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Benutzerbild von Tigerkätzle67

Mein erster Ultra – und einer der schwierigsten

Vor einem Jahr habe ich mir das schon vorgenommen gehabt, einmal den Allgäu Panorama Ultra Bergtrail anzugehen. Zweimal habe ich dort schon den Marathon absolviert und das bei einer mordshitze von 33° und 36°c. Dennoch kam ich ins Ziel.
Beim Ultra dachte ich mir so, wenn ich den nur in der vorgegebenen Zeit schaffe, bekomme ich auch ohne einer super Zieleinlaufzeit und Platzierung ein Steinmännle zur Belohnung.

Diesen hier bekam ich 2011 – mein erster Bergmarathon in Sonthofen. Auch da habe ich es nicht erwartet überhaupt eine Platzierung zu schaffen. Ich wollte nur ins Ziel kommen und dann erreichte ich damals den 1.AK Platz.

Das es kein Leichtes werden wird, wusste ich ja. Die ersten 23 km sind mit dem Allgäu Panorama Marathon identisch. Wir Teilnehmer hofften nur das es diesesmal nicht wieder so heiß werden wird wie die Jahre davor. Wir wurden erhört!

Morgens um 4 Uhr stand ich auf – der Start war um 6:00 Uhr. Die Nacht war für mich sehr unruhig und dann fing es auch noch in der Nacht an zu regnen.
Als ich an den Start ging, regnete es immer noch in Strömen und so richtig Lust hatte ich da keine mehr. Ich gebe ja zu, ich bin eine Schön-Wetter-Läuferin und Temperaturen von bis zu 28°c machen mir nichts aus. Aber das was wir da geboten bekamen, war auch nicht das richtige.

Der Startschuss fiel pünklich um 6, es war noch stockfinster und für Bilder nicht wirklich taugliches Tageslicht. Erst ging es ein Stück an der Iller entlang bis zum See danach hinauf zum Hüttenberg.

Von da an ging es immer wieder nach oben…. Auf nassen, matschigen Trailpfade. Nach dem ersten Stück hatten wir dann bis zur Weltcuphütte zwar steil bergauf, aber auf Asphalt. Auf einmal fing es auch noch an zu schneien und ich konnte es kaum glauben. Die Luft war kalt und nass, die Hände froren uns allen bei dem Aufstieg fast ein und hofften auf eine baldige etwas ebene Strecke, damit wir uns etwas warm joggen konnten. Das kam dann auch bald.

Die Stimmung war heuer etwas betrübter, weil vom Panorama nicht viel zu sehen war, nur Wolken und Regen. Zum fotografieren hatte ich nicht wirklich viel Lust.
Die ersten 19 km musste ich in spätestens 3 Std 15 min erreicht haben. Ich erreichte diesen Punkt bei 2:49:.. Std. Dort nahmen wir erst mal die Salzbrote, Kuchenstücke usw. zu uns. Das tat nach der ersten Anstrengung richtig gut. Das Wasser war dort etwas vorgewärmt, so das wir ein warmes Cola-Wasser trinken konnten. Danach ging es dann auch schon wieder weiter.

Nur noch 4 km dachte ich mir, dann kommt für mich eine ganz neue Strecke mit neuer Erfahrung. Das lies nicht lange auf sich warten.
Endlich wurden wir Ultras bei KM 23 nach rechts weitergeleitet, für mich kam jetzt Neuland. Ich lief mit einer anderen Läuferin Claudia gemeinsam und wir unterhielten uns über vieles was uns so immer wieder einfiel. Es ging einen schmalen Waldpfad durch, wieder alles rutschig durch den Matsch. Auf einmal höre ich wie Claudia hinter mir aufschrie, ich drehte mich um und sah sie in der Böschung abwärts abrutschen. Sofort griff ich ein und versuchte so gut es ging sie wieder hochzuholen. Andere Läufer kamen an uns vorbei und fragten nach, aber blieben nicht stehen. Klar, warum sollten sie auch. Einer meinte dann auch, da vorne käme gleich die nächste VP Stelle und dort liefen wir auch vorsichtig weiter.
Die Leute dort wurden schon informiert und Claudia meinte sie läuft noch weiter, es ginge wieder. Gut, ich wich nicht mehr von ihrer Seite und wir liefen bis zur nächsten VP bei KM 30. Dort konnten wir dann auch auf eine richtige Toilette gehen und Claudia erkannte das sie sich etwas mehr verletzte als gedacht. Bis zum nächsten Cut Off in Oberstdorf wollte sie dann laufen und wird dort dann abbrechen. Wir nahmen noch was zu uns – Brezeln, Tomaten, Gurken, Brot und eine heiße Brühe die uns wieder ordentlich stärkte und liefen dann weiter.

