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Benutzerbild von Kaiserstädter

INHALT
1. Allgemeines
2. Eigenes
3. Besonderes
4. Niederträchtiges
5. Zusammenfassendes

1. Allgemeines

Der Rursee-Marathon ist sehr schön. Ich bin ihn gestern zum 4. Mal gelaufen. Landschaftlich ist der Lauf ein Traum. Dazu kommt das unfassbare Glück des Veranstalters in Sachen Wetter. Und so liegt der Rursee immer zur Linken des Läufers und glitzert in der Herbstsonne.

Doch man darf sich nicht täuschen lassen...

Der Rursee-Marathon ist Teufelswerk. Zunächst ist die Strecke leicht und der See verführt den Läufer, seine Pace zu schnell anzusetzen. Dafür wird auf den letzten 7 km gelitten und das nicht zu knapp.

Doch man darf sich nicht abschrecken lassen...

Der Rursee-Marathon hat einen hohen Heldenfaktor. Leider kann das nur der einschätzen, der den Rursee-Marathon schon gelaufen ist und aus einem gewissen Erfahrungsschatz an Landschaftsmarathons Vergleiche anstellen kann. Ich denke, dass es ganz wenige Marathons in Deutschland, vielleicht sogar auf der Welt gibt, bei denen die Finisher-Medaille so hart erkämpft werden muss.

Doch sollte man nicht zu sehr den Helden raushängen lassen... (LOL)

Der Rursee-Marathon lässt Dich sofort nach dem Rennen, wie einen (im besten Fall) mittelschwer befallenen Arthrosepatienten aussehen. Meine Kinder haben jedenfalls großen Spaß, wenn ich am nächsten Morgen zum Frühstück die Treppe in das Esszimmer heruntersteige, bemüht, einen letzten Rest Würde zu bewahren. Vorschläge über die Anschaffung eines Treppenlifts sind nur die gutgemeinten Kommentare.

Doch sollte man ihn trotzdem laufen...

2. Eigenes

Ich bin den Rursee-Marathon bereits 3x gelaufen.
2009: 4:31:50 – das war mein erster Marathon überhaupt.
2010: 4:26:34 – schon etwas besser...
2012: 4:19:55 – mit Ach und Krach unter die 4:20... war ich mit zufrieden.

Dieses Jahr sollte die Sub 4 attackiert werden und mir war klar, dass man die Sub 4 am Rursee nicht geschenkt bekommt, sondern, dass das wohl mit Schmerzen verbunden wäre.

Vor 2 Wochen bin ich den Marathon in Braunschweig gelaufen. Da war mir noch nicht klar, wie es um meine Laufform bestellt war, denn ich habe nach der Langdistanz keine wirkliche Marathonvorbereitung absolviert. Ich habe dann in Braunschweig nach verhaltener HM-Durchgangszeit noch eine persönliche Marathon-Bestzeit von Sub 3:45 gelaufen... quasi aus der kalten Hose.

Somit war ich für den Rursee doch sehr zuversichtlich, allerdings kenne ich die Tücken und die Schwierigkeiten der Strecke. Ich habe mir dann einen Race-Plan von 4:05 zurechtgelegt mit der Option, bei HM zu entscheiden, ob ich volle Attacke reite (kaufmännisches Vorsichtsprinzip).

Einen Race-Plan zu haben, hat sich für mich bei der Langdistanz als goldrichtig herausgestellt. Ich kann dann im Wettkampf viel nüchterner analysieren, wo ich gerade stehe und was noch möglich ist.

Die Strecke hat auf jedem Viertel seine Höhenmeter und Anstiege. Die richtig harten Dinger kommen aber erst im letzen Viertel. Das verführt dazu, vorsichtig anzugehen, um dann am Ende noch stark zu sein. Das ist ein guter Tipp für den, der am Rursee das erste Mal läuft. Möchte man aber eine gute Zeit erreichen, dann darf man auf den ersten ¾ nicht trödeln. Das würde man auf dem sehr schweren letzten Viertel niemals aufholen.

Also war mein Plan, beherzt anzugehen und eine HM-Zeit von unter 2 Stunden zu schaffen.
Ich fühlte mich von Beginn an stark. Der erste Anstieg nach ca. 2 km fiel mir sehr leicht. Die letzten Jahre bin ich hier schon ein wenig ins Blaue gekommen. Diesmal war es easy.
Bei km 7 die Treppe zur Urftsee-Staumauer – auch wieder leicht. Dann steil bergab nach Rurberg, da habe ich es krachen lassen. Die ersten 10 km in 52:30. Läuft....

