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Benutzerbild von Schalk

Ich war unterwegs vom höchsten Punkt der Strecke, dem Col Loson in Richtung nächsten VP. Der Magen knurrte und rumorte. Es drückte. Ich brauchte Futter und wollte doch keins. Ich war das erste Mal komplett geplatzt. Es waren gerade reichlich 90km weg und aus dem klasse Lauf war binnen weniger km der totale Dreck geworden. Super! Was soll der Mist? Wie soll das weiter gehen?
Erst mal Ruhe bewaren. Erst mal nach Sella kommen und dann ist da erst mal Zeit.
Irgendwas Eßbares muß da her und der Magen muß sich beruhigen. Tee fällt jedenfalls für den Rest der Strecke aus. Der scheint nich so meins zu sein.
‚Wieso bist du Idiot überhaupt mit den anderen mitgegangen?
Wieso hast du dich nicht zusammenreißen können?
Wieso zerreißt du dich hier mit Ansage? Bist du bescheuert?
Ist doch logisch, dass du dich in die Reserve rennst da oben!
Es ist sooo früh im Rennen. Was macht da eine Stunde aus? Das ist nix. Und vor dem „Plan“ von 24h/42km bist du aber so was von weit vorn. Da kann man doch auch einfach mal sachte machen, wenn es grad nicht geht und muß nicht mit der Brechstange drücken!‘
Ich haderte ohne Ende mit mir. Egal. Verloren war längst nix. Weiter im Text.
In Sella angekommen gab es wieder nur diesen VP-Dreck. Der VP war in einem Nebenraum eingerichtet. Auf die Idee in Hauptraum einfach mal nach was Ordentlichen zu fragen, kam ich nicht. Allein der Geruch von Salami oder Schinken trieb mir den Mageninhalt ein paar cm nach oben. Ich weiß nicht mehr was ich trank oder aß. Irgendwann machte ich mich auf jeden Fall weiter. Irgendwas war drin im Magen. Ich mußte unbedingt bis Cogne. Dort war der nächste große VP und dort könnte ich ausreichend Pause machen und es gibt was Anständiges zu Futtern.
Also Abmarsch nach Cogne. Es ging nur abwärts. Es war nicht wirklich um die Ecke. Aber ich wußte was kam und wo es war und so machte es den Weg schon wieder nicht mehr soo weit.
Irgendwann war es endlich da, Cogne. Rein in den Ort und dann ging es rechts weg Richtung Refugio Sogno de Berze. Und wo ist der VP? An der Kreuzung wo es rechts auf dem TdG weiter geht, ging es erst mal Links. Und dann ging es grade und grade und grade. Nicht dass ich nicht wüßte, dass man den Dreck wieder zurück müsse. Neeein. Nicht doch. Wo ist der VP? Ich brauch Ruhe und muß meinen Magen in die Reihe bekommen. Aber auch die Meter waren gelaufen und der VP da. Tasche bekommen. Erst mal hingesetzt und überlegt. Das Buffet sah jezz nicht so berauschend aus. Der Magen drückte. An ein Weiterlaufen ohne Magenberuhigung und ordentlichem Essen war nicht zu denken. Das nächste gibt es erst wieder in Donnas bei km 148! Ich war jetzt grad km 102.
Erst mal Silke angerufen und den Sachstand durchgegeben und nach dem dritten oder vierten Zwieback beschloß ich mich einfach mal ne Stunde auf’s Ohr zu hauen. An Klada wird noch eine kurze Info abgesetzt. 'Das erste Mal geplatzt. Magen. Bevor der nicht ruhig ist, geht es nicht weiter.'
