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Benutzerbild von Kaiserstädter

Meine Ärztin hat keinerlei Bedenken bezüglich meines physischen und psychischen Zustands in Sachen Sport.

Die Sporthochschule hat meine Anmeldung geprüft und fand, dass alles in Ordnung war.

Es wird also ernst (aber nicht hoffnungslos).

Ich habe mir die Videos zu den verschiedenen Übungen der sportlichen Tauglichkeitsprüfung für die Zulassung zum Sportstudium an der Sporthochschule Köln angesehen – und sie machten mir dann doch einige Sorgen. Turnen... jungejunge... lange her... Menschmenschmensch...

Also habe ich beim BTV Aachen angerufen, um zu fragen, ob ich da mal mittrainieren darf. Beim BTV war ich damals mit meiner Mama zum Mutter-Kind-Turnen in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts des vorigen Jahrtausends. Antwort war: „Ja, ist ok. Wir haben öfters Leute, die sich auf die Prüfung vorbereiten beim Training. Warum man das in Ihrem Alter noch macht, müssen Sie ja selbst wissen.“

Die Frau war mir sofort unsympathisch. Blöde Kuh. Natürlich weiß ich, warum ich das tue. Und es fällt mir kein einziger vernünftiger Grund ein, warum ich das NICHT tun sollte! (Falls Euch welche einfallen, könnt Ihr sie ja im Kommentar anfügen.)

Blöde Kuh hin oder her, ich hatte keine Wahl. Man hat ja schon öfters gehört, dass die Trainerinnen im Turnbereich knallharte Hunde sind (oder Katzen?) und immer aus der DDR stammen. Das können ja nicht alles Vorurteile sein (?) ... Ich sollte dann etwas in die Eis-Kasse zahlen – Deal.

Und so war ich also gestern da. Pünktlich.

Eine sehr junge (20?) und sehr, sehr freundliche und sehr, sehr, sehr hübsche Dame mit einer topp Figur machte mir die Türe auf und ging mit mir in die Halle. Geht doch!
Sie hatte eine ziemlich kurze Hose an. Auf beiden Oberschenkeln hatte sie weit oben ein Tattoo. Auf der einen Seite war die Figur Dame vom Schach zu sehen und die andere habe ich vergessen, so nervös hat mich die Schachfigur gemacht. LOL.

Aufgebaut waren ein Stufenbarren und 3 Reckstangen in verschiedener Höhe. Außerdem Bodenmatten. Die Halle war klein und gerammelt voll. Es war gerade Training für die Kleinen. Alles Mädchen um die 4 bis 10 Jahre – keine Jungs.

Ich sah sofort, dass die Übungen der Mädchen weitaus komplexer waren, als das, was ich machen musste und sie machten alles mit einer Leichtigkeit, dass ich sofort das Betonpinguin-Gefühl bekam.

Das Training der Kleinen überschnitt sich mit dem der Großen. Die Großen trudelten gerade alle ein. Alles Mädchen um die 18 bis 24 Jahre – keine Jungs.

Nach dem Warm-Up mit Dehnung (beim Spagat musste ich passen) ging es dann an die Reckstange. Die Reckstange war auf Schulterhöhe angebracht.
Aufschwung – Rückschwung – Umschwung – Abschwung
... wie lange ist das her? Fast 30 Jahre...

Zunächst sollte ich im Stütz auf der Reckstange hin- und her greifen. Kein Problem.
Dann machte ich den ersten Aufschwung. Klappte auf Anhieb... und wieder runter.
Beim nächsten mal machte ich einige Rückschwünge, das heißt, ich hole aus dem Stütz nach hinten Schwung, um dann mit den Beinen vorne rückwärts den Umschwung durchführen zu können.

Ich merkte, dass das gut ging. Aber so volle Fahrt in den Umschwung... da musste ich mir doch noch sagen, dass das ungefährlich ist... quasi mir selbst etwas Mut zusprechen.

Ok, es geht los: Aufschwung. Gut. Hoher Rückschwung und daraus eingeleitet in den Umschwung. Es klappte. Dann runter und Abschwung. Das sollte für Köln wohl reichen.

Klar, meine Beine waren nicht immer gestreckt und bei den Großen sah das viel mehr wunderschön aus... aber ich bin ja gar kein Turner, sondern... sagen wir mal Allrounder.

Mittlerweile ging es um mich herum zur Sache. Die Großen beturnten den Stufenbarren. Die Damenriege vom BTV ist (so meine ich mich zu erinnern) in der zweiten Bundesliga unterwegs. Wenn man diese Übungen im Fernsehen sieht, dann ist das schon beeindruckend. Wenn man aber einen Meter neben den Stangen steht und hört, wie die Barren arbeiten und wie kraftvoll die Bewegungen sind, dann ist das wirklich phänomenal. Ich fand das total spannend zum zugucken.

Hilft ja nix: ab zum Boden.

Dass ich das mit der Reckstange hinbekomme, das war mir schon vorher klar. Dass es mir so leicht fiel, hätte ich nicht gedacht, aber es freute mich natürlich.

