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Benutzerbild von Rennmaus-vom-See

1992. Prolog.
Die Rennmaus ist noch Schülerin und ganz und gar keine Rennmaus. Sie kriegt schon Zustände, wenn der Sportlehrer das Wort "Waldlauf" fallen lässt, als die Sommerferien sie in die Graubündner Alpen führt. Eine Gruppe junger, aber erfahrener Wanderer nimmt sie mit auf ihren allerersten Berg. Die Rennmaus hat nicht mal adäquates Schuhwerk. Ziemlich weit oben an einem Wegweiser beratschlagen die erfahrenen Wanderer. Die Rennmaus weiß nicht, wovon sie sprechen und hört auch nur mit halbem Ohr hin. Ein ums andere Mal skandiert sie: "IST DAS SCHÖN!" Die erfahrenen Wanderer schmunzeln: "Warte mal, bis Du bei schönem Wetter eine Tour machst." Wetter? Also gut, wir stehen mitten in den Wolken, man kann kaum 30 Meter weit sehen, und es ist nasskalt. Na und? Ich hüpfe wie ein junges Reh herum. IST DAS SCHÖN! Ich bin angefixt.

Das Schiesshorn wird mein Hausberg. Jedes Jahr kehre ich dorthin zurück. Neben traumhaften Wanderungen auf andere Berge, manchmal schon zum Sonnenaufgang, baue ich das Schiesshorn nebenbei als Nachmittagsspritztour ein. Irgendwann fange ich an zu rennen. Zwar nur bergab - auf die Idee, man könne auch bergauf rennen, komme ich nicht - aber dennoch muss ich fortan meine Spritztour alleine machen. 15 km, 1200 hm, 4:00 Stunden. Da wollte keiner mehr mit"wandern". So geht es weiter, kaum hat die Rennmaus eine Höhe erreicht, fängt sie an zu rennen. Manch' ein Mäuserich sucht zu dieser Zeit, der Rennmaus Gunst zu erlangen. Sie gehen mit ihr auf Tour, jedoch, sie hängt sie alle ab. Wer als Mäuserich auf die alles entscheidende Frage von der Rennmaus ein "Ja, ich will" möchte, muss vor allem eins: Laufen können!

2014. Wallis.
Die Rennmaus schnuppert erneut Bergluft. Sie hat einen des Laufens mächtigen Rennmäuserich sowie zwei erstaunlich laufwillige Minimäuse im Gefolge. Für gut zwei Wochen machen die vier Nager die Aletsch Arena unsicher. Wir wandern was das Zeug hält, die Kinder sind Feuer und Flamme, sie entdecken alle paar Meter irgend etwas ungeheuer Spannendes. Wir sammeln Kilo- und Höhenmeter en masse. Also immer gemessen an den kleinsten Beinen, die gerade mal vier Jahre alt sind...

Natürlich juckt es mich sofort in meinen eigenen Beinen und ich laufe gleich am zweiten Tag los. Bloss - welche Richtung von der Wohnung aus ich auch einzuschlagen gedenke, (wir wohnen am Berghang, fast unten im Tal) es geht entweder steil hoch oder steil runter! Ua. Ich peile ein Dorf 300 m höher an. Es geht über einen herrlichen Wanderweg durch Wald hoch, hoch, hoch. Noch bin ich frisch und ich laufe ganz cool hinauf. Dann aber fällt mir ein, dass ich ja morgen sicher auch noch laufen können möchte, und ich beschließe, das Allersteilste vielleicht der Vernunft halber zu Gehen. In dem anvisierten Dörflein jogge ich ums Kirchlein mit einem allerliebsten Friedhof, keine Marmorgrabsteine einer größer als der andere, nein, lauter einheitlich schlichte Holzkreuze und einheitliche Bepflanzung in rot und etwas gelb. Dann hüpfe ich über Stock und Stein wieder bergab. Ordentlichen Laufstil kann man hier knicken. Macht aber nix, es spaßt trotzdem außerordentlich.

Wie überall in der Schweiz finden sich auch hier reichlich Wanderwegweiser mit den orangen Schildern. Und wie wir eines Tages so gemütlich mit unserer Brut von Bergbahn zu Bergbahn zuckeln, entdeckt unser geschultes Auge einen kleinen, weißen Wegweiser unterhalb der orangenen - mit der aufrüttelnden Botschaft: "Aletsch-Halbmarathon km sowieso"! Ich bin wie elektrisiert. Hier wird auch gelaufen! Und als überspontaner Mensch will ich das natürlich auch gleich, jetzt und sofort. Ich mache den Startpunkt des Wettkampfs ausfindig und lege mein nächstes Training also hoch auf die Alp. Anfangs noch durchs Bergdorf, aber dann hinaus in die freie, wilde Berglandschaft. Es ist einfach nur herrlich. Und zum Glück die ersten Kilometer, nämlich, die, die ich laufe, gar nicht viel steil. Einmal biege ich um eine scharfe Ecke und knalle fast mit einem Mountainbiker zusammen, aber ansonsten komme ich ganz gut an den Leuten vorbei. Ich muss ja kein Tempo machen und auch nicht um eine bestimmte Zeit zu Hause sein. Ich kann genießen - ich bin im Urlaub. Am Ende stehen für mich unglaubliche 1:35 h auf der Uhr, die Vermessung ergibt 12,7 km. Vom Gletscherlauf bin ich die ersten 7,2 km gelaufen. Dann habe ich die falsche Richtung eingeschlagen.