Schlaf und Abschalten hilft manchmal Wunder. Nach vielleicht einer Stunde war ich wieder wach. Also hoch und sehen, was der Magen jetzt so annehmen mag. Ich schnappte mir meine Tasche, den Laufrucksack und ab retour ins Zelt. Der Rückweg war merkwürdig. Vom Gefühl her hatte ich einen Lauf beendet und war am überlegen, ob ich den „nächsten“ Lauf beginnen sollte. Es war vom Gefühl her wie ein Schnitt – ein anderer Lauf. Viel Zeit zum Grübeln blieb mir allerdings nicht. Zurück im Festzelt denke ich meinen Augen nicht trauen zu können.
Wer sitzt denn da auf der Bank und telefoniert? Mein Andreas! Wie geil ist das denn?!
Mein Waterloo ist ist schnell erzählt und bevor ich jetzt nicht ordentlich essen kann, geht es für mich nicht weiter. Los geht es mit trockenen Kartoffeln, dann doch bissl Reissalat und zum Schluß schon noch ein paar Nudeln. Das war jetzt alles nicht die Welt, aber es half.
Und mit Andreas war es auch irgendwie wieder anders. Ich war wieder dabei. Ich war in Gedanken nicht mehr außen und betrachtete alles von da. Nein, jetzt war die Chance wieder reinzukommen. Vor dem Zeitplan waren wir eh. Ich war davor und Andreas genauso.
Puh, gerade schaue ich auf die Zeiten. Gefühlt habe ich eine Stunde geschlafen. Vielleicht habe ich das auch auf der Uhr verfolgt. Ich weiß es nicht mehr. Aber der Eingang in die Station war 8:33Uhr und mit Andreas bin ich 12:32 wieder raus. Nicht dass das schlimm wäre. Es war notwendig. Aber vom Gefühl her war ich nie 4h da drin. Doch, war ich! ;-)
Bei der Gelegenheit kann man auch gleich festhalten, dass der erste 100er also in 24h über die Bühne ging. Mein Plan sah hierfür ca. 30h vor. Nach 26h32min verließen wir frisch gestärkt Cogne.
Ziel war die nächste Live Base Donnas, um dort zu schlafen.
Gemeinsam ziehen wir in Donnas los. Der nächste Abschnitt ist nicht sonderlich schwierig. Da sind nicht solche Dinger drin, wie in dem Abschnitt vorher. Trotzdem ist auch der nicht von Pappe. 50km und gerade die letzten km bis Bard sind ein lustiges Auf und Ab.
Aber erst mal geht es durch Cogne, retour auf die Strecke und dann einen breiten, langen Fahrweg gaanz leicht flach ansteigend. Wir gehen erst mal. Andere laufen langsam und entschwinden irgendwann unserem Blick. Nicht schlimm. Gestern hätte mich das vermutlich gestört. Heute war es mir egal. Ich mußte meinen Lauf laufen und der sagte mir hier gehen. Dass das mit Andreas funktioniert, hatten wir ja ausreichend geübt. Nein, da gab es kein Problem. Ich beschrieb in loser Folge wo es wie weitergehen wird, wo es leicht hoch und wo stärker ansteigend sein wird. Und doch hatte ich einige Passagen nicht mehr so im Kopf wie sie letztlich waren. Eine lange Gerade in Höhe des ersten VP hatte ich nicht mehr so im Kopf. Viel gab es da nicht. Schalkolade, Aprikosen, Cola. Super! Andererseits, wer hat hier schon Hunger? Der letzte VP war großes Buffet. Da ist hier doch jeder satt. Hmm, naja. Räusper. Fast jeder.
Weiter ging es bei wunderschönem Wetter, man könnte auch brütender Nachmittagshitze sagen, Richtung Refugio Sogno de Berze. Landschaftlich ist der Aufstieg bis zu dem Seitental wunderschön. Doch, ein kleinwenig konnte auch ich das wieder genießen. Anstrengender war an Andreas dran zu bleiben. Der machte schon Druck. Aber wir waren schließlich auch in einem Wettkampf. Der Weg zur Hütte zieht sich noch einmal. Für den Kopf war es sehr gut das zu wissen.
