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Benutzerbild von dfrobeen

Es geht wieder los - Wettkampffeeling. So langsam gewinnt man wieder einen Eindruck davon, warum man sich über den Winter die ganzen Grundlageneinheiten in der Kälte angetan hat. Wenn ich den Los Angeles Halbmarathon am 3.Januar mal außen vor lasse, dann war der Wolfsburger Crossduathlon am vergangenen Sonntag mein erster Wettkampf seit dem Frankfurt Marathon im Oktober letzten Jahres. Und auch wenn dies noch kein wirklicher Wettkampf mit hoher Priorität sein sollte, war er doch etwas ganz besonderes.

Es waren für mich einige Premieren dabei. Gleich ein Mehrkampf zum Saisoneinstieg - bislang ging es im Frühjahr erstmal mit Laufwettkämpfen los, also mitten in meiner Komfortzone. Dann auch noch ein Duathlon - das kenne ich nicht. Bislang kenne ich nur Triathlon und wer denkt, dass Duathlon ja viel einfacher ist, weil nur zwei statt drei Sportarten absolviert werden...weit gefehlt, aber dazu gleich mehr. Und auch 'cross' war für mich eine Premiere. Laufen über Waldboden - klar kenne ich, aber nur für gemütliche Trainingsläufe. Wettkämpfe haben auf Straßen, zumindest aber befestigten Wegen stattzufinden. Und mein Mountainbike war bislang auch nur mein Trainingsgerät für gemütliche Radtouren als Winteralternative zum Rennrad. Aber Mountainbike im Renntempo? Keine Ahnung, wie das so geht.

Erschwertes Wechselzonenschach

Im Triathlon kenne ich mich da ja mittlerweile aus, aber in meinen vorherigen Gedanken zum Crossduathlon merke ich doch, dass noch ein Haufen Fragen offen ist: Welches Rad nutze ich? Modifiziertes Rennrad? Mountainbike? Geliehener Cyclocrosser? Welche Schuhe trage ich zum laufen und wie optimiere ich die Wechselzeiten, wenn ich den Wettkampfschuh nach dem ersten Lauf aus-, später dann aber auch wieder anziehen muss? Oder muss ich überhaupt aus- und anziehen - oder könnte ich nicht einfach in den Laufschuhen die Radrunde drehen und dabei auf den Vorteil der Klickpedale verzichten? Was ziehe ich an? Radklamotten auch zum laufen oder Laufklamotten auch zum Radfahren? Fragen! Fragen! Fragen!

Ich bastelte mir die Antworten zusammen, dazu las ich Blogs zum Wettkampf aus Vorjahren, befragte meine Vereinskameraden, ging den Wettkampf mehrfach im Kopf durch und entschied mich trotz eigentlich nicht vorhandener Zeit zu einer Vor-Ort-Besichtigung der Wettkampfstrecke im Vorfeld.

Mittwoch vor dem Wettkampf packte ich mein Mountainbike ins Auto und fuhr gleich nach der Arbeit in Richtung Wolfsburg. Klar war schon alles dunkel, so lief meine Streckenbesichtigung unter erschwerten Bedingungen statt. Und die Außentemperaturen von 0 Grad machten die Befahrung der Strecke auch nicht angenehmer. Letztlich fuhr ich die zu fahrende 6km-Runde 7mal ab, im Wechsel langsam und schnell und meine flotteste Runde absolvierte ich in einem 26,9km/h-Schnitt. Das sollte mir überhaupt erstmal ein Gefühl dafür geben, mit was für einer Zeit ich im Wettkampf rechnen kann. Ich stellte aber auch fest, dass die Strecke insgesamt sehr hügelig ist - ein permanentes auf und ab -, die Wege aber auch gut befestigt sind, ein Cyclocross sicher eine optimalere Wahl für schnelle Zeiten sein sollte.

In der weiteren Vorbereitung sprach ich mit anderen Teilnehmern aus meinem Verein, die zum Teil sogar auf die Variante "modifiziertes Rennrad" setzten. Sie kauften sich zwei etwas pannensicherere Rennradreifen und setzten auf die gut befestigte Strecke. Auch ich habe mir daraufhin zwei Conti GP 4season bestellt und offen gelassen, ob ich die für den Wettkampf noch montiere. Als dann aber klar war, dass es Sonntag regnen sollte, entschied ich mich für das Mountainbike und akzeptierte im Wettkampf wohl ein paar Plätze zu verlieren, dafür aber mit größerer Sicherheit ohne Schürfwunden und Brüche in die weitere Saisonvorbereitung zu gehen.

