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Topangebot der Woche

Benutzerbild von fazerBS

Letztes Jahr als ich krank nach dem CCC rumhing kam ich auf allerlei dumme Gedanken. Unter anderem hatte ich mich für meinen ersten freiwilligen Duathlon angemeldet (unfreiwillig war ja Bonn mal vom Triathlon zum Duathlon gewandelt worden). Dafür hatte ich mir den in der näheren Umgebung stattfindenden Autohaus Minrath Duathlon im Wunderland Kalkar ausgesucht, da dort eine Kurzdistanz angeboten wurde (10 – 40 – 5). Für weniger lohnt der Schuhwechsel und die Anreise ja schließlich nicht. Und da dort auch die Deutsche Meisterschaft stattfinden sollte und das nur ein Klick bei gleichen Gebühren war hab ich mich großkotzig gleich dafür angemeldet – und alles vergessen. Bis – ja bis ich Anfang März in meinen Terminkalender schaute und einen Termin für den Halbmarathon-Test suchte. Ups, da ist Duathlon. Na ja, muss dann halt als Ersatz gelten. Pech nur: der Spinning-Kurs war Ende Januar vorbei, im Februar war absolut mieses und kaltes Wetter mit Schnee und Frost hier und ich hatte mein Rad im Marathontraining nur ab und an auf der Rolle in Südafrika gequält (oder gestreichelt – vom 30er Schnitt war ich weit entfernt). Für den Marathon hatte ich mir einen Plan ausgesucht, der zwar oft aber unter der Woche eher kurz läuft. Dazu meine Schwimm-Offensive mit dreimal Schwimmtraining die Woche – da passte noch maximal einmal Rad rein. Im März wurde es dann ein paar Tage recht angenehm und ich konnte mein Rad von der Rolle befreien und nach draußen bewegen. Allerdings waren nur drei Wochen Zeit, also wurde fix einmal pro Woche Intervalle „befohlen“ und evtl. noch in der Woche vor dem Duathlon eine lockere Ausfahrt. Die fiel ins Wasser – im wahrsten Sinn des Wortes.

Stattdessen war am Samstag Helfereinsatz bei der Winterlaufserie – Mist, ich muss aber noch mein Rad fertig machen und von der letzten dann doch nasskalten Ausfahrt säubern, Schaltung checken, Reifen checken. Gedacht, getan – der Samstagvormittag war fast um als ich im Vorderrad einen Riss fand mit irgendwas drin – und im Hinterrad gleich zwei davon. Da musste ich dann auf dem Weg zum Winterlauf-Helfereinsatz noch fix beim Radladen vorbei und mir zwei Mäntel und Schläuche kaufen, denn das Risiko wollte ich nicht eingehen auf 40km mit Plattem dazustehen. Zumal nur eins noch schlimmer ist als bei Kälte und Regen (angekündigt) Rad zu fahren: bei Kälte und Regen an der Strecke zu stehen und einen Schlauch zu wechseln. Eine halbe Stunde später und 80 Euro ärmer machte ich mich dann auf, um stundenlang bei strömendem Regen mit Regensachen und Radüberziehschuhen an der Strecke zu stehen, den Posten und Motivator zu geben und mir den Allerwertesten abzufrieren. Am Ende war ich mistnass, durchgefroren und KO, die Beine völlig verkrampft vom langen Stehen. Es hieß dann noch Abbau, bevor ich mich auf den Heimweg machen konnte. Um dann als erstes die Schläuche und Mäntel zu wechseln (bei Garagenlicht, da es schon dunkel war). Ich hab da mal was von Laufrichtung gehört und suchte dann auch danach – fand sie nach einigem Hin und Her mit meinem Freund dann auch. Genau falsch angefangen – also anders rum. Dann beide Räder aufpumpen – mehr als 8 bar krieg ich mit dem Kompressor des Freundes nicht rein, Test fiel ins Wasser (Regen und Dunkelheit), also das Rad ins Auto packen, um mich dann an den Tisch zu setzen und meine morgens schon vorbereitete und freundlicherweise vom Freund in den Ofen geschobene und fertig gebackene Pizza zu vertilgen.

