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Mittwoch, 13.08. - Coda-Cressoney
Ein Tag – zwei Welten
Es ging von „zu Tode betrübt“ in „himmelhoch jauchzend“. Die Reihenfolge ist auch besser so.
Aber fangen wir wieder vorn an. 6 Uhr Frühstück, 6:30Uhr los. So war es gedacht. Draußen sah es schauerlich aus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es regnete in Strömen. Klasse! Gleich früh am Morgen. ;-( Dann kommen wenigstens endlich mal die Regenklamotten zu ihrem notwendigen Einsatz. In den wasserdichten SealSkinz-Socken bin ich noch nicht gelaufen. Wie lange geht das ohne patschnasse Füße durch die Transpiration von innen? Die Regenhose ist auch nagel wie neu. Jacke ist noch die von Salomon. Dicht sollte sie sein. Wenns von vorn windet, wird’s halt kalt, weil die Kaputze für mich zu groß ist. Egal. Im Rucksack war alles in Tüten verpackt. Konnte also losgehen. Naja, bis ich mich dann doch durchgerungen hatte zu starten, war es 7Uhr. Es war unwirtlich da oben – jedenfalls draußen. Egal.
Die Wirtin gefragt wo es los ginge und schon war ich auf dem Track. Was soll man über ne Tour oben in den Bergen bei Regen grioß schreiben. Da heißt es das Wasser ertragen und durchhalten bis es aufhört oder man da ist. Letzteres könnte auch länger dauern. Besser Ersteres. Aber das sollte dauern. Im Abstieg hab ich erst mal die Klamotten auf richtige Tauglichkeit bzgl. Wassersäule überprüft. Eine kleine Bachüberquerung. Schmaler Bach und lange Regen bedeutet hoher Wasserdurchsatz. Trotz konzentriertem Gehen rutschte ich doch mit dem linken Schuh beim Überqueren vom Stein und lag rücklings im Wasser. Getan habe ich mir nix und in Bruchteilen von Sekunden war ich auch wieder hoch. Trotz allem war das wie Baden. Und! Später stellte ich dann fest, dass unter den Regensachen wirklich die Klamotten trocken geblieben sind. Cool! Nur mein Navi-Telefon hatte trotz Tüte etwas abbekommen. Es ging zwar noch, aber es hat leicht gesponnen. Navigieren war nicht mehr drin. An ner verlassenen Alm kurz untergestellt, Systeme und Klamotten gecheckt und das Tel. auseinander genommen. Sch… Ab jetzt dann ohne Navi – und ohne Karte. Super Idee! Egal, was hilfts. Da mußte jetzt durch. Klar, habe ich kurz darauf erst mal an einer Ecke ne Weile gebraucht den Weg zu finden. Aber das war dann jetzt halt so.
Rein von km oder Hm war die Strecke bis Niel nicht weiter tragisch. Zwei Sattel waren zu überqueren. Von 1700 ging es auf 2300, dann wieder auf 2000 und noch mal hoch auf 2300 - halt hoch und wieder runter. Ob es nun der Regen war oder das nicht vorhandene Futter? Ick weeß et nich. Der Vormittag lief mehr als bescheiden. Zum Glück hatte ich noch 125ml-Chiasamen im Gepäck. Die wurden zu 4/5 aufgebraucht. Der Magen knurrte schon, aber es hies erst mal ne Viertelstunde warten. Die Dinger müssen schließlich erst anquellen. Chia bloß mit Wasser ist jetzt nicht so der Bringer, aber wenn‘s hilft… Am letzten Sattel vor Niel war jedenfalls der Hunger erst mal gestillt, der Regen hatte auch aufgehört. Nur die Moral war immer noch ziemlich im Eimer. Gut, für ein paar Bilder zwischendrin hatte es doch noch gereicht. Da sieht man ja nur was um einen rum so zu sehen war. Nicht wie es in einem aussah. ;-)
Irgenwo von da drüben kam ich her:


