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Ich könnte diesen Blog auch als philosphischen Beitrag zur Bedeutung von "Hätte, Wenn und Aber" verfassen. Die nackten Zahlen, 41:53 Minuten für die 10,5km durch die Hannoveraner Messehallen der CeBIT, Platz 19 gesamt, Platz 3 in der AK M35, sagen bei weitem nichts darüber aus, was für mich in dem Lauf, sowie den Stunden und Tagen davor eigentlich bei mir los war.

*jammermodusan*

Es ist mir erstmals am vergangenen Freitag nachmittag so richtig in den Kopf gestiegen, was eigentlich bei mir gerade los ist. Ich fühle mich hochgradig gestresst, hetze von Verpflichtung zu Verpflichtung und - was mich eigentlich am meisten stört - derzeit scheint der Wurm drin zu sein, dass ich permanent meine Planungen anpassen muss, weil irgendwas unerwartetes passiert. Freitag morgen der übliche Kampf mit meinem Sohn, dass wir es halbwegs pünktlich in den Kindergarten schaffen. Es hat natürlich wieder nicht funktioniert und ich war 10 Minuten zu spät im Job. Für meine Tätigkeit eigentlich völlig wurscht, aber in der Wahrnehmnung einzelner hoher Herren bei uns doch unerwünscht. Dann Termine, Termine, Termine - immerhin hat sich mein Job inhaltlich signifikant optimiert, ich mache ein spannendes Projekt und habe Spaß dabei...aber halt auch echt Arbeit. Den letzten Termin musste ich schon mitten in der Diskussion abbrechen um meinem Versprechen nachzukommen Janek um 16 Uhr aus dem Kindergarten wieder abzuholen. Es wurde natürlich 16:08 Uhr - und er hat jüngst gelernt die Uhr zu lesen. So geht es immer fort, das Wochenende hat auch nur zum Teil zur Entspannung beigetragen und Montag ging es gleich wieder los. Dienstag dann mein erster Tag auf der CeBIT, angesetzt waren 2x30 Minuten Termine mit unserem Einkauf bei verschiedenen Softwareanbietern. Tatsächlich wurden es knappe 4 Stunden und mein Plan nach Messeschluss um 18 Uhr lockere 120 Minuten zu laufen und anschließend auszuschwimmen war schon wieder längst hinfällig. Selbst der Schweinehund für die 120 Minuten laufen wurde bedrohlich groß, aber ich habe ihn nach einem zähen Kampf besiegt. Also ging es an den Maschsee in Hannover, den ich viermal umrunden wollte. Schon Ende der ersten Runde (a 6,1km) hatte ich Schmerzen im Oberschenkel, so muskulär. Nichts wildes, womit man plötzlich aufhört und sich pflegt, aber doch recht unangenehm. Aber jetzt hatte ich den Schweinehund gerade besiegt, dann musste ich die Einheit auch durchziehen.

Ich blieb immer wieder stehen, dehnte meinen rechten Oberschenkel, lief aber letztlich die 24,4km in 5:08-Pace locker durch. Das Thema Schwimmen hatte sich schon längst erledigt. Ganz ursprünglich hatte ich auch mal die Idee am Abend das Auto in Hannover zu lassen, mit der Bahn heim zu fahren und am nächsten morgen das Traumwetter zu nutzen und mit dem Fahrrad die 57km zu meinem zweiten CeBIT-Besuchstag anzugehen. Aber ich wollte eigentlich nur noch heim...am nächsten Tag sollte sich zeigen, dass die Rad-Variante gar keine schlechte Idee gewesen wäre.

Endlich daheim ging der Stress aber erst so richtig los. Ziemlich ko warf ich mich erstmal aufs Bett und wäre fast eingeschlafen. Ich habe mich nochmal aufgerappelt und das nötigste erledigt, mit dem Erfolg, dass fortan an einschlafen nicht mehr zu denken war. Mein rechter Oberschenkel tat jetzt so richtig weh und es gab einfach keine entspannende Position in der ich gemütlich die Augen hätte zu machen können. So wälzte ich mich hin und her, trank Tee, aß Orangen, las in meinem Buch - nichts half. Irgendwann warf ich dann zwei Paracetamol ein und beschloss die Erkenntnisse meines ersten CeBIT-Tages in meine Ergebnis-Zielformate zu übertragen...ich arbeitete (!!!) um 3 Uhr nachts. Um 3:20 Uhr habe ich die Ergebnisse dann zur Abstimmung an die Kollegen versandt und es nochmal mit Schlafen probiert. Das letzte mal habe ich um 3:45 Uhr die Zeit gecheckt und dann muss ich tatsächlich eingeschlafen sein.

