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Friede sei mit Dir, o Köln-Marathon!!!

Wie kann es sein, dass ich seit einigen Jahren mit dem Köln-Marathon auf Kriegsfuß stehe und mit ihm noch eine dicke Rechnung offen habe? Um zu verstehen, worin mein Problem mit dem Köln-Marathon besteht, müssen wir mal kurz einen Blick auf meine persönliche Marathonbilanz werfen. Ich habe insgesamt neun Mal an einem Marathon teilgenommen und auch alle gefinisht. Meinen schnellsten bin ich 2008 in Frankfurt gelaufen, den zweitschnellsten 2013 in Berlin, auf Rang 3 folgt Düsseldorf 2013, dann Berlin 2007 auf dem vierten Rang. Den fünftschnellsten bin ich 2011 in New York gelaufen, gefolgt von Hamburg 2010 auf Rang 6. Auf den letzten drei Rängen folgen meine drei gelaufenen Marathons in Köln: 2006 (Rang 7), 2010 (Rang 8) und 2005 (Rang 9). Das alleine guckt mich ja schon ziemlich an, aber wenn ich mir die Rennverläufe und die Zielzeiten genauer anschaue, dann kriege ich Pickel. In sechs von meinen neun Marathons bin ich unter fünf Stunden geblieben, in einigen Fällen sogar deutlich. Bei welchen drei Marathons ich über fünf Stunden geblieben bin, das könnt Ihr Euch ja jetzt wohl denken. Bei sechs Marathons bin ich ohne stehen zu bleiben oder zwischendurch gehen zu müssen durchgekommen (Pinkelpausen natürlich ausgenommen). Bei drei Marathons eben nicht, da hat mich jedes Mal der sprichwörtliche Mann mit dem Hammer erwischt. Na, welche waren das wohl? Bei meinem letzten Köln-Start 2010 kam auch noch das Pech mit dem Wetter dazu. Es war damals entschieden zu warm, auch dazu führte, dass mich mein Kreislauf im Nachzielbereich niedergestreckt hat und ich eine Freifahrt im Krankenwagen mit Blaulicht hatte. Die seinerzeit sehr ungünstige Startzeit hat das Temperaturproblem auch noch verschärft. Drüber hinaus war ich 2012 für den Köln-Marathon gemeldet und dafür topfit, jedoch 72 Stunden vor dem Start habe ich einen Hexenschuss bekommen, der mich zur Absage zwang. Ihr seht also, dass ich eine ganz besondere Beziehung zum Köln-Marathon habe und ich war fest entschlossen, mit dem in 2014 ein Hühnchen zu rupfen. Oder um es positiv auszudrücken: mit dem Köln-Marathon Frieden zu schließen. Umso erstaunlicher ist es, dass ich mit dem Halbmarathon in Köln nie Problem hatte und den bin ich dort immerhin auch schon vier Mal gelaufen. Auf jeden Fall muss das doch jetzt endlich auch mal mit der vollen Distanz beim Heimspiel in Köln klappen! Ich war auch sehr zuversichtlich, dass das Kapitel Köln-Marathon endlich zu einem Happy End kommt, denn nicht nur, dass ich sehr gut vorbereitet und in top Form war, auch die veränderte Organisation beim Köln-Marathon sollte eine gute Grundlage für einen Friedensabschluss sein. Die in 2013 neu konzipierte und wirklich sehr schöne Streckenführung mit Ziel in der Nähe des Doms wurde für 2014 beibehalten. Zudem hat man die Inlineskater aus dem Programm geworfen, sodass der Marathon nun zu einer idealen Zeit morgens um 10:00 Uhr gestartet wurde und nicht wie bisher zur Mittagszeit. Ich stelle die kühne Behauptung auf, dass meine schlechte Performance der früheren Jahre auch entscheidend mit der ungünstigen Startzeit zusammen hing.
Selbstverständlich bin ich nicht alleine in Köln angetreten. Natürlich war meine kleine zähe Kampfsau mit von der Partie. Allerdings hatte sie etwas Verletzungspech während der Vorbereitung, sodass wir mit unterschiedlichen Leistungsständen in den Wettkampf gegangen sind. Insbesondere der Gesäßmuskel machte ihr zu schaffen und pünktlich zum Marathon hatte sie sich noch einen blauen Zehennagel gefangen. Daher haben wir uns entschieden, dass jeder für sich mit unterschiedlichen Zielsetzungen an den Start geht. Die Kampfsau mit einer Zielzeit von 4:27 Stunden, was für sie persönliche Bestzeit und knapp unter unserem gemeinsamen Ergebnis von Berlin 2013 wäre. Und ich mit 4:13 Stunden, was für mich ebenfalls persönliche Bestzeit wäre.

Im Folgenden nun in protokollarischer Form der Bericht, wie es letztendlich für uns gelaufen ist (oder besser gesagt: wie wir gelaufen sind) und ob der Köln-Marathon mein Friedensangebot angenommen hat.

Mittwoch, 10. September 2014 | 4 Tage bis zum Köln-Marathon
Sorgenfalten

Mit einem spitzen Schrei verfolge ich die von Herrn Bäcker im Morgenmagazin inbrünstig vorgetra-genen Wetteraussichten für das Wochenende. Im Westen Deutschlands sonnig bei Temperaturen um die 25°C. Das ist doch wohl ein Scherz, oder? Den ganzen Sommer über nur Dreckswetter und kühl und zum Marathon wird es dann mal richtig warm. Ich glaube es geht los. Schnell zücke ich mein Tablet und vergewissere mich auf wetter.com. Dort ist man mit der Vorhersage für Köln etwas moderater unterwegs und bietet nur 23°C. Wie dem auch sei, Marathonlaufen bei Temperaturen über 20°C ist mein Untergang. Schon zweimal habe ich die zweifelhafte Erfahrung machen dürfen, bei solchen Bedingungen einen Marathon zu laufen. April 2010 in Hamburg und Oktober 2010 in Köln. Beide Male hat mein Kreislauf mich im Ziel gefällt. Ich fange sofort damit an, meine Elektrolytenspeicher aufzufüllen, mixe mir Magensium- und Kalium-Cocktails, trinke Powerade und Gatorade und schmeiße mir ein paar Süßigkeiten ein, um den Blutzuckerspiegel zu justieren. Also, wenn mir das Wetter jetzt hier bei meinem Vorhaben in die Suppe spuckt, kriege ich die Krätze! Hoffentlich hat der Wetterbericht wie immer Unrecht.

Freitag, 12. September 2014 | 2 Tage bis zum Köln-Marathon
Rituale

Rituale sind elementarer Bestandteil des Läuferlebens. Eines davon, dass die Kampfsau und ich regelmäßig vor wichtigen Wettkämpfen pflegen, ist das gemeinsame Pastaessen bei unserem bewährten Italiener, das wir heute in gewohnter Form bei Spaghetti mit Rucola (Kampfsau) und Tagliatelle mit Champignons (ich) pflegen, bevor wir zum nächsten Ritual, dem Gang zur Marathonmesse, übergehen. Die Marathonmesse, die sich in Köln zu Neudeutsch „Running Expo“ schimpft und erstmals in der Lanxessarena stattfindet, hat für den bis in die Haarspitzen motivierten Marathonläufer schon einen gewissen Event-Charakter. Die Abholung von Startnummer und Kleiderbeutel vermittelt jedem Teilnehmer ein von Vorfreude durchdrungenes Gefühl, dass es jetzt endlich bald los geht und dass man eigentlich aus der Sache nicht mehr raus kommt. Dass man auf dieser Running Expo auch die einschlägigen Vertreter der Sportartikelin-dustrie findet, die ihre Waren feilbieten, ist eigentlich nur so eine Art Nebeneffekt, der aber unter Umständen teuer werden kann, wenn man sich beispielsweise dem Glauben hingibt, man benötige mindestens noch ein viertes Paar Laufschuhe, oder die sechste Laufhose. Die Kampfsau und ich beschränken uns jedoch heute auf eine reine Marktanalyse und begutachten die hier präsentierten Artikel zwar mit Interesse, lassen aber die Portemonnaies in den Hosentaschen. Ich gönne mir lediglich ein Event-Funktionsshirt mit dem Köln-Marathon-Logo, damit ich in der Muckibude wieder was zu strunzen habe. Hat man einmal die Running Expo mitsamt seiner Startnummer und dem Kleiderbeutel wieder verlassen, ist im Grunde alles getan, was für den Marathon zu tun ist. Jetzt kann der große Tag kommen.