Und weiter ging es da:

Und wenn man durch die kleine Scharte durch war, sah es so aus:

Das war es allerdings dann auch schon an Bildern für diesen Tag. Im Vordergrund stand wohl mehr endlich Niel zu erreichen. Für diese 25km sollten am Ende über 7h auf der Uhr stehen. Schön ist anders. Aber auch das überlebt man. Nach zwei war es geschafft. Auf dem Weg vom letzten Sattel meinte ich die ganze Zeit die Stadt unten im Tal wäre Niel. Aber Fehlanzeige. Der Ort war Gaby. Niel bestand aus vier Häusern und vermutlich sieben Spitzbuben und Schluß. Aber! Eines der Häuser war ein Restaurant! Sehr geil. „Einmal Pasta bitte!“ Dann noch nen Wasser und nen Kaffee und langsam zogen die Lebensgeister wieder ein. Ganz langsam. Erst mal wollte ich absteigen nach Gaby und nach Courmayeur. Dann überlegte ich doch noch weiter auf der TdG-Strecke bis Cressoney. Ich war nicht schlüssig wo ich die Nacht pennen sollte. Wenigstens gab es mal Netz zur Außenwelt. Zwei Stunden „verknallte“ ich dort. Aber dann stand der Plan doch weiter zu laufen. Mit dem Wirt hatte ich noch bekaspert aus welchem Tal ich Freitag wie mit dem Bus retour nach Courmayeur käme. Dann fragte ich noch nach nem Brötchen, füllte die Wasserflasche neu auf und zog Richtung Col Lasoney von dannen. Gut gestärkt ging das doch schon viel besser.
Unterwegs versuchte ich noch das Navi-telefon wieder zu aktivieren und siehe da, es ging wieder! Dadurch sah ich auch, dass der TdG auch hier wieder etwas abkürzte und den Weg direkt hoch in den Sattel nahm und nicht wie die Alta via 1 mit einem kleine Umweg. Von 1600 ging es hoch auf 2400. Die Meter wurden wieder gezählt. Es war schwer. Aber gegenüber dem Vormittag lief es wie geschmiert. Einfach super! Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und es sollte noch besser kommen.
Oben angelangt standen zwei Läufer mit kleinem Gepäck. Einer machte Fotos, der andere wartete. Ich fragte ihn wo es nach Gressoney ginge und wie lange man dafür so brauchen würde. Er sah mich an und meinte etwas um 3-4h.
„Hmm, ich meine Laufen. Ist es gut laufbar?
„Ja, schon. Na, vielleicht 2,5h.“
„Ich komme aus Niel. Bis hier hab ich 1:10h gebraucht.“
Er sah meinen Rucksack an, zog die Augenbrauen hoch, dachte nach und meinte. „Na, vielleicht 2h.“
„OK, dann komem ich vielleicht doch noch bis Alpenzu.“ Ich wird sehen. Es war schließlich schon nach 17Uhr. Alpenzu war noch 17km (!) weg. Normal war das nie zu schaffen. Egal, auf jeden Fall würde ich Gressoney erreichen. Irgendwo müsse ich ja schließlich schlafen.
Also nicht viel Federlesen gemacht, mich von den Jungs verabschiedet und losgelaufen. Und es ging wirklich gut! Die Neigung abwärts war total angenehm laufbar und der Weg war hervorragend, fast wie einspurige Waldautobahn. Jetzt lief es erst super! Stellenweise hatte ich unter 6er pace auf der Uhr stehen. Der Schnitt von oben bis unten lag bei 7:48min/km und das ist eher nicht vergleichbar mit nem Citymarathon auf Asphalt. Das war fast wie Fliegen.
Das Geilste neben diesem herrlichen Gefühl, dass es wieder lief, war aber, dass da plötzlich die zwei von hinten kamen und janz langsam ranliefen. Der eine fragte dann, ob ich für den TdG trainiere. ;-) Jup! Die beiden auch. Mit dem leichten Gepäck waren die zwar schneller als ich. Aber lange konnte ich sie noch sehen. Soo fix waren sie dann doch nicht. ;-)) Das war Balsam für die Seele!
Nach 2:15 hatte ich die Ortschaft Tschossil erreicht. Cressoney war nicht mehr weit, der vierte Sektor des TdG gleich beendet. Geil! Nie hätte ich das am Vormittag für möglich gehalten!
Mittlerweile war es doch nach 18Uhr und bis Alpenzu noch ca. 7km zu laufen. 400Hm hoch waren da auch noch auf dem Weg. Es würde spät werden. Können kann ich das. Jup, das ginge. Aber im nächsten Ort lief ich am ersten Hotel, so einem Bunker vorbei, auch an dem zweiten ging es noch vorbei. Das dritte war klein und niedlich. Da zog es mich dann doch rein. Zimmer frei? Jup! Preis? Paßt. Teurer, als in ner Hütte, aber in Relation zum noch vor mir liegenden Weg völlig in Ordnung. Ich hatte mein Quartier gefunden.
Es gab ne warme Dusche, Klamotten und Schuhe konnten getrocknet werden (Schuhe mit Zeitung ausgestopft) und was anständiges zu futtern. So konnte der Tag zu Ende gehen! Die Regenklamotten waren getestet und für gut befunden. Das Tief vom Vormittag gut weggesteckt und wieder sehr gestärkt hervorgegangen, Futter für den nächsten Morgen war auch wieder im Rucksack, die Klamotten im Rucksack, die doch allesamt leicht klamm waren konnten trockenen und ich hatte mal ein anständiges Bett zum Schlafen.
Im Nachhinein doch sehr, sehr schön!
;-)
Die harten Fakten (besser mit „/“ getrennt):
Gehzeit: 7:15h / 2:26h
Strecke lt. TdG: 20km / 13km; lt. Garmin (nicht bereinigt) 25km / 14km
Anstiege: 1440 hm / 860hm
Abstiege: 2155 hm / 1045hm
Summe: 9:45h; 33km bzw. 39km (Garmin nicht bereinigt); 2300m hoch; 3200m runter