Aber Boden, das ist das, wovor ich echt Bammel habe. (Fachbegriff: Bodenbammel)

Die vorgeschriebene Übung: Rolle vorwärts mit halber Drehung durch den Strecksprung. Rolle rückwärts in den Handstand oder Hochstütz. Dann Handstand (mit oder ohne Abrollen) mit anschließendem Rad. – Fertig, so die Theorie.

Rolle vorwärts mit halber Drehung und Strecksprung ist kein Problem, wobei die Rolle kein Purzelbaum sein darf, sondern man muss in die Drehung mit einem kleinen Hüpfer hineinspringen.

Jetzt kommt es: Rolle Rückwärts in den Hochstütz. Hochstütz ist die einfachere Sache im Gegensatz zum Handstand. Rolle in den Handstand konnte ich damals zwar, aber da wog ich ja nur 65 kg. Der Hochstütz reicht, er ist einfacher und ich mache den Hochstütz (weil er reicht und einfacher ist)...

Ich finde es schwer, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann man die aufgesetzten angewinkelten Arme strecken muss, um sich selbst hochzustemmen. Dabei muss der Kopf vom Boden abheben, was für den Nacken auch gesünder ist und für den Gesamtorganismus sehr relevant.

Es klappte mehr schlecht als recht. Einmal war meine Stützbewegung dermaßen hinter der Rolle, dass ich über den Nacken gerollt bin. Aua. Da muss ich noch dran arbeiten. Die Rolle muss mit mehr Tempo erfolgen, so dass ich mehr Schwung in die Stemmphase nehmen kann. Lebensgefahr.

Der Handstand. Jeder weiß, was das ist. Kann ihn jeder? Die Arme durchgestreckt und dann die Beine hoch und die Standphase muss erkennbar sein. Erfordert mittlerweile etwas Mut, weil man immer Angst hat, dass man überschlägt. Wenn Matten da sind, ist das wieder anders. Hier ist es besser bewusst den Handstand nach dem Stand zu „überschlagen“ und daraus abzurollen (quasi in einer Rolle vorwärts). Dann ist man nämlich sicher im Handstand gewesen, was der Prüfer ja sehen möchte. Denn die Gefahr, dass man nicht in den Handstand hochkommt, wenn man zu wenig Schwung holt, ist beträchtlich.

Nach ein paar Versuchen klappte das sehr gut. Rad ist einfach. Klar, die Großen machen das schöner...

Ich habe eine Stunde geturnt. Es hat super viel Spaß gemacht. Sage mal so: Deutschland ist immer noch ein Abenteuerland. Und die Abenteuer lauern zum Beispiel in jeder Turnhalle. Ich fühlte mich wieder wie in Kind. Mit einem fröhlichen „Genieße morgen Deinen Muskelkater“ wurde ich von der blöden Kuh verabschiedet. Ich gab ihr 20 EUR für die Eis-Kasse und ging.

Tatsächlich bekam ich keinen Muskelkater. Wäre ja auch noch schöner!

Meine Kollegin meinte: „Jungs entwickeln sich, bis sie 7 Jahre alt sind, danach wachsen sie nur noch...“ frech. Ich mag meine Kollegin, aber die Emanzipation hat nicht nur Gutes vorgebracht.

Montag geht es wieder in die Halle, diesmal zum Pferdsprung. Wieder im Abenteuerland. Hat auch Vorteile, wenn die Familienplanung schon abgeschlossen ist

Möge der Herr mit mir sein.

... und auf dass ich nicht all zu viel vom Schach träume... rofl

5
Gesamtwertung: 5 (16 Wertungen)

Kino! Ganz ganz großes

Kino!
Ganz ganz großes Kopfkino!
Ich stelle mir vor...der kleine Oliver mit seiner Mama inmitten den großen Mädels...."kicher"
Den großen Oliver inmitten den großen Mädels....."nochmehrkicher"
Und dein Gesicht nach der Bemerkung deiner Kollegin! "Kreischendaufdererderollvorlachen"
Ich mag deine Kollegin.... :-)))
Aber alle Achtung! Du traust dich was. Und mir fällt ÜBERHAUPT kein Grund ein, warum du das NICHT tun solltest!
Mach weiter und berichte :-)

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Oliver unter Elfen

Turnen.
Ich habe es schon in der Schule gehasst. Aber noch ätzender als Turnen fand ich Schach.
Klasse hingegen fand ich Mathe. Diese Disziplin befähigt einen nämlich, mühelos im Kopf auszurechnen, dass eine 20-Jährige - selbst wenn sie noch so zickig ist - die DDR nichtmehr erlebt hat.
:-P

Turn Du mal schön weiter.... bin gespannt, wie es weitergeht.
Viele Grüße, WWConny mit ostdeutschem Migrationshintergrund

Da hast Du Recht.

