Kauf doch deine Geschenke über diesen Link und unterstütze damit jogmap.

Topangebot der Woche

Benutzerbild von krazykat

... und schon wieder kein Kindergeburtstag!
Nach meinen ersten Ultraversuchen in diesem Jahr am Rennsteig (73 km) und in Fröttstädt (100 km), wollte ich an diesem nasskalten Augustwochenende nach den Sternen greifen und mal sehen, was jenseits der 100 so mit einem passiert.
Das Fazit vorweg: es war unvorstellbar lang, unfassbar teuer und trotzdem oder auch deswegen unglaublich geil.
Samstag morgen, 6:00 Uhr, ehemaliges BFC-Stadion an der ehemaligen Grenze: Der "Godfather of Berlin-Marathon", Horst Milde höchstselbst gibt das Startsignal und die Spitze zieht davon, als gelte es einen läppischen Halbmarathon zu laufen (der Sieger Mark Perkins hatte am Ende einen extraterrestrischen Schnitt von 4:53!!!). Der Anfang ist zäh: Zickzack durch die Innenstadt (dieses Jahr geht es rechtsrum), Sightseeing für die Auswärtigen und mit zahlreichen roten Ampeln. Überlaufen ist mit sofortiger Disqualifikation bedroht, worüber sich alle lustig machen, aber die meisten halten sich dran. Ab Schlesischer Busch (km 15) kommen die Fahrradbegleiter dazu, die Wege werden schöner und voller. Überraschend kommt eine Freundin mit dem Rad vorbei und begleitet mich ein Stück. Das hilft über die etwas trostlosen Kilometer neben der Autobahn ganz gut hinweg. Aber dann ist sie genug geradelt und ab Rudow (km 31) gehts alleine weiter. Kurz dahinter ist die Stadtgrenze und der Mauerweg bleibt jetzt größtenteils in Brandenburg, wird also auch ländlicher. Jetzt ziehen auch immer mal wieder Staffelläufer vorbei, die eine Stunde später gestartet sind. Kunststück, die müssen ja auch höchstens 90 km weit ;-) Am ersten Wechselpunkt (km 58) in Teltow mache ich auch den ersten schweren Fehler und wechsle auf viel zu harte und direkte Schuhe, mit denen ich mich nun die nächsten 30 km quäle. Als Zugabe finden zwei kurze, aber sehr ergiebige Schauer statt und auch ein paar Energielöcher klaffen bereits auf. Die VP-Besatzungen sind zwar durchweg rührig und zuvorkommend, leider kann das Angebot mit den Thüringer Läufen nicht mithalten und ich kann die Waffel-Keks-Mischung irgendwann nicht mehr sehen (zweiter Fehler: zu wenig Riegel in den Dropbags). Am zweiten Wechselpunkt Schloss Sacrow (km 90), als ich endlich mit neuen Zehensocken in die Hokas schlüpfen konnte und dabei kurz meiner Füße ansichtig wurde, war mir klar, ich muss einen Gang rausnehmen, um noch irgendwie durchzukommen. Bis hierhin lag ich noch im Bereich der 24 h, also im Idealbereich meiner Zwischenzeitenliste (Ideal/Realistisch/Hart am Cut-off, habe ich mir von dietzrun abgeguckt, dessen Bericht vom letzten Jahr mich überhaupt zu dem Ding verleitet hat). Lief sich trotz Anhumpelns gleich viel entspannter. VP 16 (Pagel & Friends) ist mit seiner Partystimmung und dem gemütlichen Ambiente ein Highlight und es gibt endlich mal etwas Essbares. Gekochte Kartoffeln, zum Niederknien. Hätte es sich um eine Religion gehandelt, wäre ich sofort beigetreten. Jetzt wird es dunkel und waldig und durch den Regen auch heftig kalt. Was blöd ist, weil man nicht mehr genügend schnell laufen kann, um sich zu wärmen. An der Falkenseer Chaussee (km 109) steht auf einem Schild: Siegerzeit 13:06 h, wo ich mir ausrechnen kann, dass ich mehr als doppelt so lange unterwegs sein werde, während der Brite die Strecke noch einmal laufen könnte ... gut, vielleicht nicht am selben Tag. In Schönwalde (km 115) ist dann die Luft raus und ich werde trotz Kaffee hundemüde und selbst das Marschieren ist unglaublich anstrengend und vor allem alternativlos. Man kann höchstens stehenbleiben, aber das ist keine Option. Ab und zu versuche ich eine Art Trab, die effektiv langsamer ist und wahrscheinlich urkomisch ausschaut, nur um den Schmerz ein wenig zu variieren. Genauso nehme ich die Blasen (habe ich sonst nie) nur als interessante Variante wahr, weil sich linker und rechter Fuß damit unterscheiden. Am Wechselpunkt Hennigsdorf (km 127) schlafe ich beinahe im Stehen ein und kann mir partout nicht vorstellen, wie ich noch unendliche 34 km, bei dem Tempo ca. weitere sieben Stunden überstehen soll. Zum Glück habe ich im letzten Dropbag noch was Langärmliges, trotzdem ist es beim Weitergehen so kalt, dass meine Zähne klappern. Ab jetzt setze ich mich an jedem weiteren VP für 5 min hin, schlürfe einen heißen Kaffee und so geht es irgendwie weiter. Die Besatzungen werden jetzt auch noch fürsorglicher und versuchen einen zu bemuttern und aufzumuntern, einer teilt sogar sein Schokocroissant mit mir, während die verbliebenen Mitstreiter ein gutes Spiegelbild für das eigene Elend abgeben. Trotzdem versucht man sich mit ein paar freundlichen Worten aufzumuntern: das sind die unvergesslichen Momente, deshalb tut man sich sowas an.
Auf Höhe Lübars kommen einem die ersten Sonntagmorgenjogger entgegen und jeder zweite will wissen, was man da denn treibe und wird blass, wenn man's ihm dann sagt. Überhaupt natürlich die Aufmunterung und der Respekt der Helfer wie der Unbeteiligten, die klatschen oder einem irgendwas Nettes zurufen: da kann für mich kein Stadtmarathon mithalten.
Die zu Recht immer als Legende angesprochene Sigrid Eichner, die sagte, sie will nicht Letzte werden, ist auch immer noch hinter mir (kann also auch ich nicht Letzter sein), am Ende läuft sie sieben Minuten nach mir ins Ziel (so tief kann ich den Hut gar nicht ziehen, wie es hier angebracht wäre). Ab Wollankstraße (km 157) radelt auch die Freundin wieder neben mir her, danke nochmal dafür, und ich mache mich langsam schön fürs Finisherfoto. Ab Ecke Schmelinghalle will ich dann auch wieder wie ein Läufer aussehen, und das geht erstaunlich gut. Noch eine halbe Stadionrunde im lockeren Trab und ich bin da. 28:05 h stehen auf der Uhr, knapp 2 h vor dem Cut-off, 19 Leute schaffen es noch nach mir, 35 DNFs. Meinen Respekt allen, die dabei waren.
Heute, einen Tag danach bin ich immer noch erstaunt und geflasht von all den Bildern und Erlebnissen. Auch wenn es meinetwegen nicht soviel Be-Berlin-Marketing geben müsste (als Berliner findet man das eher peinlich) und auch keine Pasta-Party im Luxushotel, auch wenn die Landschaft nicht mit Thüringen konkurrieren kann und bei der Verpflegung definitiv noch Luft nach oben ist, war es doch insgesamt ein Wahnsinnserlebnis und wenn ich mir's leisten kann, mache ich's bestimmt nochmal.
kk