Samstag, 13. September 2014 | 1 Tag bis zum Köln-Marathon
Vorsichtsmaßnahme

Die weltweit beste Ehefrau klagt über Magenkrämpfe einschließlich mit dem dadurch hervorgerufenen fluchtartigen Gang zur Keramik. Also, wenn es sowas wie einen dämlichen Zeitpunkt für einen Magen-Darm-Infekt in unseren vier Wänden gibt, dann ist er genau jetzt gekommen. Wir ergreifen Vorsichtsmaßnahmen und verständigen uns auf die Vermeidung jedweder körperlichen Kontakte. Zudem ziehe ich aus dem ehelichen Schlafzimmer aus und übernachte im Wohnzimmer. Außerdem erkläre ich das Gästeklo zur Sperrzone. Flitzkacke beim Marathon muss ich nicht wirklich haben.

Sonntag, 14. September 2014
Friedensmission Köln-Marathon!

4:30 Uhr

Ich habe in meinem Ausweichquartier im Wohnzimmer zwar nur kurz, aber sehr fest und gut geschlafen und wache eine gute halbe Stunde vor dem Wecker schon auf. Ich fühle mich hellwach und topfit. Die Zeit bis zur Abfahrt nach Köln überbrücke ich mit der üblichen Routine (die man ebenfalls als Rituale bezeichnen könnte). Streckenverpflegung herrichten, Scheuerstellen einreiben und abkleben, Laufklamotten anziehen, Sachen für hinterher zusammenpacken, marathonkompatibles Frühstück einnehmen und gefühlt ein Dutzendmal aufs Klo gehen, um später bloß nicht noch mal in die Kack-o-maten (Dixies) rein zu müssen.

7:00 Uhr | Abreise

Ich verabschiede mich von der weltweit besten Ehefrau, die ihre Magen-Darm-Unpässlichkeit scheinbar überwunden hat. Sie wird sich später mit unserer Tochter, sowie mit den Kampfsau-Kindern und unseren Freunden auf den Weg nach Köln machen und sich mit ihnen auf die Fantour entlang der Strecke begeben.

7:15 Uhr | Ankunft in Köln

Ich hole die Kampfsau zu Hause ab. Auf meine Frage hin, wie es ihr und speziell ihrem Gesäßmuskel und dem blauen Zehennagel gehe, kann sie mir keine erschöpfende Antwort geben. Sie weiß es selber nicht so richtig und denkt auch gar nicht erst groß drüber nach. Klar ist aber, dass sie für heute bereit ist und anstelle von Nervosität und Anspannung ist die knallharte Souveränität der erfahrenen Marathonläuferin spürbar.

7:45 Uhr | Köln-Zollstock, Südfriedhof

Nachdem wir das Auto am Südfriedhof abgestellt haben, nehmen wir die Straßenbahn Richtung Innenstadt. Auf der Bahnfahrt zum Startbereich philosophieren wir darüber, dass der Heimvorteil bei einem Marathon die ganze Organisation für uns doch sehr entkrampft hat. Wir kennen uns in Köln gut aus und müssen selbst so einfache Dinge wie den Transfer in den Startbereich nicht groß planen und uns nach Verbindungen erkundigen. Mit welcher Bahn man in Köln wo hin kommt, damit kennen wir uns aus, das macht es alles wesentlich einfacher. Zudem haben wir beide im Vorfeld die Laufstrecke problemlos assimilieren und uns gut einprägen können. Man hat einfach eine viel bessere Vorstellung von der Strecke und was uns auf ihr erwartet, wenn man das Gebiet kennt, durch das man läuft.

8:15 Uhr | Deutz, Startbereich

Wir treffen in Deutz am Startbereich ein. Der Start des Halbmarathons steht unmittelbar bevor und da wir bis zu unserem Auftritt noch eine Weile Zeit haben, entschließen wir uns, den Halbmara-thonis unsere Ehrerbietung zu erweisen, wenn sie auf die Strecke gehen. Wir finden ein ideales Plätzchen auf den Stufen zum Vorplatz des Deutzer Bahnhofs. Von dort aus können wir den Bereich sehr gut überblicken. Zwölftausend Teilnehmer sind dieses Jahr beim Halbmarathon dabei, die ein beeindruckendes Bild abliefern, wie sie da so erwartungsvoll in ihren Startblöcken stehen. Plötzlich steht einer unserer Kumpane aus der Laufgruppe vor uns. Wir wechseln ein paar Worte und wünschen uns gegenseitig Glück, bevor er sich in seinen Startblock begibt.
Auf der Bühne bemühen sich ein Moderator sowie ein Vertreter des Hauptsponsors um die Verbreitung von Stimmung. Funktioniert nicht immer, aber der gute Wille ist da. Aus den Lautsprechern plärrt die Musik, die sich die Teilnehmer im Vorfeld über eine Facebook-Aktion für den Start wünschen konnten. Mit Ausnahme von „Eye Of The Tiger“ von Survivor ist eigentlich nichts dabei, womit sich mein eigenwilliger Musikgeschmack arrangieren könnte. Na, gut! Die Toten Hosen kann ich noch tolerieren. Aber als zwischendurch auch noch der atemlose Lieblingsblondschopf der Nation ins Geschehen eingreift, komme ich einmal mehr zu der Erkenntnis, dass es Dinge gibt, die die Welt nicht braucht. Dazu gehören neben Helene Fischer auch Hämorrhoiden und die Hoden des Heiligen Vaters.
Kurz bevor der Startschuss fällt erspähen wir zwei weitere Kumpane, die sich scheinbar im letzten Moment noch in den vordersten Startblock einsortieren. Trotz unseres inbrünstigen Wedelns mit den Armen sehen sie uns nicht, obwohl sie einige Male in unsere Richtung blicken.

8:30 Uhr | Start Halbmarathon

Pünktlich werden die Halbmarathonis auf die Strecke geschickt. Schon mehrere Dutzende Male habe ich diesen Moment aus der Perspektive des Teilnehmers erlebt, aber das heute mal vom Rande aus als Zuschauer zu sehen, das hat auch was Faszinierendes. Es ist beeindruckend, wie sich die tausenden von Läufern nach und nach in einer langen Prozession in Bewegung setzen und mit Überschreiten der Startlinie lostraben. Als die hinteren Startblöcke nach vorne aufrücken, können wir noch weitere Kollegen aus unserer Laufgruppe in der Masse ausmachen.

8:55 Uhr | letzte Vorbereitung

Nachdem wir das Spektakel um den Halbmarathon-Start ausreichend verfolgt und gewürdigt haben, machen wir uns so langsam bereit für unseren Auftritt. Wir begeben uns zu dem unserer Startnummer zugewiesenen LKW, in dem die Kleiderbeutel verladen werden. Sobald der Start erfolgt ist, werden die Kleiderbeutel zum Nachzielbereich transportiert, wo wir sie später abholen können. Wir suchen uns direkt neben dem LKW ein ruhiges Plätzchen, wo wir uns für den Lauf fertig machen können. An der Entscheidungslage wie die Strategie des heutigen Tages aussieht, hat sich nichts geändert. Die Kampfsau wird auf eine Zielzeit 4:27 laufen, ich werde 4:13 Stunden versuchen. Aber wir werden zusammen starten, das ist das Mindeste.

9:30 Uhr | Startblock Orange

Wir sind dem orangen Startblock zugewiesen, das ist der dritte Block, der ins Rennen geschickt wird. Da ich es heute krachen lassen will, möchte ich gerne schon sehr zeitig im Startblock einche-cken, um darin möglichst weit vorne zu stehen und beim Start eine gute Ausgangsposition zu haben. Noch füllt sich der Block spärlich und so lange wir genug Platz um uns herum haben, nutzen wir die Gelegenheit für ein paar leichte Bewegungen zum Aufwärmen.