Dann kommt ein sehr langer, aber nicht allzu steiler Anstieg. Hier ist Einteilung alles und auf jeden Fall ein Vorteil, wenn man die Strecke kennt. Nach dem Anstieg wieder sehr steil runter und danach das eifeltypische Rauf-Runter.... aber nix Ernstes...
Für die zweiten 10 km brauchte ich 53:16...

Das dritte Viertel ist weitestgehend flach, aber der Weg ist sehr bösartig. Fast durchgängig ragen spitze Steine aus dem Boden und es ist wirklich sehr unangenehm, dort zu laufen. Gleichzeitig verleitet die Ebene Strecke, mit den Gedanken abzuschweifen und der Körper möchte eventuell die etwas leichtere Gangart, um sich etwas zu erholen. Dem muss man dann aber bewusst entgegenwirken und eher noch etwas Tempo zulegen. Auf jeden Fall heißt es hart im Tempo bleiben. Ich durchlief die 23 km bei exakt 2 Stunden.

Krönender Abschluss des dritten Viertels: der Anstieg zum Kermeter, also dem höchsten Berg am Rursee. Letztes Jahr bin ich den hochgegangen, um bewusst Körner zu sparen. Das kam dieses Jahr natürlich nicht in die Tüte. Es fiel mir wieder leicht: Die dritten 10 km lief ich in 53:09.

Jetzt ging es im Kopf los... ist eine PB möglich??? Abwarten. Es kamen die steilen Bergabstücke, die mir bisher immer den Spaß an der Veranstaltung genommen hatten. Auch dies fiel mir leicht.

Ich konnte das Tempo nahezu halten. Nahezu reichte für die PB natürlich nicht aus. Aber bei km 37 muss man eine Rampe hoch. Diese 500 Meter wird von allen, die nicht um den Sieg laufen, gegangen. So auch von mir. Trotz der 500 Meter gehen, waren die vierten 10 km in 57:32 erledigt.

Nur noch 2,195 km... darin zweimal steil bergab und eben noch ein Berg.... diese dann in Pace 6:16... da war ich dann wirklich platt.

In Summe aber eine super Zeit für mich und gefinished in 3:50:14, mehr als 29 Minuten schneller als im letzten Jahr.... seeeeehr zufrieden.

3. Besonderes

Der Rursee-Marathon geht um den Rursee ohne h. Hat also nichts mit der Ruhr im Ruhrgebiet zu tun. Ruhrgebiet kommt ja bekanntlich daher, dass so viele verschiedene Zugewanderte über mehrere Jahrhunderte sich dort neben den Kohlegruben niedergelassen haben, dass man da erst mal richtig umrühren musste, damit da was Brauchbares bei rumkommt. Das hätte man in Berlin mal besser auch gemacht, aber hat man ja nicht, sonst hieße es ja Behrlin (mal ganz nebenbei erwähnt).

Daher also der Begriff „Rur-Eifel“, der die Gegend zwischen Monschau und Gemünd beschreibt. ABER: Der Rursee-Marathon hat Start und Ziel in Einruhr mit h. Da hat man dann 42,195 km Zeit, drüber nachzudenken. Meine These aber lautet: Es sind Berliner zugezogen und man hat da erstmal richtig umgerührt. Sozusagen aus Sicherheitsgründen. Vernünftige Menschen, die Eifler.

4. Niederträchtiges

Ich wurde 4x von einem Läufer aus (ich glaube) Luxemburg überholt. Immer nach seinem Überholvorgang scherte er so eng vor mir ein, dass ich Probleme bekam. Beim ersten Mal war ich nicht darauf vorbereitet und ich trat ihm unter die Fußsohle... aber nix passiert.
Beim zweiten Mal war ich darauf vorbereitet und habe mich nur noch geärgert. Als er dann das dritte Mal kam, da dachte ich mir: „Wenn der Dich wieder so schneidet, dann läufst Du einfach weiter, vielleicht fliegt er ja dann auf die Fresse.“ Mal ehrlich: Ich gehe beim Triathlon an der ersten Schwimmboje nicht in den Infight, um mich dann von einem Jogger einmachen zu lassen.

Er schneidet mich tatsächlich wieder, 3 Meter vor dem nächsten Getränkestand. Ich laufe durch, als wenn er nicht da sein und diese - jedenfalls für ihn unvorhergesehene – Kollision führte dazu, dass er auf die Fresse geflogen wäre, hätte ihn die Theke des Getränkestands nicht gebremst. Von mir eine freundliches: „Du legst es echt drauf an, Blödmann.“ Meine Welt war damit in Ordnung.

