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Benutzerbild von dfrobeen

Es ist jetzt mittlerweile schon fast 4 Wochen her, dass ich im Flieger nach Stockholm saß und mich auf meinen diesjährigen Triathlon-Saisonabschluss freute. Aber allein die Tatsache, dass ich meinen Wettkampfbericht erst jetzt schreibe, ist schon fast sinnbildlich für meine aktuelle Gesamtkonstitution. Ich habe im gestrigen Blog zum Wolfsburger Halbmarathon schon genug rumgejammert, dass ich gerade voll im Übertrainings-Syndrom hänge. Ich schaffe es gerade weder sportlich, noch im normalen Leben meine Reize zu verarbeiten. Ich komme nicht dazu meine Reisen zu verarbeiten, weil die nächste schon vor der Tür steht. Ich komme nicht dazu meine Trainingsreize arbeiten zu lassen, weil schon wieder ein Wettkampf ansteht. Ich habe es erkannt und arbeite daran - so schwer es trotz klarer Erkenntnis zu den Symptomen fällt. Für diesen Blog möchte ich aber die positiven Seiten meiner Reise nach Stockholm beschreiben, denn ich bin mir sicher, dass dieses Seite auch langfristig bei mir hängen bleibt...ich es gerade vor lauter Eindrücken nur nicht so genau erkennen kann.

Stockholm, da war doch was. Ja genau, die Reise gab es vor exakt einem Jahr schon einmal. Ich saß im gleichen Flieger am Samstag vormittag von Berlin aus, fuhr im gleichen Airport-Bus zum gleichen Hotel, sah mir die gleichen ITU-Eliterennen an und nahm am gleichen Jedermann-Rennen selber teil. Das ich trotzdem auch in 2014 von dieser Reise berichten kann, hat im Wesentlichen folgende Gründe:

- Ich bin letztes Jahr in meinem Rennen auf dem Rad gestürzt und habe mir damit eine deutlich bessere Platzierung versaut. Ich habe also noch eine Rechnung mit dem Rennen offen.
- Mir gefallen die ITU-Rennwochenenden super und ich wollte eigentlich nochmal konzentriert Fotos von den Eliterennen machen um meine Mappe spektakulärer Triathlonfotos noch zu erweitern
- Stockholm ist einfach eine saugeile Stadt

Die Reise nach Stockholm hatte ich schon sehr frühzeitig gebucht, allerdings blieb ich da noch meinem Prinzip treu, dass ich in 2014 nicht jedes Rennen auf Teufel-komm-raus aktiv mitmachen wollte. De facto sah ja diese Saison sowieso total anders aus und ich habe noch viel mehr gemacht, als schon in 2013. Und für das Rennen in Stockholm habe ich dann nachgemeldet, als mir Triathlon gerade noch richtig Spaß machte und ich mir dachte: "wenn Du eh da bist, dann kannst Du ja auch teilnehmen". Immerhin war schon mal der Zeitplan für mich deutlich besser. Samstag fanden beide Eliterennen als Sprintrennen statt, sodass der Sonntag voll und ganz im Fokus meines eigenen Rennen lag. Letztes Jahr musste ich noch ziemlich gehetzt nach meinem Rennen wieder in die Stadt um das zweite Eliterennen zu sehen und zu fotografieren.

Ich hatte ja schon eine Vorahnung, dass ich einer völligen Reise-, Eindrücke- und Wettkampfüberdosis unterliege. Also ging ich das Wochenende so entspannt wie möglich an. Ich war das mittlerweile fünfte Mal in Stockholm und mit den für mich interessanten Sightseeing-Zielen soweit erstmal durch. Ich bin mir zwar sicher, dass ich ohne weiteres auch noch weitere fünf Wochenenden in Stockholm nur mit Sightseeing verbringen könnte, aber dazu habe ich ja ggf. auch noch die nächsten Jahre Zeit. Also an diesem Wochenende war mir - im Rahmen der Möglichkeiten - die Ruhe wichtiger, als neue Eindrücke.

So konzentrierte sich auch am Samstag alles auf die Profirennen. Leider war - ein Novum für mich in Stockholm - das Wetter höchst mittelmäßig, sodass man im kühlen Regen schon ganz schön gefroren hatte, während ich immer wieder auf die vorbei schwimmenden, radelnden und laufenden Profis wartete. Das Warten hatte sich dennoch gelohnt, denn so konnte ich beim Männerrennen die erste deutsche Podiumsplatzierung dieser Saison live miterleben. Gregor Buchholz rannte beim Doppelsieg der überragenden Brownlee-Brüder allen Verfolgern davon und sprintete sensationell zu Rang 3. Als dann auch das Damenrennen vorbei war, gab es für mich noch eine Pizza, einen Spaziergang von der Altstadtinsel Gamla Stan zurück in die moderne City, dort noch einen Kaffee und ansonsten Power-Relaxing im Hotel, Fahrrad vorbereiten, lesen etc.

