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Benutzerbild von Moritz79

Rursee Marathon 2014

Mein Saisonabschluss beim wunderschönen Rursee-Marathon endet mit einem 16. Platz von 338 Männern im Ziel und weist sogar einen Sieg in der Altersklasse M35 aus. Die Zeit lautet 3:15:02, netto sind es laut Zeitnehmer dann 3:14:59.87, haarscharf unter 3:15h. Eigentlich alles Dinge, die kein Grund für mentale Zweifel sind.

Aber ich bin unzufrieden, nicht mit dem Marathon, der Zielzeit und der Platzierung, sondern mit dem Rennverlauf selbst und vor allem mit der mentalen Herangehensweise an die Aufgabe Marathon unter suboptimalen Vorzeichen.

Es ist alles Kopfsache. Bereits 2011 absolvierte ich den Rursee Marathon und war auf der ersten Hälte viel zu schnell. Ein positiver Split von 17:30 Minuten für die beiden Rennhälften (1:31:30 zu 1:49:00) und ein dahinschleichen auf der zweiten Hälfte waren dem Laufgenuss ein wenig abträglich. Auch wenn der Rursee Marathon 2011 trotzdem Spaß gemacht hat und letztlich der Grundstein zu meiner (zweiten) Lauf-Laufbahn war, wollte ich nie wieder derart blauäugig die erste Hälfte gestalten.

Das klappte 2012 und 2013 auch ganz passabel, wenn man anständig in Form ist, dann ist das alles auch viel leichter.

In der zweiten Jahreshälfte 2014 aber, wo ich nur wenig trainieren konnte, da kriege ich das einfach nicht mehr in den Kopf. Ich will nicht wahrhaben, das man mit halb so viel Training eben nicht nur ein ganz klein wenig langsamer ist, sondern ein gehöriges Stück von den eigenen Zeiten und auch Ansprüchen entfernt.

Nüchtern betrachtet, bzw. abseits der Rennen ist das für mich auch gar kein Problem. Ich wusste, dass ich im Herbst 2014 keine guten Zeiten laufen würde, sondern wollte meine wenigen Laufauftritte einfach genießen. Es gab und gibt in diesem Jahr andere Prioritäten. Völlig normal. Das mit dem Genießen ist letztlich auch gelungen, bei allem Gejammer bin ich froh, dass ich meine drei Marathon-Auftritte im Herbst 2014 durchgestanden habe, aber ich hätte es einfach deutlich besser machen können und auch in der zweiten Rennhälfte weniger leiden müssen.

Teil 1 war der Köln Marathon am 14.09., den ich als Trainingslauf (um überhaupt mal einen "langen Lauf" stehen zu haben) inkognito absolvierte. Ich wollte mich an 3 Stunden versuchen, was nur bis Km 28 klappte, ich aber danach bewusst rausnahm und letztlich in netto 3:05:10 das Ziel erreichte. Insgesamt die beiden Hälften etwa 1:29h zu 1:36h, gut 7 Minuten Zeitverlust ist de facto aber definitiv keine gute Renneinteilung.

Teil 2 folgte dann beim München Marathon am 12.10., wo ich mich etwas überschätzte und hinten raus auch schwer zu kämpfen hatte und ohne die Pacemaker und die Mannschaftsambitionen auch hier die Sub 3 verfehlt hätte. 1:26:05 zu 1:32:53 für die beiden Rennhälften, das ist ebenfalls zu viel.

Nun also am gestrigen Tage (09.11.) der Rursee-Marathon. Die vier Wochen nach München hatte ich nur wenig trainiert, mit ein wenig Nachdenken wusste ich bereits vorher, dass ich auf der etwas welligen und vor allem stellenweise unebenen und durch das Herbstlaub auch rutschigen Strecke kaum unter drei Stunden würde bleiben können. Insofern lautete der Plan zwischen 3:00h und 3:10h laufen und einen schönen Saisonabschluss genießen.

Aber beim Startschuss war alles vergessen. Ich lief vorne mit. Mit dem Schweden und späteren Gewinner Mats Gedin entschwand der erste Läufer schnell am Horizont, aber ich lief dahinter munter mit auf den Podiumsplätzen. Aber Lokalmatador Markus Mey und der Niederländer Iwan Theunissen waren in meiner jetzigen Form ebenfalls eindeutig zu schnell für mich. 5 Km nach 19:46 Min, zwar weitgehend abschüssig, aber dennoch viel zu schnell. Ab dem Anstieg zur Staumauer vor Km 7 nahm ich ein ganz klein wenig raus, aber dennoch war Km 10 nach 40:26 Min erreicht, Km 15 nach 1:01:25 und schließlich die HM-Marke nach etwa 1:26:30. Das war fast so schnell wie auf dem flachen Asphalt des München-Marathons und hat da schon hinten raus ordentlich Zeit gekostet. Von der Kraftanstrengung her hatte ich hier sicher deutlich mehr Kräfte gelassen.

