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... ein Halbmarathon-Debüt-Bericht

Im Januar letzten Jahres habe ich nach 20 Jahren Laufpause und mehreren fehlgeschlagenen Wiedereinstiegsversuchen endlich zum Laufen zurückgefunden. Das Laufen hat mich durch ein anstrengendes Jahr mit einer (inzwischen erfolgreich abgeschlossenen) Zusatzausbildung getragen, mir den Kopf frei gemacht, mir Energie gegeben, wenn ich eigentlich nicht mehr konnte. Ein Nachhausekommen.
Nachdem die Knie dieses mal nicht rebellierten, reifte bereits nach den ersten Laufwochen ein Plan: Ein Halbmarathon vor dem 40. Geburtstag. Zur Halbzeit einen Halben, wer weiß, was dann noch kommt. ;-) Anfang Oktober war nun endgültig die Zeit gekommen, diesen Plan umzusetzen. Weiter aufschieben war unmöglich. Den Park&See-Lauf in Hof hatte ich ausgesucht. Gut zu erreichen, terminlich gut gelegen, nur das Wetter machte mir bei der Anmeldung im Sommer Kopfzerbrechen. Im Oktober ist in Bayerisch Sibirien durchaus Schnee möglich, kaltes, nasses Schmuddelwetter ist höchst wahrscheinlich. Obendrein war Hof für mich grundsätzlich trist, grau, ungemütlich. Aber egal, einen ganz großen Lauf mit tausenden Startern wollte ich nicht laufen. Im Laufe des Jahres war ich 3 kürzere Wettkämpfe gelaufen, um zu testen, ob ich das Wettkampf-Feeling immer noch mag. Tue ich. Erst recht, wenn das Teilnehmerfeld klein genug ist, dass es fürs Treppchen reicht. :-)

Im Juli und vor allem im August konnte ich sehr viel laufen, neue Strecken im Nordseesturm und Bergtrails im Thüringer Wald. Einen Trainingsplan hatte ich zwar ausgedruckt für den HM, aber die Strecken waren mir zu kurz. Ich wollte ja die Umgebung erkunden. Daher ganz viele Läufe um 14-18km. Der September kam und mit Schulbeginn, Papierbergen auf dem Schreibtisch kaum noch Zeitfenster zum Laufen. An ein richtiges Training war nicht zu denken, jegliche Zusatzbelastung war ausgeschlossen, damit zumindest das Pflichtprogramm erledigt werden konnte. Eine Woche vorm Wettkampftermin war ich fest entschlossen abzusagen. Ich fühlte mich super schlecht vorbereitet, müde und kaputt. Ich wollte keinen Termin mehr, kein weiteres selbstgewähltes Elend. Nur meine Ruhe, nur für mich, alleine im Wald laufen. Nichts anderes.

Der Samstag kam, die Sonne schien und ich fuhr nach Hof.
Ankunft in Hof - 12 Uhr mittags, Sonnenschein. Das Thermometer zeigt 10°C. Schockstarre. Ich hatte nur Kurz eingepackt, nachem der Freitag schön warm war. Hilft alles nix, da musste ich durch, wenn ich Halbmarathon-Eisbär werden wollte.
Parkplatz gefunden, Laufunterlagen abgeholt, umgezogen. Alles überschaubar und gemütlich. Wunderbar! Warmlaufen im Theresienpark. Dort wurden gerade Hochzeitsbilder gemacht. Der Bräutigam wurde vom Fotografen gezwungen in Bäumen rumzuklettern. Was für ein Schauspiel. Ich umrundete das Spektakel mehrmals. Im Hintergrund leuchtet meine babyblaue Jacke sicher auf den Hochzeitsfotos. :)
Einer der Männer meiner Altherrenbürolaufgruppe (das gibt sicher Ärger, falls einer von ihnen heimlich mitliest... ;-)) war auch am Start, zur Vorbereitung für den Frankfurtmarathon. Wir wünschten uns Glück und hofften, uns keine Erfrierungen zuzuziehen. Etliche Läufer hatten tatsächlich lange Hosen und/oder Oberteile an. Alles Eingeborene. 13 Uhr gings los. 194 Mann schoben sich vom Eisteich einen schmalen Parkweg entlang. Dann gings durch die hübsche Innenstadt. Ich lief einfach mit. Bei Kilometer 1 meldete die Uhr 5:04. Scheiße, ich bin zu schnell!!! Unter 2 Stunden wollte ich das Ding laufen. 5:35 bis 5:40-er Schnitt pro Kilometer. Hmmm... erst mal weiterlaufen. In dem Moment fühlte es sich gut an, ich fror auch nicht, alles gut. Die nächsten Kilometer gingen in 5:00 bis 4:55 durch. Fühlte sich immer noch gut an. Ich rechnete schon mal hoch und beschloß so weiter zulaufen, solange es mir gut geht. Langsam geht immer. Ich hatte ja einen guten Puffer inzwischen. 2-3 Frauen überholten mich. Jedes mal ein kurzes Zucken. Kopf einschalten - eigenes Tempo laufen, Mädel! Krass, wie das nach über 22 Jahren von den Läufen von ganz früher drin steckt. Aber das hier war nicht meine alte Mittelstreckendistanz. Also ruhig bleiben.
Die Strecke führte am Stadtrand entlang durch die Saaleauen. Herbstlicht im Wasser und auf den Ufergehölzen. Die ersten Verpflegungsstellen. Wasser, Isogetränk, Bananen, Apfelstücke. Ich brauchte nix. Also, einfach weiter. 4 Frauen sammelte ich an den nächsten Stationen ein, die kamen auch nicht wieder.

