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Benutzerbild von dfrobeen

Den Betreff habe ich schon seit längerem zum Motto dieser Marathon- Vorbereitung (oder ist es eigentlich eine Langdistanz-Vorbereitung mit Zwischenmeilenstein Boston?) auserkoren. Gestern abend war wieder so ein Tag. Ich kämpfe mich gerade durch meinen Plan - Herbert Steffny, 2:59h - never change a winning team. Und ich realisiere noch einmal...Überraschung!..., dass jede Marathon-Vorbereitung doch einen anderen Verlauf nimmt. Auch wenn man den gleichen Trainingsplan als Gerüst nimmt.

Im letzten Frühjahr bin ich easy durch den Plan geflogen - zumindest fühlt es sich heute rückblickend so an. Ich war hin und weg von meinem Leistungssprung, der sich schon in den Testrennen mit Bestzeitensprüngen über 10km (37:31) und Halbmarathon (1:21:23) andeutete. Da machten die Trainingseinheiten dann doppelt Spaß und am Ende sollte ich ja auch die Lorbeeren für die gelungene Vorbereitung ernten. Im Herbst dann erstmals die Erkenntnis, dass man so eine Vorbereitung nicht beliebig kopieren kann. Ich ging schon müde in die 10-Wochen-Phase, die 3 Marathon im Frühjahr, einige Triathlonrennen, insbesondere die Hitzeschlacht in Roth, vor allem aber auch ein völlig bekloppter 100km-Lauf bei den 24h von Rüningen, sollten mir völlig die Leichtigkeit rauben durch den Plan zu fliegen. Am Ende kam in Frankfurt immerhin die 3:06h raus, mein Minimalziel einer sicheren Boston-Qualifikationszeit für 2016 war erreicht.

Im Winter habe ich dann ruhiger gemacht und respektiert, dass ich völlig übertrainiert war, doch etwas später als im Vorjahr sollte es dann losgehen und Boston sollte der erste Höhepunkt des Jahres werden. Im Winter hatte ich mir die komplette Auswahl an Trainingsplänen zusammen gesucht. Ich habe sie alle, die Marquardts, die Greiffs, die Runnersworld-Variante, diverse andere Download-Pläne, vor allem aber auch den Jack Daniels. Ich liebäugelte mit diesem Modell, ist es doch ein völlig anderer Ansatz. Während alle anderen die üblichen Kombinationen aus langen Kanten, Intervallen und Tempodauerläufen in unterschiedlicher Härte von weich (Steffny) bis hart (Greiff) fordern. Bastelt Daniels zweimal pro Woche Läufe aus allen Elementen zusammen. Zweimal pro Woche zerlegt man sich also maximal, den Rest der Woche kommen dann nur lockere Läufe zur Regeneration. Ich fand den Ansatz spannend, aber dann siegte doch der Gedanke, dass Steffny im letzten Jahr für mich ja nicht das schlechteste gewesen sein kann.

Dennoch bleibt auch in diesem Jahr wieder der eine oder andere Zweifel. Sind die Umfänge zu hoch? Schließlich muss ich zusätzlich zum Marathonplan noch eine Kleinigkeit von zwei weiteren Sportarten (Schwimmen, Radeln) trainieren. Ist Steffny zu soft? Macht man doch einen hohen Anteil in wirklich langsamen Temporegionen, jenseits der 5:20 Minuten/km. Die 3:06h aus Frankfurt sind meines Erachtens ein typisches Ergebnis für eine Steffny-Vorbereitung. Man trainiert gut auf eine bestimmte Zeit und verfehlt diese dann um einige wenige Minuten, weil einem hinten raus die letzte Tempohärte fehlt. Andererseits steht der Erfolg aus letzten Frühjahr, der mir zeigt, dass man mit einer Steffny-2:59-Vorbereitung auch eine 2:49h auf der anerkannt schweren Strecke in Boston laufen kann. Ich werde es wohl nicht erfahren, bis ich doch mal einen anderen Plan ausprobiert habe.

