerade um noch in den ersten Block zu kommen. Ich hatte die Ergebnislisten aus dem Vorjahr studiert und einige schnelle Zeiten um die 31 Minuten und drunter zu sehen. Es klang, als ob dies ein sehr schneller, wahrscheinlich also auch flacher Lauf durch die City sein würde.

Aber schon der Blick die Startgerade, die Haupteinkaufsstraße Karl-Johans-Gate, entlang machte mich skeptisch. Wir liefen geradewegs auf das naheliegende Schloss zu und da ging es doch ganz schön bergauf. Der Startschuss fiel und ich sollte recht behalten. Nach 800m hatte ich erstmals das Gefühl, dass ich jetzt eigentlich das Rennen auch abbrechen könnte. Ich startete km 1 in einer flotten, sich aber viel langsamer anfühlenden 3:55-Pace und sehr schnell quoll mir das Laktat aus den Ohren raus. Hinter dem Schloss ging es dann erstmal ein paar befriedigende Höhenmeter wieder bergab, bevor es nach einer Rechtskurve erneut bergauf ging. Km2 in 3:49 - jetzt passte das Tempo, aber es fühlt sich schon nicht so an, also ob ich das jetzt entspannt durchlaufe.

Ab jetzt ist die Strecke vom Grundsatz her auf einem Höhenlevel...nur nicht, dass sie eben ist, sondern ständig auf und ab geht. Km5, 6 und 7 gehen insgesamt bergab, hier sind die Teilstrecken jeweils unter 4 Minuten, km7 sogar in 3:46. Danach warte ich einfach nur noch darauf, dass es zu Ende geht. Aber ich weiß ja, dass es hinten raus nochmal bergauf geht - das habe ich schon beim Einlaufen und dem Weg zum Start in Erfahrung gebracht.
Meine Hoffnung, dass ich als Marathonläufer mit Grundlagen jetzt nochmal ein paar Plätze gut machen kann, wird enttäuscht. 5 Tage Regeneration nach Boston sind offensichtlich doch etwas knapp bemessen für einen schnellen 10er. So laufe ich nach 39:27 Minuten über den Zielstrich. Keine schlechte Zeit - ich bin schon zufrieden, aber meine Hoffnung ähnlich wie in Boston unerwartet einen raus zu hauen, tritt nicht ein. Ist aber auch nicht wild.

Danach kamen eineinhalb Tage wunderschönen Sightseeings in Norwegens Hauptstadt. Vor allem der Sonntag präsentierte sich in Traumwetter und lud förmlich dazu ein mit dem Schiff durch die vorgelagerten Inseln zu fahren und Spaziergänge zu machen. Die Stadt lohnt sich - nicht nur um dort einen schnellen 10er zu laufen.

4.714285
Gesamtwertung: 4.7 (7 Wertungen)

kriegst du eigentlich

Vielfliegerbonus, oder so??

Meine Güte, da wird man ja neidisch. Nicht nur wegen der Zeiten ;-))

Danke für den Tipp! In Norwegen war ich noch nicht, Dänemark und Schweden schon. Da fehlt noch was, ich merke es gerade!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

so schöne fotos...

...und ein toller bericht, der lust macht auf skandinavien. danke.

also, wie sich solche flugpreise zusammensetzen werde ich nie verstehen, muss ich ja auch nich. aber mich würde jetzt doch interessieren, wieviel du am ende wirklich gespart hast? *kicher* 400 euro weniger für den flug stehen drei oder vier übernachtungen zuzüglich verpflegung in oslo gegenüber. okee, den spaß am lauf und die freude, etwas neues kennezulernen jetzt mal nicht gerechnet, denn das is ja unbezahlbar ;-)
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laufend lässt manchmal das kaufmännische raus: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Jaaa, happy - Du hast schon

Jaaa, happy - Du hast schon recht. Aber es geht mir eigentlich gar nicht darum absolut gesehen Geld zu sparen (dann könnte ich daheim bleiben und laufe jedes regionale Braunschweiger Laufevent mit ;-). Ich fand die Kombination super. Ich hatte die absolute Urlaubszeit ohnehin so geplant. Wenn ich jetzt einen "normalen" Flug gebucht hätte, wäre ich länger in Boston und/oder New York gewesen und hätte dort zusätzliche Übernachtungen bezahlt (die in NY ja bekanntermaßen ein Schnäppchen sind).
Aber teurer hat es das trotzdem gemacht. Wenn Du jemals in Deinem Leben das Gefühl haben möchtest, dass NY eine Schnäppchenstadt ist, dann flieg von dort aus direkt nach Oslo. Für ein normales Abendessen (ein Hauptgang und ein Bier) in einem rustikalen norwegischen Gastronomiebetrieb hat mich 42 Euro gekostet (das Bier darin waren 11 EUR!!!). Der Einkauf eines Snack (3 Brötchen, eine Packung Käse, zwei Bananen, eine kleine Tüte Nüsse) waren 17 EUR.

Aber wie gesagt...dafür habe ich wieder viel erlebt und was neues gesehen...jeden Cent wert!

Habe mich übrigens gerade zur Halbmarathon-WM nächsten März in Cardiff, Wales angemeldet ;-)

Mein Boston-Blog: danielssichtderdinge.wordpress.com/boston-marathon

vielleicht...

...kriegste nach cardiff ja ne günstige verbindung die über z. b. reykjavik führt. soll auf island ja auch sehr schön sein *kaputtlach*
nee, mal im ernst: ich find das klasse, wo du so überall laufend unterwegs bist...
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laufend amüsiert sich köstlich: happy™

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