Österreich erreicht: kurz vor KM 30

VP Stelle bei ca. 30 km

Dann ging es weiter – durch Kleinwalsertal. Die Sonne kam immer mehr hervor und das Wetter sollte anscheinend doch etwas bessern. Aber kalt war es dennoch.
Eine tolle Landschaft wurde uns präsentiert. Das – wie ich immer sage – ist die Belohnung für die Anstrengung.

Wir erreichten die nächste VP Stelle und fragten dort nach ob wir es noch in der Zeit schaffen bis Oberstdorf Erdinger Arena. Wir hatten noch 5 km zu laufen und die Wege waren laut Aussage sehr schwierig. Wir hatten noch eine 1,5 Stunden und die Helfer sagten, das reicht uns noch locker, aber wir sollten vorsichtig sein da es nochmals sehr steile rutschige Abstiege gäbe. Wir befolgten den Rat, ein Sturz hat schon gereicht.

Wir kamen dann der Erdinger Arena immer näher und zum ersten mal kam ich auch an diesem wunderschönen See vorbei, den ich immer vom Nebelhorn aus gesehen habe.

Die zweite Cut Off Stelle Erdinger Arena Oberstdorf wurde erreicht und ich war so happy. Cut off wäre bei 8:30 Std gewesen und ich kam bei 8:10 rein. Ich traf einige meiner Freunde dort an, die leider aus gesundheitlichen Gründen dort aufgeben musste so wie auch meine nette Begleiterin Claudia. Ich wollte dann auch schon aufgeben, denn das schlimmste sollte ja noch kommen und ich war mir nicht sicher ob ich es wirklich durchziehen würde. Doch die Freunde – neue wie die alten – sagten, du läufst jetzt weiter, das schaffst du schon, sind ja nur noch 20 km. Wie diese 20 km aber werden sollten, wagte ich niemals zu glauben. So habe ich erst mal ordentlich was gegessen und ein Erdinger getrunken. Danach lief ich mit einem anderen Läufer Jan weiter.

Ein Fotograf fotografierte uns dann auch nach ca. 2 km

Wir sparten unsere Kräfte ein, denn wir wussten zwar von den Aussagen der anderen das es nochmals richtig steil bis zum Sonnenkompf wird, aber wie schwer es bei Matsch werden wird, das konnte bis dahin sicher keiner wirklich wissen.

Bei KM 58 kurz unterhalb vom Sonnenkopf war die dritte Cut-Off Stelle. Diese musste ich bei 11:30 Std erreicht haben. Also behielt ich die Uhr immer wieder im Blick, aber wollte keinen Stress haben. Schließlich galt für mich nun nur noch eins – durchkommen. 13 Std waren für mich die Zielzeit, es ist mein erster Ultra und da muss ich nichts beweisen. Ich erreichte mit Mühe endlich diese Station und lag bei 10:20 Std. Gut, war ich froh – so hatten wir noch etwas Puffer für die letzten 11 KM, die sich danach auch als sehr schwierig herausstellten. Ich hatte eine leichte Unterzuckerung bei mir bemerkt, obwohl ich immer wieder unterwegs was zu mir nahm, aber irgendwie ging das nicht mehr ins Blut. So nahm ich mir dort an der letzten Cut-Off Stelle eine kleine Sitzpause und habe in aller Ruhe was zu mir genommen und dabei was getrunken. Das tat dann gut und ich merkte auch das es wieder besser ging. In der Zwischenzeit haben mich wieder ein paar Freunde eingeholt und darüber freute ich mich besonders. Es war Didi und Jürgen. Gleich ließ Jürgen von uns allen ein Gruppenfoto machen.

Didi und Jürgen liefen dann auch gleich wieder weiter und Jan und ich folgten dann kurz darauf. Die nächsten 2 KM waren dann die Hölle, Trampelpfad durch Matsch übersät und wir machten zwei Schritte vor und rutschten um einen Schritt quasi wieder zurück. Es kostete uns eine Menge Kraft und ich hoffte nur das es bald ein Ende nehmen wird. Nach allen paar Meter machten wir eine Verschnaufpause für ein paar Sekunden und ich bemerkte, das es auch Didi und Jürgen vor uns auch machten. Wir holten auch einen anderen Läufer ein, der ebenfalls immer wieder verschnaufte. Endlich kamen wir oben an und wir machten wieder ein tolles Gruppenfoto. Dort waren auch noch andere Freunde die wir so kannten. Alle sollten mit auf´s Bild, wer wollte. Wir waren alle so froh das schlimmste Stück geschafft zu haben. Nun lagen vor uns nur noch 7 km.

