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Benutzerbild von Schalk

Es sind noch einige Minuten bis zum Start. Ich stehe in einem riesigen Pulk an Menschen und warte wie sie geduldig, dass es los geht.
Heute wird es nicht weit sein. Vielleicht anderthalb Stunden und ich werde wieder hier sein. Das wird nichts Schwieriges werden. 21km laufen und gut. Lange ist es her, dass ich in so einer Masse Leute gestanden habe. Check in vor dem Startbereich, an diesen vielen Leute vorbei zum richtigen LKW den Kleiderbeutel abgeben. Vor Jahren war der Startbereich noch nicht so abgezäunt. Da konnte man sich doddal entspannt in der Otto-Braun-Straße, direkt am Alex neben Falk Cierpinski warmlaufen und ist 5min vor dem Start in den Startblock. Heute ist das hier etwas schwieriger. Nein, eigentlich nicht. Ich hätte nur mal einen Blick auf die Skizze vom Startbereich werfen müssen. Man kommt da auch heute noch ganz gut von vorn rein. Nur ein A auf der Startnummer ist schon hilfreich, um problemlos in den Startblock A zu kommen. Auf meiner Startnummer stand „C“. Egal. Man kennt sich aus. Auch die Hürde nahm ich problemlos.
Drei Minuten noch bis zum Start. Mein Blick schweift nach unten. Lauter leichte Schuhchen sieht man hier. Meine Lab Sence Ultra sind durch. Die wollte ich nicht auf 21km Asphalt anziehen. Andere leichte und schnelle Treter für die Straße habe ich gar nicht mehr. Die Crosslite sahen da schon recht lustig aus. Egal. Sie werden mich diese 21km tragen.
Noch zwei Minuten. Ich erinnere mich an meinen letzten Start in einem größeren Läuferfeld. Im September standen Andreas, Florian und ich in Courmayeur. Rucksack und Stöcke waren da anbei. Damals hatte ich ein flaues Gefühl im Magen. Der Brocken, der da vor uns lag, war ne Haunummer. Heute wird es schnell werden. Wie schnell, wußte ich noch nicht. Aber es würde vorbei sein, bevor es eigentlich angefangen hat. Vor dem Start sieht man Leute mit Bananen, Gels. Sehr lustig. Das ist hier ein Halbmarathon!
Die Spitzenläufer werden vorgestellt, dann ist es noch eine Minute und dann geht es auch schon los. Es ist nicht weit bis zum Startbogen. Aber doch dauert es einige Sekunden, bis man da ist. Ins Laufen komme ich auch erst ab dem Überlaufen der Matte. Wie muß das weiter hinten sein? Gut, dass ich doch den Weg nach vorn gefunden habe. Die Pace stimmt. Die Garmin zeigt 3:40min/km. Es wird etwas langsamer sein. Dembogefühl und Zeit passen. Irgendwas zwischen 3:45 und 5:55min/km wollte ich mich einpendeln – wenn dies denn heute möglich sein sollte. So richtig wußte ich nicht, welche Pace ich laufen könnte. Intervalle hatte ich keine gemacht. Dembodauerläufe über 25km waren letzten Dienstag und Mittwoch dran. Aber die gingen natürlich nicht unter dem heutigen Dembo weg, sondern eher darüber. Der Plan war Loslaufen, Fühlen und Sehen.
Loslaufen war bis Brandenburger Tor mit ziemlicher Konzentration verbunden. Es war eng. Einfach so seinen Stiefel finden und Laufen war da noch nicht unbedingt drin. Richtig Slalom laufen mußte man zwar auch nicht, aber zu viel Platz war auf keinen Fall. Es ging so.
Leute standen haufenweise an der Strecke. Ich nahm sie allerdings eher nicht wirklich wahr. Die Konzentration war mehr bei dem Finden der eignen Geschwindigkeit und dem Umkurven von (etwas!) langsameren Läufern.
Ab Brandenburger Tor war dann Platz. Vor mir lief ein „T-Shirt“ mit der Aufschrift SC-DHFK Leipzig. Der dem Shirt Zugehörige lief sehr locker und entspannt – zumindest sah es so aus. Und er lief etwa meinen Stiefel. Das war ein Ticken schneller, als viele vor uns. Die Pace hatte sich sich um 3:50min/km eingependelt. Schon zu Hause hatte ich nach dem Wind geschaut. Er kam aus West. Bis Schloß Charlottenburg war es also wichtig, immer schön einen Windschatten vor sich zu haben. Auf dem Rückweg würde der Wind dann von hinten kommen. Mit dem DHFK-Shirt hatte ich meinen Windschatten gefunden. Da könnte ich dran bleiben und bis km9, 10 Kraft sparen. Zum Vorlaufen hatte ich nicht die Kraft und auch nicht die Lust. Heute darf ich mal „Lutschen“. Der Plan, mich bis Schloß Charlottenburg im Windschatten zu halten, ging voll auf.
Auf was für einer Zeit war ich eigentlich unterwegs? Jeden km schaute ich auf die Uhr und zu Beginn funktionierte es auch noch die Differenz pro km zu einem 4er Schnitt auszurechen. Die Garmin zeigte regelmäßig um 3:50min/km an. Aber der Garmin-km war immer etwas eher zu Ende, als der „SCC-km“. Später funktionierte das Rechnen aber dann nicht mehr. Ich lief eh am Limit. Und damit war das dann auch diesbezüglich ziemlich egal, wie der einzelne km nun wegging. Und da ich mir eh keine konkrete Zielzeit gesetzt hatte, paßte sowieso alles.