Komisch, dass ich am nächsten morgen völlig gerädert wach wurde. In dem Moment wäre Radanreise nach Hannover undenkbar gewesen. Auch der Plan die Schwimmeinheit vom Vorabend nachzuholen war keine Option mehr. Um 8:15 Uhr holte ich meinen Kollegen in Braunschweig ab, bzw. nein - es wurde 8:19 Uhr, was später noch ein entscheidenden Unterschied machen sollte. Der Tag hätte so etwas wie ein Entspannungsmoment werden können. 8 Stunden CeBIT, 4 Termine zu verschiedenen Themen, die meisten davon mit hohem Socializing-Charakter. Das klang alles noch soweit machbar. Etwa 30km vor Hannover dann ein kleiner Stau auf der A2, nichts wildes - wir hatten ja auch Zeitpuffer für den ersten Termin eingeplant. Google-Maps sagte, dass es ein Unfall sei, aber die linke Spur ist noch frei und die Unfallstelle lag wenige hundert Meter vor mir. Nur noch 5 Fahrzeuge vor mir und dann sollte es wieder über die freie Autobahn gehen. Doch als ich in genau diesem Moment den ADAC-Rettungshubschrauber im Sinkflug über mir sah wusste ich, dass ich meinen Tag mal wieder komplett umplanen durfte. Die nächsten knapp 3 Stunden bewegte ich mich keinen Meter, ich verschob den ersten Termin (mein wichtigster des Tages) auf nachmittags und hoffte wenigstens den zweiten um 12 Uhr zu schaffen. Wir schafften es auf die Minute, bzw. 2 Minuten zu spät. Ich habe ja gerade schon große Übung darin gehetzt zum nächsten Termin zu eilen...

Also riss ich meine Termine, die ich über den Tag verteilt hatte, halt an einem halben ab. Auch die aus den Terminen resultierende Geschäftsführungs-Vorlage, die ich am nächsten Tag präsentieren musste, wollte vor Ort erstellt werden. Man soll es nicht glauben, aber findet mal auf der CeBIT ein Örtchen mit Steckdose, wo man sich mal eine halbe Stunde zum Arbeiten hinsetzen kann. Zum Glück hatte mein Arbeitgeber einen eigenen kleinen Stand und darüber bekamen wir Zugang zur Aussteller-Lounge mit Tischen und Steckdosen. Hier erledigte sich ein nächstes Thema - die Vorwettkampfernährung.

In meinem ursprünglich mal entspannt geplanten Messetag kam auch der Punkt vor, 3 Stunden vor Wettkampfbeginn zum Auto zu gehen, schon mal die Laufsachen zu holen und dort die vorher gekauften 3 weißen Brötchen zu essen...mein übliches Ritual halt. Aber zum Auto und zurück wären gute 30 Minuten gewesen, die hatte ich jetzt nicht. Also aß ich in der Lounge die bereitgestellten Bagel. Eigentlich ernähre ich mich auch seit gut 2 Monaten vegan, aber das musste ich für den Moment mal aussetzen. Also nahm ich mir erst 2 belegte Bagel, dann einen dritten und schließlich den vierten...die letzten beiden mit Lachs...der nächste Fehler.

Um 17:30 Uhr eilten wir zum letzten offenen Termin und ich war dankbar, dass dieser spontan noch zustande kam - so hatte ich immerhin alle meine "Pflichtaufgaben" für den Tag erledigt. Da der Aussteller am gleichen Abend noch ein großes Abendessen geplant hatte, bestand auch nicht - wie am Vorabend beim gleichen Aussteller - die Gefahr zu überziehen und so verabschiedeten wir uns um 18 Uhr. Ab jetzt ging ich in den Wettkampfmodus über...

