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Benutzerbild von waldboden

Bei Medscape Deutschland wurden zwei interessante Studien besprochen zur der Frage, ob bei Vorschädigungen (in diesem Fall Herzinfarkt) ein Zuviel an Sport auch schaden kann. Wir hatten diese Frage zurückliegend schon diskutiert, granreserva hat dabei auf Studie verwiesen, wo er Quelle nicht mehr hatte (sh. Kurzer Lauf, langes Leben).

Eine Überdosis Sport: Zuviel Training steigert das Sterberisiko von Herzinfarktpatienten
Susanne Rytina (4. September 2014) schreibt:
"Für Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten haben, ist moderater Sport unbestritten die beste Medizin. Doch es gibt auch eine Überdosis Sport – eine Schwelle, die nicht überschritten werden sollte, weil sonst das Sterberisiko steigt. Dieser Umschlagpunkt lässt sich offenbar recht genau bestimmen und liegt bei 7,2 MET-Stunden pro Tag (Metabolic Equivalent Task), wie US-Kardiologen in einer prospektiven Studie mit Joggern und Walkern, die einen Herzinfarkt überlebt haben, herausgefunden haben. Jenseits dieser Schwelle stieg die Sterberate an ischämischen Herz-Erkrankungen auf das 2,6-fache an. Die aktuelle Studie liefert „unseres Wissens die ersten Daten zu einem statistisch signifikanten Anstieg des
kardiovaskulären Risikos in den höchsten Trainingsbereichen.“"

MET = Metabolic Equivalent of Task= Metabolisches Äquivalent und wird eingesetzt, um den Energieverbrauch verschiedener körperlicher Aktivitäten zu vergleichen.
Wer´s genau wissen möchte:
1 MET = Der Umsatz von 3,5 ml Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht pro Minute (für Männer), Umsatz von 3,15 ml Sauerstoff bei Frauen.
1 MET = Energieverbrauch beim Nichts-Tun/Ruhen
bzw. eine alternative, einfachere Definition von MET nach Wikipedia ist:
Energieverbrauch von 1 kcal ("Einer Kalorie") je Kilogramm Körpergewicht pro Stunde: Beispiel: Mensch mit 70 kg Körpergewicht verbraucht 70 kcal pro Stunde = 1 MET; beim Laufen liegt man grob bei dem Verbrauch von soviel kcal pro gelaufenen Kilometer, wieviel man wiegt: Mensch mit 70 kg Gewicht läuft 10 km = Energieverbrauch von 10 x 70 = 700 kcal -> 10 km Laufen = 10 MET.

Im Artikel wird Prof. Dr. Martin Halle, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München, zitiert:
Nach ihm liegt die Grenze für Sportler mit vorgeschädigtem Herzen bzw. nach Herzinfarkt bei ca. einer Stunde moderatem Jogging am Tag mit Tempo von ca. 7 km/Stunde. 7,2 MET-Stunden täglich entsprechen demnach einem Energieaufwand von ungefähr 50 Kilometer Jogging pro Woche oder schnellem Walking über 75 Kilometer pro Woche.

Zusammenfassend meint er:
"„Je mehr Sport, desto besser – dieser lineare Zusammenhang trifft eben nur bis zu einem bestimmten Grenzwert zu.“ Außerdem war in der Studie weder der positive Effekt, noch der negative einer Überdosis davon abhängig, ob gewalkt oder gejoggt wurde – in den Gruppen der Walker und der Jogger waren die Ergebnisse nicht signifikant verschieden."
...
"Auf keinen Fall solle man aus der Studie ableiten, dass körperliches Training ein Fehler sei. „Couchpotatos haben ein noch höheres Risiko als diejenigen, die sich zu viel bewegen“, stellt Halle klar. Der Grund für die höhere Mortalität innerhalb der Gruppe, die sich am intensivsten sportlich betätigt, bleibt laut Williams und Thompson unklar. Ob es tatsächlich auf ein Zuviel an Training zurückzuführen ist, ist unklar.

Der Artikel zitiert eine zweite Studie, die zu ähnlichem Ergebnis kommt:
Hier untersuchten Forscher um Dr. Ute Mons von der Abteilung für Klinische Epidemiologie und Alternsforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg den Dosis-Wirkungs-Effekt erschiedener Aktivitätsstufen auf die Prognose in einer Kohorte von 1.038 Menschen mit koronarerHerzerkrankung:
"In der ebenfalls auf 10 Jahre angelegten deutschen Studie hatten diejenigen, die sich am wenigsten bewegten, ein doppelt so hohes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall und ein 4-fach höheres Mortalitäts-Risiko wie die moderat aktiven Teilnehmer. Aber auch hier verdoppelte sich bei denjenigen, die sich extrem sportlich betätigten, die Wahrscheinlichkeit, an einem Myokardinfarkt oder Schlaganfall zu sterben, im Vergleich zu den moderat Trainierenden".

Zum genauer Nachlesen hier:
Original-Artikel Medscape zu den Studien

Grüße,
waldboden

5
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Hm...