Hütte erreicht. Hier gab‘s natürlich wieder "nur" den üblichen Kram. Mit dem Hüttenwirt hatte ich vor vier Wochen ne ganz Weile geschnackt. Also dort kurz Hallo gesagt und zwei Mal Pasta bestellt. Ich brauchte dringend was Ordentliches. Wenn der Magen das jetzt nicht haben wollte, hätte ich bald eh ein ausgewachsenes Versorgungsproblem. Es gab lecker Pasta. Klar, dass die das erst machen mußten. Dauerte ein paar Minuten. Aber das war richtig gut und dringend nötig. Der Magen akzeptierte die Friedensangebote. Jetzt wird alles gut.
Vom Refugio waren es grad mal noch 300Hm bis hoch und dann einfach lange nur runter, Refugio Dondena, Chardonay und dann etwas hüglig weiter.
Abwärts is gut. Andreas machte Druck und ich trottete hinterher. Ab und an mußte ich ihn Bremsen. Er wollte laufen. Ich konnte nur gehen, hätte mich sonst zerschossen. Aber prinzipiell lief es wieder. Stück für Stück näherten wir uns dem niedrigsten Punkt der Strecke. Naja, sachte. Janz langsam näherten wir uns. Bei mir war irgendwann nix mehr mit Laufen und so näherten wir uns mehr so im ganz gemütlichen Wanderschritt. Doof daran ist aber echt, dass da selbst im leicht hügeligen so 'n 10er immer noch in reichlich 2h weggeht. Am Berg ist sowas ja noch OK. Aber doch nicht im Flachen. ;-( Egal. Wir kämpften uns durch.
Hinter Chardonay kommt eigentlich noch einmal ein ganz reizvolles Stück rechts oberhalb des Flußes. Nur langsam wurde das Tageslicht immer weniger und die Stirnlampen kamen wieder zum Einsatz. Da war nix mehr mit viel Landschaft Genießen. Aber dafür zog sich der Weg nochmal richtig schön. Wir waren irgendwas auf 700m Höhe und der Pfad blieb einfach auf der Höhe. Man sah schon die Lichter von Bard und es ging und ging nicht runter. Doch. Irgendwann schon.
Nur, wenn man in Bard ist, ist man noch lange nicht in Donnas. ;-) vorher steht ne Altstadtbesichtigung von Bard und noch ein Wenig Landstraße nach Donnas an und wenn man dann durch das Portal durch ist und auch hier noch ein paar Meter durch eine leere Stadt wandert, dann erreicht man endlich die langersehnte Live base in Donnas. Schlafen! D.h., erst duschen, dann ne Kleinigkeit futtern und dann endlich schlafen.
Die nächste Etappe wird lang und hart werden. Wir wollen aus Donnas den ersten Anstieg möglichst nicht in der Sonne hoch. Also zeitig aufstehen. Ich stelle den Wecker auf 4:30Uhr. Der Wecker klingelt. Andreas pennt richtig tief. Nach dem dritten Rüttler ist er wach.
„Aufstehen!“
„Aufstehen? Nööö!“
„Ok!“
So richtig Lust hatte ich auch nicht.
„Noch ne Stunde?“
„Jup.“
Dann ging es aber hoch. Ich hatte um vier Stunden geschlafen. Ordentlich Frühstücken und gut gestärkt in den nächsten Sektor. Wir hatten grade 140km weg. Heute sollte zumindest die Hälfte geschafft sein. Die Hälfte. Wie das klingt. Wir waren doch schon ne halbe Ewigkeit unterwegs. Aber es war noch nicht mal die Hälfte. Dafür müssen wir erst mal Rifugio Coda erreichen.