Als er mich das vierte Mal überholte, war klar zu erkennen, dass er einen Lernprozess hinter sich hatte. Ging „reibungslos“.

Wo ich das jetzt schreibe, schäme ich mich ein wenig. Auf der anderen Seite: Warum soll man sich immer alles gefallen lassen? Von so einem Blödmann ??!!??

5. Zusammenfassendes

Was gibt es Schöneres, als den Stolz, dass man sein Bestes gegeben hat? Mich macht das glücklich. Ganz leise saß ich nach dem Lauf im Veranstaltungszelt und habe meinen Kaffee mit Kuchen genossen.

Ich bin gesund und lebe in einem schönen und hoffentlich für immer friedlichen Teil der Welt. Die Probleme, die das Leben so mit sich bringt – während ich laufe, sind sie weg.

Gut, dass ich laufe... vielleicht wäre ich sonst eine tickende Zeitbombe... aber vielleicht bin ich das ja auch und durch das Laufen ticke ich nur langsamer??? Wer weiss das schon?

4.923075
Gesamtwertung: 4.9 (13 Wertungen)

Es macht so Spaß, Deinen

Es macht so Spaß, Deinen Blog zu lesen. Herrlich.
Und dass die Treppe runter heute auch hart war für Dich, hihihi.

Laufen macht glücklich!

Ich war ja nur für die

Ich war ja nur für die Sprintdistanz (danke für den mentalen Schlag in die Fresse, Herr Eifelsteiger) gemeldet, aber auch ich hatte heute schwere Beine. Da hab ich bei km 38 gewartet um dich den Berg hochzuschieben, und du warst schon weg. Unglaublich. Da flitzt du einfach 15 Minuten schneller als geplant. Glückwunsch nochmal :-)

5 Sterne

...für diesen lustigen Blog, Du Maasländer, Du. Die Schmerzen gönne ich Dir von Herzen!

Oh ja...

Schöner Bericht und dicken Glückwunsch zum entspannten Herbstmarathon in wie du vollkommen richtig schreibst, traumhafter Landschaft bei idealem Laufwetter.

Ich selbst habe dagegen die ganze Niederträchtigkeit des Rursee-Marathons zu spüren bekommen.
Aber alles eigene Schuld. :)

Dir eine gute Erholung und danke fürs mitnehmen, wie man Rursee Marathon entspannt gestaltet.

Ach ja... jetzt wo ich dich in der Ergebnisliste gestalkt habe, weiß ich, dass Du deinen Kaffee und Kuchen eine Bank weiter verzehrt hast. Ich saß dort nämlich bei Waffel und Kaffee. Nächstes mal kommst Du nicht unerkannt davon. ;)

Sehr schöner Bericht.. zum

Sehr schöner Bericht.. zum mit fiebern und schmunzeln.. danke
Und manchmal muss der ein oder andere zulernen... freiwillig oder nicht.. ;-)

Na schön,

dann muss ich eben noch ein Kampfschwein werden - und nicht nur eine Kampfsau bleiben. Infight beim Schwimmen - Kopfkino!

Scheint ein sehr schöner Landschaftslauf zu sein, den man eher entspannt genießen sollte beim ersten Mal. Wiederholungstäter dürfen sich natürlich Jahr für Jahr verbessern. Klasse gemacht.

Hach, herrlich!! :o))

Ja, Marathon ist auch mental und technisch anspruchsvoll, nur laufen reicht nicht immer, um anzukommen!
Gerade wenn man eine Strecke besser kennt, lässt sich ne Menge anpassen, um es leichter oder auch schneller zu schaffen. Kniffelig und spannend! :o)
Das ist es, was mir an den langen Geschichten so viel Spaß macht, denn es kommen immer wieder neue Situationen und Aufgaben, die zu lösen sind, um anzukommen.

Super Blog und ich würde mich auch schämen, denn beim zweiten, spätestens dritten Mal
hätte ich glaub ich dem Typen voll in die Eisen...äh...Schuhe getreten!! *duckundschnellwech* ;o))

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

ob schnell...

...oder langsam ticken ist doch egal. hauptsache du tickst richtig! und das tust du...meistens *duckundwech*
____________________
laufend gratuliert herzlich und ist ganz fasziniert von eifelsteigers tollen finishzeiten: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Wärste mal tatsächlich ...

