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Benutzerbild von Der Szossi

Dienstag, 14. Oktober 2014

Lampe an!

Wenn die Jahreszeit gekommen ist, in der sich die Sonne irgendwo zwischen dem Äquator und dem südlichen Wendekreis tummelt und vornehmlich die untere Hälfte des Erdballs beglückt, spricht man in unseren Breiten von der sogenannten „dunklen Jahreszeit“. Ein Terminus, der nach meinem Dafürhalten viel zu negativ behaftet ist. Der Begriff „dunkel“ impliziert hier in ungerechtfertigter Weise etwas bösartiges, wie zum Beispiel die dunkle Seite der Macht, ein dunkler Fleck in der Geschichte oder dunkles Bier aus Düsseldorf. Die dunkle Jahreszeit indes ruft aus meiner Sicht völlig unbegründet bei den meisten unserer Mitmenschen irrationale Depressionsgefühle, zumindest aber chronisch schlechte Laune hervor. Ich könnte das ja nachvollziehen, wenn wir noch in Höhlen leben würden und wir das Feuer noch nicht entdeckt hätten. Aber im Zeitalter von Ökostrom, Standheizung und Stirnlampe ist für mich dieses ständige Gemeckere darüber, dass die Tage nun wieder kürzer werden, nichts weiteres als Klagen auf hohem Niveau. Ich kenne genügend Menschen in meinem Alter, die sich jedes Jahr aufs Neue inbrünstig darüber aufregen. Mit anderen Worten: seit gut fünfzig Jahren ärgern die sich immer wieder über denselben völlig natürlichen und gottgegebenen Prozess, der sich aus der Konstellation zwischen Erdumlaufbahn und dem Stand der Sonne ergibt und nun mal eben dazu führt, dass zu einer gewissen Zeit die Tage kürzer und die Temperaturen ungemütlicher werden. Wenn man sich über einen nicht zu ändernden und völlig natürlichen Zustand wiederholt aufregt, leidet aus meiner Sicht die Lebensqualität. Die dunkle Jahreszeit hat auch durchaus seine Vorzüge. Alleine schon die Aussicht, dass ich in den bevorstehenden Herbst- und Wintermonaten nicht mehr ständig den Rasen mähen muss, ist für mich schon mal mindestens eines der schönen Dinge, die die dunkle Jahreszeit mit sich bringen. Ganz zu schweigen von dem Umstand, dass sich bei mir dann so langsam auch eine nicht unerhebliche Vorfreude auf den Skiurlaub einstellt. Aber soweit sind wir noch nicht, im Moment beherrscht noch das Laufen mein persönliches Sportprogramm.

Heute trifft sich unsere Laufgruppe wieder zur üblichen Zeit am üblichen Ort. Ich bin erfreut, dass nicht nur der ganz harte Kern unserer Truppe der Dämmerung trotzt, sondern dass sich auch verloren geglaubte und lange nicht mehr erschienene Laufkameraden hier heute einfinden und ihre Absicht kundtun, künftig wieder regelmäßiger mitzulaufen. Das hat man auch nicht alle Tage! Normalerweise kommt die Mehrzahl der Läufer erst im Frühjahr nach einer langen, von erhöhter Kalorienzufuhr gekennzeichneten Winterpause aus ihren Löchern gekrochen und geloben ihre guten Vorsätze in die Tat umzusetzen. Dass wir aber nun ein paar unserer Kollegen gerade jetzt zum bevorstehenden Einstieg in die dunkle Jahreszeit wieder begrüßen dürfen, finde ich sehr bemerkenswert.