*jammermodusaus*

Ich verließ meinen "Arbeitsplatz" CeBIT für rund 20 Minuten um ihn gleich wieder als "Wettkampflocation" CeBIT zu betreten. Unterwegs holte ich meine Startunterlagen ab und freute mich, dass ich für die 12 EUR Startgeld nicht nur eine weitere Tageskarte bekam (die ich allerdings wirklich nicht mehr brauchte), vor allem aber auch ein Pastagericht nach dem Rennen und frei parken enthalten war. Letztes sollte mein Arbeitgeber würdigen, der sich die 10 EUR Parkgebühren für mich nun sparte. Ich tauschte im Auto Hemd und Sakko gegen Laufshirt und joggte erstmal die rund 1,5km zum Start. Es waren noch 20 Minuten Zeit, also lief ich nochmal los und testete die Strecke, die sich durch die einzelnen Messehallen schlängelte. Als ich um 18 Uhr die Messe verließ, war noch gar nichts davon zu erkennen, dass hier gleich ein Lauf stattfinden soll. Auch jetzt, 15 Minuten vor dem Start, war für mich beim Einlaufen die Strecke noch nicht klar zu erkennen. Dafür meinten einige Messebesucher mich als ersten Läufer zu erkennen. Trotz lockerem Einlauftempo erntete ich einen Haufen Anfeuerung und musste teils aufklären, dass hinter mir jetzt noch nicht die Meute der restlichen Läufer folgen wird. Auch eine Ordnerin verfiel in totale Panik als ich an einer Stelle nicht der späteren Streckenführung folgte.

Pünktlich zurück an der Startlinie kletterte ich wie gewohnt vorne in den Startbereich und erwartete dort den Startschuss. Kurz nach dem Start ging es gleich aus Messehalle 11 raus, was einen ersten Engpass auf der Strecke bedeutete. Insgesamt war der Kurs unglaublich verwinkelt, sodass Bestzeiten trotz des flachen Profils nahezu unmöglich waren. Ungewohnt war auch die Tatsache, dass man erst nach einer kompletten 2,6km-Runde eine Tempoindikation hatte. Durch die Streckenführung in den Messehallen half einem die GPS-Uhr nicht weiter und unterwegs warteten auch keine km-Markierungen. Also war Laufen nach Gefühl angesagt. Selbst nach der ersten Runde hatte ich Zweifel an der Aussagekraft meiner Rundenzeit. Gefühlt war ich schon ziemlich am Maximum unterwegs, die Runde ging in 9:43 Minuten raus, was einer Pace von 3:44 entspricht.

Zu diesem Zeitpunkt lag ich auf Rang 19 des gesamten Teilnehmerfeldes (bei über 1000 Startern). Ebenfalls Ungewissheit hatte man aber hier, wie man wirklich im Rennen liegt, denn jeder hatte die Option nach jeder Runde auszusteigen. Während ich also nach absolvierter erster Runde über Start/Ziel lief, sah ich schon die ersten beiden Mitstreiter an der Zielverpflegung. Wie viele weitere Läufer vorher aussteigen, wusste ich natürlich nicht.

Wie gewohnt nahm ich nach ein paar Kilometern etwas das Tempo raus. Das ist immer der Moment im Rennen, wo bei mir das große Nachdenken anfängt. Halte ich das Tempo durch? Werden die Schmerzen vom gestrigen Training wiederkommen und ich womöglich noch eine Nacht vor Schmerzen nicht schlafen können? Was ist das Rennergebnis wert? Laut Steffny, meinem Trainingsplan für die aktuelle Marathonvorbereitung, solle ich derzeit einen 10km-Wettkampf in 38:30 Minuten absolvieren können. Aber dafür geht er zumindest ein Teiltapern an und läuft nicht aus dem vollen Training heraus. Außerdem waren sowohl die Strecke, aber auch meine unmittelbare Rennvorbereitung alles andere als Bestzeitenorientiert. Ich hatte mir so als ganz groben Indikator gesetzt jede Runde in 10 Minuten zu laufen, das wäre durchschnittliche 3:50 auf den Kilometer, also eine 38:20-Endzeit auf glatten 10km. Aber schon ab Runde 2 merkte ich, dass ich das Tempo nicht halten werde.