Am Sonntag früh klingelte um 6 Uhr der Wecker und das übliche Ritual vor dem Rennen begann. Ich kannte ja alle Wege und Abläufe noch aus dem Vorjahr, weshalb ich auch entspannt und pünktlich an der Wechselzone erschien. Nach den Profirennen vom Vortag war meine Motivation noch etwas in den Keller gerutscht. Als Profi erschien es mir noch logisch, sich bei 14 Grad und Regen durch einen Triathlon zu quälan. Aber als "Jedermann"...muss ich mir das geben? Aber das Wetter sollte am Sonntag vormittag komplett halten und so stieg meine Motivation am Sonntag früh von Minute zu Minute.

Um kurz vor 9 Uhr paddelte ich dann im Wasser vor dem Stockholmer Rathaus (wo jährlich die Nobelpreise verliehen werden) und es ging los. Hier war es mit der Motivation dann aber auch schnell wieder vorbei, denn wenn ich bei den katastrophalen Leistungen in diesem Jahr auf eins gar keine Lust mehr hatte, dann war es schwimmen. So habe ich mir auch hier in Stockholm mal wieder eine bessere Zielzeit schon beim Schwimmen total versaut. Ich schwamm lustlos die Strecke ab, wechselte immer wieder zur Brustschwimmtechnik und hoffte einfach nur, dass es bald vorbei ist und ich endlich mit Sport beginnen kann. Nach 34:25 Minuten war es dann endlich soweit. Ich stieg aus dem eigentlich schönen Wasser vor dem Rathaus aus und rannte in die Wechselzone. Von 1362 Triathleten, die letztlich das Rennen beenden sollten, rangierte ich hier nun auf Rang 888, bevor meine übliche Aufholjagd starten sollte.

Diese begann gleich mit dem ersten Wechsel. Wie bei den ITU-Events aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen üblich, war die Wechselzone riesig und daher auch die Wechselzeiten sehr lang. Ich joggte nach dem Schwimmausstieg zu meinem Fahrrad, welches ziemlich am Anfang der Wechselzone stand, streifte den Neo ab und die Radutensilien über und lief mit dem Rad das weite Stück zum Wechselzonenausgang. Dieses Prozedere dauerte insgesamt 3:15 Minuten und ich bin stolz wie Bolle, dass ich damit die insgesamt fünftbeste Wechselzeit gezeigt habe. Am Ausgang der Wechselzone war ich übrigens noch auf Rang 685 des Rennens, ich hatte also 203 Starter, bzw. knapp ein Viertel der vor mir liegenden Konkurrenten in der Wechselzone überholt.

Auf dem Rad wollte ich dann weiter Zeit gut machen. Dies gelang auch, allerdings wieder nicht in der Form, wie ich es mir erhofft hatte. Auf der olympischen Distanz in Chicago hatte ich noch einen Schnitt von über 38km/h in den Asphalt gebrannt, aber da war die Streckenführung auch maximal schnell. In Stockholm gibt es eigentlich nie ein Stück, wo man über längeren Zeitraum mal kräftig in die Pedale treten kann. Es sind immer Kurven, schlechte Straßenverhältnisse, Baustellen, Wendpunkte, Brückenanstiege oder viele, viele Mitbewerber mit im Spiel. Teilweise ist die Streckenführung auf einer Fahrspur, die zweigeteilt ist und in beide Richtungen gefahren wird - und das bei gut 3000 Teilnehmern, die nahezu gleichzeitig auf der Strecke unterwegs sind. Das war mir letztes Jahr schon aufgefallen, führte damals auch zu meinem heftigen Sturz und hat sich zu diesem Jahr kein Stück verändert. Immerhin kam ich dieses Jahr ohne Sturz aus, aber so die letzten 5% Power um Wettkampftempo aufzunehmen und zu halten, konnte ich auch nicht aufbringen. So beendete ich die 40km Radsplit nach 1:09:09 Stunden. Klingt nicht berauschend, reichte aber zu Rang 104 dieser Teildisziplin, also unter den besten 8% des Teilnehmerfeldes. Wie gesagt, ich glaube die Strecke gibt nicht mehr her.