Das Training in der vergangenen Woche hat uns bereits gezeigt, dass sich das Laufen auf unsere Stammstrecke im Grüngürtel mit Blick auf die nun früher einsetzende Dunkelheit als immer schwieriger erweist. Daher haben wir uns heute entschlossen, ab heute offiziell das Wintertraining einzuläuten und auf unsere Winterstrecke um das Stadion herum auszuweichen. Der Vorteil dieser Strecke besteht darin, dass sie beleuchtet ist und vollständig auf Asphalt verläuft, so dass man im diffusen Schein von Straßenlaternen und Stirnlampe nicht auch noch auf irgendwelche Stolperfallen wie Wurzeln, Steine oder gestürzte Walker achten muss. Der Nachteil ist aber, dass die Runde mit weniger als zwei Kilometern recht kurz ist und man sie schon fünfeinhalb Mal laufen muss, um auf mindestens zehn Kilometer zu kommen, was bekanntlich für jeden außerhalb der Saison trainierenden Marathonläufer die absolute Mindestanforderung ist. Auf der anderen Seite bietet die kurze Runde auch immer noch das Hintertürchen, frühzeitig aussteigen zu können, wenn es denn später im tiefsten Winter dann doch zu ungemütlich werden sollte. Aber das ist nur eine rein theoretische Option. Echte Kampfschweine sind rein pathologisch schon zum Durchhalten verdammt. Noch haben wir den Vorteil, dass das Wetter und die Temperaturen zum Laufen optimal sind und wir uns nur mit der Dämmerung auseinandersetzen müssen. Also, Stirnlampe ausgepackt und rauf auf die Piste! Dadurch, dass Willy der einzige von uns ist, der seinen Wettkampf dieses Jahr noch läuft und mittlerweile die Tage, wenn nicht gar die Stunden bis zum New York Marathon zählt, legt er ein ziemlich strammes Tempo vor, dem unsere Wiedereinsteiger und auch ich, der sich gerade nach absolviertem Köln-Marathon in der Erholungsphase befindet, erst mal folgen müssen. Aber das bekommen wir hin, denn schließlich wollen wir es nicht Schuld sein, wenn Willy nicht ausreichend trainiert nach New York reist. Trotz des knackigen Tempos vertreiben wir uns die Zeit mit angeregten Gesprächen, wodurch uns das monotone Herunterspulen der kleinen Zwei-Kilometer-Runde recht kurz vorkommt. Bei allem Wohlwollen gegenüber der dunklen Jahreszeit weiß ich jetzt schon, dass mir unsere Winterrunde spätestens zum Jahreswechsel aus dem Hals raus hängen wird. Trotzdem! Immer noch besser als auf dem Laufband laufen, Trübsal zu blasen oder sich zu Hause vor den Fernseher abzulegen und sich den letzten Schund reinzuziehen. Wir bringen einfach Licht in die dunkle Jahreszeit und sagen „Lampe an!“. Darüber definiert sich der echte Outdoorsportler.

4.8
Gesamtwertung: 4.8 (10 Wertungen)

Wunderbar!

Genau so!
Ich kann die ewigen Meckerer über den Winter auch nicht ausstehen!
Klar, Sommer ist besser, aber es lässt sich ja nunmal nicht ändern, also muss man sich den Umständen anpassen!
Oder auswandern :)
Also: Lampe an :)

Ein Winteroptimist

Das hast du schön geschrieben! Ich genieße sogar den Luxus, dass ich in der dunklen Jahreszeit bisweilen im Hellen laufen darf. Und dies beugt eindeutig meiner Winterdepression vor.
Ach und übrigens, denkt dran: Oktober bis Ostern ist Vitamin D-Zufuhrzeit! Denn da reicht die Sonnenkraft nicht aus, ausreichend Vitamin D in unserer Haut zu bilden.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Kicher

Herrlich geschrieben.
Da fällt mir grade ein: ich muss meine Stirnlampe auch noch in Betrieb nehmen.

Schick mir mal ne Portion Mut!

Ich habe mir so ein Teil mal für eine Reise gekauft, aber ich bin mit der Lampe noch nie gelaufen, weil ich immer im Hellen laufen kann.
Jedoch: es gibt da so eine verrückte Laufgruppe in der Nähe, die jede Woche 1-2 Marathons läuft und immer im Dunkeln ankommt. Einmal habe ich von der Lampe meines Mitläufers profitiert, aber jetzt muß ich wohl mal selbst ran!
Das ist Überwindung pur!
Wenn ich mir vorstelle: Lampe + Trinkrucksack!?
Ich glaub, mein Mann lässt mich einweisen! Hihi!
Auf jeden Fall hole ich mir heute mal neue Batterien...

Lampe aus!!!!

Nee, schon klar, Dunkelheit ist kein Grund, nicht zu laufen. Aber auch kein Grund, mit "künstlichem Licht" zu rennen - sieht man jetzt mal von ruppigen Trails in stockdunklen Wäldern ab.