9:45 Uhr

Unser Startblock füllt sich zunehmend und wir bleiben nun auf unserer Position ganz vorne im Block, um sie zu verteidigen. Die Temperaturen sind zum Laufen noch völlig angenehm und liegen bei gefühlten fünfzehn Grad. Wenn die Sonne hinter den Wolken verschwindet, und am Morgen ist es noch überwiegend wolkig, dann fängt man sogar leicht an zu frösteln. Auf der Bühne hat sich mittlerweile ein Team aus Fitnesstrainern eingefunden, die die Läufer zu einem Aufwärmprogramm animieren. Bei uns ist immer noch keine Nervosität oder Anspannung spürbar und wir sind erstaunlich ruhig und entspannt.

10:00 Uhr | Startschuss

Der Marathon wird gestartet. Dass ich das noch erleben darf, dass der Marathonstart in Köln zu einer vernünftigen Uhrzeit stattfindet und nicht wie bisher erst gegen 11:30 Uhr. Das ist dem Um-stand zu verdanken, dass man die Inlineskater und die Handbiker aus dem Programm geworfen und somit die Anzahl der Wettbewerbe reduziert hat. Und für mich war dies mit das entscheidende Kriterium, überhaupt wieder in Köln an den Start zu gehen. Kaum ist der erste Startblock auf die Reise gegangen, werden wir weiter nach vorne zur Startlinie geführt. Da es gleich ziemlich schnell gehen kann, verabschieden die Kampfsau und ich uns jetzt schon voneinander.

10:10 Uhr | Los geht’s!

Unser Startblock wird auf die Strecke geschickt. Noch schnell die Kampfsauu abgeklatscht und dann startet für mich Marathon Nummer 10, also mein persönlicher Jubiläumsmarathon, der zugleich auch die letzte Gelegenheit sein soll, mich mit dem Köln-Marathon zu vertragen. Wird es funktionieren? In etwas mehr als vier Stunden sind wir schlauer.
Ich laufe über die Zeitmessmatte, drücke meine Uhr ab und starte parallel meinen iPod, auf dem eine mit meiner Marschtabelle genau abgestimmte Playlist enthalten ist. Zusätzlich zur Musik habe ich noch eine akustische Ansage hinterlegt (genau genommen habe ich mich da vorher selbst aufgenommen), die mir exakt mitteilt, wann ich an welchem Kilometer sein muss. Beispiel: laut meiner Marschtabelle soll ich nach 29:05 Minuten bei fünf Kilometern sein. Genau nach dieser Zeit erhalte ich via iPod das Signal „Fünf Kilometer“. Wenn ich zu dem Zeitpunkt die Fünf-Kilometer-Marke schon überschritten habe, dann weiß ich, dass ich Vorsprung auf die Marschtabelle habe. Sollte ich die Marke aber noch vor mir sehen, dann erkenne ich, dass ich Rückstand habe. Dieses System habe ich dieses Jahr beim Bonner Halbmarathon getestet und es hat perfekt funktioniert. Und ich muss nicht mehr, kurzsichtig wie ich nun mal bin, mit Mühe Not die Durchgangszeiten able-sen, die ich mir zuvor mit schwarzem Edding auf den Unterarm gepinselt habe und die ich mir mit zunehmender Dauer des Laufs vom Arm runter schwitze. Die Herausforderung bei diesem System ist allerdings, dass ich Uhr und iPod synchron starten muss, was mir hier auch problemlos gelingt.
Was die Marschtabelle betrifft, so habe ich diese entgegen der landläufigen Meinung aller Ex-perten so geschnitten, dass ich eine etwas schnellere erste Hälfte laufe und gegen Ende hin etwas langsamer werde. Die Cracks in der Szene machen es genau andersrum. Jedoch ist diese Strategie noch nie bei mir aufgegangen. Bei meinen Marathons Nummer 1 bis 7 bin ich nach der traditionellen Weise verfahren und es ist mir nicht ein einziges Mal dabei gelungen, meine Zielzeit einzuhalten. Erst als ich bei meinen Marathons 8 und 9 darauf gesetzt habe, die zweite Hälfte langsamer zu laufen, hat das auch mit dem Einhalten der Zielzeiten geklappt. Daher steht außer Frage, dass meine heutigen Sollzeiten auch so definiert sind und mit zunehmender Dauer des Laufs langsamer werden.

KM 1 | Deutzer Brücke/Maritim
7 Sekunden Vorsprung auf die Marschtabelle

Der erste Kilometer ist reine Formsache. Es geht direkt über die Deutzer Brücke rüber auf die andere Rheinseite. Auf den ersten Metern habe ich zwar noch das leicht unangenehme Gefühl des Kaltstarts, das hat sich aber nach Erreichen des Scheitelpunkts der Brücke gelegt. Ein Vorteil der neuen Streckenführung ist, dass uns ein erneutes Überlaufen der Deutzer Brücke kurz vor Schluss erspart bleibt.

KM 2 | Rheinufer/Holzmarkt
13 Sekunden Vorsprung

Ich habe ein gutes Gefühl. Ich habe ein gutes Tempo nahe an meiner Marschtabelle gefunden und die Temperaturen sind im Moment absolut angenehm. Das kann gerne so bleiben. Die Tageshöchsttemperaturen sind erst für den Nachmittag angekündigt. Ich hoffe, dass ich dann schon im Ziel bin. Aber beeinflussen kann ich es ohnehin nicht, also werde ich mich damit arrangieren.
Ich bereite mich darauf vor, das erste Mal auf unseren Fanblock zu treffen und gebe per Schlaufon ein kurzes Funksignal an die weltweit beste Ehefrau, um meine Ankunft anzukündigen.

KM 3 | Agrippinaufer/Ubierring
3 Sekunden Vorsprung

Unser Anhang steht am verabredeten Treffpunkt, alle haben entweder Kameras in der Hand oder sind mit Krachmach-Accessoires ausgestattet. Zudem ereilen mich beim Vorbeilauf laute Jubel-schreie. Kaum bin ich an unserem Fanblock vorbei, höre ich trotz Musik im Ohr die Jubelschreie erneut hinter mir. Ich ahne etwas und richte meinen Blick nach hinten. Und tatsächlich: in meinem Fahrwasser befindet sich die Kampfsau. Hölle, was macht die denn da? Laut ihrer Marschtabelle sollte sie jetzt eigentlich 1:55 Minuten hinter mir sein! Meinen fragenden Blick erwiderten sie mit einem Gesichtsausdruck, der mir in etwa so was wie „Kannst Du nicht schneller laufen, Du Vollpfosten!“ vermitteln soll. Was macht sie da bloß? Ich hoffe sie hat geschnallt, dass nicht ich zu langsam bin, sondern sie zu schnell und dass sie sich nicht gleich schon zu Beginn kaputt läuft. Nun, denn! Wir haben uns im Vorfeld darauf verständigt, dass jeder eigenverantwortlich für sich alleine läuft. Demzufolge zwinge ich mich dazu, mich nicht um sie zu kümmern und setze meinen Lauf unbeirrt fort.

