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Benutzerbild von Norvorrun

Nach dem Zieleinlauf beim Berlinmarathon 2013 hatte ich mir eigentlich vorgenommen, auf Marathonläufe zu verzichten. Aber wie mit den guten Vorsätzen zu Silvester, so etwas hält nicht lange an.
Da sich Berlin entschieden hatte, die Startplätze zu verlosen, suchte ich bald nach einer Alternative. Es sollte mal etwas Besonderes werden. Ich konnte damals nicht ahnen wie besonders.
Schnell entschieden meine liebe Frau und ich, dass wir mein Event mit einem gemeinsamen Urlaub verbinden wollten. Wie sonst sollte ich auch eine Soloreise zu einem schönen Ziel bei ihr durchkriegen?
Gesagt, getan nach einigem Hin und Her entschieden wir uns für Mallorca. Soll ja noch ganz schön sein im Oktober zum Zeitpunkt des Marathons.
Weil ich ja den Vorsatz hatte: „Kein Marathon mehr“, der Trainingsaufwand ist ja auch anstrengend und umfangreich, verkündete ich, dass ich mich zum HM anmelden wolle. Nun gehören zu meiner Laufgemeinschaft auch Freunde die nahezu jeden meiner Läufe supporten.
Denen mußte nun die traurige Nachricht überbracht werden, 2014 laufe ich nicht den Marathon in Berlin. Dafür ist Mallorca das Ziel fürs nächste Jahr.
Wir waren überrascht, als spontan die Ansage kam, na da kommen wir natürlich mit. In meinem Kopf zerplatzte die Halbmarathonblase. Am nächsten Tag meldete ich mich zum Marathon an und begann mit dem Trainingsprogramm.
Insgesamt war ich mit der Vorbereitung zufrieden, den Trainingsplan hatte ich weitgehend eingehalten und ich blieb beschwerdefrei. Die Flüge und das Hotel waren gebucht, das Abenteuer konnte beginnen.
Wir waren insgesamt 14 Tage vor Ort und es waren wirklich sehr schöne Tage. Das Hotel war direkt an der Playa de Palma, für den Lauf also ideal gelegen. Wir erreichten die Insel bei 28 Grad, ich machte mir erste Sorgen um die Hitze. Der Trainingsplan sah bis zum Rennen auch nur noch vier lockere Läufe vor, ideal also zum Akklimatisieren. Bei diesen Läufen merkte ich schnell, wie die Sonne einem die Körner aus dem Leib brennt. Also ausreichend trinken beim laufen. Nach dem zweiten Trainingslauf stellte ich auch meine Denke um: „Ja es ist heiß, aber es ist eben so, damit kommst du klar“. Damit ging es mir besser als vorher, wo ich täglich die Wetterap aufrief, in der Hoffnung, eine Kältefront würde für den 19.10. vorhergesagt.
Im Laufe der Woche trafen im Hotel immer mehr Läufer ein. Am Freitag vor dem Start auf nach Palma zur Messe und die Startunterlagen abgeholt. Es waren 29 Grad, keine Wolke am Himmel. Den Samstag habe ich dann am Pool relaxed und 4 Liter Wasser (nicht aus dem Pool) getrunken. Hochsommerwetter.
Sonntag früh um 6:30 im Frühstücksraum lauter Läufer. Mit dem Bus in 15 Minuten zum Start. Ich hatte zwei kleine Flaschen mit Cola als Eigenverpflegung für KM 26,5 und 32 vorbereitet und beim Infopoint abgegeben. Gels und Salz hatte ich dabei. Im Startbereich ein Plausch mit einem Pacemaker der für 5:00 Stunden stand. Er stand ganz hinten wie ich, und wollte gleichmäßig 7:00 je KM laufen. Ich nahm mir vor ihn auf den ersten Kilometern zu begleiten und dann mal zu schauen. Irgendwie ist er mir im Startgeschiebe aber abhanden gekommen, ich sollte ihn später wiedersehen.