Schloß Charlottenburg. Der Hinweg ist geschafft. Jetzt geht es Links auf dem Weg zum Kuhdamm. Jaaanz langsam zog ich an Leuten vorbei. Normal ist es mental schön, zu überholen. Diesmal war es egal. Ich lief was ging. Schneller ging irgendwie nicht. Egal wie ich drücke oder mich „entspanne“, kraftraubend oder kraftsparend - Die Pace blieb die Gleiche. Am Kuhdamm geht es leicht bergab. Es lief gefühlt besser. Die Pace blieb. Nach der Urania geht es leicht hoch. Es wird anstrengend. Die Pace blieb. Km15 sehe ich Conny stehen, kurz darauf Charlotte. Gleich lief es lockerer. Die Pace blieb. Apropos Leute sehen. Yazi hab ich übersehen. ;-( Schade.
Jetzt kommen die zähen km. Es geht „bergauf“ zum Potsdamer Platz. Ich würde gern beschleunigen. Aber es geht nicht. Leipziger Straße. Eigentlich könnte man fast schon den Alex vorn sehen. Aber da geht es ja noch mal Rechts weg. Beim Marathon läuft man geradeaus. Wie hasse ich diese Schleife.
Checkpoint Charlie. Jetzt ist endgültig Heimweg. Ich schaue nicht mehr auf die Uhr, um nach der aktuellen Pace zu sehen. Die Pace von der Garmin ist eh irgendwie und auf die Idee mir an den km-Schildern einfach mal die Zeit bis zum nächsten km zu merken, komme ich nicht. Laufmodus. Also Blick nach vorn, Laufen was geht und das ist es dann. Kurz vorher auf der Kochstraße bei km18, doch da war noch mal rechnen. Noch 3km und 100m. 12min auf die aktuelle Laufzeit drauf gerechnet. 1:20h geht nicht mehr. 1:21h wird eng. Stimmen die km-Schilder? Sollten Sie eigentlich. Schließlich ist das hier kein Dorflauf. Zwischendrin war ich mir nicht so sicher. Aber gehen wir mal davon aus, dass sie stimmen. Was ich beim Laufen mir hier zusammenreime und eher eh nicht mehr realisiere. Da sollte das km-Schild ne feste Basis sein. Km20 liegt vielleicht noch mal ne Matte. Da wird man es dann sehen.
Aber erst mal km19. Für 1:21h wird es verdammt eng. Und es geht jetzt erst noch „hoch“ zur Gertraudenbrücke, kurz runter und dann wieder hoch über die Brücke an der Mühlendammschleuse. Vor Jahren hab ich mir an den „Anstiegen“ noch nen schicken Wadenkrampf eingesammelt und bin dann ins Ziel am Roten Rathaus gehumpelt. OK, da waren keine Anstiege. Da war Zielsprint. Km20 war auch keine Matte mehr. Am Schild km20 war ich bei knapp unter 1:17h. Schaun mer mal. Es tat langsam weh. Es war anstrengend. ‚Warum machst du das jetzt hier? Lauf aus. Die Zeit ist eh nicht deine. Also entspann dich und lauf mit nem Lächeln rein.‘
Lächeln! Stimmt. Da war was. Lächeln geht immer – mehr oder weniger.
‚Erst mal will ich die 1:20:xxh sehen, und dann können wir auch ans Lächeln denken. Alexa. Nicht mehr viel Zeit. Bis zur Kurve ist es noch. Aber dann ist ja gleich Ziel. Gleich Ziel? Moment. Das waren doch noch mal 200m nach der Kurve! Haus des Lehrers. Die Uhr zeigt 1:19:50h. Noch 1:10min und noch gefühlte 100m bis zur Kurve. Das wird nix mehr. Egal! Gas und sehen. Heuln kann man nach der Ziellinie. Kurve. Ich schaue auf die Uhr. Noch 40sec. Das könnte was werden. Noch 50m, noch 30m und noch reichlich sec. Das geht! Die Matte. Die Uhr stoppen und 1:20:53h ablesen.
Geht doch!
Heute war der Tempobegrenzer drin. Schneller als 3:50er Schnitt ging einfach nicht. Drei Wochen nach dem Transgrancanaria, komplett ohne richtiges Dembotraining und mitten in der Steichvorbereitung finde ich das aber nicht weiter tragisch. Ganz im Gegenteil. Eine 3:50 über 21km laufen zu können, ist schon ne ganz interessante Info. Ich hatte das nicht erwartet. Ich glaube mit 1:25h wäre ich auch voll auf zufrieden gewesen.
Im Ziel schnappte ich mir erst mal ne Folie und nen Tee und ne Banane und nen Erdinger und dann fiel mir ein, dass Andreas bald kommen müßte. Also kehrt Marsch und im Zielbereich retour zum Zieleinlauf. Nach dem Einlauf gabelt sich die Versorgungsstrecke. Ich mußte davor stehen, um Andreas auch sicher zu sehen. So viel war da noch nicht los. Hier merkte ich dann wieder, dass ich nicht bei nem einfachen, kleinen Ultra war.
„Bitte gehen Sie weiter. Sie dürfen hier nicht stehen bleiben.“ Später, bei den 2h-Leuten ist das klar. Da gibt es Stau. Aber doch jetzt noch nicht. Ich stand keinem im Weg. „Das ist egal. Es ist Vorschrift!“
Alles klar!
Zum Glück kam Andreas bald und so ging‘s dann mit nem Bierchen in der Hand Richtung Kleiderbeutel. Auf Thomas warten, war dann irgendwie nicht mehr so drin. Ich hätte mich gleich umziehen sollen. Dann vielleicht. Aber so war mir trotz trockener Klamotten dann doch fürchterlich kalt, also ab zur U-Bahn und Heim.
Der Lauf war eine schöne Bestätigung, dass ich auf dieser schnellen Strecke doch auch noch Dembo laufen kann. Meine ersten „x“ Marathonläufe waren in Berlin. Ja, 2003 war da noch etwas weniger Rummel, als heute. Aber irgendwie ist es schon ähnlich zu damals. Das sind einfach riesige Menschenmengen, die da bewegt werden.
Back to the roots?
Man kann da ab und an mal wieder reinschnuppern. Aber immer brauch ich das nicht.
;-)

