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Benutzerbild von dfrobeen

Normalerweise habe ich schon lange bevor ich einen Blog anfange seine Überschrift im Kopf. Oftmals entsteht der Gedanke schon im Rennen (mit irgendwas muss man sich ja die Zeit vertreiben), manchmal erst in den Stunden/Tagen danach, wenn ich mir die Renneindrücke nochmal durch den Kopf gehen lasse. Diesmal hatte ich keine Ahnung, mir fällt kein echtes Spezifikum gerade für die diesjährige Austragung des Celler Wasa Lauf ein. Nicht falsch verstehen, es war wieder einmal eine tolle Veranstaltung. Es war wie schon im Vorjahr traumhaft schönes Wetter, es war der erste Laufwettkampf des Jahres, den wir als Triathlon Team Braunschweig in großer Gruppe gemeinsam angingen. Das Event war wieder toll organisiert und auch das kleine Manko der Vorjahre, die manuelle Zeitmessung nach Bruttozeit wurde dieses Jahr durch den Einsatz von Mika Timing-Einmalchips gelöst. Mein Fazit fällt also absolut positiv aus, dennoch ist es nur ein kleines Puzzlestück auf meinem Weg zum diesjährigen Frühjahrsmarathon in Boston - nicht mehr und nicht weniger.

Aber im Detail...

Im Vorjahr war der Wasa Lauf Teil meiner für mich selbst fast unglaublichen Entwicklung, die ich letztes Jahr genommen hatte. Und auch wenn ich das in den letzten Jahren schon öfters gedacht hatte, so bilde ich mir ein jetzt wirklich an einem Punkt angekommen zu sein, wo ich nicht mehr nach Belieben meine Bestzeiten von Jahr zu Jahr weiter steigern kann. In Celle bin ich die 20km letztes Jahr in 1:18:35 Std. gelaufen, ein 3:56-Schnitt pro Kilometer - das wäre bis zwei Wochen vor dem Wettkampf völlig undenkbar gewesen, jemals etwas längeres als 10km unter 4er-Schnitt zu laufen.

Im Herbst letzten Jahres habe ich dann die Gewissheit erlangt - Bestzeiten bekomme ich ab sofort nicht mehr geschenkt. Im Frühjahr noch in 22 Tagen 3 Marathons unter 3 Stunden absolviert, brachte mir auch die gezielte Vorbereitung auf einen Marathon - Frankfurt - "nur" eine 3:06h ein. Ich war völlig übertrainiert und ausgepowert, habe mir nach Frankfurt eine Pause gegönnt und in diesem Jahr ca. 4 Wochen später mit dem Formaufbau angefangen.

Und nun stehe ich an der Startlinie in Celle und messe mich zwangsweise mit dem Vorjahr. Wie gut bin ich schon in Form? Was ist möglich in Richtung Boston? Kann ich die 4 Wochen noch aufholen oder muss ich auch in diesem Frühjahr akzeptieren, dass meine Bestzeiten aus dem Frühjahr 2014 erstmal in Stein gemeißelt sind? Vom Gefühl her wird es gerade von Woche zu Woche besser. Was hatte ich für schwere Einheiten im Januar/Februar. Was hatte ich für eine Panik geschoben mich auf einen Sonntag-Trainingslauf mit den Vereinsmitliedern zu verabreden, wo rund 20km in 4:45- bis 5:00-Schnitt gelaufen werden sollten. Noch zwei Wochen vor Celle bin ich bei 10x400m-Intervallen an der Zeitvorgabe von 90 Sekunden pro Intervall (=3:45-Schnitt) gescheitert. Am Freitag vor Celle bin ich morgens nüchtern dann schon 5x1000m in 3:43-Schnitt gelaufen. Aber was das jetzt konkret bedeutet, sollte sich in Celle zeigen. "Wichtig ist auf dem Platz", bzw. in Laufsprache übersetzt "Alle Trainingszeiten sind nichts wert, nur der Wettkampf zählt".

