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Benutzerbild von Schalk

Da fehlte doch noch was. Also, ich meine jetzt nicht den Wettkampf. Ja, der fehlt auch noch. Aber bis „VI“ war ich ja erst mal in der Hütte Barmasse angelangt. Mein Auto stand in Courmayeur. Das sind noch 90km auf dem TdG. Nein, ich bin die nicht an einem Tag gelaufen.
Freitag 15.08. - Barmasse-Closé - Schlußetappe
Vor einem Resümee vielleicht doch erst mal ein paar Highlights des letzten Tages.
Die Etappe nach Closé (Oyace) ist den Daten nach leicht. 30km. In der Wanderausschreibung steht etwas von 1233Hm hoch und 1552Hm runter. 1233m hoch klingt schon mal nicht schlecht. Ist aber auch nicht so viel. Doch hätte ich stutzig werden müssen. Barmasse liegt auf 2157m und Cuney auf 2652m. Wenn man keine Seilbahn und kein Auto nutzt, sollte es in der Summe der Höhenmeter 500m mehr nach oben als nach unten gehen. Alles andere paßt nicht wirklich. Hab den offiziellen Track jetzt noch mal bei Gpsies reingezogen; 1.332m hoch und 850m runter. Egal. In Summe klingt das jetzt erst mal nicht soo spannend. 1300m hoch auf 16km. Das hatten wir die Tage schon deutlich anders.
Und genau das machte mir extrem zu schaffen. Diese ersten 16km waren so etwas von ätzend. Das gibt es gar nicht. Erst war die Motivation im Eimer. Es ging ständig ein wenig hoch, dann wieder ein wenig runter. Dann um ne Ecke und du hast gesehen, dass es vorn wieder runter und janz vorn den Dreck wieder hoch geht. Eigentlich war es dieses kleine Rennsteich-Auf und -Ab. Nichts dolles also, beherrschbar. Beherrschbar? Pustekuchen. Ätzend! Da half auch nicht wirklich in einer herrlichen Gegend zu sein.

Da half auch kein Steinbock am Wegesrand.

Es war einfach ätzend! Hier ging es erst mal runter, um hinten Links, da ist der Sattel in den es wieder rein ging. Und wenn man da dann ankommt, hat man ein sehr ähnliches Bild wieder vor sich. Eigentlich alles nicht schlimm. Aber irgendwie hab ich davon an dem Tag ne Panne gekriegt.

Dann kam eine Muskelverhärtung oder Sehnenüberlastung in der rechten Wade dazu. In dem Moment war ich heilfroh, dass es der letzte Tag war und ich überlegte ernsthaft bei km10 abzubrechen und ins Tal zu laufen. Blöd daran war nur, dass das ein kleines Seitental gewesen wäre und ich keine Ahnung gehabt hätte wie ich von da nach Aosta zum Bus nach Courmayeur gekommen wäre. Bei km10 mitten in den Bergen ist es dann auch egal in welche Richtung man geht. Also nach vorn.
Viel wichtiger war aus diesem leichten Schmerz nichts Ausgewachsenes werden zu lassen. Bis zum Refugio funktionierte das in Form von Entlastung von Achilles und Konsorten durch flaches Aufsetzen des Fußes beim Hochgehen. Wenn ich nur mit dem Vorderfuß auftrat, zog es hinten und je steiler, desto mehr zog es. War zum Glück nicht mehr viel Steiles. Weiterhin half eine kurze Pause, kleine Massage der betroffenen Stelle und sehr langsames Wandern. Letzteres war das Ätzendste. Schuhwechsel half nicht. An der Hütte irgendwie angekommen realisierte ich erstmalig die angegebene Wanderzeit exakt ausgeschöpft zu haben. ;-( Dann ist das eben so.
Erst mal Rast! Es war kurz vor 12Uhr. Das Übliche. Pasta ist noch nicht. Panini. Dann eben Panini. Zwei! Dazu nen Tee. Und als das alles weg war und ich wieder loszog, sah die Welt irgendwie gleich wieder ganz anders aus. Den Wirt fragte ich noch, was der schnellste Weg nach unten und vor allem dann nach Aosta wäre. Es war Oyace. OK. Es warteten noch mal 400m hoch und dann 1600m einfach nur noch runter und dann der Bus. Das kriegen wir jetzt auch noch hin!
Die Gegend war wirklich super. Vom Wetter wollen wir jetzt mal gar nicht reden – perfekt!