Zum Frühstück gab's Kartoffelsalat und Pasta und Eier und Kaffee und noch mal Kartoffelsalat. Man muß halt wirklich gut futtern. Und dann ging es los. Wir zogen erst etwas nach oben, um wieder runter in den Ort zu kommen und dann endgültig erst einen Weinhang und weiteren eine Olivenhain nach oben zu gehen. Vor vier Wochen bin ich hier in der Mittagshitze hoch. Diesmal war es noch angenehm. Und glatt war es nicht so lang, wie erwartet. Steil ging es hoch nach Coda. Das Wetter war gut. Wir kamen zügig voran, aber da war keine Hektik. Einfach hoch und gut. Auf dem Weg treffen wir einen Franzosen. Ich habe gegen die Sonne die Mütze von der Diagonale auf. Die schützt auch gut den Nacken. Wir reden über die Diagonale. Er ist in Frankreich geboren, lebt aber seit 20Jahren auf La Reunion und ist die Diagonale schon öfter gelaufen. Der Schnack lenkt ab. Der nächste VP. Schon von weitem werden Kuhglocken geläutet. Wir machen Späße am VP.
„Wo kommt ihr her?“
„Germania, Berlino.“
Und plötzlich kam auf Deutsch von gegenüber: „Hallo ihr Berliner.“ Da kam eine Frau doch glatt auch aus Berlin. Drollig. Sie meinte sie hätte wenigstens auch Turnschuhe bei und fragte ob das auch zählt. Nur so weit wie wir würde sie doch nicht wollen. Sehr schön!
Und weiter ging es hoch. Col Potola, 1.966m. Jetzt haben wir es fast geschafft. Noch ein wenig oben durch eine kleine Sumpflandschaft zum Col de Carise und dann ist es noch ne Viertelstunde bis Coda. Dort ist die Hälfte geschafft! Jetzt ordentlich was futtern, Flaschen auffüllen und dann geht es wieder weiter. Aber halt! Es fängt an mit Regnen. Hmm, kenne ich von da oben. Sealskin-Socken an, Regenhose, -jacke an. Und los. Wir kommen raus. Es tröpfelt nur noch, um ne halbe Stunde später ganz aufzuhören. Hose aus Jacke aus. Socken aus. Wegpacken. Weiter.
Ich hole Andreas wieder ein. Runter zum Lac de Vargno treffen wir wieder auf den Franzosen aus LaReunion. Wir reden über die Diagonale, vergleichen mit den UTMB oder dem hier. Schöne Erinnerungen. Am VP habe ich Glück. Ein Mädel fragt mich, ob ich Pasta essen möchte. Klar doch! In der Hütte nebenan ist es heimelig. „Du kannst hier auch Schlafen.“ Och nöö. Müde bin ich kein Stück. Aber Hunger. Und da werden lecker Pasta extra für mich gemacht. Geil. Andreas kommt auch noch rein und bekommt auch noch ne Portion und dann geht es weiter. Wir sind wieder 15min später, aber satt und zufrieden läuft es sich einfach besser. Die Zeit ist mir irgendwie längst (fast) egal. Einfach gut und zügig durchkommen. Aber eben nicht kopflos und vor allem nicht hungrig!
Das nächste Ziel ist Niel. Aber das ist noch ne Ecke. Da fängt es erst mal doch wieder an mit Regnen. Socken an, Hose an, Jacke an. Ich möchte mal wissen wieviel Zeit wir damit zugebracht haben den Rucksack abzusetzen, irgendwelchen Kram zu suchen, wieder aufzusetzen und das gleiche wieder. Da kannst du vermutlich auf der ganzen Strecke allein dafür locker ne Stunde rechnen.
Aber das Anziehen der Socken war goldrichtig.
