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Benutzerbild von yazi

Im Urlaub ist das Timing manchmal gar nicht so einfach, das Frühstück mit Vater, der diese Woche nicht so ganz lange langsame Lauf und die Nachmittagsverabredung mit der alten Freundin müssen unter einen Hut passen. Vorher noch schnell eine 15km-Strecke auf gpsies.com zusammen geklickt und auf die Garmine geladen (ich liebe diese Funktion!), Käppi auf, denn es ist um zehn schon ganz schön warm, und los geht's.

Erstmal Richtung Grafenberg, am Schäferhof vorbei, dann links in einen Feldweg. Etwas weiter vorne stehen sechs Männer im Abstand von etwa 3-4 Metern an einem Feldrand und schauen mir entgegen. Das sieht sehr merkwürdig aus. Erst im Näherkommen erkenne ich, dass alle kleine Kästen vor dem Bauch halten, mit denen sie Modellflugzeuge fernsteuern. Als ich vorbeitrabe sagt gerade einer "Ha Karle, du guggsch doch en de ganz falsch Richdong!" Solche kleinen Konversationsfragmente sind doch immer wieder schön. 

Ich quere eine Straße und laufe auf eine Baumreihe zu. Über mir fliegt ein Bussard, was ich im ersten Moment toll finde - Naturerlebnis und so. Im zweiten Moment fällt mir auf, dass er sehr vorwurfsvoll "ieh-ieh-ieh-iäh" kreischt. Im dritten Moment, dass ich mich im Zentrum der relativ kleinen Kreise befinde, die er da über mir zieht, und im vierten, dass die Biester zu zweit sind, und mich da ganz offensichtlich nicht haben wollen. Irgendwo in den Bäumen vor mir müssen die ein Nest haben. Ich muss da aber vorbei. Ein Stock ist nirgends zu sehen, also pflücke ich einen Wedel mit Blättern dran ab, den ich über dem Kopf schwenken könnte, und trabe ganz langsam, quasi schleichend weiter. Als ich die Baumreihe erreicht habe, gebe ich Gas und renne, so schnell ich kann über eine Obstwiese Richtung Grafenberg - sehr schnell ist das nicht, denn es geht aufwärts, aber die Bussarde bleiben zurück.  

Am Friedhof ist mir schon gut warm. Gut, dass es hier einen Wasserhahn gibt. Der Weg führt durchs Dorf. Die Straßen sind menschenleer, aber aus der Kirche klingt Orgelspiel. Schön ist das, so sonntäglich. Weiter gehts durch Obstwiesen Richtung Tischardt. Die Kirschbäume hängen über und über voll, die heruntergefallenen Kirsche zerplatzen auf dem Weg, ich kann nicht widerstehen und pflücke mir eine Handvoll Kirschen. Lecker! Es ist heiß, ich bin langsam. Das ist in Ordnung, denn es handelt sich ja um einen langsamen Lauf. 

Von Tischardt geht es nach Kohlberg, das seinem Namen vollkommen gerecht wird. Zumindest dem zweiten Teil, ob hier auch Kohl wächst, kann ich nicht feststellen. Vermutlich schon. Es ist sehr heiß, ich gehe. Ist schließlich Regenerationswoche. So regeneriere ich wenigstens das Fahrgestell, der Puls ist sonstewo. Aber die Aussicht über das Albvorland ist sehr schön. Kurz vor dem Ort führt der Weg rechts in den Wald. Schatten! Es geht bergab, was eher so mittel ist, denn ich weiß jetzt schon, dass ich wieder hoch muss. Nachdem ich die Straße nach Grafenberg gequert habe, wird der Schotterweg zum Wiesenweg, dann zur Traktorspur, und kurz vor einem kleinen Bachlauf hört er auf. Die Wurmnavigation auf dem Display der Garmine zeigt aber zuversichtlich in diese Richtung. Bei genauerer Betrachtung führt jenseits des Bächles ein fast unsichtbarer Pfad weiter. Die schwäbischen Kontributoren von Open Street Map haben anscheinend Humor. Erst parallel zum Wasser, dann geht es bergan, irgendwann ist der Wald zu Ende und ich komme wieder auf einer Obstwiese heraus. Oberhalb treffe ich wieder auf einen Weg. Eine Gruppe Wanderer mit Stöcken kommt mir entgegen, und ich antworte auf ein vielstimmiges "Grüß' Gott". 