Am Untreusee entlang staunte ich doch sehr, dass es einen sooo großen See direkt am Stadtrand von Hof gibt, landschaftlich auch noch superschön! Auf die Strecke musste man jetzt gut acht geben, es waren Unmengen Spaziergänger, Hundegassigeher, Radfahrer unterwegs. Brücke am Ende vom See ist etwa die Hälfte der Strecke. Ich riskierte einen Blick auf die Uhr. Fetter Puffer. Wenn ich das Tempo durchlaufen könnte, wären unter 1:55 drin. Ich war immer noch zu schnell! 5:15, aber mir gings gut. Die Frage war nur - wie lange noch. Eine Frau überholte mich mal wieder - soll sie doch machen. Ist mir egal!

Am Ende der Seeschleife kam ein Verpflegungspunkt, der Mund ist mittlerweile doch irgendwie trocken. Also 2 Becher Wasser im Gehen getankt. 13 Kilometer waren gelaufen weg, wir gings immer noch verdächtig gut, kein Fuss, kein Knie. Jetzt nur doch die Saale entlang wieder zur Stadt und das Ding war geschafft. Rückwärts zählen. Langsam fange ich an, mich von Kilometermarke zu Kilometermarke zu hangeln. Bei Kilometer 15 werden die Beine schwer. Der nächste Verpflegungspunkt kam vorbei - ich beschloß Iso zu tanken und nahm in Kauf, daß es den Hals zuklebt. Der nächste Getränkepunkt war nicht weit, da konnte ich dann mit Wasser nachspülen. Ein Vorteil einer Hin- und Zurückstrecke. Man weiß schon, was noch kommt. Oder ein Nachteil?? Ich fing gerade an den ersten Teil der Strecke noch mal nachzuvollziehen - da ging es mal ordentlich bergab - da musste ich wahrscheinlich wieder hoch. (einen anständigen Streckenplan zur Vorbereitung gabs nicht vom Veranstalter. Einziger Minuspunkt.) Muss ich wirklich? Ich hatte langsam keine Lust mehr auf Asphalt. Was mach ich hier eigentlich? Ich kann doch auch zu Hause im Wald laufen. Bei Kilometer 16 kehrte eine alte Frau den Gehsteig. Erinnert mich an die lästige Samstagspflicht, die auch noch absolviert werden muss. Da lief ich doch lieber, als 50m Gehweg von Herbstlaub zu befreien.

2 Männer überholten mich. Ich guckte mal wieder auf die Uhr, ich war deutlich langsamer geworden. Mittlerweile lief ich bei km 18 das Tempo, dass ich eigentlich laufen wollte. Ich trottete den nächsten Kilometer vor mich hin. Der nächste Kerl zog vorbei, ein schwerfälliger, plumper Typ. _hmmm_ So wie der lief, fühlte ich mich doch noch lange nicht. Und dabei war es gleich geschafft. Die Strecke bog auch nicht ab zur Innenstadt - kein Berg! Ich checkte noch mal Tempo und endlich mal wieder die Gesamtzeit. Schwerfällig fing mein Hirn an zu rechnen. Noch ein bisschen Gas geben - dann wird das unter... -Nein-, das konnte gar nicht sein. Ich konnte sicher nicht mehr rechnen. Aber den plumpen Typen, den wollte ich einholen, von dem wollte ich mich nicht abhängen lassen. Ein kurzer Anstieg an einer Brücke und schwups war ich vorbei. Trommelklänge. Noch 1 Kilometer. Das Eisstadion von der Rückseite! Zeitcheck. Der Blick auf die Uhr mobilisierte letzte Reserven. Das konnte tatsächlich klappen. Rein ins Stadion, der Sprecher verkündete schon mal meine Nummer als HM-Streckenrückkehrerin. Zeitgleich kammen auch die Leute von der 10km-Strecke rein, wie der Typ von eben. Das letzte Stück der Strecke ging gemeinsam.

Geschafft. Geschafft! Tatsächlich geschafft. Erledigt. Zuendegelaufen. Ups - Uhr stoppen. Ein Helfer nahm mir den Zeitchip ab. Ich war erst mal nur fertig, musste mich orientieren, wo ich bin. Die Uhr zeigt 1:49:08. Auf dem Auswertungszettel 1:48:55 offizielle Zeit. Frauen gesamt 6. Kategorie 1.. Tja. Da musste ich wohl noch die Siegerehrung abwarten.