Vor dem Regen war da noch der nächste VP. Das war geil! Ein Hubschrauber-VP. Mitten in der Pampa standen acht, neun Zelte und ein etwas größerer Unterstand. An der wichtigste hatten die Jungs und Mädels gedacht. Zwei Faß Bier waren regensicher aufgestellt. Das dauert schließlich zwischen dem Ersten und dem Letzten bei km170 oder 180. Für uns gabs leckere und warme Polenta. Das is mal was. Nich so’n Schlabberkram wie vorm Col Loson. Und das geilste war ein Grill, den die sich aufgebaut hatten: Zwei dünne, glatte Steinplatten nebeneinander und unten drunter Feuer. Biss Öl auf die Platten und Rosmarin und dann kam da lecker Fleisch drauf. Es dauerte auch gar nicht lange und das Fleisch war gut. Geschmeckt hat es hervorragend! Kurz darauf war dann auch schon der Col Vecchia erreicht und nun ging‘s abwärts nach Niel. Andreas mußte mal was erledigen und so liefen wir das Stück bis Niel allein. Es war irre. Es hatte richtig ordentlich geregnet und die Jungs und Mädels vor uns müssens eilig gehabt haben. Der Weg war teilweise ne Schlamm- und vor allem Rutschpartie. Ich bin zwar immer schön sachte und möglichst auf den Steinen runter. Aber ich meinte schon ganz schön fix gewesen zu sein. Umso erstaunter war ich, als Andreas sehr kurz nach mir in Niel aufschlug. Gewartet hätte ich eh, aber das hätte ich echt nicht gedacht.
Mittlerweile regnete es in Strömen. Der VP in Niel war ein kleiner Gasthof. Draußen war das Buffet aufgebaut. Aber alles drängelte sich drinnen.
Andreas setzte sich. Ruhte aus. Da kamen ein paar Supporter und bauten ihren Kram am Tisch auf. Mei, machten die sich breit. Und wer kam rein und setzte sich? Unser Freund aus LaReunion. ;-) Hinsetzen, Beine lang. Einer massierte die Beine, der andere füllte den Rucksack. Der nächste kümmerte sich um was zu futtern. Da war die ganze Familie vor Ort und angestellt.
Andreas brauchte erst mal bissl Ruhe und was warmes. Ich mußte raus aus dem Laden. Schließlich verließen wir den VP. Nicht allerdings ohne dem Wirt noch kurz Hallo zu sagen. Schließlich hatte mich vor vier Wochen seine Pasta wieder aufgepeppelt, bevor ich damals nach Niel durchstartete. Damals war strahlender Sonnenschein und es war 16Uhr. Jetzt wurde es grad dunkel und goss in Strömen. Zweieinhalb Stunden bis runter waren also illusorisch. War eh egal. Wir liefen so wie es halt ging.
Also raus aus der Hütte und los. Nach zweihundert Metern meinte Andreas er muß sich noch was anziehen. Das wird sonst zu kalt. Anhalten, Rucksack ab, Regenjacke aus, Jacke an, Regenjacke drüber und Rucksack auf. In der Zeit kam einer von hinten blieb hinter uns stehen. Es war Platz zum vorbeigehen. Nein, er wollte nicht, pumpte wie ein Maikäfer und meinte er müsse erst mal wieder etwas runterkommen. Wir zogen los und fragten noch mal ob er vorbei wolle. Nein. Es kam die Frage, ob er sich dran hängen könne. Ja klar. Und so waren wir zu dritt. Es ging hoch und hoch und hoch. Ich hing immer nur an Andreas Fersen und der andere folgte mit leichtem Abstand. Wir hörten nur ein Schnaufen und sonst nichts. Ab und an unterhielten Andreas und ich mich, aber nach hinten war irgendwie Funkstille. Hää, was das denn? Egal. Er war auch zügig unterwegs. Manchmal suchten wir kurz den Weg. Dann fragte Andreas mich. Aber ich muß zugeben, ich hatte komplett die Orientierung verloren. Wenn du nur da an den Fersen klebst, geht jedes Gefühl wo man sich am Berg grad befindet komplett verloren. Man muß aber auch sagen, dass die Markierung mit gelben Fahnen wirklich fast auf der gesamten Strecke perfekt war. An zwei Stellen mußte ich suchen. Da behaupte ich aber mal haben Spaziergänger die Fahnen geklaut.