Kürzlich ging's beispielsweise zum Vollmondlauf rauf auf die Burg Hohenzollern. Ein tolles Erlebnis. Gespenstische Athmosphäre. Graf Dracula ließ grüßen... ;-)
Nee, eine Stirnlampe muss nicht sein, denn das Auge gewöhnt sich ja an die Dunkelheit. Zum einen, weil ja der Mond (Straßenbeleuchtung etc...) Licht abgibt und zum anderen weil der Asphalt oder auch der helle Schotter das Mondlicht reflektiert. Im Gegenteil, eine Stirnlampe irritiert da nur, bzw. empfindet man gar als störend. Bei besagtem Vollmondlauf hat mich so mancher Stirnlampenläufer zu mehr Tempo animiert, Hauptsache, ich konnte diesem "Kunstlicht" entfliehen. Nee, manchmal ist es viel besser, einfach mal das Licht "dabei" auszulassen! ;-))

Genau: Lampe aus!

Eigentlich sieht man noch prima - aber dann leider doch nicht, weil man gerade mal wieder von der Stirnlampe des Nebenmannes geblendet worden ist - grrrr!
Wer bei uns im Lauftreff in "meiner" Gruppe meint die Lampe anmachen zu müssen, wird nach vorne beordert, soll er da die Straße anleuchten (und sich gefälligst nicht umdrehen), zumal wir in der Winterzeit ohnehin auf beleuchtete Strecken ausweichen. Gestern war wohl so ziemlich der letzte Lauf auf Standard-Feld-Wald-Wiesen-Strecke und da waren die letzten Gruppen doch am Ende doch schon etwas arg im Düsteren im Wald unterwegs - da hätte ich "Lampe an" glatt noch verstanden.
Wobei, wenn ich daran denke in welcher Finsternis wie früher™ schnell ohne Lampe durch den Wald gerannt sind … Stimmt halt, das Auge gewöhnt sich dran.

Und das Argument mit dem "gesehen werden" was dann immer kommt - da sollte man sich lieber gar nicht erst drauf verlassen!

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC

Ja, ich bin ein Nörgler!

Ich habe meine Probleme nicht unbedingt mit der dunklen Jahreszeit, manchmal aber mit der kalten Jahreszeit, und zwar dann, wenn sich der Winter mal wieder endlos hinzieht, der Frühling auf sich warten lässt und laufen mit kurzer Hose im März sich nicht unbedingt gut anfühlt.
Bösartige Gedanken kommen mir beim Begriff "Kälte" aber nicht. Kaltes Bier ist schon in Ordnung. ;-)

Gruß

Sirius
...der durch den Winter rennt.

Bisher ging es hier

auch noch ohne Lampe auf den bekannten Pfaden des Parks. Grobe Löcher haben die nicht, sind im Schummerlich gut zu erkennen und Tempo bolze ich gerade nicht. So ein Sonnenaufgangs-Läufchen hat was! Auch wenn die Sonne dann, so wie heute, wegen der Wolken und Regen nicht sichtbar aufgeht - aber es wird "heller".

Auf unbekannten Waldpfaden würde ich auch lieber mit Lampe laufen, aber momentan lasst sich das am Wochenende auch bei Tageslicht laufen.

Geschmackssache..

..würde ich sagen.
Vollmond ist zumindest bei uns in der Gegend ;-) nur alle 4 Wochen, und selbst dann hats gern mal eine Ladung Wolken davor. Also ICH lauf dann lieber mit Lampe, denn ich sehe ohne kaum mehr als NICHTS, und gleich gar nicht, wie tief die Löcher im Weg sind. Habe mir vor einiger Zeit extra einen Hochleistungsscheinwerfer zugelegt, weil mir die normalen Lauflampen zu funzelich waren.

Freu mich auf den Winter

Wenn die Strecken frisch beschneit sind, der Untergrund trittstabil ist und der Mond für ausreichen Beleuchtung sorgt. Da kommt wieder ein Glücksgefühl auf und man will einfach nur noch laufen.
Gegen die tiefen Temperaturen gibt's Klamotten, wenns nicht grad Minus 20grad hat.
Und wem's zu dunkel ist, soll ne Lampe, oder nen strahlenden Begleiter mitschleppen.

Alex

Flutlicht

ich hab auch mittlerweile eine teure, stark leuchtende Stirnlampe. Vielleicht sind meine Augen wirklich schlechter geworden, aber ich sehe im Finsteren nichts. Und wenn ich manchmal auf Fahrradwegen laufe, blenden mich die Autoscheinwerfer stark (dann sehe ich weniger als nichts) und die Fahrradfahrer beschimpfen mich. :(

In der Laufgruppe hingegen gehts auch ohne Lampe, da haben genügend andere eine um und leuchten uns voraus.

Auf beleuchteten Wegen in bewohnten Gegenden stecke ich die Lampe auch weg, denn ich laufe generell lieber mit freiem Kopf.

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