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Benutzerbild von dfrobeen

Was kann ich denn nun laufen, am 26.Oktober in Frankfurt? Die letzten Wochen waren von einem ziemlichen auf und ab in der Vorbereitung auf meinen letzten Wettkampf des Jahres geprägt. Drei Testwettkämpfe sieht der gute Herbert Steffny in seinem 2:59h-Marathontrainingsplan vor. Mit Hilfe von Umrechnungsfaktoren gibt es dann eine Indikation, was für eine realistische Marathonzeit man bei geeigneter Vorbereitung (d.h. die langen Kanten nicht geschwänzt) anstreben kann.

Wenn ich meinen ersten Testwettkampf, den Wolfsburger Halbmarathon nehme, dann hätte ich damals eigentlich meine Schuhe dem Einstaubeprozess überlassen sollen und hoffen, dass ich nach einer langen Offseason-Pause im nächsten Jahr wieder in der Lage bin den Bereich meiner Bestzeiten anzugreifen. Die 1:36:01h aus Wolfsburg wären umgerechnet eine 3:22:36h - wenn man bedenkt, dass ich dieses Jahr schon über eine halbe Stunde schneller war, wäre ich dafür nicht nach Frankfurt gereist. Dann kam der 10km-Test beim Braunschweiger Stadtlauf und eine gewisse Beruhigung trat ein. Nach der 39:02 gewann ich neuen Mut für den Saisonausklang-Marathon und die notwendige Motivation, die letzten Wochen der Vorbereitung auch noch durchzuziehen. Bevor ich mich dann jetzt den letzten 1,5 Wochen Trainingsreizen aussetze, um dann weitere 1,5 Wochen entspanntes tapern anzugehen, galt es nun in Bremen beim Halbmarathon eine letzte Indikation zu erlangen.

Das Bremer Marathonwochenende startete für mich schon am Freitag. Mein Sohn Janek und ich nutzten den Feiertag und das schöne Wetter um den Vogelpark Walsrode zu erkunden. Da wir dann ja schon fast in Bremen waren, gönnten wir uns eine Übernachtung in der Jugendherberge und fuhren dann tags drauf in die Bremer City. Janek hat sich schon länger gewünscht mal mit Papa zusammen einen Lauf zu machen. Bislang sind wir es aber noch nicht angegangen, weil meistens die Kinderläufe doch etwas lang oder für ältere Kinder waren. Einmal war er mit seiner Mutter unterwegs - beim Braunschweiger Nachtlauf. Das Experiment endete aber mit durchschnittlichem Erfolg. Am Start war es ihm zu voll, sodass er erstmal getragen werden wollte. Die letzten 600m lief er dann eher widerwillig ins Ziel, freute sich aber anschließend über die Medaille. Vor zwei Wochen beim Braunschweiger Stadtlauf wollte er dann erstmals mit mir den Kinderlauf absolvieren, gemeldet war er schon. Es scheiterte aber am spontan eingetretenen Fieber bei ihm, weshalb Schonung angesagt war. Also wurde Bremen seine Premiere mit Papa.

Wir unterhielten uns kurz vorher nochmal, dass er beim Lauf schon selber laufen müsse. Aber ich hatte eher so die Vorahnung, dass er unterwegs wieder faul werden würde. Ich täuschte mich kräfig. Die ersten 20m, die tatsächlich wieder sehr voll waren, klammerte er sich noch an meine Hand, dann ließ er los und flitze die 800m in ordentlichem Tempo komplett durch. Der Lauf wird nicht gezeitet, aber ich darf anmerken, dass mir als nebenher laufender Papa im Ziel die Schweißperlen auf der Stirn standen. Ich habe seine letzten Meter und den Zieldurchlauf in folgendem Video festgehalten:

Video Janek Kinderlauf (das Video zeigt übrigens, dass Janek der einzige Läufer in der Familie mit vernünftiger Lauf- und Armtechnik ist)