Oben angekommen warnte ich schon, dass es jetzt erst mal ne Weile etwas sumpfig werden würde. Was war ich froh und meine Sealskin-Socken! Das war wirklich ne sehr durchgeweichte Graslandschaft.
Abwärts kamen wir dann doch irgendwie ins Gespräch. Es war lustig. Er war Ami und ich hatte mit den Italienern oder Franzosen selten zu tun ihr Englisch zu verstehen. Bei ihm mußte ich anfangs immer noch mal nachfragen. Witzig war aber, dass das auf Gegenseitigkeit beruhte. Ob es nun daran lag, dass er seit vielen Jahren in Brasilien lebt oder doch einfach nur an meinem Denglish? (Ich vermute Letzteres) Egal. Dale war fast die ganze Strecke durchgelaufen und von daher doch leicht müde. Aber auch runterzu blieb er gut dran. Am VP Oberloo futterten wir kurz was und er fragte wann wir losmachen und ob er sich wieder anhängen könnte. Das war schon drollig. Logisch! Ich fragte ihn, wie man sich in Brasilien auf einen solchen Lauf vorbereitet. Es gibt dort auch Hochhäuser mit vielen, vielen Treppen. Ohje! Da ist Kienbergkreiseln ja quasi Mentalwellness.
Vielleicht zwei km vor Cressoney kommt man auf die Straße und dann geht es erst etwas ab und dann leicht hoch. Mit Erreichen der Straße ging ich neben Dale her und wir unterhielten uns. Andreas machte Lack. Also verabschiedete ich mich und machte hinterher.
Wir hielten Kriegsrat. Andreas wollte Schlafen. Ich war nicht müde. Ich wollte weiter. Andererseits stand nicht im Ansatz zur Debatte sich zu trennen. Geplatzt war ich ja schon mal. Das muß ja nicht zur Regel werden. Schön zusammen das Ding durchziehen. Andreas Überlegungen war hier Schlafen, dann den recht einfachen und gut laufbaren fünften Sektor Früh anzugehen und ggf. den sechsten Sektor gleich noch dranzuhängen. Der sechste Sektor war schwer. Ich kannte ihn zwar „nur“ bis Oyace. Aber das war zwar von den Hm nicht soo schwierig. Aber ich wußte er ist schwer zu laufen. Ständig oberhalb 2000m, kurze steile Anstiege, kurze steile Abstiege, ein stetiges Auf und Ab. Das hängt man nicht eben mal hinten an!In dem Punkt wollte Andreas mir nicht folgen. Ich ihm mit dem Schlafen nicht.
Wir einigten uns eine ausreichend lange Pause zu machen und dann doch weiter zu ziehen. Geschalfen werden sollte dann in der nächsten Live Base in Valtournenche.
Wie kommentierte Klada doch gleich diesen Entschluß bei Facebook als er das sah?
„Ja, sind die beiden denn jetzt vollkommen irre geworden? Nach nur zweieinviertel Stunden um 2:09 schon wieder raus aus der Base Vita Gressoney. …“ (Klada)
Jup Irre. Seine SMS hab ich leider erst in Valtournenche gelesen. Auch er empfahl dringend Schlaf.
Schon wieder eine Nacht durchlaufen. Kann das gut gehen?
Auf jeden Fall ließen wir den km 200 in Cressoney hinter uns und machten uns mitten in der Nacht auf den Weg zum Col Pinter. Platzierung zum Eingang in Cressoney um 150. Beim Ausgang um 2:09Uhr um 100. Aber wie lange?
;-)