Der nächste Wald ist schon der um den Florian. Da ich ein entspanntes Verhältnis zum Schweinehund habe, beschließe ich kurzfristig, den Gipfel auszulassen und einfach nur drumrum zu laufen. Kurze Zeit später fiept Garmine - Kurs verloren. Komisch. Ich laufe zurück und wähle einen anderen Weg. Kurz scheint Garmine zufrieden, dann wieder - Kurs verloren. Hier gibts aber keinen anderen Weg! Fahren hoch über mir die Satelliten Karussell? Egal, ich laufe parallel zum Navigationswurm, so ungefähr weiß ich, wohin ich will. Aus dem Wald schallt vielstimmiges Gebell, fünf kleine Hunde überschlagen sich fast auf dem Weg zu mir, Frauchen wackelt hinterher und ruft den klassischen Satz "Die tun nix!" Eines der Bellknäuel springt an mir hoch. Todesmutig tätschle ich ihm den Kopf und sage, "Na, Kleiner, du frisst doch bestimmt keine Läuferinnen?" Er schleckt meine Hand, was ich als freundliche Begrüßung interpretiere. Frauchen sagt "Nein, bestimmt nicht", und ich renne weiter - die ganze Meute bellend hinterher. Sie sind aber wirklich sehr klein und können nur wenige Meter mit mir Schritt halten. 

Der Wald hört wieder auf, es geht noch einmal bergan. Gehpause, das müsste aber die letzte sein, denn ich bin wieder an der Stelle, wo es zu den Modellfliegern ging. Noch ein Hügel, am Schäferhof vorbei, unter der Bahnlinie durch und den Mühlberg hoch, denn die Eltern wohnen an der quasi höchsten Stelle des Dorfes. Ich werde schon erwartet, denn das ganze Unterfangen hat viel länger gedauert als angekündigt. Das macht aber nichts, ich bin ja im Urlaub.

4.666665
Gesamtwertung: 4.7 (3 Wertungen)

Schön, diese GPSies-Funktion

Klär mich doch mal bitte auf wie ich das mache. Könnte ich auch gebrauchen. Meine Uhr mag die irgendwie nicht laden (910).

Immer wieder schön durch neue - oder bekannte - Gegenden zu laufen. Wobei die Bussarde mir gar nicht gefallen hätten.

Hab nur die 305er

Damit geht es ganz leicht: Strecke zusammen klickern, speichern, an Gerät senden. Dann als Format "Garmin course TCX" auswählen. Ach ja, das Plugin muss installiert sein, aber wenn es das nicht ist, sagt die Machine schon Bescheid. Gerät anschließen, suchen lassen, senden, fertig. Kurs abspielen. Falls das für die 910 anders ist, soll doch mal jemand beschreiben, wie es damit geht.

Viele Grüße
yazi

Oh ja, ich mag sie auch ...

... diese Streckensuche bei GPSies. Und ja, es ist immer wieder spannend in unbekanntem Terrain damit zu laufen. Da kann auch schon mal ein Bach etwas breiter sein oder der Weg vollkommen zugewachsen. Einmal hab ich in Frankreich umgedreht, weil ich an dem Tag keine Lust auf patschnasse Füße hatte.
Und ich mag sie, deine kleinen entspannten Berichte. Im vergangenen Jahr bist du auch da gelaufen. Aber das Erlebte ist doch immer wieder was anderes. Das macht es ja auch so schön - so einmalig.
;-)

Kann

ich gut nachempfinden. Alles auf Garmine geladen, die nach der halben Strecke im nirgendwo meint, der Akku sei jetzt leer. Und ich stand irgendwo auf einem Weg in den Alpen, herrlich.

GT

P.S. Ich hab den Weg zurück aber auch ohne GPS gefunden.

"laufend laufen, laufen wir laufend!"

Willkommen im Club der "Traufgänger"! :-)

Du "kommsch wohl von dr Alb ra", weil deine Eltern dort leben?
Falls nicht, bzw. falls du das noch nicht kennst, empfehle ich dir noch die Burg Hohenneuffen oder die Uracher Wasserfälle! Auch sehr schön: die Burg Hohenzollern bei Hechingen. Auch erreichbar auf bestem Qualitätsasphalt! ;-))

Wohin geht nun die Reise? Solltest du in diesen Tagen auch nach Tübingen kommen, meld' dich einfach. Ich würde mich sehr freuen!

:-)

Nicht ganz "von dr Alb ra"

Die Eltern wohnen unterhalb der Kante in Riederich (muss man nicht kennen). Am Uracher Wasserfall waren wir gestern noch spazieren, weil Titouli nicht laufen kann.. Dieses Mal reicht es nicht nach Tübingen, denn morgen geht es weiter Richtung Süden - aber vielleicht nächstes Mal?

Viele Grüße
yazi

Hach wie schöööööööööööööööööön!!!

Bis eben war der Schweinehund stärker, aber Dank deines wie immer sowas von kurzweiligen Blogs, schnüre ich jetzt die Laufschuhe :-)

Lieben Gruß
Tame

Alles zusammen

ergibt deinen ganz individuellen Reisebericht. schön!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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