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Benutzerbild von dfrobeen

Gleich mal vorab, der Wolfsburg-Halbmarathon 2014 war für mich alles andere als eine Erfolgsgeschichte...und es war absehbar. Aber auch wenn alle Zeichen schon im Vorfeld darauf hingedeutet haben, so wollte ich es doch nicht wahrhaben und habe trotz allem gehofft zumindest eine akzeptable Zeit abliefern zu können.

Ich bin schon seit Wochen total KO, wenn es um meine Trainingseinheiten geht. Ich bekomme zwar die einzelnen Trainingsreize noch abgewickelt, größtenteils sogar noch etwas schneller als in meiner so erfolgreichen Marathonvorbereitung im Frühjahr. Der Unterschied jetzt ist aber, dass ich länger brauche um diese Trainingsreize zu verarbeiten. Ich rette mich von Trainingsreiz zu Trainingsreiz, habe aber nicht den Eindruck, dass mein Körper diese positiv verarbeitet. Hinzu kommen weitere Faktoren. Auch im Leben außerhalb es Sports geht es derzeit stressiger zu, als noch im Frühjahr zu. Im Job ist einiges los, vor allem aber meine ganzen Reisen, die jede für sich gesehen absolut tolle Erlebnisse sind, machen mich in der Häufung derzeit eher fertig, als das sie mich aufbauen und motivieren.

Ich bräuchte eine Pause, einfach mal 4-6 Wochen die Seele baumeln lassen. Meine Saison war lang genug und ich habe tolle Erfolge und Erlebnisse gefeiert. Diese Erkenntnis reifte bei mir schon zum Ende meiner Triathlon-Saison - etwa Mitte August. Aber Mitte August die Saison für beendet zu erklären und das Jahr locker auslaufen zu lassen, das kam mir doch irgendwie zu lang vor. Also machte ich den Plan nochmal gezielt auf einen Laufhöhepunkt, den Frankfurt-Marathon am 26.Oktober hinzuarbeiten und die beiden anderen Disziplinen nur noch höchst stiefmütterlich anzugehen. Laufen, das kann ich doch und da habe ich mit dem Boston-Marathon, bzw. insgesamt mit den drei Marathon-Wettkämpfen unter 3 Stunden innerhalb von 22 Tagen meine größten Erfolge gefeiert. Da sollte doch noch ein einzelner Lauf so im Bereich der 3:00 Stunden möglich sein, dachte ich.

Die Vorbereitung ging auch gut los und die ersten Tempoeinheiten waren zum einen schnell und machten sogar Spaß. 5x2000m in je 7:50 Minuten - super! 10km Tempodauerlauf in 40:20 Minuten - stolz wie Bolle! 10x400m in 80 Sekunden - läuft! Aber gerade bei den längeren Läufen merkte ich doch die Ermüdung. Zu allem Überfluss habe ich dann im Rahmen des 24 Stunden-Lauf in Rüningen auch noch die 100km voll gemacht. Es hat irre Spaß gemacht (im Nachhinein) und ich freue mich immer noch jetzt auch im Club der 100km-Läufer zu sein. Aber während ich im Frühjahr einfach machen konnte, was ich wollte und am nächsten Tag wieder fit war, scheint mein Körper gerade diesen 100km-Lauf jetzt noch länger zu verarbeiten.

Und dann war auch noch die ganz kurzfristige Vorbereitung auf den Wolfsburg-Halbmarathon völlig daneben. Ich ergreife ja durchaus Maßnahmen und schütze mich vor weiterem Stress. Für den September war eigentlich keine einzige Reise angesetzt - ich wollte einfach mal vier Wochenenden am Stück daheim verbringen. Einzig eine Tour mit meinem Sohn zu einer Ritterburg im Sauerland mit anschließendem Besuch meines Vaters gleich um die Ecke...naja, eine Reise, das sollte doch gehen. Ich empfand die wirklich schöne Tour auch als angenehme Erholung, aber als ich dann Sonntag morgen aufwachte, merkte ich, dass ich mir da auch nur etwas vorgemacht hatte. Ich hatte einfach den Wolfsburg-Halbmarathon im Kopf verdrängt und dann fiel mir plötzlicher denn je ein, dass ich mich jetzt doch mal auf einen Laufwettkampf gedanklich einstimmen sollte.