Die zweite Schleife absolvierte ich in 10:32 Minuten, also 4:03-Pace. Mittlerweile lag ich auf Rang 18 - zwei Läufer vor mir waren nach der ersten Runde ausgestiegen, dafür überholte mich in seinem Zielsprint ein weiterer, der nur die 5,2km lief (und diese gewann). Spätestens hier hatte ich realisiert, dass es eine sehr gute Idee war trotz des ungewöhnlichen Termins (Mittwoch abend) einen Wettkampf in die Vorbereitung einzubauen. War ich vor dem Start noch etwas skeptisch, weil man gar nicht so recht wahrnahm, dass hier ein Laufwettkampf stattfindet, hatte sich das Bild bei mir komplett gedreht. Dadurch, dass man über die komplette Messe lief, wo doch die eine oder andere Standparty stattfand, hatte man deutlich mehr Zuschauer, Stimmung und Anfeuerung als auf den sonstigen kleinen Volksläufen in der Gegend, die man sonst so in der Vorbereitung läuft.

Die Strecke war abwechslungsreich - durch den Charakter einfach mal etwas völlig anders. Aus Halle 11 raus, lief man einmal über den Innenhof und in Halle 9 rein. Hier hatte mein Arbeitgeber seinen Stand und ich am Nachmittag in der Lounge noch meine Bagel gefuttert. In dieser Halle galt es Tempo aufzunehmen, war es doch eins der wenigen Stücke geradeaus, die man lief. Aus der Halle raus lief man an der kleinen Halle 8 außen vorbei und rein in Halle 7, der für den öffentlichen Sektor. War Halle 6 noch eher Fach-IT-spezifisch, lief man in Halle 5 dann ein in die spektakulären Stände, die man aus den Medien mit der CeBIT verbindet. Über eigens verlegten Teppich (den ich in Folgerunden zu vermeiden versuchte, da es unangenehm war, dass der Boden unter einem ständig etwas verrutschte) ging es mitten durch den riesigen Stand der SAP. Diesen einmal durchquert ging es rechts und ein paar Meter weiter links auf den ebenso spektakulären Stand von Microsoft. Hier hatte ich tagsüber sogar das Glück in den Gästebereich eingeladen zu sein und gemütlich zu Businesstalk einen Milchkaffee und ein paar Häppchen verspeist. Hier war die mit Abstand beste Stimmung. Microsoft scheint es drauf zu haben, Standparties zu schmeißen. Die Leute waren auf jeden Fall sehr gut drauf und feuerten wirklich lautstark an.

Lustig war auch die Entwicklung von Runde zu Runde. In Runde 1 wurde einfach laut angefeuert. In Runde zwei standen Becher mit Wasser als spontane zusätzliche Verpflegungsstelle bereit. In der dritten Runde hielten einem schon mehrere Standbesucher grinsend ein Bierbecher auf die Laufstrecke und in der vierten, bzw. auch meiner fünften, der Auslaufrunde, hatten sie komplett die Selbstkontrolle verloren und die Standbesucher hielten den Läufern volle Caipirinha-Becher, prall gefüllte Teller mit Mettwürstchen und Krabbencocktails auf die Strecke.

Nach der Stimmungshochburg Microsoft ging es in Halle 3. Hier habe ich den Großteil der letzten beiden Tage fachlich verbracht und verschiedenen Anbietern von Dokumentenmanagementsystemen gesprochen. Lustig jetzt hier auf der Jagd nach einer guten Wettkampfzeit durchzuhetzen. Hier war man am Kopf der Laufstrecke und hatte knapp die Hälfte der Laufrunde geschafft, bevor es links aus der Halle raus und direkt in Halle 2 wieder rein ging. Diese war die zweite Halle mit spektakulären Ständen. Den von mir sehr geschätzten Stand von Samsung sah ich von der Laufstrecke nur mit etwas Distanz, dafür ging es an den beeindruckenden Ständen von Datev und Huawei vorbei, bevor man den wohl größten Stand der CeBIT, den von IBM mittig durchkreuzte.