Lange offen blieb dann noch die Frage nach den Schuhen - und diese beantwortete ich final erst ca. 20 Minuten vor dem Start. Mein Problem war, dass ich für unebenes Gelände nur Schuhe mit Schnürsenkeln habe und es mir als ein großer zeitilcher Nachteil erschien, vor dem zweiten Lauf die Schnürbänder zu öffnen und gleich anschließend wieder eine Schleife zu binden. Die Idee kamm mir dann erst auf die letzte Sekunde, dass ich ja mit zwei verschiedenen Schuhen laufen könnte. Zum Glück hatte ich vor lauter Unsicherheit auch zwei paar wettkampffähige Schuhe dabei, zog das eine Paar an und bereitete das andere fertig zum Reinschlüpfen in der Wechselzone vor.

Wieder mal zu schnell angegangen

Vor dem Startschuss lief ich noch locker mit einem anderen Teilnehmer ein. Ich kenne ihn aus dem Fitness-Studio und wir wissen voneinander unsere sportlichen Aktivitäten, da wir diese auf Strava hochladen und gegenseitig würdigen und kommentieren. Wir werden noch im weiteren Rennverlauf viel miteinander zu tun haben, vorher stellt sich aber noch heraus, dass wir beide gemeinsam im Juli in Roth starten, uns also in diesem Jahr noch öfters über den Weg laufen werden.

Wir tauschen auch unsere Vorstellungen vom Renntempo aus. Ich will die erste Laufrunde etwa 4er-Pace laufen, theoretisch würde auch etwas schneller gehen, aber ich weiß ja nicht, was mich hinten raus noch erwartet. Er sagt, dass er in kurzen Multisport-Wettkämpfen immer eine Pace von ca. 4:15 anpeilt...wir werden beide falsch liegen.

Es erfolgt der Startschuss und sofort bin ich im Wettkampfmodus. Einige Akteure laufen mir gleich davon - Kunstück, sind ja auch ein paar "gute Jungs" dabei. Später gewinnen wird Daniel Wienbreier, mehrfacher Age Group Deutscher- und Europameister in Duathlon und Triathlon, sowie als Amateuer 2011 39. beim Ironman Hawaii. Ich finde recht schnell ein Lauftempo und realisierte gleichzeitig, dass es heute eine sehr feucht-matschige Veranstaltung werden wird. Ich befinde mich in einer ca. 8 Mann starken Gruppe und merke nach km1, den ich in 3:32 Minuten absolviere, dass ich mal wieder zu schnell angegangen bin. Ich nehme etwas Tempo raus und falle ans Ende der Gruppe zurück. Ich realisiere dabei erst, dass in der Gruppe auch Christian, mein Einlaufpartner ist und renne ihm hinterher.

Die weiteren Kilometer gehen alle ziemlich genau in 4er-Pace raus, was ich gerade in den Stücken über unbefestigten Waldboden schon recht anspruchsvoll finde, dennoch aber mehr und mehr den Anschluss an die Gruppe verliere. Letztlich erreiche ich nach 20:30 Minuten und gelaufenen 5,4km (3:47-Schnitt, Platz 17) erstmals die Wechselzone.

Und ich trete doch mehr Watt als du!

Beim Einlauf in die Wechselzone war ich 8 Sekunden hinter Christian und auch als wir auf unsere Räder springen, bleibt der Abstand noch konstant. Jetzt gilt es erstmal in den Modus Mountainbike-Rennen reinzukommen. Die Überführungsstrecke auf die dann dreimal zu durchfahrende Runde geht sehr steil bergauf - gleich mal eine Laktatspritze in die Beine. Eine Links- und eine Rechtskurve und ich bin auf der Runde, die ich vom Streckentest ganz gut kenne. Christian braucht offensichtlich etwas länger um "reinzukommen" und ich komme am Berg immer näher an ihn ran, bis ich ihn schließlich auch überhole. Er klettet sich aber an mich ran und wir werden die weitere Radstrecke bei wechselnder Führungsarbeit komplett gemeinsam fahren. Es gesellt sich auch noch ein dritter Fahrer dazu und so bilden wir drei die Mountainbike-Fraktion der Verfolger.

Es tritt aber auch genau das ein, was ich befürchtet habe. Etwa 5-6mal am Berg werden wir empfindlich gekränkt, als Teilnehmer auf schicken Crossrädern locker an uns vorbei ziehen. Ich denke mir jedesmal "Und ich trete doch mehr Watt als Du!", dafür kann ich mir in der Ergebnisliste aber nichts kaufen. Dennoch passt das Tempo soweit und später stelle ich fest, dass alle 3 Runden schneller waren, als meine schnellste Runde beim Streckentest.