Ich hatte die ganze Nacht schon ganz schlecht geschlafen. Irgendwie fühlte sich mein Magen an, als ob er jede Sekunde platzen würde - dabei hatte ich gar nicht so viel gegessen. Um 7:15 Uhr klingelte dann mein Wecker und normalerweise wäre jetzt das obligatorische Vor-Wettkampf-Mahl, drei weiße Brötchen mit Honig oder Marmelade angesagt gewesen. Mein Magen fühlte sich alles andere als nach 3 Brötchen an. Andererseits wusste ich, dass ich ohne die Kohlenhydrate wohl gar nicht erst an den Start gehen brauchte. Also wanderte ich erstmal in Richtung Kloschüssel und schaffte etwas Platz. Komischerweise funktionierte es und ich bekam mein Frühstück runter und fühlte mich insgesamt etwas besser. Ich genoss diesen Zustand und legte mich nochmal für eine gute halbe Stunde hin. Erst als dann wirklich die allerletzte Minute anstand, zu der ich aufstehen musste um halbwegs pünktlich am Treffpunkt zu sein, schälte ich mich aus dem Bett. Zu diesem Zeitpunkt schmerzte immerhin mein Magen nicht mehr, aber ich fühlte mich dennoch, als ob die letzte Nacht jemand nonstop auf mich eingeprügelt hatte...und das VOR dem Wettkampf.

Ich war kurz davor Robin anzurufen und abzusagen. Den Anruf nahm er mir ab und es klingelte das Telefon. Sinngemäß sagte er "Hey, ich habe total Bock zu laufen. Ich bin schon unterwegs - bringst Du mir noch ein Gel mit? Ich hatte keins mehr daheim. Bis gleich am Treffpunkt!". Ok, keine Chance abzusagen. Und viele meiner besten Zeiten bin ich gelaufen, als ich mich morgens noch total lust- und kraftlos fühlte. Es wurde sogar immer besser. Ausnahmsweise musste ich mal nicht selber fahren und konnte die 30 Minuten Fahrt nach Wolfsburg nochmal relaxen. Vor Ort entstand in mir sogar so etwas wie Motivation und das Einlaufen fühlte sich habwegs normal an.

Um 10:30 Uhr ging dann der Startschuss. Wir hatten uns alle ganz vorne eingereiht - mit unseren Zeiten sollten wir - Markus, Robin, Hendrik und ich - in der Lage sein unter die ersten 20 zu laufen. Hätte ich meine persönliche Bestzeit aus diesem April geschafft, wäre ich auf Platz 14 ins Ziel gelaufen. Wie immer rannten einige völlig übermotiviert los, ich versuchte mein Tempo zu finden. Der erste km ging in 3:45 raus - und da hatte ich schon auf der Hälfte etwas rausgenommen. Es fühlte sich noch ok an und so versuchte ich auf etwa 4:00-Pace weiter zu laufen. Der zweite km wurde eine 3:59 - Volltreffer - so konnte es weitergehen. Und auch als km4 in 4:09 absolviert war, war ich noch guter Dinge, dass es eine ganz passable Zeit werden sollte.

Aber dann war es, als ob mir jemand den Stecker gezogen hätte. Ganz plötzlich bekam ich keinen Druck mehr auf dem Asphalt aufgebaut und obwohl ich gefühlt mit dem gleichen Aufwand wie vorher schon weiterlief, merkte ich, dass das ein ganz schwieriges Rennen werden würde. Ich dachte ich sei immer noch knapp über 4er-Pace unterwegs, da blieb die Stoppuhr bei km5 bei 4:24 Minuten stehen. Als auch die nächsten 1000m-Abschnitte rund um die 4:20 endeten, verabschiedete ich mich von der Überlegung einer Top-Zeit - das wäre so um die 1:24 gewesen - und kalkulierte nur noch mit dem Ziel unter der magischen 1:30 zu bleiben. Aber als ich das während des neunten Kilometer noch überlegte (der achte endete nach 4:21), verlor ich unbemerkt nochmal Tempo und lag plötzlich bei 4:34-Pace. Jetzt begann auch das große Überholen. Allerdings nicht wie sonst, wo ich von meinen guten Grundlagen profitierte. Nein, ich wurde willkommenes Fressen für alle Läufer hinter mir, die einfach ein solides Tempo durchliefen. Ich wurde immer langsamer. Im Schnitt etwa 10 Sekunden pro drei km. Kilometer 12 und 13 lagen beide bei 4:40, km15 bei 4:49 und ab km16 (4:58) kämpfte ich mit der 5 Minuten-Marke. 5:00-Pace, das ist mein GA1-Grundlagentempo bei gemütlichen, längeren Dauerläufen. Um jetzt nicht völlig in eine Depression zu verfallen, gab ich die Devise aus, dass ich keinen Kilometer über 5 Minuten laufen werde. Diese hielt aber genau einen km lang und dann kam der einzige halbwegs ernst zu nehmende Anstieg in einem Waldstück und die Durchgangszeit dieses Kilometers stoppte bei 5:06. Jetzt war alles verloren und ich wollte nur noch ins Ziel und dort am liebsten ungesehen verschwinden. Ich überlegte ernsthaft, ob ich meinen Chip abnehme und ohne Zeitmessung über die Ziellinie laufe.