In Celle angekommen überwog noch meine übliche skeptische Grundhaltung. Kann ich das Tempo gleich gehen? Wie wirkt es sich aus, dass ich (völliger Spontanentschluss) seit 7 Wochen vegan lebe und 14kg abgenommen habe? Aber zum Glück ist der Start in Celle spät und so kann ich erstmal beobachten, wie die Vereinskameraden über die kurzen Strecken (5km, 10km) ihr Rennen absolvieren. So habe ich noch Zeit "anzukommen" und in den "Racemodus" überzugehen.

Ich bin absolut kein Materialfetischist. Es sind die Beine, die Laufen - die Schuhe sorgen nur dafür, dass man sich auf der Straße nicht wehtut. Dennoch stand ich in Celle plötzlich vor der großen Frage: Welche Schuhe ziehe ich im Rennen an? Ich hatte mir im letzten Jahr die Saucony Kinvara 4 als Wettkampfschuhe gekauft. Sie waren sicher nicht schuld an meinen langsamen Zeiten im Herbst, aber gute Erinnerungen haben die Schuhe auch nicht erzeugt. Und dann bin ich zuletzt doch weich geworden und habe mir als Trainingsschuhe die Adidas Response Boost gekauft und war von der Boost-Technologie begeistert. Und dann bin ich den nächsten Schritt gegangen und habe mir die Adizero Boston Boost gekauft und sehe diese als potentielle Wettkampfschuhe an. Aber in Celle konnte ich nur einen Schuh tragen. Ich hatte die Kinvara schon an und sah dann das Kopfsteinpflaster - da würden die Boost doch viel bequemer sein? Es wurden die Boost und ich bin gespannt, wie oft ich den Saucony-Tretern noch eine Chance gebe. Viele Wettkampf-Kilometer haben sie noch nicht verbucht. Im Pre-Start-Ritual treffen ich noch Buddy Cocobolo in der Schlange zur Toilette. Schön sie mal wiederzusehen, sie macht zuletzt immer mehr durch sportliche Erfolge auf sich aufmerksam, hat den Winter durchtrainiert und legt ein ganz schönes Tempo auf die Wettkampfstrecken. Leider haben wir uns nach dem Rennen erfolgreich verpasst, sodass wir ein persönliches Up-to-date-bringen leider nochmal verschieben müssen.

Und so stand ich an der Startlinie des 20km-Laufes. Wir waren ein Sextett: mit Robin, Markus und Marcel bin ich das Ding schon letztes Jahr gelaufen. Wir sind bis ca. km15 gemeinsam gelaufen und dann kam diese zweite Luft und ich kam hinter Markus als zweitschnellster TTBler ins Ziel. In diesem Jahr neu hinzugekommen sind Tibor und Felix, die letztes Jahr in Celle beide 10km gelaufen sind, sich dieses Jahr aber auf längere Laufvorhaben im Frühjahr (Mitteldistanz Rimini, bzw. Hamburg Marathon) vorbereiten. Tibor hatte aber zuletzt 4 Wochen Grippe, wollte Celle gemütlich angehen. Felix hat mich zuletzt aber im Training öfter mal zerlegt und ist in meinen Augen in der Laufform seines Lebens. Es hätte mich nicht gewundert, wenn ich als fünftbester TTBler über die Ziellinie gehe. Wenn meine Zeit dabei gut ist, hätte mich das irrsinnig gefreut. Die Jungs haben zuletzt einfach sehr gut trainiert und ich wünsche jedem einfach nur das Beste.

Nach dem Startschuss das für mich typische Bild. Ich renne los und bin den ersten Kilometer viel zu schnell. Aber seit ich in den letzten Jahren viele Rennen dennoch sehr solide ins Ziel gebracht habe, stört mich das gar nicht mal so sehr. So entkomme ich dem Gedrängel in der ersten Kurve und baue schon mal einen kleinen Puffer auf meine spätere Zielzeit auf. Der erste Kilometer geht in 3:35 raus und kein weiterer TTBler als Laufgenosse in Sicht. Ich nehme etwas Tempo raus und schnell tauchen auch Robin und Markus auf. Wenn jetzt noch Marcel da wäre, hätten wir genau die Konstellation aus dem Vorjahr. Wir laufen eine Weile zu dritt, aber ich realisiere schnell, dass ich mich kaputt mache, wenn ich das Tempo unserer beiden jungen Hüpfer mitgehe. Ich sage "Robin lauf, mach Dein Ding" und lasse ihn ziehen (Markus war schon ein paar Meter voraus).

