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Benutzerbild von Beaulyjunior

Es war der 24. Mai 2014, als ich nach nur knapp 5 Stunden Schlaf die Augen öffnete und mir bewusst wurde, dass es heute verdammt anstrengend wird und schlagartig wurde ich nervös, an weiter schlafen war nicht mehr zu denken. Ca. 3 Stunden später bin ich dann aufgestanden, um mich fertig zu machen, um 9 Uhr sollte ja der Bus gehen. Drüben im „Hauptquartier“ sollte ich dann frühstücken, mein Magen war da allerdings anderer Meinung und verweigerte alles essbare. Die Nervosität steigerte sich.
Aus lauter Mitleid für Beaulyjunior hat sich der „dorow’sche Uhu“, auch Schwabenblitzle genannt, aus dem Nest gequält, um den Nachwuchs mit gefühlten 50 Runden Quizduell abzulenken.
Gegen 8:45 Uhr machte ich mich dann also auf den Weg zum Bus, wo ich mich sofort im Kampf um die begehrten Sitzplätze wiederfand - Wer will schon eine Stunde lang stehen? Es gelang mir dann tatsächlich einen Platz neben einer sehr netten Französin aus Toulouse zu ergattern. Jetzt ratet mal von welchem Team? Richtig, Airbus natürlich, von welchem sonst, es gab ja auch gefühlt fast nix anderes. Während der Fahrt wurde über die üblichen Themen getrascht: Wo kommst du her, zum ersten mal dabei, hoffentlich ist das Wetter gut und die wichtigste Frage – Was ziehst du an – da sind die Französinnen auch nicht anders als die deutschen Damen. ;)
Bei der Ankunft in Dannewerk, so gegen 10 Uhr, machte sich eine allgemeine Verwirrung breit – wo & wann werden unsere Sachen abgeholt, wo findet der Wechsel statt und was machen wir jetzt die ganze Zeit, bis es los geht. Nach dem die ersten Punkte geklärt waren, begann das Warten. Gefühlte 500x wurde auf die Uhr geguckt, Fotos geschossen, von einem Bein aufs andere gehüpft.
Dann endlich kam ein bisschen Aufregung in das kleine Wikingerdörflein: die führenden Staffeln kamen zum Wechsel. Gegen 10:45 Uhr gab es 3x einen kurzen, schnellen und heftigen Windstoss, als die ersten 3 Teams durchgelaufen sind. Viel gesehen hat man bei dem Tempo von denen nicht, die sind halt einfach IRRE!!!
Danach kam erst einmal eine Weile nix, bis dann der Rest sich nach und nach am Wechselpunkt einfand. Sofort gab es ein riesen großes Chaos, alle schrien nach ihren Leuten und die Feuerwehr kam mit dem Durchsagen der Nummern nicht mehr hinter her. Disney’s Große Krabbeln hätte man neu aufnehmen können, wenn der Wassertropfen auf den Ameisenhaufen fällt und Panik ausbricht.
Tatsächlich wurde das Wetter aber von zu Minute zu Minute besser und die Sonne brach durch die Wolkendecke.
Meine Nervosität hat sich aber mit den Wolken leider noch nicht vom Acker gemacht, als um kurz nach 11 Uhr meine Teamkollegin anrief, um mir mitzuteilen, dass meine Vorläuferin bald kommt.
Kurz vor 12 Uhr hat mich dann auch die nette Französin verlassen, um sich auf den Weg nach Jagel zu machen. Der Menschenhaufen am Wechselpunkt hatte sich zu der Zeit auch schon stark dezimiert, so dass man sich keine Sorgen mehr machen musste, seinen Teamkollegen zu verpassen.
Für mich hieß es dann weiter warten, Sachen abgeben, den Gestank der Dixieklos loswerdenn, rumzappeln und sekündlich auf die Uhr gucken – „Wo bleibst du denn?“.
Plötzlich ging dann aber alles ganz schnell. Mit suchendem Blick kam sie die Wechselzone entlang gelaufen, ein lautes VIVIAN hallte durch die Luft, dann der Wechsel: Stab in meine linke Hand und meine Jacke in ihre rechte und ab geht die Post! Gegen 12:15 Uhr machte ich mich dann also auf den Weg auf die 9,9km lange Strecke von Dannewerk nach Jagel!
Die ersten Meter habe ich noch versucht gut auszusehen, denn damit sollte es vorübergehend vorbei sein, also schnell loslaufen, solange Zuschauer da sind und hinter der Ecke dann 2 Gänge zurück geschaltet, man hatte ja schließlich noch einiges vor sich. Nebenher noch schnell die Stoppuhr gestartet, die Kopfhörer in die Ohren gesteckt und mit AVICII’s „Wake me up“ ging es dann richtig los.
Die ersten 4km ging es auf einem Radweg die Straße entlang. Gefühlte 3000 andere Teams haben mich auf dem kurzen Stück schon überholt, aber bei der Dauerdiskussion mit meinem inneren Schweinemammut und meinem Motivationsengelchen kam heraus: nur nicht verunsichern lassen, schön weiterlaufen, auf der Landebahn sammelst du die wieder ein.