Statistik ist immer interessant, doch betreffen tun uns doch die Einzelfälle...leider.

Ein guter Bekannter ist vor genau 4 Wochen im Alter von 51 in der Sporthalle nach dem Handballtraining trotz sofortiger Hilfe durch Herzinfarkt gestorben.
Er war Ehemann und Vater dreier großer Kinder und hatte vor ein paar Jahren schon Herzprobleme inkl. OP, weshalb er seinen immer geliebten Handball-Sport inkl. etwas Laufen stark einschränken musste. (erbliche Belastung)
Im Mai wurde auf Grund positiver Entwicklung und Werte bei ständiger ärztlicher Kontrolle auf eine weitere geplante OP verzichtet und ihm wurde sogar erlaubt, wieder etwas mehr Sport zu treiben. (deutlich weniger als 7,2 MET-Stunden)
Sein Vater war mit 51 daran gestorben und sein Großvater auch mit 51...was ich sehr beängstigend finde für seine Familie.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass er für sich alles richtig gemacht hat.
Er hätte sein Lachen, was ihn immer so ausmachte, verloren, wenn er nur noch hätte rumsitzen sollen.
Sind nur Gedanken von mir dazu.
Danke trotzdem für die Infos.

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Sehr interessanter Artikel,

den ich mir nach deiner Zusammenfassung sehr interessiert durchgelesen habe. Die Studie hat Stärken und Schwächen, wie es im Artikel ja auch beschrieben wird.
Mir persönlich am wichtigsten erschien aber der Aspekt, dass ein erhöhtes Mortalitätsrisiko (wohlgemerkt für Patienten, die bereits einen Herzinfakt hatten) gegenüber moderaten Sportlern bei einem Wert von über 7,2 MET Stunden pro Tag statistisch belegbar ist (und das auch mit einem großen Unsicherheitsfaktor, da es absolut wohl nicht so viele Todesfälle gab). Diese 7,2 MET Stunden entsprechen in etwa 50 Wochenkilometern. Und das ist doch schon bedeutend viel, wie ich finde. Ich denke, es gibt wenig Menschen mit Herzinfarkt, die mehr als fünfzig Kilometer die Woche laufen. Und selbst wenn Sie es tun, dann ist es immer noch weitaus "gesünder" als gar kein Sport zu treiben.
Um also den Couchpotatoes mit einer Überschrift wie "zu viel Sport ist schädlich" (damit meine ich natürlich nicht die Überschrift über deinem Blog, sondern vielmehr öffentlichkeitswirksame Titel in Zeitungen) nicht einen Vorwand zu liefern, nichts zu tun, sollte man lieber darauf hinweisen, dass moderater Sport ( weniger als fünfzig Wochenkilometer) bei einer amerikanischen Studie die Sterblichkeit un den Faktor vier senkt. Wer sogar noch mehr Sport treibt, der senkt sein Sterblichkeitsrisiko immerhin noch um den Faktor 2.
Also: Sport ist nach Herzinfarkt wichtig und nützlich!

Beste Grüße und vielen Dank für diesen spannenden Artikel.

Oh Jesses Tanja, das sind

Oh Jesses Tanja, das sind Geschichten, die berühren mich!

Einzelfälle

Hallo Carla-Santana,

ja, Studien geben nur Durchschnittswerte wieder und geben für uns Individuen nur eine grobe Prognose/Richtung. Und unsere einzelnen Lebensschicksale sind (glücklicherweise) immer individuell, unvorhersagbar. Und mal begeisternd oder betrübend, bedrückend.
Kontaktsportarten mit ständigen Sprints/Maximal-Beschleunigungen werden allerdings nicht nach Herzinfarkt empfohlen und sind nicht mit Ausdauer-Laufen zu vergleichen, ohne dass ich mit dieser Aussage Deinem guten Bekannten irgendeinen Vorwurf machen möchte. Wenn Handball sein Lieblings-Sport war und er ihn reduziert/eingeschränkt weiter ausgeübt hat und daran Freude hatte und das bei ärztlicher Rückkoppelung, dann war das wohl ein großer Aspekt von Lebensfreude. Und die Entscheidung kann uns niemand abnehmen: Länger leben, aber bei subjektiv heftigem Verlust von Lebensfreude oder kürzer leben mit Erhalt von Lebensfreude ...