So kenne ich auch die einzelnen Einheiten der Steffny-Vorbereitung fast persönlich. Im Kopf hängen bleiben vor allem zwei Einheiten. Der 32km-Crescendolauf 4 Wochen vor dem Marathon, sowie die 3x5000m-Intervalle in der vorletzte Woche machen mir immer Angst. Gestern war dann der letztmögliche Termin für den Crescendolauf. Wie so oft in dieser Vorbereitung, konnte ich den langen Lauf nicht am typischen Zeitpunkt, dem gemütlichen Sonntag machen. Also galt es wieder einen zeitnahen Ausweichtermin zu finden. Der Montag schied aus, da im Kindergarten meines Sohnes Elternabend war und ich die Auswahl aus Aufpassen oder hingehen hatte. Da Sonntag der Berliner Halbmarathon bevorsteht und ich neben dem langen Lauf auch noch die 4x3000m-Intervalle einbauen muss, blieb nur noch der Dienstag, sonst hätte ich nicht genügend Zeit zur Erholung für Sonntag gehabt.

Dann der Super-GAU in meinem Job: ein wichter Termin eskaliert und es gibt für den gleichen Abend noch "Hausaufgaben". Also statt 17:45 Uhr ausgeruht das Büro verlassen und gemeinsam mit Felix zumindest 20 der geforderten 32km laufen, verließ ich gegen 19 Uhr die heiligen Hallen und brauchte auch noch etwas Zeit daheim um mich emotional auf den Gedanken einzulassen "Jetzt mal ein langer Lauf". Um halb neun stand ich dann in Laufklamotten vor der Tür. Der innere Schweinehund hatte schon ganze Arbeit geleistet und mir eigentlich noch zwei Optionen für die Einheit übrig gelassen. Immerhin war ich nun bereit loszulaufen, dahin kam ich, indem ich mir immer wieder den Satz "Manchmal im Leben muss man ganz hart zu sich selbst sein!" herunter betete. Aber zu den verbliebenen Optionen: entweder ich laufe die 32km nicht im Crescendo und dann lag es halt an genau diesem Abend, wenn in Boston eine Zeit jenseits der 2:59:59 für mich in der Ergebnisliste auftaucht. Oder wenn ich zumindest in den Flow abtauche, dann mache ich 35km draus und versuche mich an Ostern nochmal am Crescendo. Für die Entscheidung bis dahin blieben mir ja noch gut 30km lang Zeit.

Als ich etwa bei km4 war, realisierte ich zumindest mal glücklich, dass es nicht von Anfang an eine Qual werden sollte. Ich kam ganz gut rein und die Zeit bis dato sollte im Kopf recht flott vergehen. Bei km7 dann eine spontane Umentscheidung, statt rechts auf meine geplante Route abzubiegen, lief ich links in ein Gebiet Braunschweigs, wo ich sonst recht selten laufe. Ich finde so lange Läufe die beste Möglichkeit für so etwas, denn falls man eine neue, spannende Schleife findet, hat man noch alle Möglichkeiten den Rest der Strecke so anzupassen, dass man dennoch sein km-Ziel erreicht. Bei km9 merke ich, dass wohl ein kurzer Toilettenstop nicht schaden würde und kurz vor km10 fand ich einen geeigneten Ort dazu.

Km10, das wäre doch der Punkt gewesen, wo ich im Crescendo die erste Beschleunigungsrakete zünde. "Ach komm," dachte ich "eine Beschleunigung auf 5:00-Pace" geht mal für 10km, danach läufst Du gemütlich die restlichen 12 bis 15km aus. Vorher war ich genau im Plan, in 5:30-Pace unterwegs und es fühlte sich nicht so langsam an, dass ich nach einer Beschleunigung lechzte. Die nächsten km gingen auch eher in 5:08 raus, was aber vor allem auch daran lag, dass ich in totaler Dunkelheit auf unebenen und unbekannten Terrain lief - da war ich fein mit den km-Zeiten. Ab km16 war ich dann wieder auf meiner eigentlich auserkorenen Strecke unterwegs und sofort waren die km-Splits knapp unter 5:00. Wieder verging die Zeit überraschend schnell und so hielt ich genau bei km20 nochmal an um einen weiteren Baum zu düngen.