OK, der Fokus lag jetzt auf der rechten Hufe. Hufe. Das ist doch das richtige Stichwort. Es ging auf den letzten Sattel zu. Da oben und es ist geschafft.

Aber Moment mal. Was steht denn da oben? Die Hörner gehören klar zu einem Steinbock.
Der Blick schweifte. Was steht denn da am Hang? Das gibt es ja gar nicht!
Eine ganze Steinbockherde mit über zwanzig Tieren inklusive Kindergarten vergnügte sich da am Hang. Der Wind kam von dort. Aber selbst als mich die ersten Alten sahen, machten die sich nicht vom Acker.

Hier verweilte ich dann doch etwas und schaute mir das in aller Ruhe an. Das war einfach zu schön!
Und dann war er geschafft, der letzte Sattel, der Col de Vessonaz. Noch mal knapp 2.800m und jetzt ging es nur noch 1.600m runter und dann war es geschafft. Nein, so gut laufbar wie die beiden Dinger am Vortag war das lange nicht. Nein, so gut war ich an dem Tag auch nicht drauf. 1,5h brauchte ich doch noch mal für die 9km. Und dann war ich in Closé.
Feierabend! 32km heute noch mal gewandert. Es war kurz nach 15Uhr. Ich war am Ende Trainings angelangt! Das war schön, aber zum einen war ich noch nicht am Auto und es war auch etwas die Luft raus.
Hier muß nen Bus fahren!
Der Hüttenwirt meinte schon, dass ich eventuell runter nach Oyace müßte und ggf. auch weiter runter bis Valpelline. Wie weit das alles ist? Keine Ahnung. Egal. Es war erst kurz nach drei. Auf der Straße angekommen, fand ich erst mal keine Bushaltestelle. Also einfach auf der Straße weiter runter laufen. Autos kamen vorbei. Hmm. In Barmasse meinten die man könne notfalls Trampen. Vielleicht hatte ich nicht ausreichend Geduld (Ich hab noch nie getrampt), aber ich würde mal sagen das funktioniert dort genauso wie heute in deutschen Landen – eher schlecht!
Aber glücklicherweise habe ich Füße zum Laufen und glücklicherweise bin ich auch in der Lage nach 32km Wandertour auf ner glatten Asphaltstraße noch bergab zu laufen. Die Pace pendelte sich bei 5:00 bis 5:30 ein. Das sind ja mal Zeiten! Das kennen wir ja gar nicht mehr! Das die Uhr so was überhaupt noch anzeigen kann. ;-) Vielleicht lag es auch daran, dass die Wasserflasche fast alle war – 1,5kg weniger Gepäck! ;-)
In Oyace fand ich ne Bushaltestelle. 16:30Uhr Richtung Valpelline. Ob‘s da dann weiter ginge, war nicht rauszufinden. Dann besser weiterlaufen. Es ging im Tal runter und mich überholten lauter Autos – und ich lief und lief und lief. ‚Was is das hier für ein Mist! Ich will nen Bus!‘ Und lief, und lief und lief. Km8 dann endlich Valpelline und km8,5 auch ein Office de Tourisme! Juhu! Ich rein und nach dem nächsten Bus gefragt und wo der abfährt. „Today is Festival here. The next bus is tomorrow.“ war die Antwort.
‚Morgen? Was für ein Festival? Hat die ne Panne oder ich?‘
„Ich bin aber heute hier und ich muß heute nach Courmayeur! Da steht mein Auto.“
OK, cut the long story short: Festival war Holliday, also Feiertag. Die kleinen Buslinien in den Seitentälern fuhren nicht. Zum Glück fuhr aber der Bus ab Aosta nach Courmayeur jede Stunde und der letzte fuhr 21:30Uhr. Es war mittlerweile irgendwas gegen 16Uhr. Nach längerer Debatte fragte ich dann mal wie weit es denn bis Aosta wäre. Irgendwas zwischen 15 und 17km schwankte die Angabe. OK. 32km + 8km + 17km = ?? Ich nehm dann kein Taxi. Das kann ich jetzt auch noch laufen! Bis 21Uhr sollte das selbst wandernd gehen. Ging es auch! Am Ende standen dann nur noch mal 12km auf der Uhr. Der Fußweg durch Aosta ging wirklich geradeaus nach unten zum Busbahnhof. Ich bekam selbst 17:30 den Bus und war dann wohlbehalten irgendwann am Auto. In Summe standen dann also den Tag 53km auf der Uhr, wobei die letzten knapp 21 komplett Asphalt waren. Das ging. Wade ging auch wieder. Alles gut.
Der Rest ist schnell erzählt. In Courmayeur wollte ich nicht Essen. Viel zu viel Touri. Also alles ins Auto, kurz umgezogen und los Richtung St. Bernhardpass. Samstag wollte ich in Saarbrücken sein. St. Bernhard ist am Besten nachts. Da kann ich wenigstens hoch und runter fahren wie ich will und nicht wie irgend so ein Fahranfänger vor mir. Also mit dem Auto retour nach Aosta und St. Bernhard, kurz von der Touriroute runter in das Seitental, das ich schon kannte, ne Pizzeria mit vielen italienischen Autos davor gesucht, was gefuttert und dann so lange gefahren, bis etwas Schlaf angebracht war. Das war dann gegen 4Uhr und nur noch 40min von Saarbrücken weg. Aber da wollte ich dann irgendwie nicht mehr. Frühstück gab‘s irgendwas gegen 8Uhr bei Familie Strider: Ein wunderschöner Abschluß einer tollen Trainingstour!
;-)