Erst mal was trinken. Nach dem 3. Becher entdeckte ich die Nachlaufverpflegungsstelle. Ein Kuchenbuffet! Wie geil ist das denn???!!! Bei den anderen Läufen gabs immer Bratwurstgutscheine, die ich entweder an meinen Mann weitergereicht habe oder verfallen lies und mir statt dessen Kuchen gekauft habe. Die hier wussten, was ich jetzt brauchte. Ich testete mich durch die Sorten und auch nach dem 5. Stück ging das Grinsen aus meinem Gesicht nicht raus.

Aber langsam wurde mir kalt. Bei 12°C kann man sich mal was drüberziehen. Beim Laufen selber hab ich mich gefühlt wie an einem Sommermorgen. Gerade nicht zu warm.
Bei der Siegerehrung wußten sie, was sich gehört und fingen mit den Frauen und Seniorinnen an. So waren wir schnell fertig. Zum Glück gabs nix zum Einstauben lassen, aber einen Gutschein fürs örtliche Sportgeschäft, der dann auch noch direkt umgesetzt werden musste.

So macht man das also. Mit 39 bei den Seniorinnen W40 abräumen. Kann ich doch nix dafür, dass die nur das Geburtsjahr, aber nicht das genaue Datum berücksichtigen.

Beim Garminchenauslesen zu Hause war ich reichlich sprachlos. Ich glaub, ich hatte noch nie eine so brettebene Geschwindigkeitskurve. (allein schon, weil ich sonst nichts fast ebenes laufe) Und schon gar nicht in so einer Geschwindigkeit. Ausruhen und ruhiger angehen lassen in den letzten 2 Wochen vorm Lauf haben sich also doch gelohnt.

Nach mittlerweile 2 Wochen kann ich immer noch von den Laufglückshormonen zehren. Das ist ein bisschen wie frisch verliebt sein. Und fürs Auffrischen ist zumindest ein Lauf für 2015 schon angemeldet. Mit Hof habe ich mich ordentlich versöhnt. Eine tolle Stadt. ;-)

4.8
Gesamtwertung: 4.8 (5 Wertungen)

Super spannender Bericht!

Super spannender Bericht! Danke für's Mitnehmen und Gratulation zur klasse Zeit! -- Einen Halbmarathon vor dem 40., der Plan spukt mir auch schon im Kopf herum, dafür habe ich aber noch ein Jahr Zeit.

Kopfschüttel

HM-Debüt und so eine Zeit...
Meinen Glückwunsch! Ich denke, dass es an den Außentemperaturen lag. Bei Wärme geht bei mir nämlich garnix.

Wünsche Dir, dass Du weiterhin die Zeit findest und noch lange verliebt bist... :-)

Alex

Herzlichste Glückwünsche zum grandiose Debüt!

Was für eine irregute Zeit! Und dann gleich noch aufs Treppchen, wie genial! Viel Spaß beim Pläneschmieden!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Mein erster Halbmarathon

war auch vor meinem 40., aber der war nicht in der Zeit über der Bühne.... ;-))

Ganz herzlichen Glückwunsch! habe ich richtig verstanden, du kommst von der Leichtathletik? Da scheint sich die einmal erworbene Grundschnelligkeit doch noch bemerkbar zu machen ;-)) Eine grandiose Leistung ist es trotzdem.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Herrlich zu lesen!

Hier gabs mal einen, der pflegte zu schreiben: "Ist Dir kalt, bist Du zu langsam".
Ich empfehle Dir für die nächsten Läufe immer kurze Laufsachen ;-)
Grüße aus dem Westerwald, WWConny

@ Strider: Ja,

@ Strider: Ja, Leichtatletik. Früher war ich auf Strecken zwischen 800m und 1.500m (max. 3.000m) zu Hause. Schon damals am liebsten als Crossläufe. Diese Vorliebe für Stolperfallen und Matsch hat sich bis heute erhalten. Nur die Strecke ist länger geworden. ;-)
Ich denke aber, dass der Wiedereinstieg auch nicht leichter oder schneller ging als bei anderen auch. Ich hab nur einen gewissen Hang zum zwanghaften schnell laufen. Das ist wohl ein Langzeitschaden. ;-) Ich kann manchmal gar nicht langsam laufen, die Zeit, zum Teil auch die Strecke sind schon wichtig.

@ Alisea: ich fand, es ist verdammt guter Grund und auch Zeitpunkt einen HM zu laufen.

@ Conny: ganz so kurz muss es im Winter dann nicht mehr sein. Ich bin ziemlich verfroren.

als SENIOR(in)

geht nun mal alles ein bisschen länger :-)

über die AK-Bezeichnung habe ich mich letztes Jahr auch schon ein bisschen amüsiert (???)
Der Leistung tut das keine Abbruch ! Super gelaufen in einer gxxlen Zeit und dann noch die schnellste SENIORIN :-)))
Nochmal riesige Gratulation dazu !

Nächstes Jahr vielleicht wirklich Weiden ? Da gibts etwas mehr Hügelchen als in Hof ...

VlG

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