KM 4 | Gustav-Heinemann-Ufer/Südbrücke
8 Sekunden Vorsprung

Wenn ich an den Berlin-Marathon im letzten Jahr zurück denke, dann fällt mir sofort dieses dicht gedrängte Läuferfeld ein, dass für den Kurs einfach zu groß war, uns zu permanenten Überholmanövern gezwungen und uns richtig Zeit gekostet hat. Hier in Köln ist das ganz anders. Obwohl das Feld noch nicht sehr weit auseinander gezogen wurde, ist das Laufen hier sehr angenehm. Die Läufer kommen sich untereinander wenig ins Gehege und man wird kaum ausgebremst. Trotzdem kann es auch bei dieser günstigen Läuferdichte auch mal zu ungewollten Rempeleien und Ausbremsern kommen. So passiert es gerade, dass ich zwei Läufer, eine Dame und einen Herren, überholen möchte, die nebeneinander laufen und zwischen sich eine ausreichend große Lücke gelassen haben, sodass ich da noch durchpasse. Als ich fast auf deren Höhe bin, macht die Dame plötzlich einen Schritt zur Seite und somit die Lücke zu, sodass es dadurch zu einer kleinen Rempelei kommt. Anstatt diesen Umstand aber unter der Kategorie „Dumm gelaufen, aber kann passieren“ abzuhaken, raunzt mich die Dame an und rügt mich der Tatsache, dass ich ausgerechnet zwischen den beiden durchlaufen musste. Ich habe gedacht, mich tritt ein Pferd, denn immerhin war sie diejenige, die ohne einen Schulterblick zu riskieren einfach die Lücke zugemacht hat. Ich wollte ihr gerade einen angemessene Replik aus der Abteilung „Dann pass doch auf wo du hintrittst, Du Pappnase!“ entgegenschleudern, als mir ein Mitläufer, der ungewollt in die Rempelei verwickelt wurde, eine Millisekunde zuvor kam und mit einem breiten Grinsen an die Dame gerichtet sagte: „Solange Du noch Luft zum Diskutieren hast, scheint es Dir ja gut zu gehen!“. Ich lache mich schlapp und lasse es dabei bewenden. Wenn die gute Frau letztes Jahr in Berlin gelaufen wäre, dann hätte die sich wahrscheinlich irgendwann schmollend an den Streckenrand gesetzt.

KM 6 | Alteburger Straße/Schönhauser Straße
2 Sekunden Vorsprung

Nachdem ich bei KM 5 einen Vorsprung von knapp zwanzig Sekunden raus gelaufen habe, muss ich diese nun in eine Pinkelpause investieren. Ich hechte ins angrenzende Buschwerk und erledige schnellstmöglich das, was zu erledigen ist. Dabei riskiere ich einen Schulterblick in Richtung Laufstrecke und nehme ein vertrautes orangefarbenes Laufshirt mit dem Aufdruck „Macht Euch nicht bekloppt!“ wahr. Die Kampfsau! Dann ist sie wohl immer noch dicht hinter mir. Ich nehme sofort die Verfolgung auf und schließe nach gut zweihundert Metern zu ihr auf. Sie hat offensichtlich gar nicht gemerkt, dass sich mich bei meinem technischen Stopp überholt hat und ist völlig überrascht, dass ich plötzlich neben ihr laufe. „Du weiß, dass ich gut zwanzig Sekunden Vorsprung auf meine Marschtabelle habe?“ rufe ich ihr zu. „Äh, ja?“ ist alles, was ich von ihr vernehme. Als ich mich gerade wieder von ihr absetzen will, ruft sie mir noch nach „Wo kommst Du denn jetzt her?“. „Vom Pinkeln!“ gebe ich ihr zurück. Es soll bis zum Ziel das letzte Mal sein, dass ich die Kampfsau zu sehen und zu hören bekomme. Beim Überlaufen der Sechs-Kilometer-Marke auf der Schönhauser Straße stelle ich dann fest, dass ich zwar mein Zeitpolster beim Gang in die Büsche verloren habe, aber immer noch mit ganz knappem Vorsprung zur Marschtabelle unterwegs bin.

KM 7 | Agrippinaufer/Ubierring
9 Sekunden Vorsprung

Der nächste Fankontakt an selber Stelle wie bei KM 3. Dieses Mal auf der anderen Straßenseite. Als ich vorbeigelaufen bin, spitze ich die Ohren um zu horchen, ob die Anfeuerung abklingt oder ob ein weiteres Aufbranden der Zurufe darauf hindeutet, dass die Kampfsau immer noch direkt hinter mir ist. Die Geräusche ebben ab und meine kleine zähe Kampfsau wird mir später im Ziel erzählen, dass sie bis kurz hinter der Südbrücke immer noch dicht hinter mir war, aber kurz vor dem Erreichen des Rendezvouspunktes mit unserem Fanblock das Tempo gedrosselt hat.

KM 8 | Severinstraße
6 Sekunden Rückstand

Das wurde auch allerhöchste Zeit, dass die Severinstraße, jetzt wo der U-Bahntunnel darunter fertig ist und die Straße neu gestaltet wurde, wieder Teil der Strecke geworden ist. Hier entlang zu laufen ist einfach nur toll. Sehr schöne Stimmung und angenehmes Ambiente. Eine Bereicherung für den Köln-Marathon. Darauf trinke ich erst mal einen und schütte mir planmäßig das erste von fünf Kohlehydrategels in den Hals.
Den überschaubaren Rückstand, den ich gerade auf die Marschtabelle habe, sehe ich gelassen. Das sind nur ein paar Sekunden, das ist drei Mal Nix.

KM 10 | Hahnenstraße
6 Sekunden Vorsprung

Mittlerweile bin ich wieder knapp unter meiner Sollzeit. Geht doch! Ein Zehn-Kilometer-Zwischenfazit verkneife ich mir, denn die Strecke ist noch lang und aus der ersten Stunde, die ich jetzt unterwegs bin, irgendwelche positiven Erwartungen und Effekte abzuleiten, das lass ich mal schön bleiben. Ich habe schon genug Wettkampfkilometer abgerissen um zu wissen, dass das Ding erst gelaufen ist, wenn man die Ziellinie unter seinen Füßen hat vorbeihuschen sehen. Hinten sind die Schweine fett! Trotzdem muss ich feststellen, dass die ersten zehn Kilometer durchweg gut verliefen und Spaß gemacht haben.

KM 11 | Barbarossaplatz/Kyffhäuserstraße
6 Sekunden Vorsprung

Direkt in der Kurve, die die Strecke vom Ring aus in die Kyffhäuserstraße umleitet, hat sich unser Fanblock postiert. Scheinbar kommen die bis jetzt ganz gut mit den Zeitfenstern und den Transfers klar. Und wenn die Kampfsau nach wie vor so ein Tempo hinlegen sollte, dann ist der Abstand zwi-schen uns kleiner als geplant, was für unsere Fans die Zeitfenster deutlich entkrampft.
In der Kyffhäuserstraße schlägt uns direkt ein intensiver Dönergeruch entgegen. Laufen unter ver-schärften Bedingungen. Wären wir jetzt schon über den KM 30 hinaus, wäre die Versuchung groß.

KM 15 | Berrenrather Straße
20 Sekunden Vorsprung

Die letzten Kilometer verliefen absolut reibungslos, allerdings auch mit mäßiger bis überhaupt keiner Publikumsbeteiligung im Bereich Bachemer Straße, Universitätsstraße und Luxemburger Straße. Das hat sich jedoch jetzt schlagartig geändert und ich laufe nun im Stadtteil Sülz an einer großen Ansammlung guter Stimmung vorbei. Als der Kurs von der Sülzburgstraße in die Berrenrather Straße einbiegt, versuche ich irgendwo im Publikum einen Kumpel auszumachen, der sich eventuell hier an die Strecke stellen wollte. Ich kann ihn aber nicht finden. Entweder ist er doch nicht gekommen oder ich habe ihn verpasst. Pech gehabt!

KM 17 | Dürener Straße
13 Sekunden Vorsprung

Auch Lindenthal zeigt sich von seiner stimmungsvollen Seite. Zwar ist die Publikumsbeteiligung hier nicht ganz so groß wie zuvor in Sülz, aber dafür haben die Anwohner hier ein paar Hot Spots gebildet, an denen die Anfeuerung der Läufer auf unterschiedliche Weise zelebriert wird. Sei es durch einen DJ oder gar mit Live-Musik. Am nächsten Verpflegungspunkt nehme ich zugleich mein zweites Gel ein.

