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Benutzerbild von Moritz79

Nach einem erfolgreichen Frühjahr war es durchaus geplant, erst einmal etwas kürzer zu treten. Ein 100er muss eben auch erst einmal verdaut werden.

Dann kamen die Wohnungsfertigstellung und die Umzugsvorbereitungen und aus den 100 Wochenkilometern zu Beginn des Jahres wurden 100 Monatskilometer. Ein wenig rumgejogge, viel Stress mit der Fertigstellung der neuen Wohnung und ein Umzug, der sich letztlich bis Ende September hinzog.

So wurden alle Herbstplanungen über den Haufen geworfen, auch wenn ab August zumindest die Monatskilometer sich wieder bei gut 200 Km einpendelten. Aber alles in allem zu wenig für ambitionierte Ziele im Herbst. Insofern war es auch prima, dass der DLV und die DUV nicht auf die Idee kamen, mich für die 100 Km WM zu nominieren, denn das hätte nicht gut gehen können.

Aber so ganz ohne "Herbstmission" wollte ich dann auch nicht die Laufsaison beenden, bevor sie angefangen hatte, denn mit anstehender Master-Thesis (nebenberuflich) ab Ende Oktober war das Zeitfenster sehr knapp bemessen. Und die Form und die Aussichten äußerst bescheiden.

Was also tun? Wenn es zu Bestzeiten nicht reicht, dann müssen andere Ziele her. Da ich seit diesem Jahr als M35er auch in der Senioren-Leichtathletik angekommen bin und die Deutschen Meisterschaften im Marathon im Rahmen des München Marathon am 12. Oktober und damit im passenden Zeitfenster stattfanden und zudem noch ein Meistertitel in der Mannschaftswertung M35 ausgeschrieben war, war das Ziel dann auch prompt gefunden: Eine Medaille bei Deutschen Meisterschaften. Klingt gut und auch wenn die Mannschaftswertung M35 sicher jetzt keine besonders hohe sportliche Aussagekraft hat, es war ein Ziel.

Mit meinen Vereinskollegen Manuel und Stephan fand ich auch zwei erfahrene Marathonläufer als Mitstreiter, die sich aber durch berufliche Auslastung und familärem Glück als Familienväter auch ebenfalls mit einer alles andere als optimalen Vorbereitung zu kämpfen hatten.

So war es dann das Motto: "Alle für einen, gemeinsam für ein Ziel", das uns vereinte.

Ich selbst brachte es in den 8 Wochen der Vorbereitung auf 3-4 wöchentliche Laufeinheiten mit im Schnitt 55 Kilometern, als einziger Wettkampf wurde der Köln Marathon inkognito absolviert, die dort unter großer Mühe erreichten 3:05h ließen bereits erahnen, dass es auch in München nicht einfach werden würde.

Die Meldeliste der Deutschen Meisterschaft ergab schließlich etwa 45 Teilnehmer in der M35 und 7 Vereine in Mannschaftsstärke, das ist für die M35 ein durchaus ordentliches Aufkommen, insbesondere bei der Anzahl der Teams. Wir studierten ausgiebig die Team-Konkurrenz und konnten keine Favoriten ausmachen, es versprach ein spannendes Rennen zu werden.

Angesichts unseres Zeitbudgets wurde München dann auch ebenso schmal geplant: 3 Mann, 1 Auto, Anreise Samstag, Rückfahrt am Sonntag nach dem Lauf, was bei gut 600 Kilometern Distanz zwischen dem Rheinland und München jetzt nicht unbedingt die ultimative Strssvermeidung ist, aber es ging einfach nicht anders.

Dennoch verlief die Anreise problemlos und wir konnten am Samstag noch stressfrei die Startunterlagen abholen und uns mit dem Gelände des Olympiaparks vertraut machen. Am nächsten morgen gingen wir dann zuversichtlich an den Start.

Frohen Mutes vor dem Start
Frohen Mutes vor dem Start

Zwar machte uns der wolkenlose Himmel etwas Sorgen, aber wir waren ja alle drei nicht auf Bestzeit aus und so spielte uns die Sonne eher in die Karten, auch wenn wir alle drei die Wärme nicht besonders mögen.