Jetzt kam der Gedanke für den ich lustigerweise dann nach meiner Rückkehr auf Facebook genau die richtigen Worte finden sollte. Ein Post der Challenge Roth zitierte: "Because it won't actually be easier tomorrow unless I do it today". Jetzt musste ich mich "nur" noch 10km lang quälen, dann hätte ich den Crescendo-Lauf doch nach Plan absolviert und hätte einen Haken dran. Also lief ich los und beschleunigte. Ich traf sogar gleich das Tempo und bis zur GPS-Uhren-Vibration bei km30 sollten es nun konstante km um die 4:34 werden. Schneller ging nicht, aber da meine Uhr, die Forerunner 220, sowieso etwas konservativ mit den gelaufenen Kilometern umgeht, bildete ich mir ein sogar knapp unter den geforderten 4:30 unterwegs zu sein.

Crescendo-Heartrate

Fast schon Tradition bei diesem Lauf, stoppte ich auch nach diesem 10km-Streckenabschnitt und beglückte den dritten Baum. Ab hier ging aber nichts mehr, die verbleibenden 2,4km bis zur Haustür waren schon eine herbe Qual und gingen knapp unter 6:00 Minuten raus. Ich wollte einfach nur heim und öffnete letztlich auch um 23:27 Uhr öffnete ich dann auch die Haustür. Ich war glücklich, gleichzeitig wuchs aber auch die Befürchtung, dass die kommende Nacht eher ungemütlich wird. Das Crescendo war geschafft, sofern ich mich auf New York im Herbst wieder nach Steffny vorbereite, steht diese Einheit Ende Oktober wieder an.

Die Nacht war maximal ungemütlich. Ich nickte zwar ziemlich direkt auf dem Sofa ein, aber als ich dann ins Bett wechselte, sollte ich einerseits wegen Krämpfen, andererseits wegen Belastungsschmerzen im Bein bis etwa 3:10 Uhr nicht schlafen. Diese Einheit war ziemlich typisch für die laufende Vorbereitung, gekämpft und dann doch geschafft. Ich bin gespannt, was in den kommenden Wochen noch passiert. Sonntag kommt ein weiterer Leistungstest beim Berlin-Halbmarathon, dann geht es eine Woche in den Skiurlaub und parallel laufen die letzten beiden Belastungswochen der Vorbereitung. Dann kommt eigentlich nur noch Tapern und am 16.April geht es mit dem Flieger nach New York (und am Folgetag weiter nach Boston). Ich bin gespannt!

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Wir sind auch gespannt!

Um 21:00 würde mich ja keiner mehr vor die Tür jagen können. Respekt!
Gut gekämpft und endlich ein Haken am Crescendo Lauf :)
Glückwunsch!

Ich weiß nicht so recht

wovor ich mehr Respekt habe: vor der Uhrzeit, dem Crescendo oder den genannten Zeiten... Alles zusammen: Wahnsinn.

So Nächte nach solchen Läufen kenne ich übrigens auch, bin nur nicht so flott wie du ;-)))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

... und manchmal musse es Spaghetti-Eis sein!

Ist Boston Partnerstadt von Berlin?

"Ceterum censeo Carthaginem esse delendam."

Willkommen in der Öko-Gruppe

der Baum-Dünger :lach:

Herrlich, Haken dran, erledigt. Und der Umwelt noch was Gutes getan. Aber um die Zeit? Respekt!

Ich war ein Weichei und hab mein Crescendo am Sonntag gemütlich mit einer Vereinskollegin "erledigt". Mit ebensolchen Busch- / Baumstopps kurz vor Beschleunigung. Ja, ja, leichter läuft sich's schneller - oder so :kicher:

Viel Erfolg - wird schon werden. Du hast es schließlich schon mal geschafft!

Stimmt, Kopieren is nich. ...

... läuft immer bissl anders ab.
Ich hab meine Demborunde am Dienstag wenigstens um kurz nach sieben schon starten können. 21Uhr daheim reichte mir aber auch völlig.
Reschbeggd!
Wir sehen uns dann Sonntag in Berlin? Ich lauf den aber aus dem vollen Training. Freitag 30 oder 40km. Nur samstag werd ich wohl nicht laufen.
;-)

um 21 uhr...

...zu nem lauf starten is ja noch ok. hab ich auch schon gemacht. aber um 21 uhr zu nem 30er mit crescendeo starten ist schon maximal knallhart! mal abgesehen davon, dass ich dann erst weit nach mitternacht zuhause gwesen wäre. hut ab, echtgezz...
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laufend is manchmal nen weichei: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

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