Tags drauf um 11:25 Uhr erfolgte dann mein Startschuss für den Halbmarathon. Es war herrliches Laufwetter, obwohl noch am Vortag dichte Bewölkung angesagt war. Ich weiß ja nicht, wo die Wolken waren, in Bremen waren sie jedenfalls nicht. Obwohl ich erst am Vortag nachgemeldet hatte, erkämpfte ich mir noch eine Startberechtigung im Startblock A, d.h. mit Zielzeit unter 1:30. Dort reihte ich mich aber mal taktisch weiter hinten ein um nicht gleich wieder zu schnell loszulaufen. Der Plan ging nur bedingt auf. Da mein Garmin Forerunner 220 in den Sekunden vor dem Startschuss noch mit der Suche nach Satelliten beschäftigt war, habe ich keine ganz zuverlässigen Informationen zu meinen ersten km-Zeiten. Ich vertraue eher den km-Schildern am Rand und der mitlaufenden Zeit der Stoppuhr. Demnach war ich irgendwo in 3:45-Pace unterwegs, eindeutig zu schnell um das Tempo durchzulaufen, aber auch kein völlig gestörter Anfangskilometer, der zu einer Laktatüberproduktion führt. Bei km3 drückte ich am Streckenschild den Runden-Button und resettete damit meine Uhr, die eigentlich selber per AutoLap-Funktion die einzelnen km-Zeiten ermitteln sollte. Ich schätze aber, dass in den ersten Metern doch keine Ausreichende Verbindung zu den Satelliten aufgebaut war und statt GPS, dann der Bewegungssensor die Entfernung ermittelte und der ist eher pessimistischer, was die zurückgelegte Strecke angeht. Das km3-Schild passierte ich nach 11:20 Minuten, was immer noch einem Schnitt von 3:47 pro km entspricht. So ging es auch noch weiter bis zum Wendepunkt am Bürgerpark. Das dort befindliche 5km-Schild erreichte ich nach 18:47 Minuten.

Zu diesem Zeitpunkt lief ca. 20 Meter vor mir ein Läufer im grünen Shirt und Schirmmütze. Ich hatte zwischendurch überlegt zu ihm aufzulaufen, da er mir irgendwie wie ein guter Läufer für eine Gruppenzusammenarbeit erschien. Aber dann hätte ich ja nochmal beschleunigen müssen und da hatte ich Sorgen vor. Das Thema erledigte sich auch erst von selbst, da nachdem wir die Wendestelle passiert hatten, er von einem Wettkampfrichter angehalten (!) wurde. Da ich ja knapp dahinter lief, bekam ich die Diskussion mit. Dem Läufer wurde vorgeworfen abzukürzen, da er als Halbmarathoni noch bis zum Wendepunkt laufen solle. Erst als er auf den Wendepunkt zeigte, realisierte der Wettkampfrichter, das wir alle den Wendpunkt ordenlich passiert hatten. Das war schon etwas verstrahlt und als der angehaltene Läufer hätte ich mich ganz schön geärgert - das hat bestimmt 20-30 Sekunden gekostet.

Ein paar Kilometer später hatte er mich dann auch wieder eingeholt und ich sprach ihn auf die Situation an. Er schüttelte mit dem Kopf, lachte drüber, aber es hat ihn nicht wirklich aus dem Konzept gebracht. Ich habe ihn im Ziel gesprochen und er hat seine persönliche Bestzeit um fast 2 Minuten auf eine 1:24 verbessert. Ich hatte mittlerweile etwas Tempo rausgenommen - es fühlte sich zwar ganz gut an, aber es kamen ja auch noch ein paar Kilometer. Nachdem wir ein paar Kilometer zusammen gelaufen waren, entschied ich dann auch meinen Mitläufer ziehen zu lassen. Er schien am gestrigen Tag zu etwas höherem berufen zu sein und ich wollte ihn dabei nicht aufhalten, bzw. mich übernehmen. Der Wolfsburg-Halbmarathon war halt noch zu präsent, wie sich auch ein Halbmarathon zum Ziel hin anfühlen kann, wenn man in Relation zu seiner Leistungsfähigkeit zu schnell unterwegs ist.

Ich pendelte mich so bei 4:00-Pace ein. Das war ja genau das, was ich laufen wollte - und schließlich hatte ich ja schon einen kleinen Puffer herausgelaufen. Doch dann passierte tatsächlich wieder das, was auch schon in Wolfsburg und etwas weniger stark in der Ausprägung beim Braunschweiger Stadtlauf passierte. Obwohl ich vom Gefühl her das Tempo konstant hielt, sackte ich temporär in meinen Zwischenzeiten ein. Ein 4:15-Kilometer verhinderte knapp, dass ich die km10-Markierung schneller erreichte, als beim Braunschweiger 10km-Wettkampf. Dann folgten weitere Kilometer beim durchlaufen von Überseestadt von 4:07, 4:20, 4:12 und 4:09. Ich war etwas enttäuscht, da es sich gleichzeitig so anfühlte, als ob ich nicht noch einmal beschleunigen können sollte. Aber dann passierte es wieder genau umgekehrt. Kilometer 17 an der Weser entlang lag noch bei 4:13, aber ab dann sollte jeder nächste Kilometer wieder schneller werden - ohne das ich merklich beschleunigte. Ich schiebe es mal auf den Kopf, dann zu Beginn von km18 durchquerte man das Weserstadion, was sicher ein Highlight der Streckenführung war. Danach ging es aber vor allem psychologisch einfacher weiter, denn das Weserstadion war ein Wendepunkt, ab dem es nur noch geradeaus in Richtung Ziel ging. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass ich gleich nach dem Weserstation mein zweites Gel nahm - jedenfalls konnte mich jetzt nichts mehr aufhalten.