Vom Start weg schlug Manuel die schnellste Pace von uns dreien ein, mit etwa 3:55 min/Km entfernte er sich schnell von Stephan und mir. Ich hatte keine Ahnung, was ich erreichen konnte, hoffte aber auf eine Zeit von 2:52 Std und lief entsprechend im 4:05er Tempo auf den ersten Kilometern durch Münchens Straßen. Die Beine fühlten sich gut an und so hielt ich die Pace bei. Stephan blieb etwas hinter mir zurück.

Von Kilometer 6 bis 15 ging es durch den weitläufigen Englischen Garten, danach durch Wohngebiete im Ostteil der Stadt. Bis zur Halbmarathon-Marke, die ich in 1:26:05 überlief, konnte ich meine Pace halten, danach schwand das Gefühl der Leichtigkeit. Ich wurde langsamer. Ab Km 32 ging es jenseits die 4:30 min/Km und es wurde schwer. Es war klar, dass ich zu optmistisch in meiner Einschätzung gewesen war. Ich kämpfte mich durch die Innenstadt, immer schielend auf das folgende Kilometerschild. Bei einer Verpflegungsstelle hielt ich erstmals an, um in Ruhe einen Becher Wasser zu trinken. Danach ging es wieder für 2 bis 3 Kilometer. Ich rechnete meinen Vorsprung auf die 3-Stunden-Zielzeit, der rasant schrumpfte und bei Km 38 hatte ich den nächsten Hänger, denn das individuelle Minimalziel "Sub3" drohte zu platzen. Von hinten brausten die 2:59-Pacemaker heran und ich spielte mit dem Gedanken, sie laufen zu lassen. Doch Florian Böhme, Ultraläufer und Mitglied des 100 Km WM-Teams und heute als Pacemaker im Einsatz, forderte mich noch einmal auf. "Komm, die 2 muss noch stehen" und ich reihte mich in das Grüppchen ein. Es fühlte sich verdammt schnell an, die 4:10 bis 4:15, die hier gelaufen wurden. Naja, es waren ja nur noch gut 3 Kilometer und die Pacer hatten eine Minute Luft einkalkuliert. Nur noch ein wenig dranbleiben musste ich. Wir schlossen auf Läufer auf, die mich kurz vorher noch stehen gelassen hatten. Das gab neuen Mut. Ich blieb dran, als wir durch den Olympiapark auf das Stadion zuliefen. Beim Einlauf durch das Marathontor wusste ich, dass ich in meinem zehnten Marathon das siebte Mal unterhalb der drei Stunden bleiben würde. Ich sah Manuel mit Finishermedaille im Innenbereich an der Bande stehen und plötzlich wurde mir wieder bewusst, dass wir ja auch ein gemeinsames Ziel hatten, in dem es auf Sekunden ankommen könnte und ich schaffte noch einen Endspurt auf der Schlussrunde, bei dem ich beinahe alle Läufer der 3-Stunden Gruppe stehenlassen konnte und überquerte nach 2:59:06 bzw. netto 2:58:58 als 215. der Gesamtwertung (m) des München-Marathons die Ziellinie.

Stephan folgte kurz darauf in 3:02:45, Manuel hatte eine 2:48:43 erzielt. Gemeinsam eine 8:50:26. Keine berauschende Zeit, aber wir waren zumindest solide ins Ziel gekommen. Was würde es werden? Zur Team-Medaille M35 sollte es gereicht haben, aber wir hatten schon auch mit dem Mannschaftstitel geliebäugelt. Über Handy wurden vorläufige Ergebnislisten studiert und zusammengerechnet, Meisterschaftsauswertungen dauern eben immer etwas. Auf jeden Fall schien keiner deutlich vor uns zu sein.

So gingen wir in Ruhe duschen und fanden uns dann ohne Gewissheit über das Ergebnis bei der offiziellen Siegerehrung des DLV in den Katakomben des Olympiastations ein. Wir beklatschten alle Meister und Platzierten, beglückwünschten die uns bekannten Läufer noch persönlich und fachsimpelten bei Kaffee und Kuchen, bis endlich auch die Teams der Altersklassen an die Reihe kamen.