Wir nahmen den Abstieg vor, der ebenfalls anfangs recht holprig, rutschig und wurzelig war. So war für mich nur wichtig nicht zu stürzen, da würde ich sicher nichts gewinnen. Das Panorama war diesmal wirklich gut, nachdem uns die Sonne immer wieder mit ihren Strahlen begrüßte. Als dann das schwierigste geschafft war, ging es eine lange Teerstraße runter und ich ließ es nun etwas schneller laufen. Die Uhr zeigte schon recht knapp an und ich rechnete so aus, ob wir es wohl noch schaffen. Es waren noch 4 km zu laufen und die Zeit rannte auf einmal schneller als wir. Ich bekam nun doch etwas Zeitdruck, denn ich wollte die ganzen Strapazen nicht umsonst gemacht haben. Ich wollte in die Wertung kommen und das Steinmännle als Belohnung in die Hand nehmen können. Also sagte ich auch zum Jan, wir müssen diesen Schritt nun einhalten, dann könnten wir es schaffen. Wir liefen und liefen und auf einmal kamen uns Kühe entgegen. Ich fand´s ja lustig, aber irgendwann waren sie uns etwas im Weg und wir hatten es ja eilig.

Endlich kam ein weiter Helfer und weiste uns den Weg, er meinte noch 2 km und wir dachten nur noch….. das wird eng. Didi und Jürgen machten auch schon einen Sprint, sicher bemerkten sie auch das die Zeit raste. Wir immer wieder ihnen hinter her, endlich ging es auf die Straße und ich sah das Wonnemar in Sonthofen, wo der Zieleinlauf ist. Ingrid – eine ganz gute Freundin – stand schon mit ihrer Kamera da und fotografierte uns. Dann ging es um die Kurve – blöde Autos! Die aus dem Parkplatz kamen 100m vor dem Ziel. Ich wollte jetzt nicht stehen bleiben, ich wollte ins Ziel und machte nur Winkbewegungen, das sie uns vorbei ließen. Dann ging es mit Freudensgeschrei ins Ziel. Ich war so happy, weil ich – nein wir! es in 12:51:47 geschafft haben. Es war die härteste Herausforderung, was ich je in meinem Leben mitgemacht habe und bin so stolz das ich noch das Steinmännle zur Belohnung bekam.

Mein zweites Steinmännle – zum großen Steinmännle von 2011. Das erste bekam ich für den ersten Trail-Marathon 1.AK Platz. Das zweite jetzt für das Finish bei meinem ersten Ultra Trail Berglauf.

Ein herzliches Dankeschön an Jürgen, der mir erlaubte ein paar seiner Landschaftsbilder und die schönen Gruppenbilder zu verwenden.

4
Gesamtwertung: 4 (4 Wertungen)

Super....

Ganz toll.... das macht richtig Spass das alles zu lesen...
Weiter so...
*Daumen hoch

Schmerz entsteht, wenn Schwäche den Körper verlässt. :-P

Herzlichen Glueckwunsch

zum Finish! Danke fuer die Bilder und ich bin mir sicher: ich hab Dich gesehen! Schade, das wir uns nicht getroffen haben.
Gruss Petra

da haben wir doch

glatt am selben Lauf teilgenommen! Und uns das Männlein verdient. Ich meine, du hattest ja schon eins, das bestimmt nicht so einfach zu bekommen war. Eine Platzierung bei so einem Lauf rauszulaufen ist ganz schön klasse! Beim Ultra mussten wir ja 'nur' finishen:). Ich war übrigens froh, dass kein Sonnenscheinwetter war. Hitzeschlacht bei 35 grad, nenene, das wäre nix für mich gewesen. Herzlichen Glückwunsch und genieße den Muskelkater. ...going beyond the mind -it's where the magic happens...

Das Männel ...

... Haste dir verdient!
Genieß den ersten Ultra, na und sicher auch den Muskelkater.
Und dann kannste über den nächsten nachdenken.
;-)

Hochachtung!!!!!

Ihr seit an meiner Haustüre in Riezlern bergauf vorbei gelaufen und selbstverständlich habe ich euch zugeschaut und jeden bewundert, der sich dieser Herrausforderung stellt - vor allem wenn man einen großen Teil der Strecke kennt. Danke für den tollen Bericht und HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!!!!

Was für eine tolle Belohnung!

Dieses Steinmännchen wird dich immer an einen wundervollen Tag mit (neuen und alten) Freunden erinnern, an dem Du Dich selbst übertroffen und Deine Grenzen verschoben hast.

Sowas von verdient - erhol Dich gut.

Die Bilder laden geradezu ein auch mal dort zu laufen. Sehr schöne Dokumentation Deines ersten Ultras!

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