Beim nächsten Training finde ich bei km 7,2 auch den Wegweiser und ich laufe bis km 10. Bis km 9 schöne, schmale Wanderwege, gespickt mit Steinen, wie gesagt, Laufstiltraining dann halt wieder zu Hause. Aber dann, hallöchen, geht es mal richtig hoch. Tja, auch Rennmäuse müssen Gehpausen machen. Mit der Zeit entspanne ich mich aber ob solcher Schwächlichkeiten.

Ein anderes Mal nehme ich die Laufsachen zur Wanderung mit, um Zeit und Gondelfahrten zu sparen. Leider haben wir mit dem Wetter jetzt nicht so rechtes Glück, es ist ordentlich kalt da oben in den Bergen. Aber wo in Mitteleuropa war es die letzten Wochen wirklich schön sommrig... Jedenfalls kommen wir sogar in Regen. Naja, nehmen wir's wie's kommt. Und dann -hey- kommt doch schlagartig die Sonne raus! Ich bin ja ein spontanes Huhn, kucke, kommt grad keiner vorbei, ich ziehe mich ratz fatz um, lade Wanderstiefel und Rucksäckle dem starken Mäuserich auf und mache mich auf die Strecke. Juhu, Gletscherlauf ich komme! Heute fühle ich mich prächtig, ich starte beim Wegpunkt km 7,2 und wetze wieder hoch zu km 10. Also "wetzen" ist natürlich wieder relativ, aber ich fühle mich halt schnell. :) Was die nächsten 4 km sind, haben wir schonmal als Mäusemeute erwandert, und ich freue mich schon auf die Umrundung eines Berges. Da das Wetter ja nicht so prickelnd war, und zu ausgerechnet diesem Berg keine Sommergondel führt, bin ich ganz alleine. Es ist atemberaubend schön. Geröllhalden, Wald, Feld, steile Schluchten und überall überwältigende Aussichten auf die Berge. Ich laufe wie in Trance. IST DAS SCHÖN! (Sagte ich das bereits?)

Ich kann nicht genug kriegen. Aber unser Urlaub schreitet fort, und wir schreiten unsere Wanderungen dahin, und laden uns Kilometer um Kilometer und Höhenmeter um Höhenmeter auf - mein Körper hat sich alles gemerkt. Mir dämmert, dass ich den Aletsch-Lauf nicht schaffen werde. Nicht mal in Etappen. Das betrübt mit etwas. Ein letztes Mal mache ich mich auf die Strecke. Die Beine sind schwer. Die Referenzzeiten, die ich zuvor nahm, unerreichbar. Der Kopf diktiert, an die Familie und die noch bevorstehenden Wandertouren zu denken. Ich darf mich nicht kaputt machen. Ich bin schlecht drauf. Ein mordscooler Familienvater mit Helm, er muss eben im nahegelegenen Hochseilgarten sein Ego aufpoliert haben, marschiert mir mit voller Absicht in den Weg. Ach, normalerweise steh' ich da ja voll drüber, in jedem Graben joggen ist besser als Zickenkrieg, diesmal gebe ich ihm aber im Vorbeilaufen meinen Ellenbogen. Leider ernte ich mit meinem schwachen Bindegewebe den seinen, was mir einen wüsten blauen Fleck am Oberarm beschert. Sch...tag.

Aber mein ansonsten positives Gemüt hakt auch dieses ab, wir genießen noch einmal herrliche Aussichten auf den Aletsch-Gletscher bis hinüber zu Eiger, Mönch und Jungfrau, sowie dem Matterhorn - das ich zuerst ja gar nicht erkannte, wie peinlich... und schon ist es wieder Zeit, nach Hause zu fahren. Ich freue mich auf ebene Laufstrecken.

4
Gesamtwertung: 4 (1 Bewertung)

Das klingt doch ...

... nach wunderbarem Lauftraining! ;-)
Jeden Tag was machen, zieht schon mächtig Kondition. Das ist so. Und es ist nicht schlimm. Wieder daheim - nach etwas Erholung - wird da förmlich was explodieren. Da bin ich mir sicher.
Ich hab im Bergurlaub auch immer die Laufsachen beigehabt und die Wandersachen dann an der Gondel bei meiner Frau abgegeben. Da war dann noch ne Runde oben und der entsprechende Downhill gebucht. Herrlich.
;-)

Ich seh schon irgendwie muß

Ich seh schon irgendwie muß ich dich doch mal mitnehmen auf eine meiner Touren. Wenn du du so weiterläufst, so jetzt kommt ein Gehirnvirus *grins*, wie wärs dann nächstes Jahr mit dem Basetrail? Wir müssen dich nur noch ein bischen auf "Strecke" bringen.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Liebe Rennmaus,

was für ein schöner Urlaubsbericht! Das war ja wirklich Urlaub für alle Sinne! Und dass deine Kinder so gern mitwandern, find ich auch großartig. Alles richtig gemacht!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

danke für Eure Kommentare!

@Linzi - oh Buddy mein Buddy - der Gehirnvirus ist schon mächtig dabei sich auszubreiten. Genau: und DU bist schuld, fand ich bei Dir doch die Buchstaben ZUT und habe mir dazu einen Clip angesehen. Es hat mich so angerührt, dass mir die Tränen kamen, tststs.
Was "Strecke" anbelangt, so peile ich für nächstes Jahr eigentlich erst mal einen Halbmarathon an - öhmja.
Und was uns zwei anbelangt, ich täte wirklich gern mit Dir trailen, ging aber bisher nicht.
Was anderes: Am 21. würde ich gern in Bodman laufen, isch ja jetz au net aus der Welt...?

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