Von hier aus ging es zurück zum Start durch etwas weniger als Publikumsmagneten agierende Hallen. In Halle 17 und 16 durchquerten wir Läufer viele internationale Stände mit verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten, bevor dann in 15 und 14 im "Planet Reseller" die ganzen chinesischen IT-Produzenten ihre Produkte anboten. Hier konnte man wahrscheinlich (nachgebaute) Bluetooth-Lautsprecher für 3 EUR kaufen...vorausgesetzt man nahm mindestens 10.000 davon ab. Egal, für Verkaufsgespräche hatte ich gerade keine Zeit und auch die Stände waren auch nur noch vereinzelt mit Asiaten besetzt, die offensichtlich schwer darüber staunten, warum rund 1.000 Bleichgesichter wie von der Tarantel gestochen jetzt durch die Messehallen rannten. Aber auch bei ihnen setzte der übliche evolutive Prozess ein, dass sie spätestens in der vierten Runde die Hand für vorbei laufende Teilnehmer raushielten und auf "High-5" hofften und sich darüber freuten.

Als ich die beschriebene Runde zum dritten Mal erledigt hatte, zeigte die Uhr für mich 30:47 Minuten. Runde 3 ging damit nur eine Sekunde langsamer raus, als die Runde zuvor. Normalerweise kommt jetzt in den Rennen der Punkt, wo ich nochmal gut beschleunigen kann. Ich kenne die Runde gut und erfreue mich daran, dass ich jeden Teil zum letzten Mal für diesen Wettkampf absolviere. Das Ziel wird dann plötzlich erreichbar und ich muss keine Kräfte mehr für die verbleibende Distanz sparen. Diesmal war es aber zumindest teilweise etwas anders. Zu den positiven Gedanken, kamen etwa gleichgewichtet auch die negativen noch stärker auf. Was macht mein Oberschenkel? Werden die Schmerzen wohl wieder schlimmer? Breche ich noch ein, weil ich gestern noch 25 flotte Kilometer gelaufen war, statt zu tapern? Aber vor allem musste ich ganz plötzlich auf die Toilette. Anfangs von Runde 4 habe ich es noch versucht zu ignorieren. 'Hey, Du warst noch kurz vor dem Start und musst jetzt noch knappe 10 Minuten laufen - das wird schon gehen'. Aber die Mischung aus ignorieren und schönreden half nicht.

In Halle 4, also nach etwa 9km des Rennens rannte ich an einer Herrentoilette vorbei und ich musste dort einfach anhalten. Ich hätte mich sonst nicht mehr wohlgefühlt. Ich habe mich natürlich total geärgert...'in einem 10km-Rennen - na toll'. In den ca. 55 Sekunden, die ich dort verbrachte (Danke liebe Garmin, dass ich jetzt dank des eingebauten Bewegungssensors weiß, wie lang unter Wettkampfbedingungen ein Toilettengang bei mir dauert) überlegte ich einfach aufzuhören und in der 7,8km-Wertung zu verbleiben - die letzte Runde würde mir jetzt zu sehr den Schnitt versauen. Hätte ich es gemacht, hätte ich den Lauf übrigens gewonnen - wäre der schnellste 7,8km-Finisher gewesen. Aber ich bin dankbar, dass mich in der gleichen Sekunde auch der Ehrgeiz packte und ein "jetzt erst recht" durch meinen Kopf fuhr.

Ich stürmte aus der Toilette raus und versuchte zu identifizieren, wer vor mir etwa mein Renntempo lief. Durch die hohe Teilnehmerzahl und den erheblichen Anteil Hobbyläufer, war spätestens hier nur noch Slalomlauf angesagt. Die erste Überrundung hatte ich nach gut 4km (!), ab Runde 3 wurde es merklich voller, in Runde 4 konnte ich kaum noch durch die Laufgruppen durch ohne immer wieder Berührungen mit überrundeten Läufern in Kauf zu nehmen. Nach dem 55sekündigen Boxenstopp legte ich nun aber nochmal einen höheren Gang ein und versuchte die Rundenzeit zu retten. Ich überholte tatsächlich noch ein paar Läufer in meiner Temporegion und lief die letzte Runde letztlich in 11:06 Minuten. Bereinigt um die Pause also eine 10:11 Minuten, was wiederum einer Durchschnitts-Pace von genau 3:55 entsprach.