Dann noch schnell auf der Seite schauen, weil es zwei Emails mit kurzfristigen Änderungen aufgrund der angesagten Wetterbedingungen gab: a) keine Scheibenräder (so ein Pech, hab gar keins und wollte das genau bei dem Wettkampf ausprobieren) und b) Verlegung des Ziels in die Halle vom Marktplatz weg und damit Änderung der zweiten Laufstrecke. Anfahrtadresse ins Navi, Tasche packen und ab ins Bett, denn in der Nacht würde uns noch eine Stunde „geklaut“ werden (Zeitumstellung). Ich ließ die kurze Hose gleich zu Hause, packte aber das Halbarmshirt und Ärmlinge ebenso ein wie Handschuhe, Regenzeugs und Langarmshirt (etwas wärmer). Ich würde vor Ort entscheiden was ich anziehen würde.
Am Ort des Geschehens angekommen war es nicht so toll beschildert wohin man nun musste. Nun ja, ich war recht früh dran, so dass kein Stress aufkam. Andere kannten es aus dem Vorjahr, da tigert man dann einfach hinterher. Bis zur Halle war man (samt Rad) schon nass geworden, denn es nieselte. Das Autothermometer hatte schnuckelige 7 Grad in der Anzeige gehabt, was mir die Wahl der Klamotten erleichterte. Das dickere Langarmshirt sollte es sein, beim Rad noch die Laufjacke gegen Wind und Regen. Handschuhe und Überzieher legte ich in den Korb, nachdem ich mein Rad eingecheckt hatte. Die kurzen Überzieher zog ich gleich über die Mountainbike-Schuhe, die ich ebenfalls in den Korb stellte, Helm dazu, Brille braucht nicht (stört eher bei Regen), Rest in die Tasche, Tasche in die Ecke. Der Rest war recht schnell besichtigt, Wettkampfbesprechung sollte 15 Minuten vor dem Start sein. So konnte man sich ein wenig in der Halle einlaufen, während die Jugend schon kämpfte.

Wettkampfbesprechung war auch fix erledigt, die Drohung mit der Dopingkontrolle wurde ausgesprochen, denn die NADA war vor Ort. Schnell nochmal das WC aufsuchen, dann ab zum Start. Übersichtliches Teilnehmerfeld - bei 42 Meldungen waren ein paar Plätze frei geblieben. Nach einem Countdown ging es recht unaufgeregt los. Ich hatte mich etwa mittig einsortiert, musste aber schnell feststellen, dass ich weiter nach vorne gehörte. Dort fand ich dann einen Platz im Wind, der uns entgegenblies. Es war gerade etwas trockener. Die Strecke ging einmal raus bis in die Stadtmitte von Kalkar, wo eigentlich die Zuschauer sein sollten – nur waren die bei DEM Wetter lieber auf dem Sofa geblieben. Dort Wendepunkt, zurück und eine Runde im Wunderland vorbei an geschlossenen Attraktionen und frierenden Ordnern. Sie hatten mein vollstes Mitgefühl, kannte ich die Situation doch vom Vortag bestens. Kurz vor der Halle kassiere ich ein Mädel und krieg mit, dass sie Dritte werden kann, wenn sie die Beine ein wenig in die Hand nimmt. Und so motiviere ich sie sich bei mir reinzuhängen, nehme ein Schrittchen raus und dann wieder rein. Die Familie / Freunde / Trainer feuern sie an und sie hechelt brav hinter mir her – hier darf sie ruhig mal K-Grenze kommen denke ich mir ohne Tempo rauszunehmen, drehe mich aber immer wieder zu ihr um und rufe ihr aufmunternd zu „bleib dran“, „schaffst du“ und so’n sinnloses Zeugs halt. Dann kommen wir Richtung Halleneingang und hier missverstehe ich die Ordner, dass ich in den ersten Eingang abbiegen solle. Rein – nur um wieder rausgepfiffen zu werden ich müsse noch um die Halle rum und dann in den zweiten Eingang hinter der Ecke rein. Mist, hier haben mich wieder zwei meiner Mitstreiterinnen „kassiert“, bevor ich gedreht habe, weitergelaufen bin und in die Wechselzone komme. Egal, ab zum Rad, was ich problemlos finde. Raus aus den Laufschuhen, rein in die Radschuhe, Helm auf, Jacke an – die gönne ich mir. Pfeif auf die 30 Sekunden, die das länger dauert, bis ich dann auch den Reißverschluss zu und die Startnummer drüber habe!
Ab Richtung Radausgang, raus, am Strich aufsteigen und ab in den Wind und Regen! Rauf auf den Deich, pfeif, vorsichtig rum um die dreckige Kurve mit gepflastertem Untergrund und ab auf die Straße. Der Wind dreht mit der Richtung, kommt mal von vorne so dass man das Gefühl hat „nichts auf die Kette zu bekommen“, mal von der Seite dass es einen versetzt und man Richtung Bremsen am Oberlenker greifen muss. Immer wieder spannend, wohin er denn gerade dreht. Am Deich war Rechtsfahrgebot, Überholverbot und Gegenverkehr ausgegeben worden. Hier werde ich von einer kräftigen Frau überholt, die bald darauf einen Kampfrichter neben sich hat. Keine Ahnung was es gab, ich bekomme nur „Rechtsfahrgebot“ mit. Rein Richtung Innenstadt über nasse Pflastersteine und Kopfsteinpflaster bis hin zum Wendepunkt. 180 Grad und zurück auf einem teilweise etwas anderen Weg, wo einmal so richtig herrlich der Rückenwind treibt, so dass man einen Gang raufschalten kann. Hier kommen auch schon die Männer angerauscht, die nach uns gestartet sind. So wird die Strecke nach und nach immer belebter.