4.875
Gesamtwertung: 4.9 (8 Wertungen)

Tempobegrenzer!

Den merke ich mir :-P

Super gelaufen! Test bestanden. Es läuft. Was auch sonst...

Lg aus Straßburg ;-)

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

gut gemacht Schalk

dembobegrenzer gut,

ich bräuchte nen Beschleuniger und was gegen das Wadenkino wie du so schön sagst/schreibst

Kurzstrecke

Glückwunsch zum erfolgreichen Tempolauf vor der Haustür!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

So geht's nicht!

Vorschrift ist Vorschrift. Auch mit einer sub1:21.

Gruß

Sirius
...der streng nach Vorschrift rennt.

Hüstel,

der Tempobegrenzer war ich nicht. Ich hatte 3:45 gesagt - fast getroffen :lachundweg:

Schön, dich auf dem Weg zur

Schön, dich auf dem Weg zur u-Bahn noch getroffen zu haben. Erhol dich gut, wir sehen uns am Steich...
Markus

Stimmt, ...

... Das war lustig, Markus! Am Stich ist es dann auch einfacher sich am Start in der zweiten oder dritten Reihe zu sehen. Da ist ehr nicht so ein gedrängel. Na und im Festzelt findet man sich dann schon. Du hast ne super Zeit abgeliefert! Hut ab!
Vielleicht war der Begrenzer auch nur falsch justiert, FazerBS. Hätte wohl doch mal Intervalle laufen sollen? Egal. War ne Vorbereitung für den Steich und in dem Zusammenhang sind die paar Sekunden egal.
Bei dem Wadenkino weiß ich jetzt auch nicht so. Übung macht den Meister? Aber für das andere hab ich nen Tip: Dembo gommd von Dembo. ;-)
Den Begrenzer mußt du dir nicht merken, Strider. Mehr die Lösung ihn zu justieren. Aber da hat der Coach glaub ich ganz gute Ideen zu.
"Willkommen in Deutschland" fiel mir da auch nur ein, Sirius.
Heute werde ich wohl doch den Tag pausieren und dann schaun mer mal wie sich so der Rest der Woche gestaltet. Das Wochenende wird ja ein bissl länger.
;-)

Interessant

Für einen heimlichen Beobachter, der den Schalk nicht kennt, war es bestimmt amüsant und interessant zu erleben, wie ein Mann in Crosslite und dem Startblock C auf der Brust den Zugang zu Startblock A sucht;-) Wenn er dich nach dem Start für zwei Sekunden aus den Augen verloren hat, vermutet er dich wahrscheinlich eher abseits der Strecke statt soweit vorn, *lach!*
Du bist super gelaufen, herzlichen Glückwunsch zur fantastischen Zielzeit!
Ja, die kleinen, familiären Laufveranstaltungen sind uns doch immer noch die liebsten. Aber manchmal muss solch großes Event einfach sein.

Lieben Gruß
Tame

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