Die türöffnende 20-Jährige war auch nicht die Trainerin. Die Trainerin (und mit der hatte ich ja telefoniert) war mehr in meinem Alter.
Und hätte somit die DDR erleben können.

"Ceterum censeo Carthaginem esse delendam."

Abenteuer auf Turnmap

Danke, Oliver, habe mich gerade köstlich amüsiert beim Kopfkino!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Endlich!

Endlich ist ein weiterer Bericht über die Sportprüfung da!
Ich habe sehnsüchtig darauf gewartet!!! (Und das Warten hat sich gelohnt!!!)
Ich finde es immer noch total bewundernswert, dass du das machst und mir bleibt der Mund offen stehen, was du alles kannst!
Ich freue mich schon auf den Bericht über das Pferd-Training ;-)
Und wer weiß, vielleicht kannst du bald auch Spagat... ;-)

Ich sehe dich

...im Turnanzug mit Strassteinen, wie du galant eine Bodenkür turnst *prust*
Und noch klarer ist das Bild von deinem Gesichtsausdruck beim Anblick der Schachfigur. Vielleicht solltest du dir beim nächsten Lauf eine Dame suchen, die Schachfiguren unterm Hintern hat, Mal schauen wie schnell die Bestzeit fällt :-D

volles Verständnis

für deine Ambitionen von einer, die nicht mal Handstand kann, nie den Aufschwung gebacken bekam und nichts (nicht mal Physik) in der Schule mehr gehasst hat als Turnen!

Schwanke zwischen Lachkrämpfen und Bewunderung ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Große Bewunderung

vor Deinem sportlichen Können und Deinem Vorhaben.
Ich bekäme nicht eine Übung davon auch nur annähernd hin.
Viel Spass weiterhin und schön regelmäßig berichten, damit ich was zu staunen habe.

LG,
Anja

Mich reizt das Intellektuelle...

... am Schach.

"Ceterum censeo Carthaginem esse delendam."

Staunen oder Lachen

Eigentlich ist es mir lieber, wenn Ihr was zu lachen habt.
:-)

"Ceterum censeo Carthaginem esse delendam."

Ich lache gerne

aber ich lache Dich ganz sicher nicht aus.
Wie gesagt, ich bekäme die Übungen nicht hin, also muss ich schön brav die Klappe halten.

LG,
Anja

Herrlich!

Letztens las ich hier die Frage warum man bei jogmap ist, obwohl viele neue Tecki-Gimmicks sich nicht mit dieser Seite verknüpfen lassen...

Hier ist die Antwort: wegen Beiträgen wie diesem!!!

Danke dafür.

Staunen UND Lachen!

Wenn das mal nicht die beste Kombination ist. Bodenbammel!!! Ach hätte ich damals nur schon ein so schönes Wort dafür gehabt, was ich fühlte, wenn ich dem gefürchteten Turnterror ausgesetzt wurde...
Wunderbar, ich finde es großartig, was Du da treibst, wünsche Dir eine erfolgreiche Vorbereitung und uns, dass wir weiter daran teilhaben dürfen.

yazi (nicht turntauglich)

A propos

ich philosophiere immer noch über die Frage, ob man sich auch anders als nachhaltig umbringen kann?? *prustvorLachen*

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

genial !!!

... und deine Leistung ist auch nicht schlecht :-)

@Dünenhüpfer

genau so ist es !!! sind wir nicht alle ein bisschen jogmap ?

Konjunktiv! ...

... Conny, er schreibt im Konjuktiv. Und Brief und Siegel hätte er es auber so was von ausgebreitet, wenn auch nur annähernd die Chance bestanden hätte die gute Frau diesem vergangenen Staat zuzuordnen. Er schreibt es aber nicht. Hihi! Doch ne Pflanze aus anderer Erde.
Bis jetzt finde ich das Programm ja schon mal sehr schön! Fortsetzung folgt auch - zum Glück! Ich drück die Daumen.
;-)

Topp!

Absolut phantastisch! Viel Spaß weiterhin und berichte bitte auch in Zukunft in diesem tollen Stil! Alle Daumen hoch :-)

Da wäre ich gern dabei gewesen

Herrlich! Ich bin begeistert von dem Bericht. Köstlich amüsiert. Am Reck könnt ich nicht mithalten, dass Kraft-Masse-Verhältnis ist nicht mehr so optimal und Rolle rückwärts ist grausam.
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LG Inumi
Wenn ein Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.

Herlich, bin gespannt wie´s

Herlich, bin gespannt wie´s weiter geht.
Bin kürzlich gefragt worden, wem ich eigentlich was beweisen will? Meine Antwort war: Na mir wem den sonst. ;-)
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

5 Sterne

Ich sag's mal mit Deinen Worten: 5 Sterne von mir. Für einen herrlichen Blick hinter die Kulissen des angehenden Sportstudenten. Für großartiges Kopfkino. Für die Vorfreude auf die Fortsetzung.

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Hey, ich finde...

das saustark!!!
Was Du alles kannst, Respekt!!
Multisportsman!! :o)

Liebe Grüße Carla

"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

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