Nun kommt ABER der Teil mit 'HÄTTE, WENN und ABER'. Die Analyse der Ergebnisliste lässt jetzt belibige solcher Interpretationen zu. Ich war tatsächlich auf das Treppchen gelaufen, zumindest in meiner Altersklasse. ABER...wenn ich nur 11 Sekunden schneller gewesen wäre, hätte ich die AK M35 gewonnen - ich saß aber für 55 Sekunden auf dem Pott. HÄTTE ich eine vernünftige Vorbereitung in den letzten Tagen gemacht, weniger trainiert mehr geschlafen, pünktlich meinen Kollegen abgeholt und dadurch die 3stündige Vollsperrung vermieden - wo wäre ich dann rausgekommen? WENN ich die 55 Sekunden abgezogen hätte, wäre ich eine 40:58 Minuten gelaufen und hätte nicht nur meine Altersklasse gewonnen, sondern auch insgesamt Rang 16 belegt. Aber HÄTTE, WENN und ABER zählt nicht, und so bleibt es bei den nackten Zahlen der Ergebnisliste. Aber selbst mit denen bin ich voll zufrieden. Unter 4er Pace mit der Vorgeschichte, das nehme ich gerne mit. Steffny hätte eigentlich von mir an diesem Tag einen 10km-Tempodauerlauf in 4:30-Pace gefordert - das habe ich mit der 3:58 "gerade so" geschafft.

Kleine Randbemerkung am Rande noch. Bei dem Lauf zweiter wurde Jan Rutsch aus Hannover. ich freute mich den Namen zu hören, denn wir hatten uns letztes Jahr über die Lauf-APP Strava einen kleinen Zweikampf geführt ohne uns jemals gesehen zu haben. Strava hat Laufsegmente und nach meinem letztjährigen CeBIT-Besuch, hatte ich das Segment-Maschsee mit einer neuen Bestzeit an mich gerissen - bis dahin war er die Bestzeit gelaufen. Ein paar Monate später hat er dann aber "ernst" gemacht und eine für mich unerreichbare neue Bestzeit aufgestellt. Über die Siegerehrung hatte ich plötzlich ein Gesicht vor Augen und sprach ihn später bei der Pastaparty an. Er konnte sich an das Fernduell sogar erinnern und wir führten einen netten, kleinen Plausch. Lustig, wozu Lauf-APPs so alles führen können.

4.375
Gesamtwertung: 4.4 (8 Wertungen)

Bei nem janz normalen ...

... Freiluftlauf wären es höchstens 20s am Straßenrand an nen Baum gewesen.
Klingt trotzdem jetzt nich so schlecht. Scheinst das Tief vom Herbst ganz gut verdaut zu haben. Sehr schön.
;-)

jetzt erst recht

finde ich gut! Auf einem ganz anderen Niveau kann ich jeden deiner Gedanken nachvollziehen. Manchmal läuft es nach Stress gerade gut, meist aber nicht. Und wenn du dann noch Steffny zufrieden gestellt hast, was will das Läuferherz mehr???

Cooler Lauf! Weckt Kindheitserinnerungen, ich war als Kind viel mit meinem Vater auf der Cebit. Habe zwar nichts kapiert, fand es aber toll ;-) Muss ich mal wieder hin und sei es zum Laufen ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

*kicher*...

...erinnert mich an meinen marathon in essen anno 2011. endlich mal auf sub vier kurs und ab km 25 grummelte es im bauch und brachte mich aus dem rhythmus, bei km 30 war´s soweit und ich MUSSTE sofort in den nächsten busch, der gott sei dank auch bald kam. war in 04:02h in ziel. rat mal, wieviel zeit ich insgesamt durch die kagg-aktion verlor???
ich finde, du hast trotz des stresses und des dixistopps nen klasse lauf hingelegt...

achja, es hat leider nicht nur vorteile, wenn die kurzen die uhr lesen können ;-)
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laufend wünscht stressfreiere weitere vorbereitung: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Das Drumherum

konnte Dich ja trotz allem nicht abhalten. "Jetzt erst recht" - ja, manchmal hilft nur das.

Sei froh, dass Du nicht alleinerziehender Vater ohne Abwechslung bist. Dann kämen da noch viel mehr Pleiten, Pech und Pannen hinzu. Und noch viel weniger Training.

Als TDL war's extrem schick. Als Lauf hätte ich's auf jeden Fall gelten lassen (für mich).

Auf geht's Richtung Boston! Wünsche Dir eine etwas entspanntere Vorbereitung darauf.

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