KM 19 | Aachener Straße/Melaten
14 Sekunden Vorsprung

Traditionell ist die Aachener Straße ein eher zäher Streckenabschnitt und stimmungsmäßig genauso tot wie der angrenzende Melaten-Friedhof. Es geht eine ganze Weile stur geradeaus und es ist so gut wie kein Publikum am Straßenrand zu finden ist. Aber da muss man durch. Man kann bei einer 42,195 Kilometer langen Strecke nicht erwarten, dass hier an jeder Ecke die Luzie rockt, es sei denn man läuft in New York. Zum Marathonsport gehört auch dazu, sich durch wenig attraktive Strecken-abschnitte durchzubeißen. Zum Glück habe ich meine Playlist auf diese Durststrecken ausgerichtet und die Musik, die mir gerade aus den Ohrhörern dröhnt, ist richtig geil!
Nebenbei, um die Zeit auf dem langweiligen Stück zu verkürzen, ziehe ich schon mal ein kleines Resümee meiner bisherigen Leistung. Ich habe das Gefühl, ich laufe wie ein Uhrwerk. Meine Zwischenzeiten decken sich weitgehend mit meiner Marschtabelle, die Differenz war bisher nie größer als ungefähr zwanzig Sekunden. Und ich fühle mich gut. Ich lasse aber nach wie vor keine Euphorie aufkommen und bleibe verhalten optimistisch. Ich habe noch nicht mal die Hälfte der Strecke hinter mir, da kann noch viel passieren und warm werden soll es ja auch noch.

KM 21 | Friesenplatz
15 Sekunden Vorsprung

Ich laufe gerade über den Hohenzollernring zwischen Rudolfplatz und Friesenplatz. Eines der High-lights auf der Kölner Strecke, wenn nicht sogar DAS Highlight, wenn man mal vom Zieleinlauf absieht. Hier findet man die größte Publikumsdichte mit dem dazugehörenden Lärm und einer ausgelassenen Stimmung. Früher musste man allerdings damit rechnen, vom Publikum auf dem Hohenzollernring derartig in die Zange genommen zu werden, dass man kaum noch über die Strecke kam. Mittlerweile hat man diesen Bereich jedoch zusätzlich gesichert und mit weiteren Drängelgittern versehen, sodass ein ungestörtes aber nicht minder genussvolles Laufen möglich ist. Kurz bevor ich den Friesenplatz erreiche höre ich, wie jemand von der linken Straßenseite aus meinen Namen ruft. Es ist eine frühere Klassenkameradin von mir. Auch wenn unsere Begegnung nur einen Wimpernschlag dauerte, habe ich mich gefreut, sie zu sehen. Das ist auch einer der Reize, die den Heimmarathon ausmacht. Hier kann man mit etwas Glück Leute die man kennt an der Strecke antreffen, von denen man vorher nicht wusste, dass sie am Streckenrand stehen werden.
Am Friesenplatz macht der Kurs eine Linkskurve in Richtung Ehrenfeld. Genau in dieser Kurve hat sich unser Anhang postiert mit einer optimalen Sicht auf die Strecke. Es erfolgt das übliche Prozedere: Jubeln, Anfeuern, Filmen, Krach machen, Abklatschen.
Kurz darauf überlaufe ich die Halbmarathonmarke in einer Zeit von 2:04:02 Stunden, also 24 Sekun-den schneller, als die Marschtabelle vorgibt. Demnach alles im akzeptablen Bereich und man kann als Halbzeitfazit festhalten, dass ich noch nie bei einem Marathon so gehorsam nach der Marschtabelle gelaufen bin und die Zeiten so gut eingehalten habe. Aber ich mahne mich erneut zur Vorsicht. Es ist gerade erst die Hälfte geschafft!

KM 22 | Vogelsanger Straße/Innere Kanalstraße
16 Sekunden Vorsprung

Die Vogelsanger Straße stellt für mich heute eine psychologische Schlüsselstelle dar. Bei meinen früheren Starts beim Köln-Marathon, wo ich bekanntermaßen böse unter die Räder gekommen bin, war das genau der Streckenteil, bei dem ich immer einen signifikanten Einbruch erfahren musste. Für heute habe ich mir vorgenommen, der Vogelsanger Straße die Stirn zu bieten und gedanklich mit beidseitig ausgestreckten Mittelfingern hier durchzulaufen, was mir auch scheinbar gelingt. Da scheint auch die Tatsache, dass dieser Streckenabschnitt hier ähnlich tot ist, wie zuvor die Aachener Straße, keinen erschwerenden Einfluss zu haben.

KM 24 | Venloer Straße
15 Sekunden Vorsprung

Hat man diese schnarchlangweilige Vogelsanger Straße einmal hinter sich gebracht, wird man mit dem Treiben auf der Venloer Straße entschädigt. Der Stadtteil Ehrenfeld, den man zwei Jahre lang (von 2011 bis 2012) aus der Strecke geworfen und nun zum Glück wieder aufgenommen hat, erweist sich als gewohnt stimmungsvoll und publikumsfrequent. Es macht richtig Spaß, hier entlang zu laufen.

KM 25 | Subbelrather Straße
1 Sekunde Rückstand

Kaum zu glauben, aber ich habe eben einen plötzlichen Anflug von Kohldampf gehabt und musste mir daher an der letzten Verpflegungsstelle etwas mehr Zeit nehmen und ein Stück Banane essen. Damit habe ich meinen leichten Vorsprung auf die Marschtabelle aufgebraucht und verzeichne beim Erreichen der 25-KM-Marke einen Rückstand von sage und schreibe einer Sekunde. Das ist sozusagen Klagen auf hohem Niveau. Im Grunde genommen kommt es einer Punktlandung gleich.
Mittlerweile setzt sich immer mehr die Sonne durch. Das wird die Zuschauer freuen, die Läufer eher weniger. Noch empfinde ich die Temperaturen als angenehm und ich hoffe, dass dieser Zustand zumindest so lange Bestand hat, bis ich das schlimmste hinter mir habe.

KM 26 | Hansaring
10 Sekunden Vorsprung

Wieder ist ein kleiner Vorsprung herausgelaufen und ich nähere mich so langsam dem letzten Stre-ckendrittel. Noch gut fünfhundert Meter bis zum Ebertplatz, dem nächsten Rendezvouspunkt an dem unser Fanblock steht. Schnell nehme ich noch mein drittes Gel ein, denn ich werde gleich zwei neue Gelflaschen in Empfang nehmen und meine leer getrunkenen bei unseren Fans zurück lassen. Ich nähere mich unserem Anhang und mache mich für die Gelübergabe bereit, als unvermittelter Dinge drei Radfahrer von rechts kommend und gemütlich ihr Räder schiebend die Laufstrecke überqueren und dabei nicht gerade den Eindruck erwecken, als hätten sie es irgendwie eilig oder dass sie sich im Geringsten um die Marathonläufer scheren würden, die sie gerade mit ihrer Aktion behindern. Dämliche Idioten! Ich werde dadurch gezwungen mein Lauftempo dadurch massiv zu drosseln und einen Bogen um diese Knallköpfe zu laufen. Stinksauer brülle ich diese Penner an: „Hey! Geht das auch was schneller, Ihr Arschgeigen?“. Unser Fanblock scheint von der ganzen Nummer und von meiner heftigen Reaktion völlig verwirrt, aber wenigstens hat das keinen Einfluss auf die reibungslose Übergabe der Gelflaschen.
Nur wenige Meter hinter unserem Anhang taucht dann plötzlich noch ein weiterer Kumpan aus unserer Laufgruppe auf, der heute leider nicht starten kann und der mir nun mit gereckten Armen ein paar Anfeuerungsrufe zukommen lässt.