... noch dem Plan in 4:05 (min/km?) losgezogen. Dann hättste zumindest diesen Typen nicht andauernd vor dir gehabt. Ob das dann wiederum gut für 42km gewesen wäre, mag ich nicht beurteilen.
An deinem Zustand gestern sollte man das aber ableiten können. Wenns wieder nur mit Würde die Treppe runter ging, wohl eher nicht. Sonst eventuell schon.
Such dir doch mal nen M wo man aus Berlin rauslaufen kann. Das dürfte PB werden.
Glückwunsch zu den Erkenntnissen.
Dnake für den Blog.
;-)

Daumen hoch, gefällt mir

Daumen hoch, gefällt mir :-)
Auch wenn es sich erst mal so liest, als sei das eher easy gewesen. Als hättest du dich garnicht sooo sehr anstrengen müssen. Es beruhigt mich dann doch, das deine Kinder Spaß haben, wenn sie dich die Treppe runterkommen sehen.
Vielleicht solltest du mal was richtig langes machen. Irgend einen schönen wüsten Ultra. Da kannste dich dann richtig austoben ;-)
Und deinen Dämonen davonlaufen....
Das ist allerdings etwas, was ich sehr gut nachvollziehen kann!
Ich finde auch, du tickst schon richtig.
Was mir allerdings ein ewiges Rätsel bleiben wird: wie kann man einen Lauf so dermaßen strukturiert angehen, analytisch vorbereiten und durchziehen!?!?! Ich kann spätestens ab km 18 nicht mehr bis drei zählen, geschweige denn auf Durchschnittspace, Tempovorgabe, Wegebeschaffenheit oder den nächsten Anstieg zu achten! Faszinierend!!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Schalk, ich habe Deinen Kommentar jetzt 3x gelesen...

... und ich verstehe nicht, was Du meinst.
Du hast getrunken, oder?? ;-)

Gibt es denn den "Flucht aus Berlin Marathon"?

"Ceterum censeo Carthaginem esse delendam."

Merci vielmals...

... ich freu mich immer, wenn unter anderem speziell an "uns" gedacht wird - selbst wenn es in diesem Fall ein wenig an einem "H" herbeigezogen wirkt!

Toll gelaufen, toll beschrieben - und was das Schämen angeht: ich hätte es wahrscheinlich genauso gemacht. Erst gewundert, dann geärgert, beim dritten Mal niederträchtig gewesen und danach dafür geschämt. Der Unterschied: von Berlinern wird kein gutes Benehmen erwartet ;-)

Schön zu lesen, dass der Lauf Dich glücklich gemacht hat
yazi

Fresse...

....sagt man nicht. (Pssst, flüster: hast du genau richtig gemacht, Blödmann der!)

Welch ein genial eingeteilter Wettkampf! Du läufst die Strecke wie ein Profi zuvor in Gedanken ab, kennst jedes Detail, das macht dich schnell und stark. Du hast allen Grund zufrieden und stolz zu sein! Ganz fetten Glückwunsch!
Und dein Bericht, wie Conny schon sagt: 5 Sterne!

Lieben Gruß
Tame

Glückwunsch zur PB auf der Strecke

Deine Beschreibung ist echt treffend, einmal hatte ich ja das Vergnügen, dort zu laufen und habe die Strecke noch gut in Erinnerung. Auch den Berg bei km 37 - und den blöden Stein mir bei km 39/40 zur Fangopackung verholfen hat ;o)
Mir geht's wie brihoha - ich werde nie verstehen, wie man so strukturiert laufen kann...
Frohes Regenerieren.

LG,
Anja

großartig!

dein Blog hat mir an einem Sch...tag die Laune gerettet, ich kringele mich immer noch ;-)

Ich neige langsam auch dazu den üblichen Blödmännern, die sich in erster Reihe aufstellen um dann in 4er Reihen walken zu müssen, einfach mal meine Ellbogen in die Seite zu rammen mit einem freundlichen "darf ich mal duuuurch?" Irgendwann wird mir das echt zu doof. Insofern gebe ich zu, auch ich bin ein Kampfschwein ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Ob mit oder ohne "H"

Hammerschnell gelaufen! (o.k. mit "h", was wäre ammerschnell?) Deine Leistungsentwicklung beeindruckt mich sehr! Erst Braunschweig mit PB und zwei Wochen später Rursee-PB. Chapeau!
Und dass du dich ein wenig schämst, macht die Aggroreaktion verzeihbar.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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