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Du hast da was vergessen

nämlich die sms um 7:10 Uhr morgens, ob du Brötchen mitbringen sollst ;-)))

Herrliche Tour, herrlicher Bericht. Danke dafür. Und danke fürs Kommen ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Ich glaub dieses Auf und Ab

der Gefühle ist es, was man einfach ertragen muss auf so'ner Tour (total verrückt übrigens!). Im Hier und Jetzt sein, auch mal Steinböcke Scheixe finden - und dann wieder total schön: das ist normal. Ich mein - ich bin ja gerade mal im Kindergarten angelangt, aber ich mein trotzdem - letztendlich wirst Du bei soo einter Tour, wie Du sie da vorhast, irgendwann an den Punkt kommen, wo eh alles nur blöd ist. Und Du wirst wissen: das hatte ich schon, das geht vorbei! Du kannst es ab, kannst es ertragen. Du hast im Kopf die vielen positiven Bilder wie es oft nach solchen Situationen weitergegangen ist.

Und DAMIT (also mit dem Kopf) gewinnst Du einen unglaublich starken Partner, der Dich auch dieses Abenteuer heil und ganz überstehen lassen wird.

Sehr schöne Bilder übrigens - ist eine tolle Ecke da!

Ich wünsche Dir eine Menge Genuss auf der Strecke: genieße Freud und Leid, gutes Wetter und schlechtes Wetter, Schmerz und Lauf, Wandern und Rennen, einen Schritt nach dem anderen - bis zum Ziel.

Vor allem wünsche ich Dir dasselbe tolle Miteinander, was beim CCC auch war.

Du bist echt eine andere

Du bist echt eine andere Welt! Nach 32km wandern nochmal locker 21km laufen und das alles mit zwei Panini??
Also wenn einer den TdG rockt dann Du!

Wünsche Dir viel Spaß, viel Erfolg und dass alles heile bleibt!
Auf Deine Berichte sind wir jetzt schon sehr gespannt.

Stimmt, Volker, ...

... ich hab's zwar geschrieben, aber das war gar nicht so wichtig - irgendwie. Bei km 16 gegen 12Uhr gab's zwei Panini und ... Warte mal. Ich glaub auf den 20km hab ich noch nen Riegel gefuttert. Oder doch nicht? Egal. Aber ist schon erstaunlich mit wie wenig man doch auskommt.
Ja, so ist das Birgit. Mit dem Kopf wird der gelaufen. Nur die Beine helfen da nicht wirklich. Du hast das ja noch sehr präsent.
;-)

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