Den Turm des Wunderlands sieht man schon von weitem und schon geht es in die schlecht beschilderte bzw. ausgewiesene Runde. Gerade kommt auch ein Mann aus der Halle, springt auf’s Rad und düst damit voll in das Absperrgitter, legt sich samt Rad und 5-6 Sperrgittern quasi direkt mir zu Füßen. Nö, ich will nicht, bremse ab, schwenke nach links und gondel langsam dran vorbei in die zweite Runde. Meine Füße sind schon mistnass, kalt und steif. Ich fahre dasselbe nochmal stoisch ab, schimpfe über das Mistwetter, ärgere mich über den Wind, der es mir so schwer macht und schaue mal so auf die Uhr, wo ich eine mickrige 26 sehe. Nö, Spaß macht das nicht, aber das Wetter kann man sich schließlich nicht aussuchen. Und so lege ich den Ärger in die Kurbelumdrehungen und trete was das Zeug hält, nähere mich einer Mitstreiterin, überhole vorschriftsmäßig (vom Kampfrichter beobachtet) und weiter. Hier wird die Jagd eröffnet und ich sehe weiter vorne eine – kriege ich kurz vor der Halle noch, wo ich dieses Mal einfach in die andere Gasse und damit Richtung Abstieg fahre. Absteigen, Mist, Eisklumpen. Ohne Gefühl in den Füßen humpel ich in die Halle rein, Rad in den Ständer – das kippt, nochmal. Menno, ich will weiter! Das Ding zu Ende bringen!