M35 Männer... 3. Platz... PSV Grün Weiss Kassel in 9:19h... das war etwa eine halbe Stunde hinter uns... 2. Platz... Chemnitzer LV in 9:01h... und die Anspannung fiel ab... Deutscher Marathon Mannschaftsmeister 2014 in der M35 ist der TV Refrath in der Besetzung... mehr hörten wir nicht... die Zeit und unsere Namen kannten wir selber.

Wir nahmen unsere Urkunden und die herzförmigen Medaillen mit eingraviertem Vereinsnamen und Zielzeit entgegen und stellten uns dem Meisterfoto.

Meisterfoto

Manuel hatte mit Platz 7 in der M35 eine "Endkampfplatzierung" erzielt und erhielt eine weitere Urkunde, für Stephan und mich waren es die Plätze 18 und 22 in unserer Klasse, in der Einzel-Gesamtwertung aller Klassen landeten wir im auf den Plätzen 52, 103 und 118 von 314 gewerteten Männern der Meisterschaftswertung, trotz aller Schwierigkeiten also auch hier noch in der vorderen Hälfte.

Dann machen wir uns um gegen 17.00 Uhr auf den langen Heimweg, geschafft vom Tag aber guter Dinge nach diesem erfolgreichen Team-Ausflug. Zwar kann sich für diesen Titel keiner von uns dreien etwas kaufen und wer mag, kann auch die Aussagekraft und sportlichen Wert anzweifeln, das Gefühl einer erfolgreichen Teammission aber kann uns keiner nehmen.

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

Glückwunsch

So ein schöner Bericht, ich habe ihn sehr genossen. Man muss seine Ziele einfach den Umständen anpassen und euch ist das perfekt gelungen. Wie schön.

Daumen hoch!!

Woowww.... Moritz...

...so macht man das und ich dachte immer, man müsste unter 4:00 bleiben um die 3h Marke zu sprengen :0))!!

Hey, Glückwunsch! Ihr seit schon ein super Haufen...

Stressfrei Neuzeit wünsche ich dir...

Gru;0),
Kaw.

Sorry an alle, die niemals angekommen sind, weil sie mich nach dem Weg gefragt haben...

Fetten Glückwunsch!!! :o))

wünsch ich Dir und Deinen Kollegen!
Das muss Euch erst mal einer oder ehr drei Leutz nachmachen...saustarkes Team so als "Hobbyläufer"?! ;o))
Möge es beruflich bei Dir auch so klasse laufen!
Das Meisterfoto sieht toll aus!! (habs ja schon woanders gesehen) ;o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Das nenne ich doch mal

ein sehr schönes Ziel, dessen Erreichung ihr im Team super hinbekommen habt! Tolle Läufer hast Du da in Deinem Verein, das hat nicht jeder.

Und von Flo nochmal motiviert zu warden - und diese Motivation anzunehmen - hat doch auch was.

Glückwunsch zum Meistertitel!

Ja, ich glaub auch ein 100er killt uns Anfänger für lange Zeit.

Ich wünsche Dir eine gute Erholung und vor allem einen guten Start ins nebenberufliche Masterpiece!

Respektvolle Glückwünsche

ans gesamte Team!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Kawi...

...das mit dem Rechnen ist so eine Sache. Wenn man zu viel läuft, dann leidet die Konzentration. ;)

Zum Glück muss man bei den Ultraläufen, die Du so eben mal herunterläufst, auch keine Pace mehr ausrechnen. :)

Aber jetzt weißt Du ja, was Du tun musst: Nur 4:15er Pace, schlappe 42.195 Kilometer lang. Keine Ausreden mehr, dass man da sooooo schnell laufen muss. Also... ?!

Danke für die Glückwünsche!

Danke!

Immer schön nach erreichbaren Zielen ausschau halten. :)

Danke!

Mittlerweile gehen auch hier die Links zu den Bildern. :)

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