Herzliche Gruesse,
waldboden

Reine Promotion

So traurig der von Carla Santana geschilderte Einzelfall ist, vereinfacht er genauso wie der Artikel von Medscape die Sicht auf die in Wirklichkeit viel komplexeren Verhältnisse.
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Bei dem 51jährigen Familienvater wird zu weiteren Risikofaktoren (erbliche Belastung wird genannt) wie Ernährung, berufliche Belastung, Nebenwirkungen von Medikamenten usw. nichts gesagt.
Bei der Genetik sehe ich das ähnlich wie bei der Astrologie: Gene machen geneigt, aber sie zwingen nicht. Für mich hat der geschilderte Herzinfarkt mit Sport nichts zu tun, außer dass er sich zufällig in einer Sporthalle ereignet hat.
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Dazu eine kleine Zahlenspielerei meines Lieblingsgesundheitsberaters:
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Durchschnittliches Herzinfarktrisiko der Bevölkerung sei 1,0. Dann hat ein Ausdauersportler das Risiko 0,5. Also 50% besser. Freilich: In der Trainingsstunde hat der Ausdauersportler ein fünf mal höheres Risiko, also 2,5, während der übrigen 23 Stunden des Tages aber ein Risiko von sogar nur 0,4. Ergibt im Tagesmittel dann die bekannten 0,5.
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Bei dem Medscape-Artikel frage ich mich, wer ein Interesse hat, Herzinfarktpatienten den Spass am Marathon zu verderben. Wer finanziert Medscape? Laut Internetseite wird Medscape Deutschland finanziert durch unabhängige Zuwendungen der Industrie. Unabhängige Zuwendungen? Gibt’s doch noch nicht mal in der Kirche. Und ich kann mir schon denken, dass es nicht die Stahlindustrie ist, die da zuwendet.
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Ohne dass ich den Artikel ganz analysiert hätte, sind mir sofort die folgenden Sätze aufgefallen:
„Halle fällt in der US-Studie, die auch die Medikamenten-Einnahme als Variable erfasste, zudem auf, dass die Jogger, die sich mehr als 7,2 MET –Stunden pro Tag anstrengten, die wenigsten Medikamente nahmen – nur 23% verwendeten blutdrucksenkende Mittel und nur 29% Cholesterinsenker. Unabhängig vom Fitnessgrad ist aber auch für Sportler nach einem Herzinfarkt die Einnahme eines Cholesterinsenkers ein Muss.“
Die Intention ist klar: Jeder deutsche Schulmediziner wird nach Lesen des Artikels ein schlechtes Gewissen haben seinem joggenden Herzinfarktpatienten keinen Cholesterinsenker zu verschreiben.
Und das, wo der Nutzen von Statinen umstritten und nur bei 4% der Herzinfarktpatienten ein Nutzen durch Cholesterinsenker in Studien nachgewiesen wurde (Spiegel 11/2012, S. 122).
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Mein Fazit: Reiner Promotion-Artikel der Pharmaindustrie.
Durch solche Artikel lass ich mir das „Zuviellaufen“ nicht versauen. Wenn ich einen Herzinfarkt erleiden sollte, liegen die Ursachen woanders, z.B. in der unzureichenden Vitamin- und Mineralversorgung durch unsere industriell verarbeiteten Lebensmittel.
Über die letzte Zeile - Halle M, Mons U: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenskonflikten vor. – kann ich nur schmunzeln.

4.Oktober 2014 Zeeland-Marathon

@kaiserswerther

spannend finde ich, dass man nicht weiß, was die Ursachen dafür sind, warum die Gruppe mit intensivem Sporteln (nach Herzinfarkt) kürzer lebt.

Die Autorin schreibt als eine interessante Hypothese dazu:
"Halle fällt in der US-Studie, die auch die Medikamenten-Einnahme als Variable erfasste, zudem auf, dass die Jogger, die sich mehr als 7,2 MET-Stunden pro Tag anstrengten, die wenigsten Medikamente nahmen – nur 23% verwendeten blutdrucksenkende Mittel und nur 29% Cholesterinsenker. Unabhängig vom Fitnessgrad ist aber auch für Sportler nach einem Herzinfarkt die Einnahme eines Cholesterinsenkers ein Muss."

Dann wäre die Ursache nicht das intensive Sporteln, sondern dass Menschen, die überdurchschnittlich Sport treiben nach Herzinfarkt, seltener als andere bereit sind, bestimmte (notwendige) Medikamente einzunehmen (vielleicht weil sie meinen, wg. des "guten" Sports, bräuchten sie sie nicht).

Das fand ich sehr bedenkenswert für ein Nachuntersuchung.

Grüße,
waldboden

Ich ziehe weiterhin einen etwas anderen Schluss daraus...

, nämlich den, dass Sport für Herzinfarktpatienten wichtig und gut ist.
Die Statistik mit den sogenannten Extremsportlern halte ich für vernachlässigbar. Nach meiner therapeutischen Erfahrung als Physio gibt es sowieso kaum Herzinfarktpatienten, die unbedingt einen Marathon laufen wollen. Und auch wenn dass im Umfeld einer Läuferwebsite etwas befremdlich scheint, so glaube ich, dass fünfzig Wochenkilometer für den Durchschnittspatienten utopisch viel sind.
Wenn sie laufen, dann zumeist sowieso weniger. Und das ist auf jeden Fall gut! Von daher werde ich diese Aussage gerne weitergeben.
Also kann man die Statistik doch durchaus darauf reduzieren, dass Ausdauersport statistisch für Herzinfarktpatienten gut ist.

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