Ich habe es nicht getan - man muss auch zu seinen Misserfolgen stehen. Auf dem letzten km wurde ich noch zweimal überholt und wenigstens für diese 1000m packte mich dann doch nochmal der Ehrgeiz. Ich beschleunigte nochmal und lief vor den beiden Läufern über die Ziellinie. Das letzte Teilstück endete nach 4:34 Minuten. Insgesamt stoppte meine Uhr bei 1:36:01 Stunden. Das sind sagenhafte 12 Minuten über meiner für realistisch gehaltenen Zielzeit und etwa 14 1/2 Minuten über meiner eigenen Bestzeit von vor ca. 5 Monaten.

Immerhin, und das muss bei aller negativer Grundstimmung dieses Blogs mal gesagt sein, hat der Lauf sogar etwas Spaß gemacht. Die Strecke war schon extrem liebevoll ausgedacht und abwechslungsreich. Man läuft alle Highlights der Stadt Wolfsburg ab, startet in der City, umläuft das Outlet-Center, rennt durch den Eingangspavillon der Autostadt, ein Stück durch das VW-Werksgelände, wird durch das Fußballstadion geleitet, umkreist das Schloss und von dort zum Allersee. Das letzte Drittel ist dann zwar etwas mühsamer, aber es kommt immerhin noch eine Runde auf der Tartanbahn des alten Stadions und man läuft einmal quer durch das VW-Schwimmbad, bevor es dann geradewegs in Richtung Ziel geht. So eine Strecke läuft man nicht alle Tage, wenngleich auch viele Kurven und Untergrundwechsel dabei sind, weshalb ich die Strecke auch nicht für besonders schnell halte.

Irgendwie als Erfolgsstory kann noch gelten, dass wir als Team mit dem dritten Platz der Teamwertung geehrt wurden. Dies lag aber daran, dass meine drei Companions in 1:21, 1:22 und 1:24 bärenstarke Zeiten gelaufen sind. Ich persönlich beendete das Rennen auf Rang 123 der exakt 1.250 Finisher.

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (4 Wertungen)

Nicht jedes Mal..

..ist eine PBZ drin, auch wenn man sich richtig vorbereitet hat. Ich hab immer Probleme bei höheren Temperaturen oder wenn der Lauf zu früh stattfindet. Dann dreht die Pumpe richtig hochtourig.
Beim nächsten Lauf wird's wieder besser!
Aber die Überschrift gefällt mir trotzdem :-))

Alex

auch mir gefällt die Überschrift

und ansonsten hast du ja alles schon gesagt. Mir scheint, Kopf und Körper sind sich bei dir derzeit einig, nur der Wille will das noch nicht so ganz einsehen ;-))) Abgesehen davon wäre für mich diese Zeit absolut sagenhaft, dafür würde ich auch "auslaufen" in Kauf nehmen ;-))))

Falls es dich (auf einem Niveau ungefähr vier Klassen unter dir tröstet): ich musste gestern auch erleben, dass sich eine Woche nach Ironman zwar alles wieder gut anfühlt, aber die Uhr bei den angesagten Intervallen etwas ganz anderes zurückmeldet... ;-)

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Hört sich nach handfestem Übertraining an

Ich finde es klasse, dass du dem Lauf trotz allem seine schönen Seiten abgewinnen könntest. Ja, die Strecke dort hat mir die letzten beiden Jahre auch schon gut gefallen, und da ging sie noch nicht um das Schloss herum.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Es wundert Dich nicht wirklich, oder?!