Start um 9:00 Uhr in Richtung Hafen, meine Supporter waren alle da und die Sonne vor 45 Minuten aufgegangen. Die morgendliche Kühle verzog sich recht schnell. Ich hatte mir eine KM-Zeit von 6:20 -6:30 für die ersten 25 Kilometer vorgenommen.
Die ersten zehn Kilometer liefen ganz locker. Die Organisation war sehr gut, etwa alle 3,5 Kilometer waren die Verpflegungsstände, an denen kleine Wasserflaschen (0,3) ausgegeben wurden. Gegenüber Pappbechern hat das den Vorteil, wie sich im Laufe des Rennens zeigen sollte, dass man immer etwas Vorrat in der Hand behalten konnte, bis der nächster VP in Sicht kam. Bei Kilometer 5 kam ich ins Gespräch mit einem Teilnehmer aus Bremen, der nach meinen Schuhen fragte. Er war mit zwei weiteren Freunden unterwegs und so unterhielten wir uns bis KM 10 den ich in 1:04 passierte. Die Sonne stand nun schon hoch am Himmel, der Wind hatte sämtliche Aktivitäten eingestellt.
Von nun an ging es durch die wunderschöne Innenstadt von Palma. In den engen Gassen gab es überall Schatten, so dass KM 11 – 19 sehr angenehm verliefen. Viele Zuschauer feuerten die Läufer an.
Kurz von KM 20 trennten sich die Strecken der Halbmarathonis und der Marathonläufer. Rechts HM, links Marathon. Mein Kopf und die Sonne drängten mich nach rechts. Im letzten Moment entschied ich dann doch den Weg nach links einzuschlagen. Es folgten etwa 10 Kilometer durch Industrie- und wie es mir schien unbewohnte Dörfer. Jedenfalls kaum Zuschauer die uns Läufer anfeuerten. Dafür schien die Sonne direkt von vorn auf uns herunter. Weit und breit kein Schatten, und an Wind war nicht zu denken. KM 21 passierte ich dann nach 2:14.

Bis KM 25 lief ich noch weitgehend gleichmäßig, dann merkte ich wie meine Körner langsam verbrannten, zum Teil durch die Muskeln, zum Teil durch die Hitze. Aber bei KM 26,5 erwartete mich ja meine Cola. Vorfreude kam auf.
Von weitem war der Verpflegungsstand schon zu sehen, davor eine kühle Wasserdusche. Noch einmal die Kräfte zusammengenommen, den erfrischenden Wassernebel mitgenommen und da war sie, meine Verpflegung. Leider stand sie seit ca 3 Stunden in der Sonne. Die Cola wärmer als mein Kopf. Egal, runter damit und weiter. Vom Go-go-Girl noch zwei Wasserflaschen, eine zum trinken eine für den Kopf, und durchhalten. Bei KM 28 führte die Strecke 100 Meter an unserem Hotel vorbei. Da ich nach dem Wendepunkt hier noch einmal vorbeikommen würde, entschied ich, jetzt noch nicht aufzugeben.
KM 30 der Wendepunkt war erreicht. 3:27 Std. immerhin noch im selbst gesteckten Zeitlimit. Ich hatte inzwischen angefangen zu gehen und der Pacemaker 5:00 war locker an mir vorbeigetrabt. Bei KM 30,5 der nächste VP. Wieder zwei Flaschen, dazu etwas Salz und weiter auf der Strandpromenade Richtung Palma. Die Strecke kannte ich, ich war sie in zwei Etappen während der Taperingphase gelaufen. Hier waren auch wieder mehr Zuschauer, die die Leistung der Sportler würdigten. Warum weiß ich nicht, aber plötzlich konnte ich wieder laufen. Der Gedanke zum Hotel abzuzweigen kam nicht mehr auf. Bis zum KM 32 wo meine zweite Colaration wartete, war es ja auch nicht mehr weit. Ich hoffte zwar, aber auch diese Flasche nutzte seit Stunden die volle Sonne und die Cola kochte. Wieso mein Magen da nicht rebelliert hat, ist mir bis heute ein Rätsel.
Danach eine Strecke mit mehreren Steigungen. Ich begann wieder zu gehen und nutzte mit Kopf und Unterarmen auch eine Stranddusche. Das half für gefühlte fünf Minuten. Bis ein Zuschauer mir zurief: „Norbert es geht noch. Wir vereinbaren jetzt, zwei Palmen gehen und zwei laufen. Machen wir das so?“ Ich bestätigte die Vereinbarung und begann nach zwei Palmen zu laufen. Der Mann war Klasse, er hat mir richtig geholfen. Bei Kilometer 36 war mir klar, ich schaffe das, darf aber nicht aufhören mich fortzubewegen. Immer weiter, immer weiter.
Bis bei Kilometer 39,5 die Sonne siegte. Ich bekam Kreislaufprobleme musste mich an einer Laterne festhalten und mich mit Unterstützung eines Helfers, der wie aus dem Erdboden gewachsen neben mir stand, auf eine Bank setzen. Leider meinte meine Beinmuskulatur nun den Krampf vorführen zu müssen, also genau so, wie ich es befürchtet hatte, wenn ich stehen bliebe. Irgendwie war ich innerlich überzeugt, die letzten 2,5 Kilometer nicht mehr zu vollenden und rief meine Frau an, die im Ziel schon wartete, dass sie meine Sachen abholen solle.
Wundersamerweise waren Kreislauf und Muskulatur nach etwa 40 Minuten Pause wieder bereit. Ich erhob mich langsam von der Bank und ging gemessenen Schrittes Richtung Ziel. Nach 500 Metern passierte ich das 40KM Schild und meine Supporter kamen mir entgegen. Die Aufforderung meiner Frau jetzt langsam zu gehen, ignorierte ich und trabte los. Angefeuert von den noch anwesenden Zuschauern. Die letzten 2 KM liefen dann merkwürdiger Weise wieder locker. So erreichte ich hitzegeplagt nach 5Std.48 Min das Ziel. Ich denke ich habe den schwierigsten Marathon meines Lebens gefinisht.
Ich werde weiter Marathon laufen, aber nicht bei solch extremen Temperaturen. Es waren an diesem Tag 32 Grad im Schatten.