Und was soll ich sagen? Nach etwa 25 Kilometern war ich "durch". Die Beine wollten nicht mehr. Ich wechselte zwischen Gehen und Traben wie ein Laufanfänger. Zwei Läufer überholten mich, dann war wieder lange Ruhe. Ich spazierte oder joggte einsam durch den Herbstwald. Km 30 ererichte ich nach etwa 2:10h. Hier wurde ich dann von einem Grüppchen Läufer eingeholt, die mehr oder weniger auf Kurs 3:05h waren. Hier hätte ich bei geschickter Renneinteilung vermutlich entspannt mitlaufen können. Aber so entschwanden die Läufer schnell am Horizont.

Ich wurde von der ersten Frau eingeholt und abgehängt. Dennoch dachte ich nie ans aufgeben. Ich hatte mir die Sache selbst eingebrockt und so einfach steigt man bei einem Marathon nicht aus. Nur meine Zielzeit musste ich immer weiter korrigieren. Einige Zeit schien noch die 3:10h ein erreichbares Ziel, aber bei Km 35 verabschiedete ich mich auch davon, im Wissen um die letzte große Steigung bei Km 37, die es in sich hat. Ein weiteres Mal war Gehen angesagt.Bei der anschließenden Wiesenpassage ereilte mich dann auch noch ein Krampf. Zum Glück kam direkt danach der Verpflegungsstand, wo ich mich versorgen konnte und den überlasteten Muskel ein wenig dehnte. Kostete allerdings weitere zwei Minuten. Ich wurde gefragt, ob ich es ins Ziel schaffen würde oder ob man mich hinbringen sollte. Wie bitte? Wegen eines popeligen Krampfes ein Rennen aufgeben? Ich entkräftete die Sorgen der Verpflegungshelfer und trabte langsam wieder an. Nun wollte ich durchjoggen mit einem Grüppchen ähnlich kämpfender Leidensgenossen, was aber nicht ganz gelang, denn an der letzten Mini-Stegung verfiel ich gleich wieder ins Gehtempo. Dennoch, ich wollte noch einen Versuch an die 3:15-Grenze richten und gab die letzten 1,5 Km noch mal Gas. "Gas" ist jetzt absolut übertrieben, aber ich nahm meinen letzten beiden Mitläufern noch eine bzw. anderthalb Minuten ab. Beim Zieleinlauf stand die Uhr dann auf 3:15:01, im Ziel wurde 3:15:02 ausgewiesen, die Netto-Ergebnisliste sagt 3:14:59, aber das ist im Grunde dann jetzt auch egal. Für die zweite Hälfte habe ich somit etwa 1:48:30 benötigt, das sind 22 Minuten mehr als auf der ersten Hälfte, mein absolut am schlechtesten eingeteilter Wettkampf, den ich jemals gelaufen bin.

So richtig sauer kann ich allerdings dann auch nicht sein, irgendwie ist es beim Marathon trotzdem immer ein gutes Gefühl, wenn man es ins Ziel geschafft hat, das kann mir trotz aller Zweifel auch keiner nehmen. Ich hätte es mir nur definitiv einfacher machen können.

Jetzt ist es doch ein ganzer Rennbericht geworden, aber eigentlich wollte ich vor allem auf eins hinaus:

Wie kriege ich das in meinen Kopf rein? Das ich mit 50 Wochenkilomtern (in der Spitze, wohlgemerkt) eben nicht eine neue Bestzeit laufen kann, das weiß ich. Aber wie sag ich meinem Kopf im Rennen, dass ich eben auch keine 2:48h laufen kann ("4er-Schnitt bin ich im März doch noch 50 Km lang durchgelaufen") und selbst die 3-Stunden-Marke ("4:15 Min/Km war doch im Frühjahr mal mein Trainingstempo") eine Herausforderung ist?

Oder sollte ich gar keine Wettkämpfe mehr laufen, wenn ich nicht anständig vorbereitet bin? Das wäre aber Quatsch, denn ich mag Wettkämpfe und die Wettkampfathmosphäre insbesondere bei Marathon und Ultra. Und ich bin in der glücklichen Lage, dass ich Marathon auch aus der "kalten Hose" laufen kann, aber ich muss kapieren, dass es eben nicht so schnell geht, wie ich es gerne hätte. Und vor allem muss mich ich auf den ersten Kilometern eines Wettkampfes daran halten.

Aber jetzt habe ich drei Monate Zeit, hierüber nachzudenken, denn das Laufjahr 2014 ist für mich, zumindest was die langen Kanten angeht, hiermit beendet. Und spätestens in der zweiten Jahreshälte 2015 will ich auch wieder anständig in Form sein. ;)

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Och Moritz,...:o)

Du bist jung und lernfähig, es tat weh und Du ärgerst Dich drüber.
Jetzt haste 3 Monate Zeit, den Ärger runter zu schlucken und wieder
vernünftig auf zu trainieren, da glaube ich schon, dass Du das alles in
die richtigen Schubladen einsortierst und auch im Rennen wieder effektiv und gut eingeteilt laufen kannst!
Das zu verschießen, dafür wäre ja dann das gute Training vorher viel zu schade, oder?! ;o)