4.75
Gesamtwertung: 4.8 (8 Wertungen)

Schluck!

Was für eine beeindruckende Leistung! Und was für ein Kampfgeist von dir! Tiefen Respekt!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Herzlichen Glückwunsch. Ich

Herzlichen Glückwunsch. Ich finde auch es sind immer wieder die netten Helfer und Streckenposten, die den Reiz der Ultraläufe aus machen. Was nützen einem 100 oder mehr Zuschauer am Streckenrad die gelangweilt da stehen. Ein einzelner der nur mich meint und mich persönlich anfeuert ist viel mehr wert.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Hi Finisher

Lang, teuer, geil hört sich nicht unbedingt nach einer Laufveranstaltung an, ich würde noch die Worte hart aber (und) herzlich gebrauchen für der 100 Meilen Mauerweglauf.
Schön zu lesen, daß ich Dich zu diesem Lauf verleitet habe.
Und wenn Du daran denkst es nochmal zu machen (und ich bin überzeugt davon) dann mach es nächstes Jahr, denn nur wenn man 2mal hintereinander läuft gibt es die zusätzliche back to back Medaille!
Übrigens, man kann natürlich einen mehr oder weniger Stadtultra nicht mit dem herrlichen Thür.Ultra vergleichen. Mach mal die Verpflegung nicht so mies, bzw was hat Dir gefehlt?
Gute Erholung. Mein Bericht folgt.

Klasse Leistung! 28h auf den Beinen ...

... und zu dem diese Ultra-Historie im Gepäck. Das is schon ne Nummer!
Anscheinend sind solche flachen Läufe doch recht einschläfernd. Ich hatte bei den Berg-Ultras nicht mit Müdigkeit in der ersten Nacht zu kämpfen und die Zweite ging eigentlich auch noch beim UTMB.
Abwechslung für den Kopf kannst du dir da nur selbst organisieren, na und Leckereien ins Dropbag sind ja nächstes Mal auch bei. Dann kann die Rückrunde ja nur was werden. Da hast du dann auch gegen Ende ab und an mal ne rote Ampel für ne Pause.
;-)

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links