Das Ortsschild von „Kleine Rheide“ passierte ich nach knapp 30 min, ich war also voll im Plan. Die Hitze nahm mittlerweile zu, meine Nervosität verflog mit jedem Meter & mein Ziel von 75 min motivierte mich genug, um ein wenig Gas zu geben.
Am Ortsausgang kümmerten sich dann sehr nette Menschen vor einem Bauernhof um unser leibliches Wohl und verteilten Wasser – super Sache zu dem Zeitpunkt.
Kurz darauf sagte mir ein Schild, dass ich jetzt die Hälfte geschafft hatte. Ich fühlte mich auch nach wie vor noch gut, kann unter anderem daran liegen, dass mich nicht mehr so viele andere Läufer überholt haben.
Der Weg führte dann auf eine Straße, die bereits die Zufahrt zum Fliegerhorst Jagel war. Es ging zunächst aber erst noch 2km gerade aus, bis der Flugplatz dann tatsächlich in Sicht kam. Oben auf der Kuppe habe ich während dem Laufen noch schnell ein paar Fotos mit meinem Handy gemacht – Generation Y kann ja bekanntlich nix mehr ohne machen. Und dann ging es den Hang hinunter, über ein Stück Wiese, auf die 3km lange Landebahn. Kurzer Blick auf die Uhr, 45min, passt. Jetzt noch kleine 3km bis zum Ziel.
Das Ziel konnte man übrigens von dort aus schon sehen, was sich noch als echt frustrierend rausstellen sollte, denn nach knapp der Hälfte wurde das Laufen deutlich schwerer. Man läuft und läuft und läuft und das blöde Ziel kommt nicht näher. Die Beine werden jetzt deutlich schwerer und unter der Sonne war das mit dem Atmen auch nicht mehr so einfach. Ein kleiner Motivationsschub war, dass ich es tatsächlich noch geschafft habe einen Läufer einzuholen.
Trotzdem wurde es Meter für Meter schwerer und die letzten 500m zogen sich wie schweizer Käse. Es war inzwischen ein einziger Kampf gegen die Zeit, gegen mein inneres Schweinemammut und gegen die Läuferin vor mir, die ich unbedingt noch kriegen wollte. Ich hatte nur noch einen Gedanken: „Lauf Vivi Lauf, wenn du gehst, dauerts nur noch länger bis du im Ziel bist!“.
Also saugte ich mich mit jedem quälenden Schritt näher an die Läuferin und das Ziel heran. Habe sie dann echt noch überholen können und mit den letzten Körnern noch einmal das Tempo angezogen. Dann war sie da, die LETZTE Kurve und die LETZTEN 50m, die allerdings die schlimmsten der ganzen Strecke waren. Meine Ablösung und MUTTER, war dann noch der Meinung „das Leiden der jungen Vivi“ in Bild und Ton festhalten zu müssen – ein Lächeln habe ich aber definitiv nicht mehr zustande gebracht. Auf den letzten 5m wurden die Schritte immer länger, dann kam die Matte mit der Zeitmessung, ein Pieps und drüber! ENDLICH GESCHAFFT, da steht Mama, im Fallen den Stab in die Hand gedrückt, die Uhr gestoppt und das war’s dann – der Rasen vom Fliegerhorst Jagel war in dem Moment mein Lieblingsfleck. Mehr als ein lautes „LAUF“ für meine Ablösung hab ich da nicht mehr geschafft.
Ein kurzer Blick auf die Uhr entlockte mir dann aber doch ein Lächeln: 69 min! ICH HAB’S GESCHAFFT – unter 75 min geblieben. Das war echt ein absolut geiles Gefühl, für meine läuferischen Fähigkeiten eine super Zeit.
Irgendwie bin ich dann wieder aufgestanden, habe mich zum Verpflegungsstand geschleppt und erst einmal viel Flüssigkeit in mich rein geschüttet. Danach ging es ins Zelt, Rucksack holen und dann zum Bus. Dort erstmal dem nächsten Läufer Bescheid gesagt, dass Mama unterwegs ist und dann jedem geschrieben der es wissen wollte oder auch nicht, wie mega anstrengend aber auch mega genial dieser Lauf war. Im Bus habe ich dann nur noch vor mich hingelächelt.
So fertig ich auch war, so stolz war ich auch – „Stolz wie Oskar“ bekommt eine ganz neue Bedeutung.
Zurück in der Ferienwohnung habe ich mich dann erst mal mit den anderen Läufern von uns ausgetauscht, die schon wieder zurück waren.
Danach war erst mal wieder warten angesagt, bis es dann später zum Ziel ging, wo wir dann alle gemeinsam einlaufen wollten. Das haben wir dann auch getan, die letzten Meter um den Hafen haben wir alle zusammen zurückgelegt und hatten im Ziel dann eine Gesamtzeit von 9 Stunden und 52 Minuten – unter 10 Stunden für die 100km! Ein weiteres Erfolgserlebnis…