Als Lesson learnt nehme ich mit, dass ich beim nächsten Mal dringend auch eine Brille aufsetze. Es hat während des Wettkampfes und davor geregnet und es flog mir allerlei Matsch ins Gesicht. Es war schließlich auch Windschattenfreigabe, aber davon machte ich kaum gebrauch, da ich dadurch nur meine Kontaktlinsen weiter zukleisterte. Den kompletten Tag nach dem Wettkampf werden meine Augen noch damit beschäftigt sein, den halben Wolfsburger Wald auszutränen. Alle 10 Minuten wische ich mir durch die Augenwinkel und nehme jedesmal ein paar neue dunkle Dreckpartikel mit.

Aber es funktioniert und hindert mich im Rennen nicht wirklich - um die Probleme kann ich mir ja anschließend gedanken machen.

Wechselzonenschach gewonnen!

An der Linie zur Wechselzone steigen Christian und ich exakt gleichzeitig und nebeneinander vom Rad ab. Jetzt kommen meine Sekunden des Rennens. Erst verfluche ich meinen Wechsel für einen Moment, als mein Mountainbike mit den wohl breitesten Reifen im ganzen Feld einfach nicht in den Wechselständer passen will. Es kostet mich 3-4 versuche mein Rad abzustellen und zwischendurch entgleitet mir der Ausruf des F-Wort mit vier Buchstaben. Als der Drahtesel dann aber endlich steht, geht es sehr flott. Ich schlüpfe ins bereitgestellte zweite Paar Laufschuhe, ziehe im Loslaufen noch den Helm aus und renne auf die erneut dreimal zu durchlaufende Laufrunde.

Meine Nummer drei aus der MTB-Zweckgemeinschaft enteilt mir schnell, er wird letztlich den zweiten Lauf fast eine Minute schneller absolvieren als ich und in der Gesamtwertung Rang 18 belegen. Damit ist mir aber auch etwas die Motivation genommen - nach vorne scheint sich nicht mehr viel zu tun und nach hinten wirkte es, als ob wenig Gefahr droht. So laufe ich ein ziemlich einsames Rennen und nur die Garmin hilft mir einzuschätzen, wie ich so performe. Die km gehen so zwischen 4:15 und 4:20 raus und das ist auch fein für mich. Ich hätte mich vielleicht einmal besser unsehen sollen, dann hätte ich wohl Christian gesehen. Er läuft exakt die gleiche Laufzeit wie ich und kommt 7 Sekunden hinter mir ins Ziel. Vielleicht hätte mir der Druck von hinten gut getan um doch noch eine Schippe drauf zu legen.

Saisoneinstieg geglückt

Aber auch so bin ich zufrieden. Addiere ich die beiden Läufe, bin ich die 10,8km in 4:02-Pace gelaufen. Dafür, dass dazwischen die Kleinigkeit von 18 MTB-km lag, bin ich mit dem Tempo sehr zufrieden. Es hat auch Spaß gemacht ernsthafte Platzierungskämpfe zu führen. Sonst im Triathlon komme ich als ganz schlechter Schwimmer nicht dazu. Da geht es nur darum, wie viele Läufer und Radler ich in den abschließenden beiden Disziplinen noch überhole. So war es von Anfang an ein Kampf gegen die Mitteilnehmer...und es hat Spaß gemacht.

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Oh, da hast du aber eine Menge Wunschpunkte gesammelt ;-)

Danke für diesen Einblick in eine interessante Wettkampfform und Glückwunsch zur klasse Absolvierung!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Never!!!

Niemals werde ich sowas machen! Ich laufe ja im Wald, aber mit dem Rad traue ich mich da niemals durch (obwohl ich einen Cyclocrosser besitze *schäm*) und schon gar nicht in dem Höllentempo, das du da vorgelegt hast!

Du hast meine vollste Bewunderung! Und Spaß gemacht hat es auch noch? Geht ja gar nicht ;-)))

Glückwunsch zu diesem erfolgreichen EInstieg in die Saison!!!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Puh, wie bitte

fährt man mit dem MTB hügelig fast 30er Schnitt? Hammerleistung!

Was ein gelungener Start in die Saison - und gleich noch viel gelernt. So kann es gern für Dich weitergehen!

Gratulation zum gelungenen Cross-Einstieg.

"Saubere" Leistung!

Nur ein dreckiger Crosser ist ein glücklicher Crosser!
Gratulation zum starken Saisonbeginn !

... Bei "Watt-Treten" denke ich als echtes Nordlicht an ganz was anderes - das Resultat könnte allerdings danach genau so aussehen, wie auf deinem letzten Foto! ;-)

starke...

...leistung! und vielen dank für deinen bericht darüber. ich mag deine blogs sehr und lese die immer voll gern!!
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laufend wär zus schissig für mtb über stock und stein: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

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