Lauf durch das Weserstadion

Der 18. Kilometer ging in 4:09 raus und die weiteren folgten in 4:08 und 4:05 - jetzt ging es schon auf die letzten 1.100m des Rennens. Der letzte Kilometer geht bei mir immer und jetzt habe ich auch nochmal bewusst beschleunigt und scheiterte nur knapp an der 4-Minuten-Pace-Grenze. Die letzten 100m waren dann ein echter Endspurt und ich lief in 3:26-Pace über die Ziellinie. Die Uhr stoppte für mich eine 1:25:12 Stunden. Platz 49 der insgesamt etwa 3.500 gemeldeten Teilnehmer. Ich war sehr zufrieden. Nur einen kleinen Moment überlegte ich, das Steffny doch einen Halbmarathon in 1:25:00 verlangt hat - aber die 12 Sekunden nehme ich mir selbst nicht übel. Wenn man bedenkt, dass ich noch vor 3 Wochen bei vollem Einsatz über die gleiche Distanz 10:49 Minuten langsamer war, ist diese Zeit mehr als ein voller Erfolg. Nach den Steffny'schen Umrechnungsfaktoren ist dies übrigens eine 2:59:46 auf dem Marathon. Dreimal dürft ihr raten, welche Zielsetzung ich in Frankfurt verfolgen werde.

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Na dann ...

... wünsch ich mal viel Erfolg in Frankfurt. Da würd ich aber auch den ersten km in ner 4:15min/km losziehen.
;-)
PS: Dass die Zielzeitenrechner Dreck sind, muß ich ja nicht weiter erwähnen. Die M-Zeit, die auf meinen HM-Zeiten basieren, werde ich wohl nie laufen - will ich aber auch nicht. ;-)

Vielen Dank! Ich werde mein

Vielen Dank! Ich werde mein Bestes geben. Bei mir haben die Umrechnungen meistens ganz gut gefunzt. In Frankfurt ist der Plan (jetzt erst recht) 2:54:45 Stunden lang der beste Freund der 2:59-Luftballonträger zu werden um mich dann in ein letztes 1000m-Intervall vor der Offseason zu verabschieden. Wenn die einen vernünftigen Job machen, würde km1 ja in 4:15 rausgehen.

Das war aber übrigens geil in Bremen. Bei km4 überholte ich den 1:30-Pacemaker...bis dahin war ich ja in 1:19-Tempo unterwegs. Als ich ihn beim überholen ansprach, dass er ganz schön flott unterwegs sei, ranzte er zurück, ich solle auf seine Zielzeit warten. Er hatte recht und kam bei 1:29 ins Ziel, aber ich brauche nicht zu erwähnen, dass er zum Zeitpunkt meines Überholvorgangs alleine unterwegs war. Und übermäßig viele Freunde hat er sich wohl nicht gemacht.

Mein Boston-Blog: danielssichtderdinge.wordpress.com/boston-marathon

... überraschende Freude ...

... dich im Ziel zu treffen. Damit hätte ich nie gerechnet.
Und wohl sehr gut für mich, das ich dachte der einzige JM'er zu sein,
der gestern in Bremen, den Halb-Marathon statt dem vollen Marathon mitlief.

Sonst hätt ich dich eventuell als Pacemaker missbraucht um vollkommen einzubrechen.
;-)

... das war gestern aber auch ein wirklich tolles Wetter mit optimalen Bedingungen für ne'n HM !
Ich wünsch dir für Frankfurt ganz viel Spass, Glück und schnelle Beine !!!

Gruss Markus - een neongelbe Löper ut´n Norden

Startnummer

Mit der Starrtnummer 123 konnte der Kleine ja nur einen guten ersten Lauf mit Papa abliefern :)
Glückwunsch!

Prognose

hin, Prognose her - für Frankfurt wünsch ich dir alles Gute!
Und ich finde es kann nicht oft genug vor einem Lauf wiederholt werden, dass man schon selber laufen muss!!!

Gruß, Dominik
_____________________
"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Was ein cooler Lauf für Deinen Sohn!

Ich wünsche Dir vor allem viel Disziplin in Frankfurt, damit dann das Endergebnis Deine Pläne und Berechnungen bestätigen möge!

Bleib gesund.

Stolzer Papa

Und ganz zurecht! Da habt ihr beide ja tolle Läufe ins Pflaster gebrannt! Alles Gute für Frankfurt!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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