Du hattest eine tolle Saison!
Gönne Dir und Deinem Körper, der so gut funktioniert hat dieses Jahr, eine kleine Auszeit.
Übertraining denk ich auch.
Ist nicht schlimm, ist sogar wichtig, sowas auch mal zu fühlen, um später früher zu reagieren.
Wünsche Dir eine ruhige gute Regeneration.
Ich muss mich auch immer dazu zwingen oder gezwungen werden, weil der Kopf immer mehr will.
Nächstes Jahr ist auch wieder Saison.

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Übertraining,

ganz sicher! Man(n) muss auch lernen, während eines Wettkampfs umzudenken und ihn, wenn die Kraft fehlt, einfach als Trainingslauf oder Spaßlauf und wie in deinem Fall als "Sightseeing durch Wolfsburg" ansehen. Abbrechen wäre eine ganz schlechte Alterntive mit lang anhaltenden Nachwehen! Du hast schließlich überhaupt keinen Grund, dich zu verstecken. Alles richtig gemacht! Und jetzt erstmal Beine hoch und Seele baumeln lassen;-)

Lieben Gruß
Tame

Ehrlich beschrieben und in

Ehrlich beschrieben und in dieser Zusammenfassung glasklar herausgearbeitet. Fern-Diagnosen und Ratschläge dazu gab es hier schon genug, ich spare mir das, ich bin auch oft mehr als nahe dran an Abwärts-Spiralen aller Art gerade nach Hochs. Aber vom reinen Wissen zum Umsetzen des Wissens ist der Weg da wieder raus selten so direkt, wie er erscheint, auch das weiß ich ;)

Schön, dich auch in Wolfsburg getroffen zu haben, schade, das so eine MEGA-Saison wie deine jetzt in solch negative Gedanken und Analysen übergeht, aber du wärst nicht du, wenn du nicht daraus lernen und langfristig gestärkt hervorgehen würdest.

LG Britta

Ich kann das gerade nachvollziehen

Nach dem CCC ging es mir überraschend gut - nicht mal nennenswerter Muskelkater! Ok, müde - wegen Schlafmangel. Ich kam Sonntag nachts zurück, Montag fetter Magen-Darm-Virus, der mich um glatte 3kg in 12h erleichtert hat. Zusammen mit dem Gefühl mir hat jemand die Beine weggenommen und ein wenig Pudding unter den Hintern getan. Der Weg von der Couch zum Klo trieb mir die Schweißperlen auf die Stirn!

Die Chose hat dann bis einschließlich Samstag gedauert (mit einem Rückfall am Donnerstag), wo ich meine erste "richtige" Mahlzeit zu mir nehmen - und behalten - konnte.

Samstag und Sonntag raus zu einem kleinen Läufchen - Wetter war gut, Zeit unterirdisch für das gefühlte Tempo. Passte also auch nicht zur Anstrengung.

Montag dann Bronchitis - mit der ich mich jetzt schon über eine Woche plage. Ich krieg den Husten nicht weg. Eine Woche nicht EINMAL die Laufschuhe geschnürt (das hat mich mental ganz schön fertig gemacht), fühlen tu ich mich wie die alte Frau die ich bin.

Kein Ziel vor Augen, kein Plan im Kopf, keine Idee - nicht mal Lust was zu planen!

Aber zum Glück hab ich den CCC als Saisonende betrachtet und danach nicht noch einen Marathon oder so geplant. Ich wusste vorher nicht, wie es mir danach geht. Und jetzt: erst mal Pause, dann langsam wieder aufbauen. Und den Lichterlauf nächste Woche mach ich halt nur zum Spaß und nicht auf Tempo. Wie auch, nach quasi 3 Wochen Pause?

Also mein gut gemeinter Rat: mach mal Pause! Frankfurt ist eigentlich kein Marathon fur's Sightseeing - vielleicht wirst Du die Startnummer noch los. Und dann machst Du Dir ein entspanntes Wochenende zu Hause.

Die Frage ist nur: hast Du (habe ich) Entspannung verlernt? Vor lauter Training und ein WK nach dem anderen? Und Kumpelläufen, die Dich auch noch pushen?

Die Ursachen hast Du schon selbst analysiert und erkannt - jetzt heißt es auch Konsequenzen ziehen. Du schaffst das!

Ich wünsche Dir alles Gute - und bald wieder viel Freude beim Laufen.

Großartiger Titel...

... und das Beste daraus gemacht. Ich mag Deine Berichte.

yazi

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