KM 27 | Riehler Straße
+/- 0 Sekunden zur Marschtabelle

Meine Zwischenzeit bei der 27-KM-Marke überlaufe ich exakt in meiner geplanten Zeit gemäß Marschtabelle: 2:40:00 Stunden. Den kleinen Vorsprung aus dem letzten Kilometer haben mir diese dämlichen Radfahrer geraubt.
Jetzt nähere ich mich so langsam einem weiteren entscheidenden Streckenabschnitt. Es geht jetzt über Riehl hoch nach Nippes und dann über die Amsterdamer Straße wieder zurück. Traditionell ein recht toter Streckenabschnitt (wenn man mal von der Neusser Straße in Nippes absieht) der men-tal den Läufern noch mal einiges abverlangt. Auch hier habe ich bei meinen früheren Starts extrem alt ausgesehen und ich habe nach wie vor Respekt vor diesem Streckenteil. Aber ich gebe mich weiterhin kämpferisch. Der Köln-Marathon wird mich dieses Jahr nicht in die Knie zwingen! Das habe ich mir fest vorgenommen! Allerdings muss ich feststellen, dass es jetzt von Minute zu Minute immer ein klein wenig wärmer wird. Noch halte ich das aus, aber ich will mal hoffen, dass da nicht ausgerechnet auf diesem schwierigen Streckenabschnitt ein Schuh draus wird.

KM 28 | Amsterdamer Straße
8 Sekunden Vorsprung

Ich habe nun die Amsterdamer Straße erreicht, die insbesondere auf dem Rückweg zurück in die Innenstadt ein unter erfahrenen Köln-Marathonis gefürchteter Streckenabschnitt ist. Heute habe ich aber den Eindruck, dass man sich hier über deutlich mehr Publikumspräsenz und auch etwas mehr Stimmung an der Strecke freuen kann, als die Jahre zuvor. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das zu einem nicht unerheblichen Anteil der frühen Startzeit geschuldet ist. Denn früher, als wir erst um 11:30 Uhr gestartet sind, haben wir diesen Streckenabschnitt auch erst entsprechend später erreicht, nachdem die Zuschauer schon für den Halbmarathon, den Inline-Marathon und für die Handbiker an die Strecke gekommen waren. Als dann die Marathonläufer am Nachmittag kamen, hatten wohl viele keine Lust mehr und sind schon nach Hause gegangen. Dieser Effekt scheint so nicht mehr vorhanden zu sein. Hier ist es heute im Vergleich zu anderen Streckenteilen zwar immer noch verhältnismäßig ruhig, trotzdem bin ich angenehm überrascht.

KM 30 | Niehler Straße
18 Sekunden Rückstand

Der magische dreißigste Kilometer ist nun erreicht. Alles was ab jetzt kommt ist irgendwie nicht mehr planbar und entspricht genau dem, was den Marathon ausmacht. Ab jetzt sind insbesondere mentale Härte und Beißerqualitäten gefragt. Mittlerweile ist die Temperatur auch deutlich gestiegen und gefühlt würde ich sagen, dass wir jetzt jenseits der zwanzig Grad angekommen sind. Ich spüre sofort, wie mich das in meinem Lauf beeinträchtigt. Sicher! Dass mich das jetzt hier zunehmend anstrengt ist bestimmt nicht alleine auf den Temperaturanstieg zurückzuführen, sondern auch, dass ich schon fast drei Stunden auf dem Tacho habe. Auf jeden Fall muss ich mich jetzt mit der Tatsache auseinandersetzen, dass es mir immer schwerer fällt, das Tempo zu halten und dass ich jetzt erstmals einen nennenswerten Rückstand auf meine Marschtabelle habe, der zwar grundsätzlich noch beherrschbar sein sollte, aber doch schon mal als Signal gesehen werden kann.

KM 31 | Neusser Straße
15 Sekunden Rückstand

Der Stadtteil Nippes hat wie erwartet viel Stimmung zu bieten. Köln zeichnet sich dadurch aus, dass hier viele schlagkräftige Samba-Bands an der Strecke stehen. Aber die Samba-Trommler, die sich hier an der Neusser Straße kurz vor unserem nächsten Fan-Rendezvouspunkt aufgestellt haben, stellen alles Bisherige in den Schatten. Meine Güte, macht das Laune an denen vorbei zu laufen! Kurz dahinter, direkt vor dem Nippeser Kaufhof, treffe ich dann auch plangemäß auf unseren Anhang, die ebenfalls Spaß zu haben scheinen. Als ich ein Stück weiter oben die 31-KM-Marke passiere, kann ich feststellen, dass ich auf dem letzten Kilometer meinen Rückstand um drei Sekunden verkürzt habe. Da hatten die Trommler bestimmt auch ihren Anteil dran.

KM 34 | Amsterdamer Straße/Nesselrodestraße
35 Sekunden Rückstand

Ich habe mittlerweile den nördlichsten Streckenpunkt erreicht und nun geht es über eine Wende-schleife rüber auf die andere Seite der Amsterdamer Straße und wieder zurück Richtung Zentrum. Mein Rückstand auf die Marschtabelle wächst mittlerweile kontinuierlich um ein paar Sekunden. Ich bin noch nicht bereit, meine Zielzeit aufzugeben und hoffe darauf, dass ich auf den letzten Kilometern noch genug Reserven habe, um den Rückstand aufzuholen.
Da ich die Wendeschleife mittlerweile hinter mir habe, kann ich nun ungefähr einen Kilometer lang die Läufer auf der anderen Straßenseite sehen, die hinter mir sind. Ich blicke immer wieder rüber, ob unter ihnen die Kampfsau zu sehen ist. Ich kann sie aber nicht entdecken. Entweder hat sich der Abstand zwischen uns nun doch deutlich vergrößert oder ich habe sie schlichtweg verpasst.
Es ist mittlerweile warm, das lässt sich nicht ignorieren und ich muss schauen, dass ich irgendwie damit zurechtkomme und mich auf diesem psychisch schwierigen Streckenabschnitt bei Laune halte. Die positive Erkenntnis ist aber, dass auch hier augenscheinlich mehr am Streckenrand los ist, als in den vergangenen Jahren. Ich bin gerade für jedes Fünkchen Ablenkung und Motivation dankbar.

KM 36 | Amsterdamer Straße
1:00 Minuten Rückstand

Ich erreiche so langsam das Ende der Amsterdamer Straße und muss feststellen, dass es aus Sicht der Motivation und des Spaßfaktors nicht so schlimm war, wie ich befürchtet hatte. Wenn ich an 2010 zurückdenke, da bin ich genau an diesem Abschnitt zugrunde gegangen, als wir damals bei achtundzwanzig Grad und heftigem Gegenwind nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelaufen sind. Trotzdem hat sich mein Rückstand vergrößert. Ich muss das jetzt mal realistisch sehen. Irgendwas hat dazu geführt, dass ich nun nicht mehr mein Solltempo halten kann. Die Temperatur dürfte daran den größten Anteil haben. Aber es hilft ja alles nichts. Ich denke, ich sollte mich jetzt mit dem Gedanken anfreunden, dass das mit meiner Zielzeit 4:13:00 Stunden heute hier nichts wird. Ich versuche im Kopf hochzurechnen, mit welcher Zeit ich aussteigen werde, wenn sich der Trend meines Rückstandes in dieser Proportion so fortsetzt. Das Unterbieten meiner persönlichen Bestzeit von 4:14:32 Stunden sollte noch möglich sein. Darauf werde ich mich jetzt konzentrieren!

KM 37 | Riehler Straße
1:15 Minuten Rückstand

Der Übergang von der Amsterdamer Straße auf die Riehler Straße beinhaltet eine kleine Steigung, die mir zum jetzigen Zeitpunkt des Laufs überhaupt nicht behagt. Ich muss an dieser Stelle ganz schön beißen und ich versuche dagegen anzukämpfen, dass sich dadurch mein Rückstand nicht noch weiter vergrößert. Allerdings muss ich bei KM 37 feststellen, dass mich der Hügel ganze 15 Sekunden zusätzlich gekostet hat.

KM 39 | Kaiser-Wilhelm-Ring/Christophstraße
2:09 Minuten Rückstand

Die Luft ist raus! Selbst das hohe Stimmungsniveau an der Strecke hier in der Innenstadt kann nicht verhindern, dass sich mein anfangs schleichend eingesetzter Einbruch nicht nur fortsetzt, sondern sich auch noch verstärkt. Jetzt wackelt sogar meine Bestzeit. Schade! Aber nicht zu ändern. Ich habe keine Körner mehr und kann nur noch so viel Energie aufbringen, dass ich am Ende mit einer ordentlichen Zeit aus dem Rennen aussteigen werde, die dann bei unter 4:20 Stunden liegt. Ich muss mir einfach bewusst machen, dass das auch ein super Ergebnis ist, vor allem vor dem Hintergrund, dass das mal zu Beginn der Saison unsere ursprüngliche Zielsetzung war. Es sind nur noch drei Kilometer bis zum Ziel, das muss doch zu schaffen sein!