Schuhe aus, Helm ab, Laufschuhe über die pladdernassen Socken und weiterhechten, denn ich hab eine kurz vor mir gesehen. Doch das „hechten“ erweist sich als dummes Gehumpel aus der Halle raus und rein in den Regen und Wind auf dem winkligen Kurs durch das Wunderland, wo die Helfer sogar für uns klatschen und uns anfeuern. Erster Kilometer bimmelt nach 4:27 – Schrott, das ist kein Tempo! Fazer, gib mal Gas! Doch es geht nicht schneller, die Füße wollen nicht. Kein Gefühl bzw. es fühlt sich an wie ein Roboter, der so komische Platten drunter hat und platscht auch so. Rein in Runde zwei, wieder rum, ab in Runde drei und da wird es langsam etwas geschmeidiger. Beim nächsten Mal wollen die Ordner mich schon in die Halle schicken, aber ich gehe brav in die vierte Runde – für’s Zählen sind wir nämlich selbst zuständig. Und hier sehe ich welche – hey, das wird ein Spaß! Ansaugen, einsammeln, weiter, nächste. Immer wieder Männer, die vorbeirennen. Boah, die haben keine Eisklumpen? Irgendwas hab ich wohl falsch gemacht. Kurz vor der Halle hole ich mir noch eine und renne dieses Mal gleich zum richtigen Eingang, sie auf meinen Fersen. Wir werden vom Ordner in eine Gasse geschickt, die sich als Weg zur Wechselzone entpuppt. Sie dreht eher als ich – ist ja hinter mir – also hinterher. Die krieg ich, ich lass mich jetzt nicht wegen noch einer falschen Anweisung abhängen. Hammer raus und Beine schwingen ist eins. Vorbei an ihr, Vollsprint anziehen, ab über die Matte, geschafft. Sie kommt hinter mir rein – gut so. Meckert auch über die falsche Weisung und meint dann jetzt wäre ja alles wieder gut, ich wäre ja noch vor ihr rein. Bedankt sich für’s Ziehen. Wir tapern zum Büffet und haben die Wahl zwischen etwas Obst und Cola oder Wasser. Obstkuchen sehe ich auch noch, den bekomme ich von einem Bekannten, der kurz hinter mir ins Ziel kommt und mich auf der Laufstrecke schon abgeklatscht hatte und auf der Radstrecke angerufen hatte. Mhm, lecker mit Beeren drauf und einer Scheibe Schokolade drunter! Wir quasseln ein wenig, dann beschließen wir zur Dusche zu gehen. Es stellt sich raus, dass es für die Frauen EINE Dusche gibt in dem Hotel dort, allerdings mit einige Handtüchern und zwei Betten im Zimmer. Nach und nach kommen immer mehr Frauen in das Zimmer und wir suchen noch nach einer weiteren Duschmöglichkeit, doch die nächste wäre draußen. Wasser wäre genug da. Darauf verzichten wir und verlegen uns auf Speed-Duschen zu zweit mit fliegendem Wechsel. Eine witzelt so nett: „der Wettkampf ist ja schließlich noch nicht vorbei“.

Dann geht es das Rad auschecken und alles ins Auto packen und wieder zurück für die Siegerehrung. Die verzögert sich um eine gute Stunde, während der ich mich mit einer Altersklassenkollegin unterhalte, die schon an Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen hat und auch hier 26 Sekunden vor mir im Ziel war.

Die nackten Zahlen:
Lauf 1 41:53 min
W1 1:30 min
Rad 1:12:28 h (Meine Uhr gibt mir keine 40 km her – und knapp 30er Schnitt)
W2 1:04 min
Lauf 2 21:24 min
Gesamt: 2:18:19h

Das bedeutet in der Gesamtliste Platz 73 von 126 (inklusive Männer), Platz 6 der Frauen (von 30 Finisherinnen bei 42 Meldungen) und Platz 2 der Altersklasse (von 8 Meldungen und 6 Finisherinnen).

Die Siegerehrung verläuft dann irgendwann viel später als geplant mit ein paar Haken und Ösen etwas massenhaft und wenig feierlich nicht nach Altersklassen sondern nach Plätzen sortiert. So stehen dann für den zweiten Platz auch welche da, die 3 h gebraucht haben. Nun ja, sei es wie es sei: es gab eine Urkunde, eine schicke Medaille mit Band in den deutschen Farben und die Nationalhymne wurde (fast ganz) gespielt – nur etwas leise. Trotzdem hab ich mitgesungen als ob ich gerade bei Olympia gewonnen hätte :lach:.

4.75
Gesamtwertung: 4.8 (4 Wertungen)

klingt irgendwie

Klingt irgendwie nach Mistwetter, bescheidener Organisation - und gaaaanz viel Erfolg!

Ich finde es klasse!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

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