Abends haben wir dann noch gemeinsam gegessen und haben auf der Läufer Party im Festzelt vorbeigeschaut. Auch wenn die Beine müde waren, tanzen, feiern und springen geht dann doch immer noch.

Für mich persönlich war der Lauf also ein voller Erfolg und hat mir sehr viel Spaß gemacht!
Ich kann es auf jeden Fall weiter empfehlen und hoffe nächstes Jahr wieder laufen zu können.

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

Hey Du....

... ich breche mir bald die Zunge ab wenn ich da deinen Namen sprechen soll und so bleibe ich einfach beim "DU" :0)))...(Gibt es hier in JM irgendwo ein Sprachbutton!?)

Also, Du hast da eine super schöne Laufgeschichte erzählt(ich verstehe gar nicht, warum hier noch keiner sein Kommentar abgegeben hat?), die mich an Zeiten erinnern, die ähnlich abliefen.
Und dann natürlich Glückwunsch zu dieser super genialen Zeit!
Dieser Lauf würde mich auch interessieren, gib mal bitte genaue Daten durch...
Trainiere schön fleißig und dann kannst Du diesen Lauf bestimmt bald ganz alleine laufen!?

Gruß ;0),

Kaw.

Sorry an alle, die niemals angekommen sind, weil sie mich nach dem Weg gefragt haben...

Hi...

Hallo Kawitzi,

der "Lauf zwischen den Meeren" findet einmal im Jahr statt. Hier ist der Link zur Website.

http://www.lauf-zwischen-den-meeren.de

Und vielen Dank für die Glückwünsche, aber 100km alleine laufen wird wohl eher nichts. :D

Liebe Grüße
Beaulyjunior

(Bjulijunior, so klingt es ausgesprochen ;))

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