KM 40 | Friesenplatz
2:31 Minuten Rückstand

Ich schöpfe neue Hoffnung! Der vierzigste Kilometer ist seit fünf Kilometern der erste, bei dem mir eine Temposteigerung gelingt. Auf den Ringen zwischen Rudolfplatz und Friesenplatz ist auch immer die beste Stimmung, die einen förmlich über die Strecke trägt, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Trotzdem bin ich immer noch deutlich langsamer als meine Marschtabelle es vorsieht, daher baut sich mein Rückstand weiter auf. Meine persönliche Bestzeit ist nur noch theoretisch erreichbar, es sei denn, mit gelingt es auf den letzten beiden Kilometern meine Pace auf weniger als 6:00 Min./km zu beschleunigen. Dafür fehlt mir aber definitiv die Kraft.

KM 41 | Cäcilienstraße
3:26 Minuten Rückstand

Ich erreiche den Neumarkt und sehe plötzlich jemanden vom Streckenrand aus auf mich zurennen. Es mein Kumpel, mit dem ich eigentlich schon viel früher in Sülz gerechnet habe. Ich bin froh ihn zu sehen und er läuft ein paar Meter neben mir her und feuert mich an. Ich bin überhaupt nicht in der Lage, mit ihm in irgendeiner Form zu kommunizieren und trotte unverrichteter Dinge weiter.
Ich biege in die Cäcilienstraße ein und erreiche kurz darauf die 41-KM-Marke. Au, backe! Das war mein schwächster Kilometer, bei dem ich noch mal so richtig was auf den Rückstand drauf gepackt habe. Nur noch ein Kilometer. Da muss einfach noch was gehen! Den letzten Kilometer will ich noch mal alles geben und beim Zieleinlauf richtig gut aussehen.

Kurz vor dem Ziel | Walrafplatz

Die Hohe Straße bin ich mit Tunnelblick entlang gelaufen und habe mich darauf konzentriert, wieder ein menschenwürdiges Tempo zu finden und nicht als wandelnde Leiche an den letzten Zuschauern vorbeizulaufen. Als ich den Walrafplatz erreiche, blicke ich auf meine Uhr und sehe, dass genau jetzt 4:14:32 verstrichen sind. Das wäre meine persönliche Bestzeit gewesen! Aber anstatt mich darüber zu ärgern freut mich irgendwie die Erkenntnis, dass es von hier aus nur noch wenige hundert Meter zum Ziel sind und ich dort in einer Zeit ankommen werde, die mit meiner Bestzeit in einer Liga spielt. Wenn man bedenkt, dass meine Bestmarke schon sechs Jahre alt ist und ich auf die Fünfzig zugehe, dann wird das heute zumindest mal eine gefühlte Bestzeit! Ir-gendwie amüsiert mich dieser Gedanke und ich vergesse kurz meinen gewaltigen Durchhänger, erlaube mir ein Grinsen über beide Backen und heize mit Gesten die Zuschauer am Walrafplatz an.
Jetzt nur noch ein paar kleine Schlenker und kurz das Kopfsteinpflaster in dem Sträßchen mit dem schönen Namen „Unter Fetten Hennen“ ertragen und dann geht es ins Ziel.

KM 42,195 | Ziel | Komödienstraße
3:44 Minuten Rückstand

Auf den Zieleinlauf hier habe ich mich schon lange gefreut, unabhängig davon, wie das hier heute ausgegangen wäre. Erst seit letztem Jahr ist das Ziel wieder in die Nähe des Doms verlegt worden. 2013 bin ich hier den Halbmarathon gelaufen und war damals schon von dem Ambiente und den Rahmenbedingungen im neuen Zielbereich total begeistert. Aber heute! WOW!!! Das ist der absolute Hammer! Die Komödienstraße ist zu beiden Seiten mit dicht gedrängten Zuschauern gesäumt, teilweise auf eigens errichteten Tribünen. Die letzten Meter vor dem Ziel sind mit einem roten Teppich ausgelegt, eine besondere Wertschätzung für uns Läufer. Der Zielbogen wirkt noch beeindruckender, als die Jahre zuvor.
Etwa fünfzig Meter vor dem Ziel kann ich unseren Fanblock auf der rechten Tribüne ausmachen. Ich recke meine Arme zur Siegerpose in der Höhe und presse mein komplettes Lungenvolumen in einen Siegesschrei, als ich letztendlich die Ziellinie in einer Zeit von 4:16:44 Stunden überquere. Geschafft! Auch wenn ich nun schon zum zehnten Mal den Zieleinlauf bei einem Marathon erlebe, irgendwie ist es immer wieder ein sehr beeindruckendes und auch emotionales Erlebnis. Und der heutige Zieleinlauf ist besonders schön!

Nachzielbereich

Mein soeben vollführter Siegesschrei führt dazu, dass mir direkt nach meinem Einlauf die Luft weg bleibt und mir kurz schwindelig wird. Ich muss mich am Geländer abstützen und errege sofort die Aufmerksamkeit eines Helfers. „Alles in Ordnung mit Dir?“ fragt er besorgt. „Alles bestens!“ gebe ich zurück und in der Tat hat sich mein Kreislauf nach ein paar Atemzügen auch wieder berappelt. Ich schleppe mich weiter nach hinten in die Nachzielversorgung und stelle fest, dass ich kaum ein Bein vor das andere setzen kann. Erst jetzt merke ich, dass meine Beinmuskulatur völlig übersäuert ist und ich von Krämpfen geplagt werde. Mit einem extrem steifen Gang bewege ich mich auf eine der Damen zu, die den erfolgreichen Finishern ihre Medaille um den Hals hängen. Mit einem freundlichen „Herzlichen Glückwunsch!“ hängt sie mir die Trophäe um.
Ich krame mein Schlaufon aus der Hose und rufe die weltweit beste Ehefrau an. Sie geht nicht dran. Muss ich gleich noch mal versuchen. Ich muss dringend was essen und trinken und ich schleppe mich weiter zu den Verpflegungsständen. Die Versorgung ist in Köln immer allererste Sahne. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt und der Läufermagen noch halbwegs vertragen kann. Wasser, Tee, Cola, Säfte, alkoholfreies Kölsch (leider kein Erdinger), Wursthappen, Brot, Obst, Schokoriegel und vieles mehr. Ich futtere mich durch und bringe meinen Blutzuckerspiegel wieder in Wallung. Wo ist eigentlich die Kampfsau? Wir haben verabredet, dass wir uns später an der Kleiderbeutelrückgabe treffen. Ich versuche noch mal die weltweit beste Ehefrau zu erreichen um zu erfragen, wie groß mein Abstand zur Kampfsau ihr am letzten Rendezvouspunkt war. Ich kann sie wieder nicht erreichen. Kurz darauf ruft sie mich aber zurück und teilt mir mit, dass die Kampfsau soeben das Ziel erreicht hat. Wie, die ist schon da? Oha! Dann hat die ja hier eine Superzeit hingelegt. Ich gehe (besser gesagt: ich wanke) wieder ein Stück zurück Richtung Zieleinlauf, um sie abzufangen und tatsächlich kommt sie mir auch schon entgegen. Auch sie ist völlig geschafft und wir liegen uns erst mal erschöpft und zufrieden in den Armen. Sie hat das Ziel in sensationellen 4:21 erreicht, knapp sechs Minuten schneller als geplant.
Wir holen unseren Kleiderbeutel ab und entscheiden uns gegen das Rudelbrausen in den Duschcontainern. Stattdessen fahren wir kurz per Bahn zu unserer Muckibude und duschen dort in aller Ruhe, bevor wir uns dann in unsere After-Run-Location, begeben und dort auf unseren Fanblock treffen. Dort lassen wir es uns bei Getränken und leckerem Essen gut gehen und tauschen uns, interessiert verfolgt von unserem Anhang, über unsere Heldentaten des heutigen Tages aus.