Ich finde mich schnell in einer Gruppe wieder und teste mal an, ob das ein Tempo ist, was ich über 20km mitgehen kann. Aber auch hier bin ich skeptisch. Die nächsten Kilometer gehen ziemlich glatt in 4:00 raus und die Gruppe schreit eher danach schneller zu laufen, also lasse ich auch diese ziehen. Am Ende der Gruppe merke ich dann erst, dass Marcel dabei ist - aber ich bleibe konsequent...er ist Teil der Gruppe und die will ich ziehen lassen. Fortan bin ich also alleine unterwegs und mache mein Ding alleine. Ich beobachte noch, was sich in der Gruppe da vor mir so tut. Mit kleinem Abstand vorweg läuft ein Läufer mit roten Shirt, das für einen Woltorfer Lauf wirbt. Ich werde auch noch ein paar mal überholt, ein sehr großer Läufer mit ziemlich stelzenähnlichem Laufstil fällt mir auf. Er hat fast durchgängig gerade Beine und eine sehr hohe Trittfrequenz.

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Nach jeder Überholung habe ich kurz Sorge, ob ich im Tempo etwa schon einbreche. Aber sobald meine GPS-Uhr nach vollendetem Kilometer wieder eine Zeit sehr nah der 4:00-Grenze anzeigt, bleibe ich beruhigt. Nach Vollendung der ersten Runde - die gewohnt schöne 5km-Runde durch die Celler Innenstadt - zeigt die Uhr für mich 19:26 Minuten. Das ist logisch...der erste Kilometer zu schnell und dann vier weitere im Bereich knapp unter 4 Minuten. Die zweite und dritte Runde wird dann maximal unspektakulär. Ich laufe einfach mein Ding und die Kilometer gehen weiterhin alle so im 4er-Bereich raus. Die spektakulärsten Momente waren noch, als ich kurz vor Ende der zweiten Runde nochmal überholt wurde. Es war ein Läufer mit langen blonden Haaren, den ich von Gesicht und Statur her schon kannte. Er trug seine Startnummer hinten, sodass ich seinen Namen lesen konnte. Es war ein Läufer, den ich aus vielen Ergebnislisten schon kenne - wir sind immer eine vergleichbare Temporegion, aber bislang konnte ich ihm noch kein konkretes Gesicht zuordnen - schon wieder etwas dazugelernt. Bei km12 zwickt meine rechte Po-Backe - ich denke kurz nach, ob der Schmerz wohl schlimmer werden wird. Ein paar Schritte lang tut es schon ziemlich weh. Aber nachdem ich die Gegend mal ordentlich geschüttelt habe und mich auf andere Gedanken brachte, sollte das im weiteren Rennverlauf kein Problem mehr darstellen.

Die Runde 2 in 20:01 und die Runde 3 in 20:07 waren also ziemlich monoton. Jetzt war aber die Frage, was in Runde 4 noch geht. Da ich die Runde ja jetzt schon 3 Jahre lang kenne und mich eigentlich ganz gut fühlte, versuchte ich nochmal etwas zu beschleunigen. Dies fiel nicht sonderlich merklich auf, aber doch gerade so, dass ich auf einmal anfing den Läufern vor mir wieder näher zu kommen. Ich glaube es lag auch eher daran, dass sie langsamer wurden, als das meine Tempoverschärfung den Druck ausübte. Aber allein die Tatsache, dass ich in Runde 4 noch mit dem Tempo spielen konnte, statt sich der Ermüdung einfach preiszugeben, gefiel mir schon sehr gut. Das erste Opfer wurde der Läufer mit langen blonden Haaren, bei km18 war ich auch am Stelzenläufer dran, konnte ihn aber nicht überholen. Er schien das als Herausforderung wahrgenommen zu haben und legte nochmal zu. Ihn sollte ich tatsächlich auch später nicht mehr einholen können. Dafür gelang mir dies noch beim Woltorfer Läufer, der doch sichtlich eingebrochen war und den ich auf dem letzten Kilometer überholen konnte.

