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Benutzerbild von docrob

Ich bin in Athen angekommen. Das ist schon ein großer Erfolg, weil ich vor vier Wochen sicher war, gar nicht antreten zu können und vor zwei Wochen allenfalls gehofft habe, dass es vielleicht doch geht. Jetzt habe ich die olle Medaille tatsächlich.

Und bin mit meinen 3:26 natürlich zufrieden. Denn dieser Lauf ist sehr schwer und nichts für Debütanten. Wer sich von den flachen ersten zehn Kilometern verführen lässt, wird auf den langen und teilweise giftigen Steigungen bitter bestraft. Bis 31,5 geht es von Ausnahmen abgesehen hinauf. Heute waren 20 Grad, nach dem Regen vom Samstag verdunstete die Feuchtigkeit, dazu war es meist sonnig.

Vielleicht war es sogar ganz gut, dass ich nach meinen Problemen am Schienbein und zwei Wochen Pause von vorn herein vorsichtig ins Rennen gegangen bin und erst nach 41 das Gefühl hatte, platt zu sein. Dann ging es aber nur noch hinab ins beeindruckende, ehrwürdige Panathinaikon-Stadion. Dieser Zieleinlauf hat mich sehr berührt. Nur in Boston war es ähnlich, in New York fand ich es am Start auf der Verrezano Bridge hinreißend.

Das Panathinaikon-Stadion hatte ich mir schon am Freitag Abend nach der Ankunft angesehen und mir geschworen: Hier kommst du am Sonntag an. Nur ein Satz zur Messe am Samstag: Man wird durch die enge Halle nahe Piraeus an jedem Stand vorbei geleitet, das war unerfreulich und voll.

Wettkampftag: Aus meinem Hotelzimmer nahe dem Ziel waren es zehn Minuten zu Fuß zum Syntagma-Platz, wo das Parlament ist und die Busse warteten. Das Hotel bot für die vielen Läufer schon um fünf Uhr Frühstück an - super! Ich nahm einen Bus um sechs Uhr, um nicht auf dem letzten Druecker abzufahren. Natürlich ist es um die Zeit noch stockdunkel. Mein Nachbar wollte seine Ruhe haben, gut. Die Chinesen hinter mir schnatterten, okay.

Nach knapp einer Stunde Ankunft in Marathon, inzwischen war es hell. Hier scheint die Welt so ziemlich zu Ende zu sein. Draußen war es frisch, also ging ich in eine kleine Kirche über dem Stadion, die mir aufgefallen war. Drinnen saßen schon einige Läufer, und immer wieder kamen welche und baten um Beistand von oben. Ich zwar nicht, doch auch das fand ich berührend. Auch ein Priester in Gewand, mit Startnummer und Laufschuhen zündete eine Kerze an. Ich fand es angenehm still und dazu bequem und warm.

Draußen hatte man einen schönen Blick auf den Ort, die Berge, das Meer und das Stadion mit den vielen Leuten, es erklang griechische Musik, die ja bekanntlich zu Herzen geht. Und so war es gut, dass mich für einen Moment niemand gesehen hat. Alter, du bist zum Marathon in Marathon, es hat doch noch geklappt. Der Himmel ist blau, kein Gewitter mehr, geh dich aufwärmen. Im Stadion von Marathon. Und geh dir noch die Flamme im Startbereich ansehen.

Vor dem Start wurde noch auf menschliche Werte eingeschworen, um neun ging es los, bei inzwischen schon anständiger Wärme. Nach fünf Kilometern gibt es eine Ehrenrunde um den Gedenkhuegel von Marathon, dann folgen noch ein paar harmlose Kilometer zum Einlaufen, ehe es ernst wird. Die Landschaft ist schön, die Zuschauer geben sich alle Mühe, wo welche stehen und rufen jeder und jedem "Bravo" zu. Auf dem ländlichen Teil sind es in den Vororten meist mehr als später in Athen.

Ich bremse mich immer wieder am Anfang und gehe dann bergauf nach bewährter Taktik vor: Langsamer als ich zu können glaube, dafür aber in konstantem Tempo. So komme ich in gut fünf Minuten pro Kilometer über diese Hügel. Nochmals zulegen auf den letzten zehn geht nicht mehr so recht, mir fehlen lange Läufe. Und der Test über 30 vor acht Tagen war kein Vergnügen, ich fühlte mich nach nur zwei Wochen Pause wie ein rostiger Nagel und hatte ständig Ärger im Oberschenkel, auch heute. Aber bitte, die Knochen und Muskeln halten, also keine Schimpfe. Bei 33 muntere ich einen Deutschen auf und sage: Komm, es ist nicht mehr weit. Aber eigentlich denke ich: Oh Mann, für dich ist es noch verdammt weit, wenn du jetzt gehen musst. Ich laufe einigermaßen entspannt durch, die zweite Hälfte ist wegen der Hügel zwei Minuten langsamer. Alles gut, die Medaille liegt auf dem Nachttisch, das Wochenende wird für immer im Kopf und im Herzen bleiben.

Grüße aus Athen,
Robert

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

cool

kenne Athen von mehreren Aufenthalten ganz gut, liegt allerdings ein paar Jahre zurück. Ok, New York habe ich nun, vielleicht schaffe ich Athen auch noch. Dass es da nicht flach ist glaube ich dir aufs Wort!
Schöner Bericht, danke! Und Glückwunsch zur Zeit!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Marathon ...

... von Marathon nach Athen. Das klingt schon herrlich.
Schön!
;-)

Marathon in Marathon

hört sich so an als ob man das mal laufen sollte.

Gückwunsch zu der Zeit nach dem Vorprogramm.

Mein Ziel 2015?

Tolle Zeit, so etwas hätte ich auch mal gerne, meinen Glückwunsch!

An den "logischsten" Lauf von allen hatte ich bisher gar nicht gedacht, warum bin ich auf den nicht selbst gekommen?

Ich glaub ich mach den, wenn ich nächstes Jahr um diese Zeit noch Lust zum Laufen verspüre.

LG Christof

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