Resümee

Ein gelungener Marathontag! Ein super Lauf! Eine schöne Veranstaltung! Mein Urteil über den Köln-Marathon fiel nicht immer so wohlwollend aus. Aber durch die neue Streckenführung und die günstigere Startzeit hat dieser Lauf für mich immens an Attraktivität gewonnen. Und dass mir bei meinem vierten Start hier über die volle Distanz auch endlich mal ein tolles Ergebnis vergönnt ist, deute ich jetzt mal so, dass sich der Köln-Marathon mit mir wieder vertragen will. Friede sei mit Dir, o Köln-Marathon! An mir soll es nicht liegen! Obwohl er mit meinem Durchhänger am Ende ja noch mal etwas nachgelegt und gebissen hat.
Auf jeden Fall hat der Marathon mir dieses Jahr aufgezeigt, dass ich zwar immer noch gute Zeiten laufen kann, aber für die Bestzeit noch nicht wieder bereit bin. Vor allem an der Tempohärte gegen Ende des Laufs muss ich noch arbeiten. Das wird meine Zielsetzung für das nächste Jahr sein. Jetzt ist erst mal der Ruhemodus angesagt und bis zum Weihnachtsurlaub will ich nichts mehr von Trainingsplänen wissen.

Montag, 15. September 2014
Nachtritt

Also ein klein wenig muss der Köln-Marathon nun doch nachtreten. Ich habe mir einen Muskel-kater in einem noch nie dagewesenen Ausmaß gefangen. Sicher, ich hatte bei meinen früheren Marathons auch schon Muskelkater, aber den, den ich jetzt habe, kann man geradezu als infernalisch einstufen. Ich habe die ganze Nacht vor Schmerzen kein Auge zugemacht. Um 2:00 Uhr heute Nacht habe ich mich aus dem Bett gewuchtet und vor den Fernseher gehockt. Um 5:30 Uhr bin ich schon im Büro gewesen, da ich sowieso nicht mehr schlafen konnte. Meine beiden Oberschenkel bestehen nur noch aus Schmerzen. Treppen laufen geht gerade nicht. Im Betrieb nutze ich nur noch die Lastenaufzüge, Personenaufzüge haben wir nicht. Meine Mitarbeiter lachen sich alle schlapp. Unser Hausverwalter bietet mir fürsorglich den Sprinklertag als Entmüdungsbecken an. Der ist selbst schon mal Marathon gelaufen, der darf solche Witze reißen. Aber mit den anderen muss ich mal ein ernstes Mitarbeitergespräch führen. Was soll’s! Der Schmerz geht irgendwann, der Stolz wird für immer bleiben!
Als ich am Abend nach Hause komme, nehme ich sofort ein Muskelentspannungsbad. Das Problem ist nur, wie komme ich denn jetzt nur aus dieser verdammten Badewanne wieder raus? Vielleicht sollte ich sie einfach zum Überlaufen bringen und mich rausspülen lassen. Irgendwie schaffe ich den Gang ins Schlafzimmer und falle am frühen Abend in einen komatösen, elf Stunden andauernden Tiefschlaf.

5
Gesamtwertung: 5 (8 Wertungen)

Den Köln-Fluch

...hast du jetzt hoffentlich besiegt. Mir wurden ein einziges Mal sämtliche Barschaften geklaut - in der Jugendherberge Köln. Einmal ging meine wertvolle Kamera kaputt - in Köln, beim Fußball gegen Gladbach. Einmal hatte ich eine Kurzreise mit Luxushotel und allem Pipapo gewonnen, wurde einen Tag vorher krank - es wäre nach Köln gegangen. Den Köln-Marathon werde ich bestimmt so schnell nicht laufen. Witzigerweise habe ich meine Bestzeit übrigens in Düsseldorf gelaufen, bei meinem bisher einzigen Marathon im Westen ;-)


Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Saffti bloggt:
http://saffti.de

Klasse Bericht... zum lachen

Klasse Bericht... zum lachen und zum freuen... herzlichen Glückwunsch... :-)
Und nehme eine Ibu.. leiden braucht keiner

*brüll*

Tut mir leid, aber ich wälze mich gerade brüllend vor Lachen auf dem Boden und erreiche nur mühsam die Tastatur ;-))

Ich bin in Köln 3x den Marathon gelaufen: 2007 meinen ersten, 2010 einen meiner schlimmsten und 2011 meinen besten, also kann ich kaum meckern. Allerdings weiß ich seit meinem Marathon vor zwei Wochen in Köln auch, wie lange und schön man wandern kann, da hatte ich auch meinen persönlichen Negativrekord von 5:30h, allerdings war ich da vorher geschwommen und Rad gefahren ;-)

Das mit der neuen Strecke und Startzeit finde ich spannend, denn die alte Startzeit in der MIttagszeit hat mich zweimal ziemlich gebremst, als es nach einer Woche voller Regen pünnktlich zum Marathontag 26 Grad werden musste (2010 war ein historisches JM-Köln_Marathon-Jahr, wir kamen alle mit Verspätung rein, jeder auf seinem Niveau ;-).

Ich glaube, ich muss 2015 nach Köln.....

Dir herzlichen Glückwunsch zum Lauf und zum Bericht!!!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Zieleinlauf im Kölner Dom ...

.. wäre für mich auch ein zeitnah vorstellbarer Wunsch, als Tourist versteht sich und nicht nach einem Marathon. Respekt vor dieser Wettkampfzeit und der Streckenlänge, die für mich zwar nicht unfassbar aber noch für lange Zeit unvorstellbar sein wird!

Viel Freude beim Erholen und die Trainingspläne darfst du bis Weihnachten sicherlich zur Seite legen, aber die Laufschuhe sollten trotzdem nicht einstauben, oder???

Gruß von einem, der seinem Ziel viel weiter hinterher hängt.

Aller Anfang sollte leicht sein, schwerer mach ich's mir ganz von allein!

Mann, Szossi, da hast du ja

Mann, Szossi, da hast du ja echt einen rausgehauen. Läuferisch und schreiberisch. Köln steht schon seit längerem auf meiner "Irgendwann-mal-Liste". Nach deinem Bericht könnte das nun 2015 sein. Mal sehen!
Glückwunsch zu der guten Zeit und zum Friedensschluss!

Gruß

Sirius
...der demnächst vielleicht auch mal in Köln rennt.

Hört sich nach schiedlich-friedlich an

und nach einem schönen Lauf. Aber als Kölner solltest Du eigentlich Erdinger mit dem Hintern nicht angucken :lach:

Erhol Dich gut, der Muskelkater sei Dir gegönnt.

Köstlich! ...

... Schon der Bericht zum Lauf ist Klasse, aber vor allem Danke für den Nachtrag!
Wirklich sehr, sehr schön!
Der Rat kam ja schon aus berufenem Munde: Nimm ne IBU oder dergleichen vor dem ins Bett gehen. Schlaf ist das Wichtigste an der Regeneration.
Vor nem Lauf, während eines Laufes ist so was verboten - ganz klar. Auch direkt nach nem Lauf würde ich das sein lassen. Aber wenn der Kreislauf sicher wieder im grünen Bereich ist, dann darf man sich vor dem Schlafen gehen für eine ruhige und schmerzfreie Nacht was einwerfen.
Mittlerweile dürftest du ja erholt sein und bereits die ersten Meter just vor fun absolviert haben. Genieße die und genieße den Frieden mit dem Köln-Marathon.
Ich hab ihn aus 2010 als durchweg grausig in Erinnerung. Die Korrelation Dembo und Temperatur habe ich mir selbst eingebrockt. Aber die Strecke war damals wirklich einfach nur grauenvoll. Ich werd als Supporter meinen Heim-Marathon am Sonntag genießen.
Da kannst du mit einem fetten Grinsen entspannt ne Runde am Rhein lang schlurfen.
;-)

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