4.88889
Gesamtwertung: 4.9 (9 Wertungen)

Mein erster

Mein erster Marathon 2011 in Düsseldorf war auch bei 32°C. Ich kann das auch nicht ab und war nach gut der Hälfte eigentlich schon fix und fertig. Immerhin war die Strecke hier wenigstens topfeben. Ich bin damals zum Glück ohne Kreislaufpause nach 5h 26m ins Ziel gekommen. So Temperaturen braucht man nicht wirklich. Von daher hast du alles richtig gemacht (auch die Pause) und kannst beim nächsten Marathon zu Recht sagen: Da habe ich schon Schlimmeres überstanden.
Glückwunsch zum Finish.

good news

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts,
leben muss man es vorwärts.
Sören Kierkegaard

Hitzemarathon in Palma de Mallorca

Kann dem Norvorrun nur beipflichten, denn ich bin den schönen Halbmarathon gelaufen und dann meinen Marathonkollegen entgegen gegangen und gesehen wie heiß dieser Marathon in Palma an diesem Tag war. Gute Erholung.

Uff, heiß!

Das klingt nach einer echten Strapaze. Toll, dass Du durchgehalten hast. Und wo läufst Du nächstes Jahr? Erhol Dich noch gut und viel Spaß beim Wintertraining.

Herzliche Grüße von
yazi

Gratulation!!!!

Tapfer und mutig bist Du gelaufen, Gratulation!!!
Laufen bei Hitze ist wirklich das Schlimmste - ich frage mich ja immer, wie manche Menschen es schaffen, bei Wüstenmarathon zu laufen.
Viel Glück beim nächsten und kühlen Marathon!

respekt

bei solcher hitze einen marathon zu finishen verdient höchsten respekt.
ehrlich gesagt, wäre ich für den mara gemeldet gewesen, ich wäre nicht angetreten.

lg ls

"Wenn du eine Düne erklimmst, verschwende deine Energie nicht damit zu beschreiben, was auf der anderen Seite sein könnte, warte, bis du oben bist, um es zu entdecken." Maxime Chattam

Alle Achtung!

Ich hab bei Hitze auch immer Kreislauf. 10km kann man noch durchhalten, aber selbst ein HM ist schon schwer.
Und Du quälst Dich durch nen Mara... *Kopfverneigundhutzieh*

Als Vorbereitung hilft da nur Sauna mit ein paar Bespassungsaktivitäten.
Zur warmen Cola: ich denke der Körper reagiert deshalb besser, weil er keinen Schock bekommt. Ist bei Brühe auch so...

Wünsche gute Erholung

Alex

Wow

das hört sich echt nach Strapaze pur an.
Ich gratuliere Dir ganz herzlich zum Finish. Du hast es geschafft,nur das zählt.
Erhole Dich nun gut. Wie Du schon selbst sagtest, der nächste Marthon kommt bestimmt. Vielleicht sehen wir uns ja in Hamburg. Da ist es sicher Ende April nicht so heiß ;-)

Viele Grüße,
Nadine

Wahnsinn!!!

Boah, was für ein schwerer Lauf! Ganz herzlichen Glückwunsch zum Durchhalten und zum Finish!!! Da werden bei mir Erinnerungen wach. Auch ich bin einmal wegen großer Hitze 1 Stunde länger als geplant unterwegs gewesen. Bei mir gabs wenigstens noch Schatten ab und an. Auf jenem Marathon bin ich ganz besonders stolz und du kannst genauso "ganz besonders" stolz sein. Und jaaaaa, Support-Freunde sind was tolles!

Lieben Gruß
Tame

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