Sind alles trotzdem geile Zeiten, wo andere von träumen und zum Glück lässt
Du Dir den Spaß am Marathon- und Ultralaufen auch ohne PB-Ambitionen nicht ganz vermiesen, denn da ist ja auch noch was anderes, als nur Zeiten, näch?! ;o)

Ärgere Dich nicht zu sehr und konzentriere Dich auf Deine momentanen Prioritäten! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Wie FazerBS

hab ich es auch beim Baldeneymarathon dieses JAhr gemacht: Form war nicht da, irgendwo im Niemandsland, sodass auch keine klare Zeitvorstellung möglich war, ich wollte trotzden gerne, teils aus Nostalgiegründen (vor 1 Jahr mein 1. Marathon an selber Stelle), teils um mal wieder nen langen Lauf auf dem Konto zu haben trotzdem laufen. Habe mir ein "Opfer" gesucht, das ich hasieren konnte und das war wunderbar. Allein wäre ich sicherlich in die STartschuss-Euphorie-Falle getappt....

Jetzt waren am Rursee die Vorzeichen anders, du wolltest ja schon für deinen aktuellen Trainingsstand ein gutes Rennen laufen. Dass das schwer ist zeigt wohl in erster Liniue die "Wettkampfsau" in dir und dass Tempogefühl nicht einfach mal schnell runterzukorrigieren ist...

granreserva


___________________________
Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten

Mhm,

ich könnte diese Zeiten bei bestem Training, Topform an dem Tag und super Einteilung nicht laufen. Genieß eben das Leid bei falscher Einteilung. Hier könnte aber auch die Strecke im zweiten Teil mehr Höhenmeter haben, von daher ist das auch relativ.

Da ich das Problem eigentlich nur anders rum kenne - ich laufe im Nachhinein betrachtet eher zu defensiv los - kann ich Dir nur verraten was ich bei einem 10er gemacht habe, wo ich nicht fit war: ich hab mich als Hasen für eine (für mich Trainingstempo) Zeit angeboten. Und da man dann am Anfang ja die Verantwortung für den Igel übernimmt, damit der nicht überzieht, bremst man sich entsprechend.

Das hat mir Spaß gemacht und glechzeitig hatte ich eine Erklärung / Ausrede (wobei: wofür braucht man die als Hobbyläufer? für meine Zeit: ich war ja nur Hase und nicht für mich gelaufen?)

Wünsche Dir weiter viel Spaß beim Genusslaufen.

@Carla-Santana: Hey.. passt schon...

Klar gibt ja beim Laufen auch mehr als Bestzeiten. :)

Und es macht ja sogar noch Spaß, wenn man wandern muss. :)
Aber durchlaufen is scho angenehmer...

Aber wird schon. Danke für deine Aufmunterung und Glükwunsch zum "Steinhart"-Erfolg.

Hm....Hasieren wär auch mal ne Lösung...

oder eben mal wirklich in ruhigem Trainingstempo anfangen.
Auf jeden FAll mal etwas weniger "erzwingen" abseits der vernünftig vorbereiteten Wettkämpfe.

"Gutes Rennen"

ist mir schon wichtig, aber ich kann es eben nicht erzwingen. Vor allem nicht wider besseren Wissens.

Insofern, wie ich auch schon FazerBS geantwortet habe, ist es vielleicht für den Kopf durchaus hilfreich, das mal bewusst anders anzugehen.

Hallo Moritz...

... ich finde Deinen Blog sehr interessant. Oberflächlich könnte man ja sagen, es ist Jammern auf hohem Niveau. Aber mir ist klar geworden, dass Leute, die Zeiten laufen, von denen ich nur träumen kann, im Kopf vor ähnlichen Herausforderungen stehen, wie ich.

Meine Meinung ist, dass man sich immer doppelt auf einen Lauf vorbereiten muss, nämlich körperlich und geistig. Körperlich ist es eben der Fleiß und letztlich auch die Zeitvorgabe. Geistig (oder neudeutsch: mental) bedeutet es für mich, dass ich mir einen Raceplan zurechtlege und auch einige Strategien entwickle, wie ich damit umgehe, wenn ich von dem Plan abweichen will oder muss.

Und einen Race-Plan hattest Du nicht. Es traf Dich, wie aus heiterem Himmel. Ich habe dazu mal einen interessanten Vortrag gehört, den ich in einem Blog auf Jm zusammengefasst habe.

Was mir aber auch aufgefallen ist: Du hast es gemerkt und angedroht, daraus zu lernen. Dann ist ja alles gut.

Viel Gesundheit wünsche ich Dir und nächstes Jahr verabreden wir uns dann zum Nachlaufkuchen...

Gruß

Oliver

"Ceterum censeo Carthaginem esse delendam."

nachdenklich

Ich finde mich in vielem wieder - außer in der Zeit natürlich ;-) - aber auf ganz anderem Niveau geht es mir häufig ähnlich. Eifelsteiger hat Recht, es gehört auch ein mentaler Plan dazu, den habe ich nie. ich denke noch darüber nach.

Danke für deinen Bericht, der zeigt, dass es auch den ganz Schnellen da vorne so ergehen kann! (das ist ganz ernst und ausnahmsweise mal gar nicht ironisch gemeint)

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

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