5
Gesamtwertung: 5 (11 Wertungen)

Oooohh Du Schalk Du

da ist doch vor lauter gespanntem Lesen mein Fruehstueckskaffee kalt geworden!
Ich gratuliere auf jeden Fall schon mal ganz herzlich zu einem unglaublichen Lauf und Finish. Aber eigentlich fehlen mir dazu die Worte.........
........und ich warte auf die Fortsetzung............
Liebe Gruesse Petra

boah Schalk...

...ich bin ein riesen Fan von deiner Schreiberei und deinen Abenteuern!!! Freu mich schon sehr auf die weiteren Teile!!!

Mentalwellness

merke ich mir....

Aber eigentlich lese ich immer nur "essen"???? Vielleicht hätte ich in Köln auch mal Grill probieren sollen, hätte sich dann der Magen beruhigt?

Sehr schön geschrieben, noch besser gelaufen. Weiter so!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Essen, Laufen, Schnacken, ....

.... klingt nach ner richtig lustigen Bergtour, wenn man nicht weiß, wie weit, wie schnell, wie hoch, wie müde, wie ... ich find keine Worte mehr!!!
Unfassbar, nicht zu greifen, kaum zu glauben ...

Ich klebe am Bildschirm und plane mein Wochenende nach Verüfbarkeit der Computer!!!

Mit großer Bewunderung

Angus Schuan.

Aller Anfang sollte leicht sein, schwerer mach ich's mir ganz von allein!

Interessant....der Verlauf! :o)

Erst stürmen, dann *platzen* und sich da mit Kopf und Kumpel wieder raushangeln, dabei aber immer den Lauf im Auge, riesen Respekt für Leistung und mentale Kontrolle....da ist ein fettes mentales Gummiband und Andreas, dass/der Dich immer weiter über die Berge zieht...perfekt...lehrreich...danke für Deine Gedanken...es sind wertvolle Lösungen. ;o)
Richtig stark!!
Bitte mehr davon, ja! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Und wenn du glaubst, es geht nicht mehr,

kommt irgendwo ein Andreas her...
Mentalpower pur.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

"Ein lustiges auf und ab"?!?

Bin schon sehr gespannt wie es weiter geht!
Meinetwegen können noch weitere 5 Blogs kommen!!!

Laufkrimiserie mit Cliffhangern

Boah, bin ich gespannt, wie's weitergeht...

yazi

Dein Bericht zeigt wie wichtig

der mentale Aspekt und am ein Freund auf so einem Weg sind! Danke, mehr davon!

Ich denke mal Du hast alle Ressourcen genutzt, die Dir zur Verfügung standen. Ein Schnack über schon absolvierte Läufe (Reunion), einen Freund mit dem Du häufiger trainierst, gutes Essen, rechtzeitige Pause, ...

Granatenstark!

Was für'ne Schinderei

Und dann das noch:
"Zum Frühstück gab's Kartoffelsalat und Pasta und Eier und Kaffee und noch mal Kartoffelsalat."
Witzige Kombo :-)
Am besten hat mir aber folgendes gefallen: „Du kannst hier auch Schlafen.“ Och nöö.
War se net hübsch genug?
*undduckunschnellwech*

Scherz beiseite, ich glaube schon gesagt zu haben, dass Du Schriftsteller werden könntest...

Alex

Aber wie lange "was"???

Wie lange wir auf Teil 3 des Krimis warten müssen? ;-)

Lieben Gruß
Tame

Heute war Riggoo dran! ...

... Jeburtsdaach geht vor!
;-)

Wat für ein Krimi. Ich

Wat für ein Krimi. Ich kenne einige die wäre mit den ersten Magenprolemen ausgestiegen, oder weil es einfach nicht so lief wie es sollte. Mein größter Respekt, vor dem weiter machen.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Nee, schon klar!

Geschlafen wird ja auch nur, wenn's sein muss!
Jetzt mach's mal nich so spannend! Das ist ja unerträglich!
;-)

Das mit dem Essen...

...bei solchen Mammutlaeufen ist echt ein Problem.
Jedem kann man es leider nicht recht machen, und abwechslungsreich soll es auch sein.
Alles sehr schwierig. Irgendwann hat man von allem die Nase voll.
Dauerregen im Hochgebirge, auch so ein Horror.

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