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Und ich jammere

über 45min Wassertemperatur ....

Soso, da rennste also durchs Gebirge nur um andere Läufer zu treffen. Wen auch sonst ;-)

"Stellenweise unter 6er Pace". Das ist mein Renntempo, aber im Flachen und ohne 10kg auf dem Bucke. Alles ist relativ ;-)

Bitte weiterschreiben! Gibt es das auch als Buch???

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Ging doch bergab, Strider. ...

... Da ist das mit dem Rucksack nich ganz so schlimm. Und außerdem hatte ich ja viel Ruhe vorher.
Ein Buch? Das wird mehr so'n Heftchen.
;-)

Das ist doch

ein guter Plan für den Tor: Wenns mal gar nicht mehr läuft gute Portion Pasta, netter Schnack, Stündchen Pause (iss ja Wettkampf, da kann man nicht 2h verknallen) und schon läufts wieder wie geschmiert ;-).

Finde die Aktion des Vor-Ort Trainings incl. Streckenerkundung sehr genial, frage mich nur immer, was jetzt schneller ansteigt, die Vorfreude oder der Respekt vor der Strecke? Für mich ja völlig unvorstellbar, sowas am Stück zu laufen (ok, 80km ini den BErgen waren mir vor 1 Jahr auch noch nicht vorstellbar ;-)...)

Freue mich schon auf den Abschlussblog dieser tollen Reihe :-)! (Y)

granreserva


___________________________
Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten

Dachte auch gerade wie granreserva:

wächst jetzt die Vorfreude auf den Lauf oder der Respekt davor?
Jetzt hast du Schlafpausen, dann das Ganze am Stück. Machbar? Mit Freude?

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Jedenfalls mal wieder

ein toller Bericht mit superschönen Fotos.

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