So beendete ich Runde 4 in 19:52 und das gesamte Rennen in 1:19:20 Stunden. Ich war überglücklich mit der Zeit. Zwar habe ich im Vergleich zum Vorjahr 45 Sekunden verloren, aber da war die ganze Vorgeschichte eine andere. Hey, ich bin NUR 45 Sekunden langsamer geblieben und ganz gepflegt einen 20km-Lauf in unter 4:00-Pace gelaufen. Es gab überhaupt keinen Grund unzufrieden zu sein. Ich machte meinen Frieden mit dem Rennen und bin gespannt auf die nächsten Wochen.

Markus wurde übrigens Fünfter in einer 1:15, Robin lief eine 1:16 und Marcel eine 1:17. Herrgott bin ich froh, dass ich nicht länger versucht habe mit den Jungs mitzulaufen. Ich brauche wohl noch ein paar Jahre, bis ich solche Zeiten in Celle ins Ziel bringe. Aber versuchen werde ich es. Celle ist ein toller Lauf, da lohnt es sich jedes Jahr wiederzukommen.

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Hey, das klingt!

4 Wochen weniger Training = 45 Sekunden langsamer auf 20km = 2 Sekunden langsamer pro km. Das ist NICHTS.

Vielleicht fliegst Du ja mit soviel Gewicht weniger einfach nur?

Viel Spaß und Erfolg in Boston!

Ich bereite mich auch auf Boston vor...

...und würde dort gerne Sub3 laufen. Vielleicht halten wir Kontakt und laufen u.U. sogar zusammen. Das wäre toll!

Danke fazerBS, ich bin jetzt

Danke fazerBS, ich bin jetzt mit noch ein paar Tagen Abstand weiterhin super happy mit Celle. Ist zwar langsamer als letztes Jahr, aber doch deutlich besser als ich es mir selbst zugetraut hätte. Ich hätte gehofft, dass sich die Gewichtsabnehme noch mehr auswirkt, zumindest vom Gefühl her. Ich habe die Ernährung unter Gesundheitsgesichtspunkten umgestellt und nicht explizit um abzunehmen. Aber wenn ich es geschenkt bekomme...;-). Allerdings hätte ich gehofft, dass sich laufem mit 14kg weniger noch "luftiger" anfühlt. Hoffentlich kommt das noch.

@joaum, ja ich habe schon zur Kenntnis genommen, dass wir ziemlich parallel unterwegs sind. Boston in sub3 und zur Vorbereitung den guten alten Steffny. Ab dieser Woche sollten wir wieder ziemlich parallel unterwegs sein. Ich hatte wie Du ein wenig die Wochen vertauscht, die letzten 5 Wochen gehe ich zumindest die Wochenblöcke nach Plan an. Allerdings tausche ich innerhalb einer Woche oft noch die Einheiten hin und her, da ich ja noch ne Kleinigkeit schwimmen und radeln muss. Lass uns spätestens in Boston mal über den Weg laufen, zumindest mal auf 'n Kaffee auf Bolyston Street. Zusammen laufen wird wohl zumindest daran scheitern, dass Du zwei Startblöcke hinter mir startest, die sind in Boston ziemlich streng mit der Einhaltung. Aber iss ja noch lang hin ;-). Glückwunsch zur PB beim Test-10er, läuft ja wie geschmiert bei Dir. Die Zeit traue ich mir noch nicht zu. Mittwoch laufe ich außer der Reihe noch einen 10er auf der CeBIT, aber die Strecke durch die Messehallen wir eine Zeit vergleichbar zu Deiner nicht hergeben.

Mein Boston-Blog: danielssichtderdinge.wordpress.com/boston-marathon

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