Der Wechsel vom Rad zum Laufen war wieder schnell, allerdings diesmal nicht unter den Top 5 aller Teilnehmer. Wie auch schon in Roth und Gdynia setzte ich nicht mehr auf meine abgelaufenen Zoot Triathlonschuhe, sondern auf die Wettkampf-Laufschuhe mit ganz normaler Schnürung. Die Zeit des Schleife-bindens habe ich halt als Nachteil gegenüber anderen Athleten. So dauerte der Wechsel 3:09, Rang 54 in dieser Teilwertung. Wenn ich für die Schleifen mal 20 Sekunden ansetze und die gespart hätte, wäre ich wieder unter den Top 10 der Wechselzonenabsolventen gelandet. Vor diesem Wechsel lag ich auf Platz 295 des Rennens, sodass ich also 390 Teilnehmer auf dem Rad überholt hatte. In der Wechselzone kassierte ich nochmal 33 Triathleten, weshalb ich von Rang 262 aus auf die Laufstrecke ging.

Hier könnte ich jetzt eine Geschichte a la "Täglich grüßt das Murmeltier" schreiben. Beim Laufen merke ich am stärksten, dass ich voll im Übertraining hänge. Auch in Stockholm habe ich einfach wieder keinen Druck auf die Straße, bzw. vor allem das Kopfsteinpflaster der Altstadtinsel Gamla Stan, bringen können. Ich könnte auch hier schreiben, dass die Strecke schwierig und langsam ist, dass es insgesamt 4mal den empfindlich steilen Berg zum Königspalast hoch geht und die Strecke insgesamt positive Höhenmeter hat, da das Ziel oben auf eben diesem Berg liegt. Der Rest der Strecke geht fast vollständig über Kopfsteinpflaster. Aber dennoch - das erklärt meines Erachtens nicht, warum ich das Rennen in einer 43:53 Minuten abschließe, also fast 5 Minuten über der Zeit, mit der ich noch in London über die gleiche Distanz das Rennen abgeschlossen habe. Insgesamt beende ich die olympische Distanz in 2:33:49 Std. (am 1.Juni in London noch 2:19 Std.), Rang 195 aller Teilnehmer.

Dennoch, es hat wieder Spaß gemacht. Es ist schon eine einzigartige Location für ein Triathlon-Rennen und da mir mehr und mehr klar wird, dass ich von mir gerade nicht die Zeiten aus dem Frühjahr erwarten kann, kann ich es auch trotz der schwachen Zeiten genießen. Ob ich nächstes Jahr wieder in Stockholm starte? Ich glaube nicht - mir gefällt die Radstrecke nicht, zumindest als Teil eines großen Triathlon-Rennens. Außerdem ist die Teilnahme mit umgerechnet über 100 EUR auch nicht gerade geschenkt. Und als Gegenleistung bekommt man meines Erachtens ziemlich wenig. Letztes Jahr gab es zusätzlich zur Finishermedaille noch ein T-Shirt...in diesem Jahr Fehlanzeige (nicht, dass ich scharf auf zusätzliche Laufshirts bin, aber was bekomme ich denn für das viele Geld?). Als Zielverpflegung gab es Bananen, Birnen, Wasser und Iso - auch eher knapp. Und im Beutel mit den Startunterlagen war auch nur wirklich das allernötigste enthalten. Okok, es kostet sicher ein paar Euro die Innenstadt einer europäischen Hauptstadt komplett lahm zu legen. Aber das war in Chicago, Hamburg und - mit Abstrichen - London auch der Fall und dennoch gab es für weniger Startgeld eher mehr Leistung. Ich glaube ich komme wieder nach Stockholm - tolle Stadt - dann aber als Tourist und nicht als Triathlet.

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

hmpf

100 Eur für eine Radstrecke mit 3000 Teilnehmern... wäre nichts für mich, aber ich laufe auch eher weniger Gefahr im Pulk zu radeln ;-) Aber so wie du es beschrieben hast würde ich mir das auch kein 3. Mal antun.

Alles andere ist ja schon gesagt.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

hmpf

ich glaub ich kann solchen Massenveranstaltungen auch nichts abgewinnen. Soo voll - muss das sein? Und dafür dann noch so viel Geld? Man muss ja auch noch Anreise, Übernachtung, etc. rechnen.

Schön, wenn Du dem eine touristische Note abgewinnen kannst.

Ersetze doch die Schnürung in den Laufschuhen durch Schnellschnürer - fertig.

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